Die CO2-Zeitenwende des Donald Trump stellt die schwarz-rote Regierung auf die Probe

Donald Trump hat in den USA in Sachen Klimapolitik eine Zeitenwende ausgerufen. Der deutsche Umweltminister widerspricht ihm. So weit nichts Neues. Doch es mehren sich die Zeichen, dass der Sozialdemokrat Carsten Schneider der Linie fortan in der Kurve folgen muss.

picture alliance / Flashpic | Jens Krick
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), Berlin, 04.12.2025

In der Kurve zeigt sich die Linientreue. Das ist einer der wichtigsten (inoffiziellen) Lehrsätze jeder linken Bewegung. Einerseits fordern linke Bewegungen von ihren Gefolgsleuten, ihrem Führer unbedingt zu folgen und seine Linie zu feiern. Doch ab und an ändert dieser Führer die Richtung, meist abrupt und ohne sich vorher mit all zu vielen Gefolgsleuten abzusprechen. Dann müssen die rasch einen anderen Weg einschlagen und ein anderes Lied anstimmen, um dem Führer noch zu gefallen. Viele deutsche Dissidenten, die als Linke in die UdSSR flohen, überforderte das, was sie wiederum das Leben kostete.

Carsten Schneider ist ganz gewiss linientreu. Das ebnete ihm den Karriereweg innerhalb der SPD. Als Ostbeauftragter unter Olaf Scholz (SPD) blieb der heute 50-Jährige blass. Trotzdem beförderte die Partei ihn unter der Kanzlerschaft von Friedrich Merz (CDU) zum Minister für Klimaschutz. Kein allzu wichtiger Posten, weil das Thema an Bedeutung verloren hat – aber immerhin Minister. Für einen, der im Wesentlichen immer gefolgt ist, ein Platz ziemlich weit vorne in der Formation der Partei.

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Nun hat US-Präsident Donald Trump eine zentrale Klimaschutzvorgabe in den Staaten geändert und den Kampf gegen den CO2-Ausstoß als zentrales Staatsanliegen beendet. Schneider warf Trump im Deutschlandfunk vor, dieser Schritt sei ideologisch motiviert gewesen, und versicherte, Deutschland halte an seiner Klimapolitik fest – die EU auch. Bisher eine sichere Sache, für einen, der als Erfolgsrezept der Linie folgt. Trump kritisieren und Klimaschutz beschwören. Das geht immer.

Doch Schneider erkennt die Kurve nicht. Er ahnt sie zwar, sagt, Trump gehe es vor allem darum, zusätzliche Geschäfte mit dem Verkauf von Öl und Gas machen zu wollen. Es wirkt absurd, dass für einen Sozialdemokraten der Verkauf von Öl und Gas eine Frage der Ideologie ist. Aber genau das ist die Kurve, in die Schneider läuft, ohne es als Kurve zu erkennen – erkennen zu können. Für eine Mehrheit der Bürger ist es durchaus in Ordnung, Geschäfte zu machen und Wohlstand zu generieren. Die Angst vor dem Verlust des alten deutschen Wohlstands ist mittlerweile ein viel größeres Thema als der Klimaschutz.

Merz hat es erkannt. Er hat damit die Wahl gewonnen. Danach hat er seine Erkenntnisse verleugnet, hat wider besseren Wissens die grün-linke Politik der Ampel mit der SPD fortgesetzt. Sein Opportunismus, seine eigene Machtoption war ihm wichtiger, als das Allgemeinwohl. Also verzichtete er darauf, seine Erkenntnisse umzusetzen und machte Politik gegen sie. Das sichert ihm die Macht. Aber es ändern sich die Voraussetzungen nicht.

Noch bevor Trump die Zeitenwende in Sachen CO2-Politik verkündete, stellte Merz auf dem Wirtschaftsgipfel in Antwerpen den Zertifikatehandel in Frage. Sollte der nicht dazu beitragen, den Ausstoß von CO2 reduzieren, müsse die EU den Handel überarbeiten oder wenigstens seine für 2027 geplante Einführung für die Wirtschaft verschieben. Mit der privaten CO2-Steuer kann er offensichtlich gut leben – die erhöht seine Staatseinnahmen.

Doch die Wirtschaft steht an einem Kipppunkt. Sie knickt schon ein, auch ohne weitere Lasten. Der Gipfel in Antwerpen war geprägt von Staats- und Regierungschefs, die erkannt haben, wie sehr die Wirtschaften in Indien, China oder den USA an ihnen vorbeiziehen – und wie wenig der EU bleibt, wenn sie keine wirtschaftliche Macht mehr ist. Der grüne Traum, die Welt würde Deutschland und der EU in ihrer Klimapolitik folgen, ist längst kein Traum mehr, sondern höchstens noch ein Wahn.

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Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hat den Staats- und Regierungschefs zugesagt, bis Ende März eine Liste mit konkreten Vorschlägen vorzulegen: eine andere Klimapolitik, weniger Bürokratie, mehr Investitionsanreize… Dem lässt sich vieles entgegenhalten: Dass von der Leyen hier eine Ankündigung macht, eine Ankündigung machen zu wollen. Dass Merz nicht zu trauen ist und er wieder mal verspricht, was er eh nicht halten will. Zumal Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz anstehen.

Alles richtig. Gut möglich, dass sich an der Linie der EU und der schwarz-roten Bundesregierung nichts ändert. Dass Merz und von der Leyen ein paar Nebelkerzen werfen, um den klaren Blick darauf zu verhindern und so noch ein wenig Zeit für die eigene Karriere zu gewinnen. Nur: Merz und von der Leyen können zwar an ihrer Linie festhalten, aber das ändert die Welt nicht. Die geht einen anderen Weg. China, Indien und die USA folgen der deutsch-europäischen Klimapolitik nicht und sie werden die EU wirtschaftlich abhängen. Noch weiter abhängen.

Die Kurve kommt. Ob Merz und von der Leyen sie gestalten oder weil sie einfach auf dem Weg liegt. Viele Wahlen wird Merz nicht mehr gewinnen, indem er das Gegenteil von dem erklärt und verspricht, was er später umsetzen wird. Die Kurve kommt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Carsten Schneider hat die Kurve noch nicht erkannt. Das ist kein Schock. Er ist einer von den austauschbaren Sozialdemokraten, die irgendwann auf dem Weg zurückbleiben.

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Kommentare ( 49 )

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lube
1 Monat her

Carsten Schneider ist der Quotenossi völlig anpassungsfähig Mann ohne Rückgrat.
Als Ossi hat er natürlich das schnelle wechseln der Fronten noch nicht drauf. daran wird er letztendlich scheitern.

89-erlebt
1 Monat her

Der Rückweg ist schon längst gesprengt. Das was mal das industrielle Rückgrat des Landes war, wurde von einem Club der Unfähigen ohne Rückgrat zerstört, wissentlich, vorsätzlich und mit stehendem Applaus. All diese sogenannten „Wahl“ Siege seit 2017 – alles Papyrus .. wie einst die Siege 38/40/41. Es wird nicht mal was zum Wiederaufbau bleiben um zukünftige „Groß Libanon“. Die einzige Hoffnung sind die Amis mit Trump, die ihren Vorposten in Europa nicht so kampflos aufgeben werden wie die hiesige Mehrheit ihr Land, Kultur, Geschichte und ihre Zukunft.

bfwied
1 Monat her

Die „Kurve“ ist weltweit da und mittlerweile von den USA auch akzeptiert – natürlich mit Rückzugsgejammer und -gekeife -, aber in D. und in Brüssel, und noch ein paar EU-Ländern wird sie nicht wahrgenommen, weil es gegen ihren Glauben geht. Daher fliegen diese Länder aus der Kurve und mit ihnen die Bürger und die jüngere Generation, die sich selbst die Zukunft wegnimmt. Das macht einem Reemtsma-Spross nichts aus, die fliegt weiterhin um die Welt, besucht großspurig weiterhin entlegene Orte und posaunt dümmlich Statements unter die linksgrüne Journalistenschar. Solchen Leuten ist es egal, ob gut Ausgebildete, Spezialisten, beste Mitarbeiter auf der… Mehr

Hueckfried69
1 Monat her

Stellen Sie sich das Geheul vor, wollte etwas Merz der Linie des US- Präsidenten folgen. In den USA diskutiert man längst über andere Ursachen des Klimawandels (z.B. der weltweite Rückgang von Aerosolen). Aber damit können Sie keinen Milliarden abgreifen; es wäre das Ende der Erneuerbaren samt Energiewende. Deshalb wird es noch Jahre dauern, bis sich bei uns etwas ändert.

89-erlebt
1 Monat her
Antworten an  Hueckfried69

Der laufende und weiter anhaltende Winter wird diesen Blödsinn von E Wende & Co zu Eis erstarren lassen.

JamesBond
1 Monat her

Trump hat es verstanden, was machen die Deutschen Politclowns? Zerstören unsere Kultur und unsere Natur:
https://www.bild.de/politik/inland/deutscher-maerchenwald-dornroeschen-schloss-von-windraedern-umzingelt-698d9247f4d0b8d94ca19ae0

Last edited 1 Monat her by JamesBond
Sonny
1 Monat her

Ich gebe zu, dass ich nicht einmal die Hälfte der amtierenden Ministernamen in Deutschland kenne.
Es gibt einfach keinen Grund mehr dafür, sich mit diesen Personalien auseinanderzusetzen – es sei denn, man möchte sich den Tag so richtig versauen.
Ich warte mit solch einem Einsatz, bis es sich wirklich lohnt.

ThomasP1965
1 Monat her

Die Aussagen im Text sind schlicht falsch. Donald Trump hat die EPA angewiesen wissenschaftswidrig die Schädlichkeit von CO2 abzustreiten. D.h. um es klar zu sagen die Fakten zu leugnen und zu ignorieren. Damit wird er vermutlich vor Gericht in den USA eine hübsche Prozesslawine lostreten und diesen massiv schaden. Denn die Realität zu negieren liegt nicht einmal in der Macht des Präsidenten. Es ist auch Unfug. Meinungen sollten sich mit der Interpretation und dem Ziehen von Schlüssen aus Fakten beschäftigen. Hier gibt es genügend Raum für Unterschiede. Die Entscheidung von Trump zeigt nur die Schwäche seiner Argumente. Er weiß schlicht,… Mehr

gmccar
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Sie haben sich mit der Aussage „WISSENSCHAFTSWIEDRIG“ schlicht ins Aus geschossen. Was ist das für eine käufliche „Wissenschaft“, von der Sie reden ?

Ohanse
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Diesen grünlinken Unfug nimmt hier niemand ernst.

JamesBond
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Wieskirche und Sababurg werden von unötigen Windkraftanlagen umzingelt und Kühltürme von Kernkraftwerken (anerkannt Klimaneutral) in Dummland gesprengt – unser Wohlstand durch eine dilletantische Umsetzung vernichtet – das sind die Fakten, die Klimasektenmitglieder natürlich nicht erkennen.

Last edited 1 Monat her by JamesBond
GR
1 Monat her
Antworten an  JamesBond

Ich verstehe die Welt ziemlich gut. Meine Ölaktien laufen großartig.

EndofRome
1 Monat her
Antworten an  ThomasP1965

Warum hat Professor Michael Evans Mann von der Penns. State in Phil. dem Obersten Gerichtshof von British Col. nicht die geforderten Rohdaten seines Aufsatzes von 1999 übergeben? Dieser grosse „Wissenschaftler“ wollte eben nicht, dass andere Wissenschaftler die Grundlagen seines Models zerpflücken. Jedenfalls darf man seither den grossen Stichwortgeber der grassierenden Klimapanik straffrei einen Betrüger nennen.

Quendolin
1 Monat her
Antworten an  EndofRome

Dass Trump gegen die übermächtige Klimalobby vorgeht, ist grundsätzlich zu begrüßen. Aber die Art wie er es macht, ist falsch. Man kann nicht per Dekret wissenschaftliche Erkenntnisse für nichtig erklären, auch nicht falsche. Er ist noch 3 Jahre Präsident. Der nächste wird es mit einem Federstreich wieder rückgängig machen. So ist vermutlich nichts gewonnen. Er muss gezielt Wissenschaft finanzieren, die die Lehren der CO2-Kirche entkräftet. Die Klimalobby macht es auch so. Sie kaufen sich Studien, die „klimaneutrale“ Produkte preisen. Je größer die Dramatik (was alles passieren könnte, wenn man ihre Produkte nicht kauft) desto größer die Rendite. Ist erst Rendite… Mehr

Don Didi
1 Monat her
Antworten an  Quendolin

In der Theorie gebe ich Dir recht, in der Praxis sieht es aber etwas anders aus. Der wissenschaftliche Nachweis, daß CO2 irrelevant ist, ist längst erbracht. Das war und ist den Verantwortlichen auch bekannt, interessiert sie aber nicht, alles andere sind Narrative, die unters Volk gestreut werden, die selbst haben da nie dran geglaubt. Die Klimareligion ist am Ende, die, die das angeleiert haben, um damit ihre Rendite einzufahren, haben das getan, die Kuh ist gemolken und kann geschlachtet werden. Die Treiber (u.a. Gates und Konsorten) haben ein neues Renditefeld erschlossen, die KI. Die verträgt sich aber nicht mit der… Mehr

Berlindiesel
1 Monat her

Habe Donnerstag abend Olympia in der ARD geguckt, da kam die Spät-Tagesschau und die hatten als Aufmacher natürlich Trumps Abschaffung der Verordnung. Es mutete fast wie Satire an, der Hass im Gesicht und der Strimme der Modertorin, der zugeschalteten Korrespondentin, eine von den Grünen und von einem Windkrafthersteller. Fasziniert habe ich zugesehen und gedacht, allein Euch so hassen zu sehen war Trumps Verordnung schon ihr Geld wert-

Konrad Georg
1 Monat her

1 % der Weltbevölkerung wird genötigt, das Klima zu retten. Größenwahn.
Ein absolut irres Vorhaben. Soll am deutschen (Un-) Wesen die Welt genesen?
Gibt es einen ähnlichen Sachverhalt? Der US-Exzeptionalismus in seiner pervertierten Form? Hm?

JamesBond
1 Monat her

Alles was unseren Wohlstand gefährdet muss verschwinden:
– Klimagesülze, Energiewende, EU, Entwicklungshilfeministerium, Kriegsunterstützung Ukraine, Steuergesetze endlich einfach und dafür die Finanzbeamten wie in Argentinien reduzieren, Staat und Bürpkratie zurück drängen, Arbeit muss sich endlich wieder lohnen!!!!

Hueckfried69
1 Monat her
Antworten an  JamesBond

Sie haben in ihrer Aufzählung die Merkelianer, die Grünen, die Sozis und die Linken vergessen. Alles wohlstandsvernichtende Vereine.