Nachdem die AfD viele Monate auf hohem Niveau verharrte, knackt sie bei INSA nun erstmals 30 Prozent, die Union fällt auf 18. Kurz zuvor gewährte das ZDF tiefe Einblicke in eine Partei, die ihren eigenen Niedergang inzwischen vor laufender Kamera dokumentiert. Für Friedrich Merz wird es immer enger.
picture alliance/dpa | Christoph Soeder
Man könnte es den Inside-CDU-Effekt nennen. Das ZDF begleitet die Partei durch ihr Krisenjahr, zeigt Funktionäre, Sitzungen, Selbstzweifel und Philipp Amthors Strandkorb im Kanzleramt. Wenige Tage später liefert INSA die passende Zahl: Die AfD erreicht erstmals 30 Prozent, CDU und CSU fallen auf 18. Der Abstand beträgt zwölf Punkte – so viel wie noch nie bei diesem Institut.
Das Ausmaß erschließt sich mit einem Blick auf die Bundestagswahl. Im Februar 2025 lag die Union mit 28,6 Prozent noch deutlich vor der AfD mit 20,8 Prozent. Anderthalb Jahre später haben sich die Verhältnisse vollständig gedreht. Aus dem Vorsprung der Union ist ein zweistelliger Rückstand geworden.
Noch härter trifft Friedrich Merz die persönliche Bewertung. Nur 15 Prozent der von INSA Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden, 79 Prozent unzufrieden. Die Bundesregierung kommt auf ähnlich schlechte Werte. Der Kanzler ist damit längst selbst Teil des Problems, das seine Partei lösen müsste.
Ausgerechnet in dieser Lage sendet das ZDF seine neue Staffel von „Inside CDU“. Der Sender beschreibt selbst eine Partei in schweren Krisen, mit Wahlniederlagen, sinkender Zustimmung und einer immer stärkeren AfD. Selten dürfte eine Partei einem Fernsehteam einen ungünstigeren Zeitpunkt für so viel Nähe eröffnet haben. Die Bilder und Botschaften waren mehr als desaströs.
Denn Nähe kann gefährlich werden, wenn draußen längst der Eindruck entstanden ist, dass politische Wirklichkeit und Berliner Regierungsbetrieb auseinanderdriften. Philipp Amthors privat bezahlter Strandkorb auf dem Balkon des Kanzleramts kostete den Steuerzahler keinen Cent. Zum Symbol taugte er trotzdem hervorragend für eine vom Volk entkoppelten ehemaligen Volksvertreter. In einem Land mit Rezession, Arbeitsplatzverlusten, steigenden Abgaben und permanenten Sparappellen und Steuererhöhungen sah man Staatsminister, die sich in Luxuslimousinen von einer hermetischen Blase zur nächsten kutschieren lassen und in Großmannsucht realitätsferne Themen besprechen, die außer ihnen niemanden unter den Nägeln brennt.
„Inside CDU“ geriet damit unfreiwillig zur Milieustudie einer Partei, die nicht versteht, weshalb ihr die Wähler davonlaufen. Man sieht Funktionäre über Strategie sprechen, Krisen moderieren und sich gegenseitig versichern, dass nun Konsequenzen gezogen werden müssten. Draußen zieht derweil die nächste Umfrage vorbei.
Die alte Hoffnung, die AfD werde irgendwann an ihrer eigenen Existenz ermüden, erfüllt sich ebenfalls nicht. INSA misst sie nun bei 30 Prozent. Andere Institute kommen auf niedrigere Werte, sehen sie jedoch ebenfalls vor der Union. Die Brandmauer steht weiterhin. Dahinter ist inzwischen nur erheblich weniger CDU übrig. Da sie nun immer offener auf die Linke zugeht, es allein in den Sozialen Medien hierzu Austrittserklärungen regnet, steht der nächste Absturz schon im Raum.
— Dr. Clemens Sökefeld (@Plot_in) October 2, 2026
Damit verschiebt sich auch die Machtfrage innerhalb der abschmeirenden CDU. Ein Vorsitzender kann schlechte Landtagswahlen überstehen, einzelne Umfragen aussitzen und immer lautere Rückzusaufforderungen aus den eigenen Reihen ignorieren. Schwieriger wird es, wenn sich der gesamte Anspruch seiner Kanzlerschaft in sein Gegenteil verkehrt: Die Partei schrumpft, die Konkurrenz rechts von ihr wächst, und der Regierungschef selbst erreicht Zustimmungswerte, bei denen früher in der CDU längst Nachfolgedebatten begonnen hätten.
Vielleicht war „Inside CDU“ deshalb gar keine schlechte Idee. Selten bekam der Zuschauer so anschaulich vorgeführt, wie eine ehemalige Volkspartei ihren eigenen Bedeutungsverlust abreitet.
Die nächste Folge schreibt inzwischen INSA.


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