Commerzbank-Deal enthüllt tief wurzelnde nationale Interessen

In Brüssel träumen sie von der Euro-Bankenunion. Diese allerdings würde den nationalen Einfluss auf den Kreditprozess beschneiden. Dass wohl kein Staat in der EU diese fundamentale nationale Kompetenz aus der Hand geben würde, führt uns der Übernahmeversuch der Commerzbank durch die italienische UniCredit vor Augen.

IMAGO / teamwork

Bankenpolitik zählt zu den äußerst sensiblen Handlungsfeldern nationaler Politik. Gerade in Zeiten, in denen sich die politische Führung berufen fühlt, wachsende Bereiche des ökonomischen Geschehens zentral zu planen, wie es beispielsweise im Falle der Rüstungspolitik oder des Green Deal in der EU und insbesondere in Deutschland der Fall ist, sind Kreditprozesse und Bankenregulierung Fragen von nationaler Bedeutung. Kredit wird zunehmend politisch gelenkt.

Dass die nationale Bankenpolitik in der EU noch immer in maximaler Distanz zur von Brüssel vorgegebenen Linie der Konvergenz verharrt, führt das Beispiel des zähen Übernahmeversuchs der Commerzbank durch die italienische UniCredit eindrucksvoll vor Augen. Der Vorgang gerät zu einer quälenden Zangengeburt, die weder von der Mehrheit der Commerzbank-Aktionäre, noch von Investoren, geschweige denn vom noch immer mit rund zwölf Prozent beteiligten deutschen Staat goutiert wird.

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Aus Sicht der deutschen Politik zählt die Commerzbank zu den Pfeilern des nationalen Kreditwesens. Über 70.000 Firmenkunden zählt das Haus noch immer; nicht unerhebliche Fördermittel werden über die Commerzbank-Struktur nach politischem Willen gesteuert. Bei einer feindlichen Übernahme durch eine italienische Konkurrenzbank besteht die Gefahr, dass sich die Kreditstrategie zugunsten italienischer Unternehmen aus dem Umfeld des neuen Eigentümers neu ausrichten wird. Der Abfluss deutscher Subventionen sowie der indirekte Transfer über den Kreditmechanismus durch die Bevorzugung italienischer Unternehmen aus dem Umfeld des neuen Eigentümers wäre die logische Konsequenz. Die Commerzbank steht in diesem Abwehrkampf keineswegs allein.

Bis zum 8. Juli soll sich entschieden haben, ob es zu einer Übernahme durch die UniCredit kommt oder nicht. Derzeit kontrollieren die Italiener 42,5 Prozent des Eigenkapitals: 26,77 Prozent der Aktien konnte die UniCredit bislang über die Börse direkt erwerben, hinzu kommen 3,22 Prozent Derivateinstrumente wie Optionsscheine, die das Anrecht auf einen entsprechenden Aktientransfer der Commerzbank begründen. Hinzu kommen die 12,51 Prozent der Commerzbank-Aktionäre, die bislang das Angebot der UniCredit akzeptiert haben. Man nähert sich also dem kritischen Punkt der absoluten Mehrheit der Stimmrechte, muss sich bislang allerdings der Macht der Investoren und des deutschen Staates geschlagen geben, die die Übernahme nach wie vor verhindern.

Im Übernahmekampf ist weiterhin nichts entschieden, der sich zunehmend auf eine suprastaatliche Ebene verlagert hat. Wir stehen vor einem Testfall für die tatsächliche Tragfähigkeit einer möglichen europäischen Bankenunion jenseits politischer Rhetorik. Der Deal bleibt hochsensibel, da nicht nur industrie- und bankpolitische nationale Interessen aufeinanderprallen.

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Es stellen sich zugleich regulatorische Fragen: Im Falle einer Genehmigung verlagerte sich die regulatorische Macht auf die EU-Ebene. Dies würde die Gefahr zwischenstaatlicher Konflikte bei der Verteilung beziehungsweise dem Abfluss von Fördermitteln und Staatshilfen auf eine völlig neue Ebene heben. Wäre die Bankenunion damit nicht sogar eine Art ewiger Zankapfel? Und wäre sie möglicherweise von Anfang an Opfer des EU-Interventionismus, da staatliche Organisationen tief in den Kreditprozess verflochten sind?

In jedem Falle würde die europäische Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB-SSM) zur zentralen Anlaufstelle im Falle nationaler Interessenkonflikte. Der Druck auf diese Behörde wüchse ins Unermessliche, wenn der Abfluss von Kapital sowie die daraus resultierenden Subventionseffekte zwischen Mitgliedstaaten untereinander aufgerechnet würden.

Es bleibt also spannend im Übernahmepoker um die Commerzbank. Der Streitfall wirft ein vielsagendes Schlaglicht auf die wahren Verhältnisse, Interessenlagen und nationalen Egoismen innerhalb des EU-Staatengefüges. Man mag sich einig sein, den europäischen Steuerzahler – ob über den Steuerhebel oder über die zunehmend auf EU-Ebene verlagerte, faktisch verbotene gemeinschaftliche Verschuldung mit nachfolgender Inflationierung – zur Kasse zu bitten. Der Konsens zerbröselt jedoch im Moment der konkreten Mittelverteilung aus dem gigantischen EU-Subventionsapparat. Aus Sicht der gegenwärtigen Politik fungiert der Bankensektor dabei zunehmend als Distributionsvehikel der eigenen politischen Zielsetzungen. Von einem freien Kapitalmarkt kann in der EU schon lange keine Rede mehr sein.

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Entkleidet man die EU-Bankenunion und blickt auf ihren nackten Kern, so wird deutlich, worum es tatsächlich geht: Kapitalmarktfriktionen sollen in der Eurozone und damit in der EU weitgehend eliminiert werden, um den gemeinsamen Kapitalpool zur Finanzierung europäischer Staatsschulden zu vergrößern. In Brüssel drängt die EU-Kommission unter Ursula von der Leyen mit Hochdruck auf die Einführung von Eurobonds – also gemeinschaftlich besicherter EU-Staatsanleihen. Derzeit wächst der Finanzierungsdruck, denn ab 2028 beginnt die Rückzahlung der ersten großen Gemeinschaftsanleihe der dann sogenannten NextGenerationEU. Die rund 800 Milliarden Euro, die dann fällig werden, dürften die Mitgliedstaaten aus eigener Kraft kaum noch aufbringen. Regelmäßig wiederkehrende, zunächst kleinteilige Anleiheemissionen durch die EU-Kommission werden in der Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Ein einheitlicher Finanzrahmen, definiert durch die EU-Kommission und abgesichert durch den Backstop der Europäischen Zentralbank, würde den nationalen Gesetzgeber faktisch dazu zwingen, die verpflichtende Quote für europäische Staatsanleihen in den Bilanzen von Banken, Versicherungen und anderen Kapitalsammelstellen schrittweise zu erhöhen. Auf diese Weise ließe sich der Kapitalfluss in die hochdefizitären öffentlichen Haushalte der EU-Staaten temporär aufrechterhalten. Die Finanzierung von Mittelstand, Handwerk und Einzelhandel dürfte dabei weiterhin überwiegend in den Händen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken verbleiben – die Privatwirtschaft spielt in den politischen Dispositionen eine zunehmend untergeordnete Rolle.

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Kommentare ( 14 )

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Wilhelm Roepke
21 Tage her

Gut zusammengefasste Wirtschaftsmeldung in einem Meer belanglosen Geblubbers von Handelsblatt über FAZ bis zu den den öffentlich-rechtlichen Medien, bei denen die erfahrenen Journalisten einfach nur das Lied der Regierungen mitsingen, während die Unerfahrenen für das Erkennen der Realität schlichtweg zu doof sind.
Bitte bleiben Sie dran, das Thema verschwindet garantiert nicht.

yeager
22 Tage her

Das Problem ist da doch nicht die Übernahme der Commerzbank, sondern dass die Bank von der Politik als Instrument für Subventionsmaßnahmen benutzt wird. Wenn man sich Sorgen darum macht mit der Übernahme politischen Einfluss auf die Bank einzubüßen, dann sollte die erste Frage sein, warum die Politik so direkt Einfluss auf die Bank ausübt, denn eigentlich sollte sich der Einfluss ja auf die Kontrolle von Rahmenbedingungen beschränken die für alle Banken gleichermaßen gelten. Die Verquickung von Banken und Politik verheißt nichts gutes, denn wo immer Politiker unser Geld in die Finger bekommen haben sie es veruntreut: Steuermittel, Gesundheitskassen, Rentenkassen, der… Mehr

Der Ingenieur
22 Tage her

Zur Erinnerung (und was nicht im Artikel steht):

Im Jahr 2005 hatte die UniCredit bereits die HypoVereinsbank übernommen.

hansgunther
22 Tage her

Ein zusätzlicher Blick auf Frankreich genügt. Die sind so lange „Europa“, solange ihre eigenen Interessen nicht berührt werden, bzw. unmittelbar Profit daraus entsteht. Wie viele eigene Bankinstitute dort sind, europaweit verflochten, bzw. durch ausländische Kapitalinteressen dominiert. Nada, niente, nichts! Der Markt ist verschlossen, viva Europa! Der einzige Markt, der offen und von außen angegriffen und übernommen wird, ist in Europa der deutsche. Es gilt für Banken, die Bahn, die Industrie, die Rüstung, ja, selbst mittelständische Unternehmen werden gezielt und strategisch übernommen. Im Gegenzug passiert hier nichts bzw. wir werden durch nationale Interessen der Ausländer verhindert. Italien ist da keine Ausnahme.Deutsche… Mehr

GermanMichel
21 Tage her
Antworten an  hansgunther

Erkenne deinen Todfeind und mache das was er um jeden Preis verhindern will.

Wird Zeit für eine Enge Partnerschaft Russland/Deutschland.

WGreuer
22 Tage her

„In Brüssel träumen sie von der Euro-Bankenunion“ Es ist typisch für die EU und die Globalisten, die Banken ebenfalls globalisieren bzw. zentralisieren zu wollen. Die Auswirkungen kapieren diese Leute allerdings kaum – oder wenn doch, nehmen sie die Auswirkungen in Kauf. Was war mit ein Grund für das deutsche Wirtschaftswunder nach dem 2. Weltkrieg? Was war mit ein Grund für den Erfolg der Chinesen nach 1980 / Deng Xiaoping? Ganz einfach: viele kleine Banken! Denn kleine Banken entscheiden vor Ort und können so den Geldbedarf präzise steuern, was den zentralisierten Großbanken nicht mehr möglich ist. In Deutschland waren die vielen… Mehr

Rasparis
22 Tage her
Antworten an  WGreuer

Als das Reich zerfiel, die deutsche Industrie in weiten Teilen in Trümmern lag, die Infrastruktur zerstört war und die Reichsmark dahinschwand, da waren die international verflochtenen, deutschen Trusts gleichwohl reich: Die Vermögen lagen auf Clearing-Konten der BIZ in Basel, denn die Hochfinanz hat natürlich niemals gegeneinander Krieg geführt – das taten nur die Staaten. Und so war der Kaltstart in das „Wirtschaftswunder“ hinein denn eigentlich gar kein Wunder und eher eine Frage des zu schaffenden, politischen Rahmens: Denn die Reserven, die „oben“ vorhanden waren, flossen -einmal daß der erforderliche politische Rahmen mit der „B.R.D.“ stand- mit zahllosen Multiplikatoreffekten nach „unten“… Mehr

Last edited 22 Tage her by Rasparis
GermanMichel
21 Tage her
Antworten an  Rasparis

Das ist auch heute wieder der Eindruck, die Hochfinanz, das Zentralbanksystem steht noch eine Stufe über den Nationen.

Sie dürfen also Kriege führen und Millionen massakrieren, solange sie Teil des Finanzsystems bleiben, und am Tag 1 des Friedens danach am Tisch sitzen um über Schuldendienst zu verhandeln.
Es wäre auch ein krasser Zivilisationsbruch Schulden zu ignorieren. Nachdem man Napalm oder ähnliches auf Zivilisten abgeworfen hat.

Aber diese Überlegungen sind natürlich antisystemisch.

GermanMichel
22 Tage her

Was ist denn die EU in Wirklichkeit.
Das Instrument, mit dem dann dieselben Leute über Europa herrschen, die bereits über die USA herrschen.
Hinter dem Vorhang, unsichtbar.

Genau diese Leute sind aber die absoluten Todfeinde der Weißen allgemein und der europäischen Völker im besonderen.

WIING
22 Tage her
Antworten an  GermanMichel

Helfen Sie mir bitte auf die Sprünge. Nicht, dass Sie etwa eine bestimmte Nation meinen!? Es würde mich nämlich sehr enttäuschen, wenn Sie wirklich so denken.

Rasparis
22 Tage her
Antworten an  WIING

Welche „Nation“ ?

Steuernzahlende Kartoffel
22 Tage her

Dreh- und Angelpunkt für die Marschrichtung in der EU ist der Satz:  „Man mag sich einig sein, den europäischen Steuerzahler…zur Kasse zu bitten.“ Deshalb steht zumindest mittelfristig auch das letzte Bollwerk vor einem Durchregieren der Brüsseler Teurokraten bis in die Taschen praktisch jedes Deutschen zur Disposition: Die Sozialversicherungen. Schon vor Jahren fürchteten unabhängige Experten insb. eine europäische Arbeitslosenversicherung. EU-weit deutsches Leistungsniveau – überproportional bezahlt von deutschen Arbeitnehmern und deutschen Steuerzahlern. Den GAU würde aber erst eine europäische Krankenversicherung bedeuten;-)

Rasparis
22 Tage her

Mittlerweile wäre es doch nicht nur in der GRV zu begrüßen, den Rest „€U“ropas einmal auf das „deutsche Leistungsniveau“ herunterzufahren und entsprechende Transfers zu stoppen.

Dieter Rose
22 Tage her

Wir sollen halt dauerhaft die Deppen der EU bleiben …