EU-Parlament: Das Aus für Roaming-Gebühren in der EU

Verbraucher können voraussichtlich ab dem 15. Juni 2017 dann ohne die zusätzlich anfallenden Gebühren EU-weit mit dem Handy telefonieren, durchs Internet surfen und Kurznachrichten versenden.

© myshkovsky/Getty Images

Es ist einer dieser raren Tage, an denen man denkt: Hey, das EU-Parlament beschließt auch mal durchaus Sinnvolles für die Menschen, die in der EU leben und in andere EU-Länder reisen.

Verbraucher können voraussichtlich ab dem 15. Juni 2017 dann ohne die zusätzlich anfallenden Gebühren EU-weit mit dem Handy telefonieren, durchs Internet surfen und Kurznachrichten versenden.

Wer von uns erinnert sich nicht an eine plötzlich völlig ausufernde Handyrechnung, nur, weil man bei einem verlängerten Wochenendtrip nach Italien vergessen hatte, den automatischen Datenabruf zu deaktivieren und dann wieder zurück in heimischen Gefilden aus allen Wolken gefallen ist, wenn man mit Kosten zwischen 500 und 600 Euro konfrontiert wurde?

Dann gab es auch mal besonders krasse Abrechnungsfehler, wie den von Sascha K., der nur mal Urlaub in den Niederlanden machen wollte und nach seiner Rückkehr eine Rechnung in Höhe von EUR 28.510,46 präsentiert bekam. Etwas anders, aber ähnlich hoch die Kosten in diesem Fall.

Und nun also: Aus. Vorbei. So hat es das EU-Parlament beschlossen.

Nach 60 Jahren - ideenlos, kraftlos, saftlos
60 Jahre "Europa" - Verliebt ... In die zweijährige Kaffeemaschinen-Gewährleistung
Vorbei auch das leicht entsetzte Augenaufreissen, das genervte Hochziehen der Augenbraue, der vor Erstaunen offen stehende Mund beim Durchlesen der SMS des spanischen Mobilfunkanbieters mit den beinhaltenden Minutenpreisen für das Telefonieren und der Austausch per SMS mit den Lieben daheim – während man sich gerade noch eine Woche geschäftlich im leider verregneten Barcelona aufhielt und einen die 50 täglich eingehenden SMS des Partners und der Kinder daheim die Schweißperlen auf die Stirn – und am Monatsende die Euros auf die Rechnung getrieben haben.

Heute nun verabschiedete das EU-Parlament in Straßburg nach einem etwa zehn Jahre andauernden Prozeß, der bereits zur schrittweisen Reduzierung der Roaming-Kosten führte (zuletzt auf 5 Cent/Anrufminute und MB-Datenvolumen), eine Verordnung, die Obergrenzen fixiert für europäische Mobilfunkunternehmen bei gegenseitigen Abrechnungen.

Für das Internet-Surfen im EU-Ausland wird es voraussichtlich eine Volumen-Obergrenze geben, wobei hier noch nicht klar ist, über wieviele Mega-/Gigabyte der Kunde dann tatsächlich gebührenfrei ohne Roaming-Gebühren verfügen kann. Das kann dann doch noch von Anbieter zu Anbieter variieren. Also bitte noch nicht ab dem 15. Juni alle Staffeln von Star Trek in der Bahn von Mailand nach Brindisi durchschauen.

Ach – und eine „Missbrauchsklausel“ gibt es auch noch: Nun bitte nicht nach Österreich oder Italien fahren etc. und dort mit einem günstigeren Vertrag beim hiesigen Mobilfunkanbieter anzumelden versuchen, wenn Ihre Adresse in Deutschland ist.

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Kommentare ( 11 )

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Auch jetzt schon ist das Telefonieren im europäischen Ausland billiger als von daheim ins Ausland zu telefonieren, bei Nicht-Flatrate-Tarifen auch biliger als ein Inlandsgespräch. Die EU regelt nämlich nur die Preise im Roaming, nicht im Heimatmarkt. Mein aktueller Tarif (hier in Portugal) bietet mir seit ein paar Monaten schon Telefonieren und Daten im Roaming ohne Roaminggebühren, aber mit begrenzten MB pro Monat und das ganze auf 15 Tage pro Jahr im Ausland begrenzt. Mit der Missbrauchsklausel der neuen Regelung ab 15.Juli wird das sicher nicht viel besser werden. Ohne diese Limitierung wäre es für alle am besten, sich ein ausländisches… Mehr

„Mißbrauchsklausel“ gegen „freien Waren- und Dienstleistungsverkehr“ – Na? Was gemerkt? DAS ist EU!

Da können jetzt Urlauber und Refugees aufatmen. Die Zeche zahlen dann halt die deutschen Festnetzinhaber irgendwie. Da weiß man auch, dass man die richtigen abzocken kann.

Kosten für die Nutzung von Mobilfunknetzen und Infrastruktur dürften unabhängig davon sein, wo der Anbieter von Mobilfunkverträgen seinen Sitz hat. Damit würden diese bei jedem Anbieter gleich anfallen. Lohnstruktur und Stromkosten sind dann inner-EU Konkurrenz, wie das auch bei Lohnfertigung praktiziert wird.

Ist doch schön – wie die EU-Bürger sich kaufen lassen.
Abschaffung der Roaming-Gebühren gegen das diktatorische EU-Monster und – noch besser – die stille Enteignung über den Euro (freilich nur die Länder der Eurozone betreffend) und die Zerstörung der privaten Altersversorgung.

Früher nannte man das „sich gewaltig ins eigene Knie schießen“.

Die kann mich mal, diese Rechtsverbieger- und Islamisierer-EU der Corporates, Abzocker und Steuerbetrüger-Paradiese. Wohin soll ich denn demnächst noch reisen und entspannt (wegen der Roaaaming-Gebühren!) Urlaub machen, wenn sowieso quer durch alles arabisch-afrikanisch analphabetisch faustrechts-beglückt ist? Ich hab ja noch eine echte Sprache der Hochkultur gelernt, Latein nämlich, Schlüssel zu so unendlich viel Wissen, und da heißt es: timeo danaes sed donae ferentes, kurz: behaltet eure trojanischen vordergründigen Geschenke, während ihr sowieso hintenrum versucht, mir das letzte Hemd wegzunehmen! Meine Regierung nimmt mir alles weg, für islamische Strauchdiebe, die hier die Kulturrasse der Deutschen verdrängen soll, nach 1500 Jahren. Die… Mehr

Urlaubstip: Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn. 😉

Ich denke oft an Piroschka…

Missbrauchsklausel… 🙂 Selten so gelacht. In einer Marktwirtschaft würde man das freien Wettbewerb nennen… Kann man Mal drüber nachdenken.

Leider scheinen die Anbieter Roaming nicht anbieten zu müssen. Einige werden es wohl abschalten. Sicher wird der Markt es wieder richten. Lieber wäre mir aber gewesen, wenn die EU ein einheitliches Gebiet geworden wäre. Warum soll ein Handyvertrag in Rumänien nicht für Spanier möglich sein? Das wäre ein wirklicher Binnenmarkt.

Nahezu zeitgleich lese ich der „Welt“, dass möglicherweise bald ein Verkaufsverbot für funkende Geräte in der EU drohen könnte, weil man eine fristgemäße Einigung auf gemeinsame Standards nicht gebacken bekommt.

Das bringt mich zu dem Vorschlag, dass die Gremien doch dazu verpflichtet werden sollten, jährlich einen Antrag auf Verlängerung der Lebensdauer der EU-Verträge zu stellen. …