Angereichertes Uran im Iran finden: Mission impossible

Die verschiedenen Angriffe der USA und Israel auf den Iran haben dessen Anlagen zur Anreicherung von Uran schwer beschädigt, vielleicht sogar insgesamt unbrauchbar gemacht. Was aber soll mit möglicherweise waffenfähigem Material geschehen, das bereits erzeugt wurde? Von Dr. Hans Hofmann-Reinecke

picture alliance / imageBROKER | Andy Dean

In Atomwaffen kommt Uran oder Plutonium zum Einsatz. Im Iran wird der Bau von Bomben aus Uran verfolgt, das im Gegensatz zu Plutonium auf der Erde vorhanden ist. In der Natur gewonnenes Uran muss jedoch für die Verwendung in Bomben „angereichert“ werden.

Isotope

So wie die meisten Elemente auf unserem Planeten kommt auch Uran in verschiedenen Formen, verschiedenen „Isotopen“ vor, die äußerlich identisch sind, deren Atomkerne sich aber unterscheiden. Die Kerne verschiedener Isotope bestehen aus gleich vielen Protonen, unterscheiden sich aber in der Zahl der Neutronen. Alle Atomkerne des Elements Eisen beispielsweise haben 26 Protonen, aber sie können 28, 30, 31 oder 32 Neutronen haben. Uran hat 92 Protonen und entweder 143 oder 146 Neutronen. Insgesamt sind dann entweder 92+143=235 oder 92+146=238 Teilchen im Kern, deswegen spricht man von U235 und U238.

Die Zahl der Neutronen ist für den konventionellen Einsatz eines Stoffes, etwa beim Eisen, völlig irrelevant. Für die Kernenergie aber, sei es in Reaktoren oder Bomben, ist das ganz anders, da kommt praktisch nur U235 zum Einsatz. Dieses Isotop aber macht nur 0,7% des natürlichen Elements aus, und damit würden weder ein typischer Reaktor noch eine Bombe funktionieren: Ein Reaktor braucht statt der 0,7% mindestens 4% und die Bombe 90%. Dafür muss das natürliche Uran „angereichert“ werden. Das ist ein sehr aufwendiger Prozess.

Zur Veranschaulichung nehmen wir an, es gäbe die zwei Sorten Reis A und B, wobei die Körner A besonders wohlschmeckend sind, und etwa 1% leichter als von Sorte B. Im natürlicher Reis sind unter 1000 Körnern im Durchschnitt 993 vom Typ B und nur 7 vom Typ A. Um den Reis aufzubessern könnte man den Prozentsatz von A erhöhen, indem man Körner vom Typ B aus aussortiert. Aus einem Sack mit 50 Kg könnte man dann eine Schüssel mit 350 Gramm Typ A gewinnen, 49,65 Kg vom Typ B würden übrig bleiben.

Anreicherung

Aber wie soll man das machen? Die Körner sehen doch identisch aus, lediglich ist Typ A ganz geringfügig leichter. Genau diesem Problem steht man gegenüber, wenn man aus natürlichem Uran das U235 gewinnen möchte. Hier trennt man nicht die beiden Isotope, sondern man verändert nur schrittweise die Konzentration der beiden Komponenten. Dazu verwandelt man das Uran in eine gasförmige chemische Verbindung, die in Zentrifugen gefüttert wird, wo der winzige Masseunterschied das etwas schwerere U238 nach außen drängt. Viele solcher Zentrifugen werden dann parallel und in Serie zu einer „Kaskade“ geschaltet, in der der Anteil von U235 in vielen kleinen Schritten erhöht wird. Das Uran wird „angereichert“.

Zu Jahresbeginn 2025 waren – nach eigenen Angaben – im Iran insgesamt 21.900 solcher Zentrifugen installiert, die meisten in Natanz und Fordow (FFEP).

Grafik/ privat

 

Diese Tabelle der Internationalen Atombehörde gibt vom Iran selbst angegebene Zahlen wieder. In der ersten Zeile wird die Produktion von UF6 = „Uranhexafluorid“, angegeben, einer Substanz, die ab 60°C gasförmig ist. In den 166,6 kg sind 113 kg auf 60% angereichertes Uran enthalten. Für eine Bombe bräuchte man, je nach Bauart, 30…50 kg, allerdings auf 90% angereichert.

Der AMAD Plan

Wozu reicherte ein Land Uran in größeren Mengen auf 60% an? Um es weiter auf 90% anzureichern und daraus Bomben zu bauen! Es gibt dafür keinen anderen Grund.

Der Iran verfolgt seit der Revolution 1979 ganz aggressiv den Bau von Atombomben. 1999 startete das Programm AMAD mit folgenden deklarierten Teilprojekten:

  • Konstruktion von Explosionskernen für Nuklearwaffen
  • Forschung an Sprengstoffanordnungen
  • Urananreicherung auf waffenfähigen Gehalt (über 90 % U‑235)
  • Tests mit kleineren Modellen und Simulationen der Detonation

Je nach der politischen Situation wurden diese Aktivitäten mehr oder weniger geheim vorangetrieben. Wenn die USA einen republikanischen Präsidenten hatten, wurde gebremst, unter Demokraten gab es dann einen Freibrief, so wie etwa den JCPOA, den Joint Comprehensive Plan of Action, der 2015 verabschiedet wurde, als Obama im Weißen Haus residierte.

Was ist der Status Quo? Man muss davon ausgehen, dass der Iran inzwischen genügend auf 90% angereichertes Uran besitzt, um daraus vielleicht ein Dutzend Bomben zu bauen. Wie weit ist dann noch der Weg zur einsatzbereiten Waffe?

Die kritische Masse

Die Explosion erfolgt dadurch, dass ein Neutron die Spaltung eines U235-Atomkerns verursacht, bei der viel Energie, sowie zwei oder drei weitere Neutronen frei werden. Diese Neutronen verursachen ihrerseits Spaltungen, und in einer Kettenreaktion wächst der Prozess exponentiell an. In einem kleinen Stück U235 würde das nicht so ablaufen, weil viele Neutronen nach außen entweichen und keine weiteren Kernspaltungen verursachen. Man bräuchte etwa 50 kg in Form einer Kugel, damit die Kettenreaktion startet. Diese Größe nennt man „kritische Masse“. Offensichtlich soll sich diese erst beim Abwurf der Bombe einstellen, und nicht schon vorher.

Da fand man nun heraus, dass eine „unterkritische“ Masse von 30 kg, etwa eine Kugel von der Größe einer Pampelmuse (siehe Graphik), zur kritischen Masse mutiert, wenn man sie extrem zusammenquetscht. Man packt die Kugel von allen Seiten in konventionellen Sprengstoff ein, der innerhalb einer Mikrosekunde explodiert und die Kugel auf eine viel höhere Dichte komprimiert. Dadurch wird sie kritisch und die nukleare Explosion setzt ein.

Es könnte sein, dass man an diesem Mechanismus im Iran noch arbeitet. Das ist nicht einfach, denn das Ganze muss klein genug sein, um auf eine ballistische Rakete zu passen.

Mission Impossible

Wie auch immer, in diesem Stadium wäre das iranische Atom-Programm gegen US-Bombenangriffe unverwundbar. Die riesigen Anlagen zur Uran Anreicherung waren schwer zu verbergenden und damit der Zerstörung ausgesetzt. Die aber hätten ihren Dienst erst einmal getan. Ihre wertvollen Produkte aber, ein Dutzend Kugeln aus waffenfähigem Uran, die lassen sich leicht verbergen; und die Arbeit am Zündsystem braucht nicht in den bekannten Anlagen zu erfolgen. Die könnte in irgendwelchen Gebäuden, irgendwo in diesem riesigen Land stattfinden, wo Wissenschaftler und Techniker kaum aufzufinden wären – zumindest von den Amerikanern.

Falls das Ziel des US-Einsatzes die Vernichtung des iranischen Atomprogramms war, so wäre das trotz einer monströsen Materialschlacht mit „brute force“ nicht erreicht worden. Israel aber agiert weniger „mit brute force“ als mit „brute intelligence“.

Am 3. März erklärte die Israel Defence Force (IDF), dass sie das geheime, unterirdische Nuklear-Hauptquartier in Minzadehei, Teheran angegriffen und zerstört hätten. Dort arbeitete ein Team von Nuklearwissenschaftlern an genau dem besagten Zündmechanismus.

Und nun haben auch US-Beamte die Möglichkeit diskutiert, Spezialeinheiten in den Iran zu entsenden, um hochangereichertes Uran zu sichern. Wie soll das gehen? Ich behaupte, das ist eine „mission impossible“.

Der Bestseller des Autors „Grün und Dumm“, und andere seiner Bücher, sind bei Amazon erhältlich. Weitere Artikel und Kontakt zum Autor bei www.think-again.org

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Kommentare ( 5 )

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Teiresias
2 Stunden her

Dieser Krieg muss nicht gewonnen werden, er muss nicht militärische Ziele erfüllen.
Wenn nach diesem Krieg alles in Schutt und Ashe liegt ausser den USA, wird die USA der ökonomische Sieger sein.
So war das nach dem zweiten Weltkrieg – alles Trümmer, ausser USA –
und das möchte man jetzt gerne wiederholen.
Das Uran ist nur der Vorwand, um weiterbomben zu können.

Schwabenwilli
4 Stunden her

Man muss sich keinen Illusionen hingeben, irgendwann haben die Verrückten halt die Bombe. Das was jetzt passiert ist Zeit gewinnen um einmal technisch besser gerüstet zu sein gegen solche Raketen.
Wäre ja der Witz wenn die Verrückten eines Tages die Atomrakete starten und die wird noch über dem Iran per Laser zu Detonation gebracht.

Kassandra
2 Stunden her
Antworten an  Schwabenwilli

Technisch möglich sollte so was inzwischen sein:
„SpaceX now has over 10,000 Starlink satellites in orbit (and growing), providing internet data service to every corner of the earth. Even ships at sea or aircraft in the sky can receive high speed internet service.“ Weiter hier:   https://x.com/WallStreetMav/status/2040760018316808233

Haba Orwell
5 Stunden her

> Und nun haben auch US-Beamte die Möglichkeit diskutiert, Spezialeinheiten in den Iran zu entsenden, um hochangereichertes Uran zu sichern. Wie soll das gehen? Ich behaupte, das ist eine „mission impossible“.

Falls die CIA mitliest – gerne kann ich petzen, welches Land in Nahost bereits fertige Atombomben hat. Gerne können US-Spezialeinheiten diese holen. >>> Jetzt, wo Trump mittlerweile Allah lobpreist, gelingt es vielleicht? <<<

Der Person
5 Stunden her

Bei den irakischen Massenvetnichtungswaffen haben die USA im Nachhinein ja noch ganz offen zugegeben, dass sie darüber die Welt angelogen haben, um das Land zu zerstören und sich Ölquellen zu sichern. Bei der Zerstörung von NS2 haben sie sich immerhin die Mühe gemacht, eine falsche Spur zu legen, auch wenn diese absolut lächerlich und unglaubwürdig ist und nur von Tiefenindoktrinierten und anderen Sklavenmentalitäten ernstgenommen wird. Ich bin gespannt, wie es diesmal läuft. Wahrscheinlich wird man aber das machen, was schon seit 30 Jahren praktiziert wird, also einfach das behauptete Atomprogramm für ausgeschaltet erklären, um ein halbes Jahr später wieder den… Mehr