Die Frauenquote ist von gestern!

BettinaRoehlDirekt

Am letzten Freitag wurde die “Frauenquote” eingeführt. Doch der Begriff ist irreführend. Quote stimmt. Der Begriff “Frauen” nicht: Stichwort Gender.

Die Frauen hat es nur zufällig als erste getroffen. Bleibt die Hoffnung, dass ein paar mutige, kluge Köpfe das jetzt vom Bundestag beschlossene Frauenquotengesetz schnellstmöglich zur Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht bringen. Zwar unterliegt auch das Bundesverfassungsgericht den Modeerscheinungen, die in der Entwicklung des Rechts zu beobachten sind, aber die Nähe des Bundesverfassungsgerichts zum Grundgesetz scheint deutlich inniger zu sein als die Nähe zwischen der Groko und dem Grundgesetz. Damit bleibt eine kleine Hoffnung auf gewisse Korrekturen einzelner Ecken und Kanten des neuen Gesetzes. Eine grundsätzliche Fragestellung der Quote wird sich das Bundesverfassungsgericht nicht zumuten wollen, obwohl sie angebracht wäre.




Quotenregeln sind hoheitliche belastende Verwaltungseingriffe auf der Basis eines Quotengesetzes, das explizit zu dem einen einzigen Zweck erlassen wurde, die Realität manipulativ zu verändern und dies im Sinne einer vorgegaukelten höheren Gerechtigkeit.

Die Union war nie eine Quotenpartei. Seitdem Merkel die CDU als Mehrheitsbeschafferin der SPD zu betrachten scheint, Zug um Zug gegen Überlassung des KanzlerInnenpostens an sie, war klar, dass als erste die Frauenquote beschlossen wird. 100 Jahre Feminismus drängten zunächst auf abstrakte Chancengleichheit. Das wurde langweilig und deswegen forderte schließlich ein neuer Frauenpolitikerinnentypus die Quote, die jetzt etabliert wurde.

Das Wort Frauenquote ist allerdings irreführend. Quote stimmt, Frauen dagegen nicht. Die Frauenquote sieht nämlich nicht vor, dass über 40 Millionen Frauen in Deutschland einen Quotenvorteil, welchen auch immer, gesetzlich zugeschrieben bekommen, sondern nur 200-300 Frauen die in die Aufsichtsräte der vom Gesetzgeber entsprechend qualifizierten Unternehmen einziehen.

Ein Gesetz für 200 oder 300 Menschen stößt allein aufgrund dieser Tatsache auf verfassungsrechtliche Grenzen. Und dann gibt es da auch noch die peinliche Peinlichkeit, dass eben die Frauen, die jetzt im Bundestag für die Frauenquote gestimmt haben, zu jener Gruppe zählen, die nach Beendigung ihrer Politikerinnenkarriere nicht selten in Aufsichtsgremien großer Unternehmen hineingewählt werden könnten, sich also selber ein Gesetz geschnitzt haben könnten, von dem sie persönlich profitieren würden. Auch diese Peinlichkeit, die bisher gar keinem aufgefallen zu sein scheint, hat einen verfassungsrechtlichen mauvais goût.

Die latent immer mitgespielte Fiktion, dass die “Top-Frauen”, die jetzt in die Aufsichtsgremien gequotet werden, eine weiblich vermenschlichte Form von Aufsicht ausübten, von der mittelbar 40 Millionen Frauen profitierten werden, ist lächerlich. Macht Kanzlerin Merkel für die Frauen Deutschlands die bessere Politik, als ein männlicher Kanzler sie in derselben Zeit hätte gemacht haben können? Merkels Altruismus gegenüber Frauen scheint sich in Grenzen zu halten.

Frauenquote? Frauenquote.

Eine andere Frage, die auch verfassungsrechtliche Relevanz hat, lautet, wieso heißt das Geschütz eigentlich Frauenquote? Lesen Sie genau und sprechen sie es laut aus: Frauenquote! Frauenquote? In der Europäischen Union gibt es keine Frauen. Es soll früher einmal Frauen gegeben haben. Die sind schon abgeschafft. Genda heißen diejenigen, die früher Menschen genannt wurden, in der europäischen Union. Noch gilt formaljuristisch der Begriff Gender, aber das war von Anfang an ein massiver Rechtsfehler, denn “er” nach “Gend”, das geht nun gerade wegen Genda überhaupt nicht.

Wie man es auch dreht und wendet, Gender Mainstreaming hat Mann und Frau kraft Gesetzes abgeschafft und als bloßen Knick in der Linse des Betrachters entlarvt.

Die Zweigeschlechtlichkeit ist durch eine nach oben offene Zahl von Geschlechtern, die mit Geschlecht nichts zu tun haben, ersetzt worden. Im Ausnahmefall duldet das Genda-Recht mühselig auch noch menschliche Wesen, die sich unverbesserlich als Mann oder Frau fühlen und davon überzeugt sind es auch zu sein.

Wenn also derselbe Gesetzgeber, der seit zehn Jahren das deutsche Gesetz gendat, jetzt kurz vor dem Weltfrauentag, (der unglücklicherweise noch Frauentag heißt, nicht Genda-Tag), eine Frauenquotenregelung ins Recht aufnimmt, die erkennbar sofort gegendert werden muss, dann schafft der Gesetzgeber einen unüberbrückbaren Bruch in der Rechtsordnung und einen unüberbrückbaren Riss durch die Gesellschaft. Sollen die Aufsichtsräte der Dax-Unternehmen mit Frauen zugequotet werden oder sollen sie vollgegendat werden? Ersteres ist voll daneben und letzteres ist auch voll daneben.




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Kommentare {23}

  1. Liebe Frau Röhl,

    leider haben Sie und ich diese Quote nicht ganz verstanden wie ich vor einigen Wochen an einem JUSO-Infostand erfahren habe. Da wurden nämlich viele weitere Quoten gefordert. Ich wollte wissen warum sich niemand der SPD-Basis darüber empört, dass sich die Frauenspitzenpolitik selbst ein Geschenk mit der Frauenquote gemacht hat und diesen Schei…Dreck als Erfolg für alle Frauen feiert. Denn es sind ja tatsächlich nur 200 bis 300 Frauen aus der gesellschaftlichen Spitze davon “betroffen”.

    Antwort der Jusos: Diese Quote dient als Signalfunktion für alle anderen gesellschaftlichen Bereiche und soll die breite Masse für das Thema sensibilisieren und andere Quoten ermöglichen.

    Auf meine Frage warum wir nicht alle Organisationsbereiche des Lebens nur noch durch Quoten regeln wie z.B. dann auch die Führung SPD gab es nur Unverständnis der Jusos. Denn dort, so habe ich erfahren, machen die Leute Karierre die durch Leistung an die Spitze kommen;-)
    Ich war dann trotzdem dafür das zukünftig dort 10% Muslime, 10% Homosexuelle, 10 % Juden, 10% Deutsche etc. vertreten sein müssten. Kam nicht gut an bei den Jusos am Infostand. Ich glaube sie sahen Ihre Chancen schwinden einen Platz in der Spitzenpolitik zu kriegen…

  2. Ich frage mich allen Ernstes, wann die Frauenquote für die Baubranche kommt
    -im Straßenbau, im Hoch-Tiefbau,im Dachdeckergewerbe,im Bergbau u.s.w….
    in diesen Hochleistungs-Arbeitswelten ,wo es um den Einsatz von Kraft geht,wird es wohl keine Quotierung geben. Man (Frau) will sich ja die Hände nicht schmutzig machen ,
    da sind die Dax-Unternehmen viel attraktiver, zumal nach einem politischen”Ableben”,
    die noch verbleibende Zeit gesichert wäre.
    Die Mehrheit der Männer in unserem Land haben sich vermutlich mit diesem “Main-
    stream” arrangiert , SCHADE -selbstbewuste Männer braucht das Land !

    Ursula M.-J.

  3. Das mit den Quotenfrauen kann man auch anders sehen. Unsere moderne Industriegesellschaft bewegt sich auf einen Abgrund zu. Dies Frauenquotengesetz und ähnliche politische Bestrebungen spielt daher eher in die Hände von Antifeministen. Je mehr Frauen per Gesetz in Führungspostionen kommen, je mehr werden nämlich die Überlebenden der kommenden Katastrophen die gestiegenen Frauenquoten für die Katastrophen mitverantwortlich machen und je leichter wird es sein die Änderungen der Frauenrechte der letzten 150 Jahre wieder zu kassieren. Der amerikanische Autor J.H. Kunstler schreibt z.B. in seinem Sachbuch “Too Much Magic” ( http://kunstler.com/TooMuchMagic/ ), dass er damit rechnet, dass nach dem Zusammenbruch eher eine Sehnsucht nach patriarchalischen Strukturen herrschen wird. Die zunehmende Gleichberechtigung der Frauen in den letzten 200 Jahren kann man auch als Nebeneffekt der Nutzung der nur endlich vorhandenen fossilen Brennstoffe sehen.
    Für meine Webseite habe ich Übersetzungen von zwei grundlegende Interviews mit den Professoren Catton und Tainter angefertigt, die beide aus ganz unterschiedlichen Gründen zu dem Schluss gekommen sind, dass unsere moderne Gesellschaft mit ziemlicher Sicherheit kollabieren wird.
    http://www.freizahn.de/2014/11/kollaps-komplexer-gesellschaften-interview-joesph-tainter/
    http://www.freizahn.de/2015/03/oekologisches-ueberschiessen/
    Warum auch immer es zum Kollaps unserer modernen Gesellschaft kommen wird, diese Gleichstellungsgesetze, Frauenquotengesetze usw. werden eher nicht überleben. Die überlebenden Frauen werden vielmehr so überleben und sich anpassen, wie Frauen in der meisten Zeit der Menschheitsgeschichte sich angepasst und Katastrophen überlebt haben.

  4. Gender-“Forschung” live

    http://www.gender.uni-kiel.de/team

    6 Damen und ein Herr.

    1. Na, da schau vielleicht nochmal genauer hin: das Eddi Mehrtens dürfte ja wohl kaum als Frau durchgehen.

  5. Werte Frau Röhl,

    herzlichen Dank für Ihren Artikel!
    Leider, und da muss ich Ihre Hoffnung trüben, besteht wenig Anlass zu glauben, das Bunderverfassungsgericht würde einschreiten.

    Beschäftigen Sie sich doch mal mit Frau Susanne Baer!
    Das önnte ein interessanter Artikel werden; Herr Danisch hilft sicher gern mit Input 😉

  6. Das Gesetz ist nichts anderes als ein Selbstdarstellungsgesetz der gemainstreamten „bürgerlichen Mitte“ im Parlament. Aufsichtsräte und Gremien, dass wissen wir alle, nehmen kaum Einfluss auf das operative Geschäft. Da können ein paar Frauen mehr wohl keinen Schaden anrichten. Eine kurze Internetrecherche zeigt: 47 % der Ärzte sind weiblich, aber nur 8% der leitenden und Chefärzte sind weiblich, genauer formuliert: „sind Frauen“, denn es gibt ja auch weibliche Männer. Wollte man tatsächlich die Karrierechancen von Frauen erhöhen, hätte man sich nicht auf die Nische der Aufsichtsgremien beschränkt. Ein solches Feigenblattgesetz sollte das Bundesverfassungsgericht der Politik nicht durchgehen lassen. Es handelt sich somit, wie von Frau Röhl umschrieben, im Grunde um ein unzulässiges und verfassungswidriges „Einzelfallgesetz“. Das Bundesverfassungsgericht wird es aber nicht beanstanden.

  7. […] Wenn allerdings mit Logik, die die Basis von Recht und Gesetz ist, nichts mehr auszurichten ist und die Irrationalität die Herrschaft übernimmt, was ja ein sich galoppierend ausbreitendes Symptom der Zeit zu sein scheint, dann geht’s dem […]

  8. Femokalypse

    Als ich Ende der Fünfziger Jahre als Kind zur Frau des Doktors „Frau Doktor“ sagte, da war die Frau Ihrem Ehemann gleichgestellt, obwohl sie eigentlich gar keinen Doktortitel hatte. In den meisten Fällen haben wir das aus verdientem Respekt vor der jeweiligen Familie getan, in einigen Fällen fanden wir das aber auch ungerechtfertigt.

    Feministinnen fordern heute die Gleichstellung der Frau und vielen Menschen auch aus meinem Bekanntenkreis ist nicht unbedingt klar, dass das mit Gleichberechtigung gar nichts zu tun hat. Eine Gleichstellung ist eine krasse, bisweilen sogar eine kriminelle Bevorzugung. In ihrer masslosen Selbstüberschätzung glauben Feministinnen obendrein, dass sie die Mathematik, Naturwissenschaften oder das Ingenieurswesen umschreiben können, weil sie diese Wissenschaften nicht verstehen, oder sie glauben an einen Anspruch auf die wildesten Sprachverrenkungen zu haben.

    In einem Kommentar der Welt habe ich gelesen, das z.B. Frau Profx Lann-Hornscheidt an ihrer Uni lediglich Dienstags von 10-14 Uhr Seminarstunden abhält. Sonst nix! Dann hat sie noch 5 Monate Semesterferien und das bei einem Gehalt plus Rentenanspruch in der Liga eines Chefarztes. Das geht doch nicht mehr mit rechten Dingen zu!!!

    In den letzten Tagen habe ich noch diesen Beitrag gelesen, den ich in Ergänzung noch erwähnen möchte, weil ich ihn sehr interessant fand. Es ist eine Übersetzung eines Vortrages von Karen Straughan, von der ich bislang noch wenig gehört habe: http://www.freizahn.de/2014/11/femokalypse/#more-756 Sehr Lesenswert!

    Der Vollständigkeit halber hier der erwähnte Artikel der Welt: http://www.welt.de/kultur/article134663961/Was-soll-die-Aufregung-um-Profx-Hornscheidt.html

  9. Danke. Dies Frauenquotengeschwafel ging mir eh schon immer auf die Nerven. Da mochte ich schon nicht mehr bweiterdenken.
    Hier nun tun Sie es erfreulicherweise, Frau Röhl. Ich hatte nicht dran gedacht, daß die Nutznießer des Ganzen die paar unerträglichen

  10. Meine Antwort auf unwissenschaftlichen Gender-Mainstream und Frauen-Quoten:
    der evolutionäre Vorteil der Zweigeschlechtlichkeit
    http://sexualdimorphismus.blogspot.de/2014/12/these-der-evolutionare-vorteil-der.html