Die Beiträge für die Krankenkasse gehen durch die Decke – das wird teuer für die Fleißigen

Es ist passiert. Die Beiträge zur Krankenkasse steigen – und sie steigen massiv. Der Berliner Politbetrieb hat nichts anderes mehr zu bieten als Beschwichtigung und Schönrednerei. Die Regierung Friedrich Merz hat die Kontrolle verloren.

picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Um 0.23 Prozentpunkte sei der Kassenbeitrag zum Jahreswechsel gestiegen, schreibt die Zeit. Sie vergisst auch nicht zu erwähnen, dass die Bundesregierung ja ein Sparpaket über zwei Milliarden Euro für die gesetzliche Krankenversicherung beschlossen hat. Um die erwartete Steigung zu dämpfen. Wenn es darum geht, die wirtschaftliche Lage schön zu reden, müssen linke Politisten und Journalitiker schon einen Spagat hinlegen, der jede 14-jährige russische Turnerin neidisch machen müsste.

Auf 17,96 Prozent ist laut den Angaben des Dachverbands der Kassen, der GKV, der durchschnittliche Kassenbeitrag zum Jahreswechsel gestiegen. Wobei unterschieden wird zwischen 14,6 Prozent Sockelbeitrag für alle und dem Zusatzbeitrag, den jede der 93 Kassen individuell erhebt. Noch so ein Spagat. Denn durch diese Trennung lautet die Nachricht: Der Zusatzbeitrag liegt jetzt im Schnitt bei 3,36 Prozent – was deutlich weniger bedrohlich für die Finanzen der Rentner, Betriebe und Beschäftigten klingt als eben 17,96 Prozent des Brutto-Einkommens.

Doch auch die 3,36 Prozent haben es in sich. Zum Jahreswechsel 2024 auf 2025 ist die rot-grüne Bundesregierung unter Minister Karl Lauterbach (SPD) noch von einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,5 Prozent ausgegangen. Davor lag er bei 1,7 Prozent. Für dieses Jahr hat seine Nachfolgerin Nina Warken (CDU) mit 2,9 Prozent gerechnet – nun sind es also 3,36 Prozent. Die Zahlen zeigen drei Punkte deutlich: Der Zusatzbeitrag steigt massiv, innerhalb von nur einem Jahr hat er sich fast verdoppelt. Die Politik hat diesen drastischen Anstieg nicht unter Kontrolle. Sie reagiert – im Verbund mit befreundeten Journalisten – mit Beschwichtigungen und Schönrednerei.

Ein wichtiger Grund für die Kostensteigerung ist das Bürgergeld. Das hat die Regierung Friedrich Merz (CDU) „reformiert“. Raider heißt jetzt Twix, das Bürgergeld Grundsicherung, sonst ändert sich nichts. Für die Rundumversorgung der Langzeitarbeitslosen müssen Rentner, Betriebe und Beschäftigte doppelt bezahlen: über ihre Steuern, aber auch über ihre Beiträge zur Krankenkasse, für die es in Deutschland einen gesetzlichen Zwang zur Mitgliedschaft gibt.

Zehn Milliarden Euro zahlt der Bund den Kassen jedes zu wenig dafür, dass diese die gesundheitliche Versorgung der Empfänger staatlicher Transfers übernehmen. Vor allem der Empfänger von Bürgergeld – sorry, Grundsicherung. Der Fakt ist bekannt. Die GKV hat die Bundesregierung aus diesem Grund bereits verklagen lassen. Warken wollte die Situation ändern und die Kosten übernehmen, die ihre Regierung verursacht. Das war aber zu einer Zeit, in der Merz noch die Schuldenbremse halten wollte, die Finanzierung der NGOs streichen, den Heizungshammer zurücknehmen und so weiter.

Jetzt bleibt alles beim Alten. Die zehn Milliarden Euro fürs Bürgergeld-Grundsicherung belasten weiterhin die Beitragszahler. Im Haushalt von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) bleibt so genug Spiel für Radwege in Peru, „Klimaschutz“ in China, die Freunde und Ehepartnerinnen in den NGOs oder die großzügige Erhöhung des eigenen Gehalts. Auch fliegen die Abgeordneten des Bundestags jetzt alle Erste Klasse. Unterdessen steigen die Kassenbeiträge, verdoppelt sich der Zusatzbeitrag innerhalb eines Jahres. Wobei Warken und Merz entlastende „Reformen“ versprechen. Wobei ihr Wort so zuverlässig ist wie beim Einhalten der Schuldenbremse, Kürzen der Finanzierung von NGOs, Streichen des Heizhammers…

Die gesundheitlichen Leistungen für Empfänger der Bürgersicherung bleiben voll umfänglich erhalten. Aber die, die den Spaß finanzieren und dafür immer mehr bezahlen müssen, müssen mit massiven Streichungen rechnen. Der Berliner Politbetrieb gefällt sich derzeit regelrecht im Entwickeln neuer Foltermethoden gegen die Fleißigen. Aktuell beliebt ist die Idee, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall zu streichen.

Wer morgens um 6 Uhr aufsteht, drei Stunden zur Arbeitsstelle und zurück unterwegs ist, der dort acht bis zehn Stunden hart schuftet, aber drei Tage krank wird, bekommt Geld gestrichen. Mehr und schneller als ein Empfänger von Bürgergeld, der bereits seit Jahren nicht mehr arbeiten war, drei Termine im Jobcenter geschwänzt hat und dem sein Sachbearbeiter noch nicht nachgewiesen hat, dass er nicht zu krank ist, um sich wenigstens anzuhören, für wen er arbeiten könnte.

Die schwarz-rote Koalition bestraft die Fleißigen und bewahrt denen ein schönes Leben, die in die Sozialsysteme eingewandert sind. Damit setzt die Regierung Merz die Politik der Regierung Olaf Scholz (SPD) fort und die Politik der Regierung Angela Merkel (CDU). Die Zahl derer, die Arbeiten aber weniger haben, als die, die sie mit ihrer Arbeit mitfinanzieren, wird steigen. Aber das Phänomen gibt es ja überhaupt nicht, betonen Medien wie die Zeit mit dem Trainingsfleiß einer 14-jährigen russischen Turnerin. Und ihr Wort ist glaubwürdig – fast so wie das von Friedrich Merz.

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Kommentare ( 43 )

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Freige Richter
26 Minuten her

Etwas Geld kann man dann aber doch einsparen, wenn man z.B. aus der Gewerkschaft und dem ADAC austritt.

kb
1 Stunde her

Bei der katastrophalen Politikergebnisslage ist es nach den letzten Umfragen wohl eher die Frage ob der Wähler – insbesondere im Westen, ganz besonders in Bayern und Baden Württemberg (CDU bei 30% 🤣🤣🤣), nicht die Kontrolle über seinen Verstand verloren hat 🤣🤪😭

Last edited 1 Stunde her by kb
Aegnor
32 Minuten her

Nicht zu vergessen der Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze. Mittlerweile zahlt jemand mit offiziell 70k Bruttolohn pro Jahr (plus die AG-Sozialbeiträge) bereits fast 1300€ pro Monat für die gesetzliche Kranken- und Plegeversicherung. Ein Wahnsinnsbetrag. Die Gesamtabgabenquote mit allen Steuern und Sozialabgaben liegt bei ca. 70%. Da würde selbst ein Leibeigener im Mittelalter blass werden. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sehr die Leute das für normal halten. Scheint wohl wirklich wie mit den Fröschen im Kochtopf zu sein.

Privat
42 Minuten her

Von gelernten Fachleuten zur zweiten Wahl.
Es ist so wie immer – Der Span hat als Bankangestellter für uns Gesundheit gespielt und jetzt spielt die Rechtsanwältin Warken für den dünnen CDU Mann M. Gesundheit.
Es dauert nicht mehr lange, dann fliegt uns der Irrsinn BRD um die ohren.

Klaus D
46 Minuten her

das wird teuer für die Fleißigen….wer sind denn diese fleißigen eigentlich? Und was ist mit dem kapital? Wird es für dieses auch teurer oder wird es gar entlastet? Gibt es auch profiteure? Sollte man jetzt eine gehaltserhöhung fordern*? Was sich jetzt am meisten rächt sind die niedrigen löhne der fleißgen siehe vorallem niedriglohnsektor. Um das zu kompensieren muss der beitrag steigen – logisch.

*Krankenkassen 

Großzügige Gehaltserhöhungen trotz Milliardenloch 

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/grosszuegige-gehaltserhoehungen-trotz-milliardenloch-154033/

verblichene Rose
47 Minuten her

Die ganze Zeit lachten die Leute über meinen „blauen Hut“. Und wie sie sich erst das Maul darüber zerrissen: „Wie sieht der denn aus?“, oder „Sowas tragen doch nur Nazis!“ Und jetzt, wo er in Mode kommt, ist er nahezu unerschwinglich, der Hut….. Wie ich jetzt beim Thema Krankenkassenbeiträge darauf komme? Keine Ahnung, aber damals liefen alle sehr auffallend grün und rot „behütet“ durch die Gegend. Vereinzelt auch noch in schwarz. Aber die meinten alle, daß das „hinter einer Mauer“ nicht so auffällt. Tja, manchmal bestimmen sogar Farben das Leben, nicht wahr? Und Bange machen gilt nicht, also Hut auf… Mehr

Ho.mann
59 Minuten her

Die Frage ist nicht ob es knallt, sondern wann. Das kann und wird nicht mehr lange gutgehen. Mehr Verachtung und Verhöhnung kann man dem Beitragszahler nicht mehr entgegenbringen.

Der Michel
1 Stunde her

Was mich am meisten deprimiert an dieser Situation ist die Tatsache, dass sie selbstverschuldet ist. Weil der Michel seit mindestens 15 Jahren (in Sachen Sozialversicherungen schon seit über 30 Jahren) zu blöd, zu träg, zu uninteressiert – you name it – ist, den Tatsachen ins Auge zu blicken, Konsequenzen zu ziehen und die Altparteien endlich *abzuwählen*. Ob es eine neue Partei – ich sehe nur eine – wird richten können (oder auch nur den Willen dazu hat) kann man erst wissen, wenn man die Nagelprobe macht; dass aber *keine einzige* Altpartei auch nur ansatzweise das Wohl des deutshen Bürgers im… Mehr

Maja Schneider
1 Stunde her

Diese Regierung hat nicht nur hinsichtlich der Krankenkassenbeiträge die Kontrolle verloren, sie hat weder Plan noch Strategie in ihren gesamten Aktionen außer der des unbedingten Machterhalts, und eines wird immer klarer: sie zerstört unser Land, und zwar mit Hilfe der ihr ergebenen Medien und Teilen der von ihr finanziell gepamperten sogen. Zivilgesellschaft. Es kommen „wunderbare“ Zeiten auf die Bürger zu, die den eigenen Untergang, man kann das nicht oft genug betonen, auch noch teuer bezahlen müssen.

PulsarOperator
1 Stunde her

Nicht zu vergessen, dass der höhere Beitrag bei Betriebsrenten voll durchschlägt.

Guzzi_Cali_2
1 Stunde her

Man kann es drehen und wenden wie man will: Es sind Verbrecher, die da am Werke sind. Milliarden (!) für die Ukraine, für einen Krieg, der für alle ersichtlich verloren ist, ein Kanzlerdarsteller, der von allen verachtet , geschnitten und verhöhnt wird – aber die Deutschen weiter belasten, daß es nur so kracht. Ich warte immer noch auf den Funken, der die Bombe dann zum Platzen bringt. Das Schlimme daran ist, daß der Druck im Kessel immer weiter steigt, wenn man ihm kein Ventil eingebaut hat, über das Dampf abgelassen werden kann. Man denkt ja immer, das Mittelalter sei vorüber,… Mehr

Der Michel
1 Stunde her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Das Mittelalter ist definitiv nicht vorbei – schauen Sie sich an, wie die EU mit Jacques Baud umgeht. Im Gegenteil: Im Mittelalter wurden Hexen wenigstens pro forma angehört, bevor man sie verbrannt hat… Nebenbei: Dass TE, Apollo, Reitschuster & Co. hierzu unisono schweigen finde ich – mit Verlaub – erbärmlich. Hat man schon so viel Angst? Oder erkennt man das himmelschreiende Unrecht nicht?

verblichene Rose
37 Minuten her
Antworten an  Guzzi_Cali_2

Von denen, die jetzt so super empört tun will ich nichts hören!
Wie heisst es so schön? „Eat your own dog food!“
Ganz abgesehen davon, daß es eine ganze Zeit lang nichts anderes mehr geben wird!

agricolabauer
1 Stunde her

Ich habe auch einen Änderungsbescheid bekommen. Zum Trost wurde mir mitgeteilt, dass die Hälfte des Beitrages gar nicht von mir, sondern von meinem Arbeitgeber bezahlt werden müsste. Die glauben anscheinend immer noch, ich wüsste nicht, dass ich durch meine Arbeitsleistung auch den Arbeitgeberanteil mit erwirtschaften muss.

Rob Roy
1 Stunde her
Antworten an  agricolabauer

Richtig, der Arbeitgeberanteil ist kein Geschenk vom Chef, sondern muss vom Arbeitnehmer erwirtschaftet werden. Es sind auch keine „Lohnnebenkosten“, selbst wenn der Arbeitgeber diese als Betriebsausgaben geltend macht.
Es ist Teil des Arbeitsleistung – nur dass es nicht ausgezahlt wird. So oder so muss der Arbeitnehmer die Sozialabgaben voll entrichten. Von Arbeitgeber kommt da kein einziger Cent.
Der Arbeitgeber“anteil“ soll nur verbergen, dass in Wirklichkeit etwa 40% Sozialabgaben zu berappen sind, was vermutlich den meistens gar nicht bewusst ist.