"Omas gegen Rechts", "Eltern gegen Rechts", "Autorinnen gegen Rechts" – und jetzt auch noch die "Bedienung gegen Rechts": Selbst auf der Wiesn darf nicht mehr einfach so über den Durst getrunken werden: Selbst das muss mit "Haltung" passieren. Die neue Anti-Rechts-Initiative dümpelt allerdings so vor sich hin.
IMAGO / Wolfgang Maria Weber
Zwei langjährige Bedienungen, Fanny Z. und Anna H., gründeten die Aktionsgruppe „Bedienung gegen Rechts“ nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Anfang September, bei der bekanntlich die AfD 43,8 Prozent holte. Über eine WhatsApp-Gruppe kamen binnen eines Tages mehr als 100 Kolleginnen und Kollegen dazu. Später nannten Berichte 155 bis 168 Beteiligte. Was die Süddeutsche Zeitung durchaus positiv bewertet, dürfte allerdings nicht so wirklich ein Riesenerfolg sein: Von insgesamt 4500 Servicekräften in den Festzelten des Münchener Oktoberfestes machen demnach nur 3,7 Prozent bei der Initiative mit.
Die beiden Gründerinnen der Gruppe „Bedienung gegen Rechts“ veröffentlichten auf Instagram und TikTok unter @bedienungengegenrechts ein Reel: Sie sähen seit Jahren, dass rassistische, sexistische und queerfeindliche Sprüche angeblich „wieder sagbarer“ würden und oft als Tradition durchgingen. In ihrem Instagram-Posting meinen die Aktivistinnen: „Auf a friedliche und Wiesn! Wir sind Bedienungen gegen Rechts. Wir stehen gemeinsam für Vielfalt, Toleranz und Respekt und klar gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit und rechte Hetze.
Wir sind viele. Wir sind laut. Wir schauen nicht weg.“
Die Servierkräfte wollen von der Stadt München und den Wirten eine klarere Haltung gegen Extremismus. Wirte-Sprecher Peter Inselkammer sagte dem Bayerischen Rundfunk, die „gesamte Wiesn-Familie“ lehne ohnehin Diskriminierung, Rassismus und Sexismus ab – eine Extra-Kampagne der Wirte gibt es nicht.
Die Münchner Polizei zählte 2025 elf staatsschutzrelevante Delikte auf der Wiesn, 2024 waren es sechs. Eine Studie der Hochschule München hatte zuvor ergeben, dass 76 Prozent der Bedienungen schon sexuell belästigt wurden. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 2025 insgesamt 74 verzeichnet, im Jahr zuvor waren es 58.
Die Oktoberfest-Aktivisten wollen jedenfalls weitermachen, auch wenn sie von der großen Mehrheit der Kollegen ignoriert werden: Es gehe ihnen gar nicht darum, jedes Mal in die Konfrontation zu gehen, sondern vielmehr darum, klare Kante zu zeigen. Eine Kellnerin meinte: „Es ist wichtig, dass man auch die andere Seite der Wiesn zeigt.“



Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein