Sozialdemokraten schustern Sozialdemokraten Steuergeld fürs Nichtstun zu

Rund sieben Wochen vor der Landtagswahl wird Rheinland-Pfalz von einem politischen Skandal erschüttert. Ehemalige Staatssekretäre sollen zu Unrecht Pensionsansprüche erworben haben. Der Vorfall verrät viel über das seit 35 Jahren von der SPD regierte Land.

picture alliance / Andreas Arnold/dpa | Andreas Arnold

Beamte spielen in der Politik eine größere Rolle, als es den meisten Bürgern bewusst ist: Kommt eine Partei an die Macht, installiert sie ihre Parteifreunde im öffentlichen Dienst. Dabei nimmt sie möglichst junge Aktivisten. Denn verliert eine Partei die Macht, können ihre Beamten nicht ohne weiteres gekündigt werden – und bleiben ihren Parteien damit als eine Art U-Boot in den nun fremd regierten Ministerien und Behörden erhalten. Das sichert ihnen Wissenszugang in der Opposition.

Der Beamtenstatus ist begehrt. Vor allem wegen der Pensionen. Sie liegen schon bei normalen Beamten schnell mal beim Doppelten und Dreifachen dessen, was ein Rentner erhält. Bei Spitzenbeamten ist es entsprechend noch mehr. In Rheinland-Pfalz gibt es nun, gut sieben Wochen vor Abschluss der Landtagswahlen, einen handfesten Skandal um Staatssekretäre, die sich zu Unrecht Pensionsansprüche erworben haben.

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Sind diese Staatssekretäre aus dem Dienst ausgeschieden und in private oder öffentlich-rechtliche Unternehmen gewechselt, sind sie trotzdem Beamte geblieben und galten offiziell als sich im „Sonderurlaub“ befindend. Damit konnten sie in der Wirtschaft Top-Gehälter abgreifen und hohe Pensionsansprüche für eine Zeit erwerben, in der sie gar nicht für den Staat gearbeitet haben, der ihnen diese Pensionsansprüche später auszahlt.

Dies ist in Rheinland-Pfalz schon lange Praxis. Bekannte Praxis. Der Landesrechnungshof hat 2022 schon auf die Missstände hingewiesen. Doch dessen Präsident Jörg Berres ist in den Ruhestand geschickt worden. Sonst ist nichts passiert. Seit 35 Jahren regiert die SPD in Rheinland-Pfalz. Kaum ein Staatsanwalt, der nicht unter ihrer Verantwortung eingesetzt wurde. Genau diese Staatsanwälte ignorierten die Hinweise des Landesrechnungshof über drei Jahre lang.

Nun haben die Freien Wähler, Opposition im rheinland-pfälzischen Landtag, ein Gutachten veröffentlicht und der Staatsanwaltschaft Mainz zugeleitet. Die hat daraufhin „Vorermittlungen“ eingeleitet, wie der SWR am Donnerstag vor einer Woche mitgeteilt hat. Laut des Gutachtens der Freien Wähler könne der Tatbestand der Untreue erfüllt worden sein, weil eine sozialdemokratische Regierung Sozialdemokraten hohe Pensionsansprüche zugestanden hat. Für eine Zeit, in der sie gar nicht für den öffentlichen Dienst gearbeitet haben.

Ob das Gutachten tatsächlich zu einem Verfahren führe, ist laut SWR offen. Seit 35 Jahren regiert die SPD Rheinland-Pfalz. Kaum ein Staatsanwalt, der nicht unter ihrer Verantwortung eingestellt worden ist. Vielleicht ermitteln diese Staatsanwälte nun ein wenig vor, um nach der Wahl und einem Sieg der SPD zu verkünden, dass es kein öffentliches Interesse an dem Fall gebe.

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Oder sie beziehen sich auf ein Gutachten, dass die Landesregierung in Auftrag gegeben hat. Udo Di Fabio, der Gutachter, den die SPD-Regierung zahlt, sagt, dass die SPD-Regierung nichts falsch gemacht habe. Parteifreunden für eine Zeit hohe Pensionsansprüche zu gewähren, in der sie gar nicht gearbeitet haben, sei mit dem Recht vereinbar. In Rheinland-Pfalz kennt man sich und hilft man sich.

Der damalige Präsident des Rechnungshofs, Jörg Berres, sagte seinerzeit dem SWR: Es entstehe der Eindruck, dass den Betroffenen Vorteile aus zwei Welten gewährt werden sollen: Auf der einen Seite ein hohes Gehalt aus der Welt als Manager und gleichzeitig eine höhere Pension aus der Welt eines Beamten.

Ein Beamter hat hohe Pensionsansprüche für zwölf Jahre erworben. Ein anderer bisher für knapp fünf Jahre. Er war auch schon in den Schlagzeilen, bevor der SWR am Donnerstag vor einer Woche über den Pensionsskandal berichtet hat. Es handelt sich um Alexander Wilhelm, von 2018 bis 2021 Staatssekretär im Sozialministerium. Das Ministerium, das die SPD unter keinen Umständen abgeben will. Ihre Machtbasis. Hier lassen sich die Jobs vergeben, die garantieren, dass es sich lohnt, Sozialdemokrat zu sein.

Nicht nur als Staatssekretär. Sondern auch als Geschäftsführer des Landeskrankenhauses Rheinland-Pfalz in Andernach. Den Job hat Wilhelm 2021 nicht bekommen, weil er Sozialdemokrat ist. Natürlich nicht. Sondern wegen seiner wirtschaftlichen Kompetenz. Das Landeskrankenhaus rechnet für 2025 mit einem Jahresverlust von 14 Millionen Euro, die höchsten Verluste, die das Haus je eingefahren hat. So berichtet es der Fachdienst Klinik Management-Aktuell (KMA).

Laut dem KMA haben sich Mitarbeiter des Krankenhauses an den SWR gewendet. Sie sagten anonym, die wesentliche Ursache für den Rekordverlust sei „der Verlust von Managementkompetenz“, der unter der Führung des pensionsberechtigten Sozialdemokraten eingetreten sei. Allein in den letzten zwei Jahren unter Wilhelm hätten 20 Führungskräfte das Krankenhaus verlassen. Ganz ohne Pensions- oder Rentenansprüche für die Zeit danach. Denn auch wenn Di Fabio für die SPD das Lied singt, es sei in Ordnung, wenn Sozialdemokraten Sozialdemokraten Steuergeld fürs Nichtstun zuschustern – üblich ist es außerhalb der Welt der Sozialdemokraten nicht. Oder anständig.

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Kommentare ( 17 )

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Dorn
1 Stunde her

Dann wäre es doch nur fair das es niemals Arbeitslose gegeben hat. Sondern nur Menschen im „Sonderurlaub“ und damit hätten wir die Altersarmut großteils bekämpft. Ich glaube ich tauge zum top Sozialdemokraten…. hätte ich nicht von mir gedacht 😀

Hieronymus Bosch
1 Stunde her

Die politische Klasse hierzulande kennt nur eines: abkassieren und sich die eigenen Taschen füllen, bis es nicht mehr geht! Zwischendurch werden Nebelkerzen ausgeworfen, die deren wahre Absichten verschleiern und dem dummen Wähler vorgaukeln sollen, hier ginge alles nach Recht und Gesetz vonstatten!

Karl Renschu
1 Stunde her

Und deshalb bloß keine AfD in die Regierung! Das könnte tausende Politbeamte erst ins Gefängnis und anschließend ins Sozialamt bringen.

Kann ja keiner wollen, sowas…

Budgie
1 Stunde her

Ich habe den Eindruck, die Politiker der Kartellparteien (SPD, CDU, Linke, Grüne) werden trotz eklatant mafiösen Verhaltens immer wieder gewählt. Es scheint, einige dieser Bürger sind wider besserem Wissens offensichtlich Liebhaber totalitärer und diktatorischer Maßnahmen. Es sind wahrscheinlich die gleichen Personen welche uns Ostdeutschen nach der Wende zuriefen: „Das hätten wir nicht mit uns machen lassen“.
Henryk M. Broder hat dieses Verhalten einmal sehr treffend beschrieben: „„Das ist die alte deutsche Kunst, alles mitzumachen, ohne dabeigewesen zu sein.““

twsan
1 Stunde her

Di Fabio – war da nicht etwas???

Ach ja – der schrieb ja unmittelbar vor der Bundestagswahl 2025 dasjenige Gutachten, dem zufolge Merzens Winkelzug, die Schuldenbremse am letzten Tag des alten abgewählten Ampelparlamentes abzuschaffen, rechtlich zulässig sei….

Was so ein Gutachten wohl kostet?

Last edited 1 Stunde her by twsan
Dorn
41 Minuten her
Antworten an  twsan

Es kostet nur die persönliche Integrität aber der Gesellschaft den Glauben an Rechstaatlichkeit und in die Demokratie. Warum wohl finden immer mehr eine AFD gut oder beklatschen, in Abwesenheit jedweder moralischen Wertvorstellungen und gesunder Logik, einen Donald Trump? Steter Tropfen höhlt den Stein.

Raul Gutmann
1 Stunde her

Sozialdemokraten schustern Sozialdemokraten Steuergeld fürs Nichtstun zu

Mit den Arbeitsgelegenheiten (AGH), vulgo „Ein-Euro-Jobs“, fördert die Bundesagentur für Arbeit („Jobcenter“) langzeitarbeitslose Bürgergeld-Empfänger. Doch Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt ist in praxi die Ausnahme.
Liegt der tiefere Sinn jenes Systems womöglich darin, den in SPD-Besitz befindlichen Trägergesellschaften jener AGH-Maßnahmen für jeden „von der Straße geholten“ Langzeitarbeitslosen monatlich mindestens 900 Euro anzuweisen? Finanziert der Staat damit die „Sozialdemokratische“ Partei?
Wobei die SPD-Arbeitsmarktpolitik in ökonomischer Hinsicht darin besteht, die Menschen nicht in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse bringen will, sondern in Staatsabhängigkeit zu halten und im Kern der SPD-Parteifinanzierung dient.

ceterum censeo
1 Stunde her

Die einen Gauner bezahlen andere Gauner, damit deren Gaunerschaft ins rechte Licht gerückt wird. Da ist sogar die Mafia rechtschaffender!

Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Kann man diese Partei anders als einen verrotteten Haufen bezeichnen? Mir scheint, daß sie WISSEN, daß sie im Endspiel sind. Also wird vor dem Untergang noch ein kräftiger Schluck aus der Pullegenommen.

Klaus Uhltzscht
2 Stunden her

Udo di Fabio? Der hat noch während des Bundestagswahlkampfes 2025 für Friedrich Merz ein Gutachten erstellt, wie der Beschluß für die „Sondervermögen“ durch den abgewählten Bundestag direkt nach der Wahl rechtlich durchgesetzt und durchgewunken werden sollte.
Wer das Gutachten bezahlt hat, ist unklar. Friedrich Merz aus eigener Tasche sicher nicht. Und kostenlos macht Udo di Fabio sicher nichts.
Damit ist Udo di Fabio neben Friedrich Merz einer der Hauptschuldigen an der Rekordverschuldung der BRD.

Dorn
1 Stunde her
Antworten an  Klaus Uhltzscht

Das macht den Herrn Bundesrichter a.D. oder Sonderurlaub, ganz genau weiß man es als außenstehenden nicht genau, direkt sympathisch. Er arbeitet für alle die ihm Geld geben. Gestern SPD, heute CDU morgen vlt. AFD. Wer weiß, schließlich scheint er keine politischen Brandmauern zu kennen. Es wäre wirklich mal interessant wie viele, in welchen Themen, vorallem für wen alles er Gutachten erstellt hat.

TomK11
2 Stunden her

Eine Kernkompetenz der Sozialdemokraten. Im Ruhrgebiet läuft es ähnlich.