Wann verlässt VW den Standort?

Deutschland ist zu einem toxischen Investitionsstandort mit ideologischer Kriegsführung geworden. Der Exodus der deutschen Automobilhersteller ist real. Er ist so real, dass man sich die Frage stellen muss: Wann zieht selbst Volkswagen die Notbremse und macht Nägel mit Köpfen?

IMAGO / Sven Simon

Auf 110 Milliarden Euro wurde der Verteidigungsetat der Bundesrepublik allein in diesem Jahr expandiert. Bis 2030 soll er bei 165 Milliarden Euro angekommen sein – ein gigantischer Fördermittelstrom sucht sich seinen Weg in die Werkshallen. Eine neue Subventionsebene wurde geschaffen, zu einem nicht unerheblichen Teil schuldenfinanziert, gestützt durch immer höhere Abgaben für die Mittelschicht. Aus der Perspektive der erodierenden und in die Abwanderung gedrängten deutschen Industrie ergeben sich in vielen Fällen Möglichkeiten, sich in diesen Subventionsstrom zu legen und abzugreifen, was noch möglich ist.

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Auch der ehemalige deutsche Automobilriese Volkswagen trägt sich mit dem Gedanken, in den kommenden 12 bis 18 Monaten erstmals einen Fuß in die Militärgüterproduktion zu setzen. Was bleibt angesichts der unbeschreiblichen Krise, die Brüssel und Berlin im Klimarausch initiiert haben, auch anderes übrig? In China wird der Markt durch heimische Anbieter vor allem im E-Auto-Segment genauso hart umkämpft wie der europäische Heimatmarkt. Volkswagen hat uns lehrbuchartig vor Augen geführt: Es ist fatal, blind und treu-dumm in politische Ideologie zu verfallen und, einmal im korporatistischen Geist verfangen, die Falle nicht mehr zu erkennen, in die man gelockt wurde.

Volkswagen zeigt die typischen Symptome eines managergeführten Unternehmens. Es zählen Funktionärsgeist und politisches Networking – tatsächliche unternehmerische Begabung ist ganz einfach nicht gefragt. Die Ergebnisse zeigen sich auf dem Weltmarkt, wo Volkswagen überall an die Wand gespielt wird.

Was bleibt also zu tun, wenn die Messe im Grunde bereits gelesen ist?

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Das Werk in Osnabrück könnte mit seinen 2.300 Beschäftigten, sofern Betriebsrat und Politik zustimmen, was als sicher gilt, das Testfeld zur Umstellung der Produktion auf Komponenten der Verteidigungsindustrie sein. Kreditmittel dürften in den kommenden Jahren in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Es geht nicht um die Verteidigungsfähigkeit gegenüber einer halluzinierten russischen Invasion. Weder Bundeskanzler Friedrich Merz noch sein zerbröselnder Koalitionspartner, die SPD, können sich einen erodierenden Arbeitsmarkt erlauben, weshalb alles daran gesetzt wird, die sich leerenden Industriehallen zu füllen, ganz gleich, mit welcher Art von Produktion. Das ist DDR-Niveau – zentral geplante Panikpolitik angesichts des Einbruchs der Realität im Zuge der Zerstörung der grünen Transformation.

Seit Februar 2026 prüft die Geschäftsleitung entsprechende Kooperationen mit Unternehmen der Verteidigungsbranche. Rafael Advanced Defence Systems steht hierbei im Raum, genauso wie die mögliche Produktion von Komponenten für das Luftabwehrsystem Iron Dome.

Trägerfahrzeuge, Abschussvorrichtungen und Generatoren könnten in Osnabrück entstehen. An die Produktion der Waffensysteme selbst wagt man sich nicht heran – noch nicht. Dazu fehlen schlicht die Kompetenzen.

Darin dürfte auch der Grund liegen, weshalb das Rüstungsunternehmen Rheinmetall von einer Übernahme des Osnabrücker Werkes Abstand genommen hat. Offenbar ist es doch erheblich komplizierter, zivile Produktion auf Rüstungsgüter umzustellen, als die Zentralplaner in Berlin sich das so vorstellen.

Auch in Wolfsburg dürfte man sicher sein: Deutsche Rüstungsproduktion wird auf lange Sicht lediglich einen unbedeutenden Teil der zivilen Industrie ersetzen können. Die hohen Energiekosten am Standort, der Brain Drain von Ingenieuren und gut ausgebildeten Fachkräften, die das Land fluchtartig verlassen, beschleunigen die Deindustrialisierung auf fatale Weise.

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Und ewig locken im Hintergrund die USA mit ihrem gigantischen Binnenmarkt und einer immer weiter reichenden Deregulierung unter der Regierung von Präsident Donald Trump. Der spürbare Zolldruck leistet ein Übriges: In South Carolina baut VW seine Präsenz aus, in Chattanooga läuft die Produktion längst auf hohem Niveau. Auch andere europäische Automobilkonzerne wie Stellantis oder BMW haben erkannt, dass es Zeit ist, die Zelte in der EU abzubrechen. Und während die Vereinigten Staaten ihren Wirtschaftsstandort reindustrialisieren, folgt hierzulande Horrornachricht auf Horrornachricht.

Seit 2019 hat die Automobilindustrie über 100.000 Jobs abgebaut, in den kommenden acht Jahren sollen 125.000 weitere verschwinden, so der Branchenverband VDA. Ist diese Prognose nicht am Ende eine rosarote Zeichnung der Realität? Allein bei Volkswagen sollen konzernweit bis zum Jahr 2030 50.000 Jobs abgebaut werden.

Man sollte sich nichts vormachen: Der Aderlass wird also wesentlich größer ausfallen, da der Strukturbruch sichtbar wird, die Politik aber an ihrem Kurs festhält: Fossile Brennstoffe werden fiskalpolitisch immer weiter verteuert, die grüne Transformation dreht die Armutsspirale immer schneller. Für Global Player wie deutsche Automobilkonzerne wird der Standort zur Last.

Volkswagen wird Deutschland nicht aus Überzeugung verlassen, sondern aus schierer politisch erzeugter Not. Ein Land, das wissentlich und mit übersprudelnder ideologischer Naivität sein industrielles Fundament in Trümmern legt, ist kein seriöser Wirtschaftsstandort mehr. Es wird zum abschreckenden Beispiel für die aufstrebenden Ökonomien dieser Welt. Anders gesagt: Von Merz lernen heißt verlieren lernen.

Friedrich Merz und sein Vizekanzler Lars Klingbeil können es nicht wissen, aber es sind jene Gesellschaften, die dezentralen Marktprozessen, ihren Unternehmern und kompetenten Belegschaften die Verantwortung für das Wirtschaftsgeschehen anvertrauen, die das Rennen machen werden. In Südamerika wählen sie derzeit den Weg zur Marktwirtschaft und einem belebend-erfrischenden Konservatismus. Und genau dorthin wird es auch Volkswagen ziehen.

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Junktor
1 Stunde her

Niedersachsen, 20% Aktienanteil, hat Sperrminorität. Die werden/würden sich mit Händen und Füßen wehren. Diese Blamage können sie nicht dulden, egal was es kostet!