Ein neu veröffentlichtes Gutachten des österreichischen Plagiatsforschers Stefan Weber erhebt schwere Vorwürfe gegen die medizinische Dissertation der früheren Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx.
picture alliance / dpa | Horst Galuschka
Die Arbeit wurde 2005 an der Universität Münster eingereicht, eine abschließende Bewertung der Vorwürfe durch die Hochschule steht bislang aus. Nach Darstellung Webers enthält die Dissertation „zumindest 73 Text- und Quellenplagiatsfragmente“. Diese Einschätzung beruht ausschließlich auf der Analyse des Gutachters.
Softwareanalyse und zitationsbasierter Ansatz
Weber stützt seine Untersuchung nach eigenen Angaben auf eine softwaregestützte Überprüfung. Zum Einsatz kamen unter anderem die Programme „Turnitin Similarity“ und „WCopyfind“. Darüber hinaus verweist das Gutachten auf einen sogenannten zitationsbasierten Analyseansatz. Dieser gehe über reine Textähnlichkeitsprüfungen hinaus und berücksichtige insbesondere identische Zitierfehler, übereinstimmende Literaturangaben sowie strukturelle Parallelen zu früheren wissenschaftlichen Arbeiten.
Im Gutachten werden zahlreiche Einzelbeispiele aufgeführt. So nennt Weber wiederkehrende Abweichungen bei Autoren- und Titelschreibweisen, darunter Schreibweisen wie „Kahnemann“ statt „Kahneman“ oder „La Berge“ statt „LaBerge“. Auch fehlerhafte oder unvollständige Literaturangaben – etwa bei Seitenzahlen, Herausgebern oder Buchtiteln – werden dokumentiert. Laut Weber seien diese Fehler bereits in älteren Dissertationen aus dem gleichen wissenschaftlichen Umfeld enthalten gewesen.
Vorwurf der „Blindzitate“
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft sogenannte Blindzitate: Weber vertritt die Auffassung, identische Fehlerketten und charakteristische Referenzmuster könnten darauf hindeuten, dass bestimmte Quellen nicht im Original eingesehen, sondern aus Sekundärliteratur übernommen wurden. Darüber hinaus bewertet das Gutachten das Verhältnis von Fließtext zu Literaturverzeichnis als „ungewöhnlich“. Die Dissertation umfasse 83 Seiten Text sowie etwa 30 Seiten Literaturverzeichnis mit insgesamt 284 Titeln, davon 265 englischsprachige.
In seiner Gesamtbewertung spricht Weber von Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis und formuliert einen „schwerwiegenden Plagiatsverdacht“. Diese Einordnung stellt die persönliche fachliche Bewertung des Gutachters dar. Ob und in welchem Umfang die Universität Münster die Vorwürfe prüft, ist derzeit offen.
Öffentliche Rolle von Buyx während der Pandemie
Buyx stand insbesondere während der Corona-Pandemie im Fokus der öffentlichen Debatte: Als Vorsitzende des Deutschen Ethikrates war sie regelmäßig in Talkshows vertreten und gab Interviews in überregionalen Medien. Dort sprach sie sich unter anderem deutlich für Corona-Schutzimpfungen, auch bei Kindern, aus. Im Rahmen der Corona-Enquetekommission des Deutschen Bundestages erklärte sie im November vergangenen Jahres, ihre damaligen Aussagen seien als persönliche „Einschätzungen“ zu verstehen gewesen.
Sie ist gut vernetzt in Politik und Wirtschaft; sie ist Professorin an der #TUM München, Mitglied der ehrwürdigen #Leopoldina, im Kuratorium der #Bertelsmannn-Stiftung, sowie im #Aufsichtsrat der Berliner Charité sowie des Expertenrats der Bundesregierung.
Vergleichbarer Fall: Mario Voigt
Erst im Januar 2026 hatte die Technische Universität Chemnitz dem Thüringer Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) den Doktortitel entzogen. Die Hochschule begründete dies mit Mängeln in seiner 2008 eingereichten Dissertation. Voigt wies die Vorwürfe zurück und kündigte rechtliche Schritte an. Nach seinen Angaben betreffen die Beanstandungen lediglich 2,58 Prozent der Arbeit. Bereits 2024 hatte Stefan Weber in diesem Zusammenhang auf mehr als 100 mutmaßliche Plagiatsstellen hingewiesen.
In wissenschaftlichen Verfahren gilt grundsätzlich die Unschuldsvermutung, Plagiatsvorwürfe werden üblicherweise erst nach Abschluss eines formalen Prüfverfahrens abschließend bewertet. Bis zu einer solchen Entscheidung bleibt offen, welche Konsequenzen sich aus dem aktuellen Gutachten ergeben könnten.
Stefan Weber ist seit Jahren als Sachverständiger für wissenschaftliche Redlichkeit tätig und hat zahlreiche Plagiatsuntersuchungen durchgeführt. Die nun erhobenen Vorwürfe gegen Alena Buyx dürften angesichts ihrer prominenten Rolle im öffentlichen Diskurs erneut eine Debatte über wissenschaftliche Standards und Transparenz entfachen.

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Diese Dame hat sich schon seit Corona für jeden denkenden und aufmerksamen Menschen disqualifiziert. Sollte sich der Plagiatsvorwurf bestätigen, wird man sehen, wer den dann als gequirlten Schund zu bezeichnenden Zitatemüll als Grund sieht, die dann ertappte Fälscherin als „Expertin“ zu bezeichnen.
Wie schrieb jemand gestern bei NIUS in den Kommentaren….Die Buyxe der Pandora ist geöffnet worden…..
Wieso die Aufregung? Es genügt doch heute, wenn etwas aussieht wie Wissenschaft (vgl. Heinz Bude)
Ajour Provocateur, mehr muß man dazu nicht sagen und von dieser Sorte gab es viele oder für den einfachen Gebrauch könnte man auch sagen, bares für Rares, was dem entspricht, wenn sich die Großen aufmachen, ihre Idee umzusetzen.
Und ab dafür. Niemand braucht solche arroganten selbstverliebten Figuren.
Wer so angreift wie diese Dame, kann keine Substanz haben. Das Bauchgefühl bewahrheitet sich. Früher hieß, jemand hätte sich hochgeschlafen. Frau Buyx hat sich hochgelogen. Die Impftoten und Turbokrebstoten sollen ihr jede Nacht erscheinen.
Inscribiert und nicht krepiert ist promoviert.
Es zeigt sich immer wieder, alle Dünnbrettbohrer wollen mehr sein als Schein und kommen damit in der links-grün verstrahlten Gesellschaft auch problemlos durch, weil keine Krähe hackt bekanntlich der anderen ein Auge aus. Aber dann kommt da einer her und spuckt dieser Mischpoke kräftig in die Suppe. Auch wenn das am ganzen Verhältnis NICHTS ändern wird, doch bekanntlich gilt: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Auch ich habe 1980 eine Dissertation in Zahnmedizin verfaßt, aber schön fein mit eigenen Versuchen und eindeutigen Ergebnissen. Da brauchte ich keine 30 Seiten Literatur Anhang. 4 Seiten haben genügt. Und bei der mündlichen Prüfung waren… Mehr
Sie wirkt so hochnäsig, dass es aus meinem Handy nach alten, ungewaschenen Polyestersocken stinkt.
Hat man eigentlich die Doktorarbeit von Herrn Drosten schon gefunden?