Heute vor zehn Jahren wurde Maria Ladenburger in Freiburg vergewaltigt und ermordet. Ihr Mörder war bereits in Griechenland verurteilt worden, kam dennoch ungehindert nach Deutschland und gab sich als Minderjähriger aus. Der Fall steht bis heute für das tödliche Versagen eines Staates, der alle Warnzeichen ignorierte - und dies bis heute tut.
Bewusstlos, der Körper zu drei Vierteln in der kleinen, knietiefen Dreisam, der Kopf untergetaucht, die Beine auseinandergerissen, vergewaltigt. Unbekleidet. Überall Spuren brutaler Gewalt am Körper der 19-Jährigen jungen Frau. Bilder, die sogar hartgesottene Polizisten erschüttern.
Heute vor genau 10 Jahren wurde Maria Ladenburger bestialisch umgebracht, eine der ersten Bluttaten aus dem migrantischen Milieu, die bundesweites Aufsehen erregten. Die wühlte auch das beschauliche Freiburg im Breisgau auf. TE berichtete seinerzeit.
Hussein Khavari ist ein afghanischer »Flüchtling«, der seit 2015 in Freiburg lebt. Vielleicht ist er auch nicht aus Afghanistan, so genau weiß das niemand, ebenso wenig wie sein Alter bekannt ist. Papiere hat er nicht. Er gibt sein Alter mit 16 Jahren an, als er in Freiburg ankommt. Auf mindestens 22 Jahre schätzen ihn Fachleute.
Er trifft jedenfalls in der Nacht zum Sonntag, 16. Oktober 2016, auf die Studentin, reißt sie vom Fahrrad, sie fällt herunter. Sie schreit. Er hält ihr den Mund zu. Er würgt sie mit einem Schal bis zur Bewusstlosigkeit. Er vergewaltigt sie brutal, wirft sie wie ein Stück Abfall in den Bach. Sie liegt mit dem Kopf im Wasser und ertrinkt, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben, wie der Oberstaatsanwalt sagt. Im Prozess später fällt die Aussage: Der Täter habe vergewaltigt und getötet »wie ein Tier«. Detaillierteres will man eigentlich nicht wissen.
Nur durch einen Zufall kommen die Ermittler nach siebenwöchigen intensiven Ermittlungen und gezielter Suche dem Täter auf die Spur. Sie durchsuchen die Gegend auch nach den kleinsten Hinweisen, lassen einen dornigen Busch komplett absägen und ins Labor bringen. An dessen Zweigen finden sie ebenfalls Spuren der Gewalttat und ein Haar mit der DNA des Täters. Zusammen mit Bildern von Videoüberwachungskameras kommen die Ermittler dem Verbrecher auf die Spur. Die Sonderkommission hatte vorher mit einem Suchhund einen Hörsaal durchkämmt – ohne Ergebnis. Die Personalien von rund 100 Studenten im Hörsaal wurden aufgenommen, fast alle gaben sogar DNA-Proben von sich ab. Geprüft wurde auch, ob der Mord mit einem anderen Mordfall im nahen Endingen zusammenhängt, bei dem genau drei Wochen nach der Gewalttat an der Dreisam eine 27-jährige Joggerin vergewaltigt und ermordet wurde.
Von Hussein Khavari wird bekannt, dass er im Mai 2013 auf der griechischen Insel Korfu eine 20-jährige Studentin überfallen und eine Steilküste hinabgeworfen hat. Die Studentin überlebt schwer verletzt wie durch ein Wunder. Er wurde in Griechenland im Februar 2014 zu einer zehnjährigen Strafe verurteilt, aber bereits im Oktober 2015 gegen Auflagen schon wieder entlassen. Der verurteilte Straftäter hätte eigentlich überhaupt nicht nach Deutschland kommen dürfen, taucht aber unter und schlägt sich im Chaos der Flüchtlingsströme und offenen Grenzen nach Deutschland durch. Pantelis Chaidos, der Vater des griechischen Opfers, wird zitiert: »Ich kann nicht glauben, dass sie ihn freigelassen haben, damit er tötet. In was für einem Staat leben wir?«
Als Hussein Khavari irgendwie in Freiburg ankommt, verlassen sich alle darauf, dass er minderjährig ist und damit hilfsbedürftig. Die Sozialindustrie kann sich auf ihn stürzen.
Der Fall erregt weltweite Aufmerksamkeit. Die meisten Zeitungen berichten, ebenso wie ausländische Medien. Kai Gniffke – heute Intendant des SWR – stufte damals aus der Tagesschau-Chefetage dagegen den Mordfall als von lediglich »regionaler Bedeutung« ein. Die Tagesschau berichte »sehr selten über einzelne Kriminalfälle«, meinte er noch. Die Tagesschau jedenfalls greift zu dem Begriff »Unschuldsvermutung« und betont den »besonderen Schutz« des heranwachsenden Mörders. Dass der Mensch mindestens fünf Jahre älter als angegeben sein muss, interessiert die „Faktenfinder“ der Tagesschau nicht.
Die öffentlichen Bekundungen des Politpersonals seinerzeit machten sprachlos.
Die damalige stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner versuchte abzuschwächen: »Solche Grausamkeiten werden leider von In- wie Ausländern begangen, das ist leider kein neues Phänomen.« Der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière ließ mitteilen, Hussein K. sei vollständig erkennungsdienstlich behandelt worden. Dabei habe sich kein Hinweis auf eine Straftat ergeben.
Der Tatverdächtige im Freiburger Mordfall Maria L. hatte bei seiner Einreise nach Deutschland im November 2015 angegeben, 15 Jahre alt zu sein. Den Angaben des Asylbewerbers habe man vertrauen müssen, »insbesondere wenn keine Personaldokumente mitgeführt und dementsprechend auch nicht vorgelegt wurden.« Ulrike Schwarz, damals Vertreterin der Helferindustrie vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: »Der Fall in Freiburg ist eine Katastrophe und unentschuldbar – aber er hat mit Flüchtlingen nichts zu tun, sondern mit sexualisierter Gewalt, die bekämpft werden muss.«
Christian Streich, zur Mordzeit der für seine Tobsuchtsanfälle bekannte Trainer des Bundesligaclubs SC Freiburg, nannte den Sexualmörder »Bub«, verglich auf einer Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Darmstadt 98 die Flüchtlinge mit den verfolgten Juden im Dritten Reich. Maria Ladenburger wurde nahe an der Nordkurve des Fußballstadions, das damals neben der Dreisam lag, ermordet.
Die Bilder von ihr zeigen eine lebenslustige junge Frau. Sie studiert Medizin, arbeitet nebenbei in der Flüchtlingshilfe Freiburg. Sie ist behütet aufgewachsen, war sich keiner Gefahr bewusst, ging allein und regelmäßig in ein Haus, in dem »Flüchtlinge« meist aus Afghanistan wohnten. Sie bezahlt Merkels Maßgabe »einfach mal auf Flüchtlinge zugehen« mit ihrem Leben.
Maria Ladenburger bekommt kein großes Begräbnis, nur eine kleine Trauerfeier in Brüssel, dort, wo sie aufgewachsen ist. Der Vater sitzt im Brüsseler Apparat. Dr. Clemens Ladenburger ist heute stellvertretender Generaldirektor im Juristischen Dienst der EU-Kommission.
Es gibt lediglich eine karge Todesanzeige der Eltern: »Maria war 19 Jahre lang ein einziger großer Sonnenschein für unsere Familie, und das wird sie bleiben. Wir danken Gott für dieses Geschenk, das Er uns mit ihr gemacht hat. Wir sind gewiss, dass sie es bei Ihm gut hat.« Die Eltern, deren Tochter grausam ermordet wurde, rufen noch in der Anzeige auf, anstelle von Blumen Geld für die katholische Kirche in Bangladesch zu spenden oder für den Flüchtlingshelferverein Weitblick Freiburg e. V. (Stichwort »Maria«). Dort hatte sich Maria engagiert und ein Bildungsprojekt in Ghana unterstützt.
Eigentlich hatten sie sich für einen anderen Flüchtling entschieden. Aber weil Hussein so einen traurigen Eindruck gemacht habe und man nach einer schnellen Lösung für ihn suchte, bot man ihm die Unterkunft in ihrem Haus an. Hussein lebte in einer 70-Quadratmeter-Wohnung, für die er einen eigenen Schlüssel bekam. Die Wäsche habe sie übernommen, »sauber hat er selber gemacht«, so seinerzeit die Pflegemutter. »Ich musste ihn einlernen, aber er wurde sehr schnell selbstständig.« Morgens sei sie immer zur Wohnung gegangen, um zu kontrollieren, ob er zur Schule gegangen sei. Manchmal musste sie ihn wecken. Sie achtete auch darauf, dass er die Wohnung sauber halte.
Wenn er nachmittags heimkam, sei er oft müde gewesen. Gemeinsam gegessen hätten sie nicht. Ein-, zweimal habe sie ihn zum Essen eingeladen, doch sie habe schnell gemerkt, dass er kein Interesse an Gesellschaft habe.
Hussein beschreibt sie als »gestylt«, er sei oft zum Friseur gegangen und habe sich Klamotten gekauft. Er habe bei ihnen gelegentlich im Garten gearbeitet und etwas dazuverdient, so die Pflegemutter. Von Geldproblemen habe sie nichts mitbekommen. Immerhin 400 Euro habe Hussein im Monat erhalten für Essen, Kleidung und Sonstiges. Als sie gemerkt habe, dass er mit dem Geld nicht klarkomme, habe sie in Tranchen gezahlt. »Er konnte nicht richtig einteilen«, sagte die Pflegemutter.
Beide bemerkten nicht, dass sie einen Verbrecher in ihr Haus aufnahmen. Sie erkannten nicht, dass er beim Alter kräftig log. »Ich habe vermutet, dass es nicht stimmt, aber weiter nachgehakt habe ich nicht«, sagte sie im Prozess. Über das Alter habe sie sich nie mit Hussein unterhalten. »Da ich mit vielen Flüchtlingen zusammengearbeitet habe, weiß ich, das Alter ist nie richtig!« Einmal hatte sie ihm einen Geburtstagskuchen gebacken, worauf er gesagt habe, das sei nicht sein richtiger Geburtstag. Mehr sei darüber nicht gesprochen worden.
Eine Studentin, die im Rahmen eines Praxissemesters an einer Schule den Angeklagten kennengelernt hat, beschreibt Hussein als »Gentleman«, er sei sehr zuvorkommend gewesen. Wenn Schüler störten, ermahnte er sie, zuzuhören. »Er war nicht so abweisend wie manch andere«, sagt die Zeugin. Sie war zuversichtlich, dass er es in Deutschland schaffen würde. »Ich dachte, der möchte was erreichen.«
In der Klasse sei auch über die Rolle der Frau diskutiert worden und die Frage, ob Frauen Sport treiben dürften. Viele arabische Schüler waren dagegen, weil Frauen Schleier tragen sollten. Hussein sei toleranter als die meisten anderen gewesen.
Die Pflegeeltern merkten vom Mord nichts. Nach der grausamen Tat habe er in der Schule zwar öfter gefehlt. Einen Tag, nachdem er Maria Ladenburger umgebracht hatte, sang der Mörder sogar ein Lied vor. Immer wieder erzählt Hussein Khavari vor Gericht von ausschweifenden Alkohol- und Drogenexzessen mit anderen Flüchtlingen in Freiburg. Auch die Tatnacht soll der Moslem in einem einzigen Rausch verbracht haben. BILD befragte damals Kumpel: »Hussein war nie zu Hause. Er war lieber unterwegs, hat mit uns getrunken – am liebsten Wodka. Manchmal gab es auch einen Joint. Wir haben viel gelacht und Frauen angemacht.« Doch Hussein K. sei dann oft aus der Rolle gefallen: »Wir alle gucken schönen Frauen hinterher, sprechen sie an. Aber Hussein hat so Geräusche gemacht wie ein Tier. Er hat die Frauen richtig belagert und seine Show abgezogen.«
Es veränderte sich vor allem nach dem brutalen Mord viel in Freiburg. »Die Unbekümmertheit ist weg!«, stellte der Polizeipräsident fest; der damalige grüne Oberbürgermeister Dieter Salomon: »Die Verunsicherung reicht bis tief ins linksliberale Bürgertum hinein.«
Sogar die Badische Zeitung fragte: »Dem gebürtigen Afghanen, der als sogenannter unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling nach Deutschland kam, wird der Prozess gemacht. Verhandelt wird dabei zwar ausschließlich eine verabscheuungswürdige Tat, aber zugleich vergeht kein Gerichtstag, ohne dass die Prozessbeteiligten, aber auch Beobachter und Öffentlichkeit nicht an die besonderen Begleitumstände des Falles erinnert würden: Hussein K. steht auch für die Frage, ob diese Republik beim Umgang mit Asylsuchenden in der Vergangenheit alles richtig gemacht hat – oder ob womöglich krasse Fehler und Versäumnisse ein Verbrechen wie das an Maria L. zumindest erleichtert haben könnten.«
»Abends in Freiburg unterwegs – nur noch mit deutschem Schäferhund«, schrieb jemand auf Facebook. Freiburg versuchte, alles wieder als normal darzustellen. Schreckliches sei zwar passiert – doch jetzt ist mehr Polizei in der Stadt. Auch ein Frauennachttaxi fährt. Doch seit der Tat meiden viele den Weg bei Dunkelheit. Zwar ist die Zahl der Straftaten in Freiburg zuletzt um sechs Prozent gesunken. Doch die Stadt an der beschaulichen Dreisam bleibt ein Kriminalitätsschwerpunkt: Nach Jahren an der Landesspitze liegt Freiburg noch immer auf Platz zwei in Baden-Württemberg.
»Während Angehörige trauern und Opfer unsägliches Leid erfahren, schweigen die Vertreter der ›Willkommenskultur‹«, stellte schon damals Rainer Wendt fest, seinerzeit Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. »Kein Wort des Mitgefühls, nirgends Selbstzweifel, nur arrogantes Beharren auf der eigenen edlen Gesinnung. Die grausame Seite dieser Politik wird abgewälzt auf die Opfer und auf eine seit Jahren kaputtgesparte Polizei und Justiz. Und so wachsen die Gefahren für unser Land beständig.«
Deutsche Behörden kümmerte es nicht, dass mit Hussein Khavari ein in Griechenland verurteilter Verbrecher eingereist war. Datenabgleich – Fehlanzeige. Sein Asylantrag, den er im November 2015 gestellt hatte, blieb unbearbeitet liegen. Er ließ es sich gut gehen, umsorgt in einer sauberen Einliegerwohnung mit gutem Taschengeld, um das ihn so mancher Rentner beneiden dürfte, Kuchen zum vermeintlichen Geburtstag.
Das Landgericht Freiburg verurteilte Hussein Khavari im März 2018 zu lebenslanger Haft. Außerdem stellte es die besondere Schwere der Schuld fest und behielt eine spätere Sicherungsverwahrung vor.






Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein