Forderung: Namen bezahlter Journalisten sollen auf den Tisch

Die AfD-Fraktion im Bundestag hat eine neuerliche Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Wieder geht es um Aufträge der Bundesministerien an Journalisten. Die Fraktion fordert eine Offenlegung aller Identitäten. Sie stützt sich dabei auch auf TE-Recherchen.

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Die AfD beharrt neuerlich darauf, dass die Bundesregierung die Namen der Journalisten offenlegt, die Aufträge vonseiten der Bundesministerien erhalten haben. Die Bundestagsfraktion wirft der Bundesregierung vor, ihre Entscheidung, die Namen zu anonymisieren, nicht genügend zu begründen. „Der einzige Grund, den sie gegen eine Offenlegung der Namen zu nennen weiß, ist ein möglicher Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung“, zitiert die Fraktion in einer neuen Anfrage.

Journalisten auf Staatslohn
Der BND bezahlte Journalisten – doch die Offenlegung ihrer Gehälter ist „staatswohlgefährdend“
Das Argument wollen die Abgeordneten aber nicht gelten lassen. Denn noch im Juli 2020 habe die Bundesregierung die Klarnamen von Journalisten in einer Anfrage genannt. Die Bundesregierung missachte den parlamentarischen Informationsanspruch. Die Fraktion verwies überdies das große öffentliche Erkenntnisinteresse, unter anderem mit Verweis auf bisherige Abbildungen in den Medien.

Die AfD stützt sich in ihrer Anfrage auch namentlich auf TE-Recherchen, etwa, wenn sie auf die mögliche Unvollständigkeit der Aufzählung verweist. So zählte die Bundesregierung keine „Organisations- oder Kooperationsformen, die von Bundesministerien oder Bundesbehörden ins Leben gerufen wurden und in deren ‚Auftrag‘ agieren“, wie etwa im Fall des Zentrums für KlimaAnpassung, das unerwähnt geblieben war, obwohl es finanziell vom Bundesumweltministerium abhängig sei. Das Zentrum hatte bei einer Veranstaltung eine Journalistin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit einer Moderation beauftragt, die Kosten waren jedoch nicht in der Liste aufgetaucht. TE hatte darüber als erstes berichtet.

Explizit nannte die AfD auch die Verweigerung jedweder Information bei Bezahlungen von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst. Aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seien ebenfalls keine Bezahlungen gemeldet worden. Neben dieser Anfrage bezüglich der Offenlegung sämtlicher Gehälter und Journalistenidentitäten stellte die AfD zudem eine zweite Anfrage zu den Bezahlungen von Journalisten in den Jahren 2013 bis 2017. Damit würde auch der kritische Zeitraum der Migrationskrise abgedeckt.

Die Uhr tickt
Journalisten auf der Staatslohnliste: Der ÖRR schweigt
Anfang März hatte eine erste Anfrage der Fraktion zum Themenkomplex zutage gefördert, dass in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 1,5 Millionen Euro an Journalisten geflossen waren. In den meisten Fällen hatten Bundesministerien Aufträge zu Moderationen erteilt. Von Anfang an hatte es Zweifel an der Vollständigkeit der Gehälter gegeben. Später musste die Budnesregierung zugeben, dass die Zahlen unvollständig waren und korrigierte die Gesamtsumme auf rund 2,3 Millionen Euro nach oben.

Die Anonymisierung der Journalisten führte ebenfalls zu Spekulationen. In einigen Fällen konnten die Identitäten aufgedeckt werden, so etwa bei der langjährigen ARD-Moderatorin Linda Zervakis und dem ZDF-Moderator Johannes B. Kerner. Kürzlich berichtete der Pleiteticker darüber, dass Eckart von Hirschhausen in der Corona-Zeit ebenfalls vergütet wurde. Insbesondere der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in die Affäre verwickelt. Ein Problembewusstsein liegt bei den Journalisten, die eigentlich zur Staatsferne verpflichtet sind, offenbar nicht vor.

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Kommentare ( 28 )

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Peter Pascht
1 Jahr her

„Die Hand die einen füttert beißt man nicht“

Dellson
1 Jahr her

Wie war das noch einmal in der Schule, bei Sozialkunde, Geschichte zum Thema politische Bildung, Wesen und Grundzüge totalitärer Diktaturen? Als erstes werden die Rundfunk und Zeitungswesen gleichgeschaltet zur Indoktrinierung der eigenen Propaganda, dann werden alle Institutionen mit linientreuen Parteigängern besetzt. Und am Schluss werden alle gesellschaftlichen Widerstände in der Gesellschaft durch Verbote, Verächtlichmachung und wirtschaftlicher Vernichtung bekämpft bis in die konstruierte, strafrechtlich relevante Illegalität oder in das angestrebte Exil. Wenn auf Demos gegen die Politik der Regierung, das Zitieren von Grundrechten aus dem Grundgesetz unterbunden wird, Wasserwerfer gegen friedliche Bürger, Senioren und Kinder eingesetzt wird bis hin zu Demoverboten… Mehr

mediainfo
1 Jahr her

„Der einzige Grund, den sie gegen eine Offenlegung der Namen zu nennen weiß, ist ein möglicher Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung“, zitiert die Fraktion in einer neuen Anfrage. „Datenschutz“ und seit einigen Jahren „Corona“ sind meinem Eindruck nach häufig Etiketten, die von Behörden und Unternehmen dazu genutzt werden, um gegenüber Bürgern bestimmte Auskünfte und Leistungen verweigern zu können. Manche Stadtverwaltung z.B. hat die letzten Jahre dazu genutzt, eine wirksame Barriere gegenüber unerwünschten Kontaktversuchen von Bürgern aufzubauen, die Arbeit nach sich ziehen könnten. Zu erreichen sind nur noch Mitarbeiter in einem „Service-Center“, die die städtischen Bediensteten abschirmen. Sollte ich jemals in die… Mehr

luxlimbus
1 Jahr her

Mich würde ja brennend interessieren, ob nicht nur Journalisten, sondern auch anderweitige Personen aus dem Kreis der „regierungstreuen Funktionseliten“, wie zum Beispiel ein Herr Drosten, „alimentiert“ wurden?!

Dieter
1 Jahr her
Antworten an  luxlimbus

man betrachte die Verbindungen des Familienministerium als Finanzier z.B. der Antonio Amadeo „Stiftung“ und wofür die Gelder im Nachgang dann weitergereicht werden.
Im privatwirtschaftlichen Bereich würde man das auf Geldwäsche hinterfragen.
Im UvL Bereich heißt das dann „Beratervertrag“..

Last edited 1 Jahr her by Dieter
Carrera73
1 Jahr her

Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing …

AlNamrood
1 Jahr her

Aufmerksame Leser können sich denken wer Apparatchik ist und wer nicht. Die Offenlegung wird mit Zähnen und Klauen bekämpft werden.

Albert Pflueger
1 Jahr her

Es ist gut, daß wir die AfD haben. Sie ist ein Stachel im Fleisch der Einheitsparteien Neuen Typs. Der einzige.

Tarakles
1 Jahr her

Darum ist und bleibt der ÖRR ein Regierungs- bzw. Staatsfunk, wie in anderen autoritären Ländern auch. Da können die abstreiten, was sie wollen. Wer auf der Lohnliste der Regierung steht, kann nicht neutral und unabhängig sein. Punkt. PS: Und ja, alle Namen müssen auf den Tisch. Wir wollen wissen, wer käuflich ist und wer mitmacht.

Last edited 1 Jahr her by Tarakles
Klaus Kabel
1 Jahr her

Etliche Bekannte, die sich bisher nicht vorstellen konnten AfD zu wählen, fragen sich, inwiefern die AfD eine schlechtere und vor allen Dingen undemokratischere Politik betreiben sollte, als die gegenwärtige Ampel. Deutschland braucht den Stachel im Fleisch der Blockparteien. Und ich hoffe dass sich auch viele der bisherigen Nichtwähler gegen den neuen deutschen Faschismus positionieren. Interessant zu erfahren ist, dass viele türkischstämmige Bürger mit den Faschisten hart ins Gericht gehen und eher die AfD (!) wählen anstatt den Block.

Last edited 1 Jahr her by Klaus Kabel
gmccar
1 Jahr her
Antworten an  Klaus Kabel

Auch meine Erfahrung. Diese Menschen, schon seit den 60ern in D. , mit Haus und Familie haben ein ganz anderes Politikverständnis als die sedierten Deutschen. Mit denen macht es noch Spaß politisch zu diskutieren.

alter weisser Mann
1 Jahr her

Na, da werden die „Demokraten“ mal wieder unisono pikiert schauen und abwiegeln.