Volkswagen plant einen Stellenabbau von bis zu 100.000 Jobs. Das ist der heftigste Schlag in die Magengrube der Transformationsgläubigen, Klimakämpfer und Ökosozialisten. Begreift die Politik nun endlich, dass sie gegensteuern muss?
picture alliance/dpa | Matthias Balk
Volkswagen ist nicht bloß ein deutscher Autobauer. Der Wolfsburger Konzern ist das Emblem der Höhen und grausamen Tiefen dieses Landes. Er repräsentiert ethische Verwerflichkeit durch politischen Opportunismus während der Nazizeit genauso wie die Fähigkeit zur ideologischen Häutung, die Kraft zum Wiederaufbau und zur Hoffnung. Volkswagen verkörpert Deutschland wie wohl kaum ein anderes Unternehmen – und seine Krise ist eine Katastrophe für dieses Land.
Denn als was, wenn nicht als biblische Wirtschaftskatastrophe, sollte man den Plan der VW-Führung bezeichnen, in den kommenden Jahren 100.000 seiner noch 657.000 bestehenden Jobs ersatzlos zu streichen?
Der Kahlschlag wird Folgen haben für Standorte, die ohnehin bereits auf der Kippe standen: Hannover, Zwickau, Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm dürften wohl die Pforten schließen. Was hier sichtbar wird, ist mehr als ein Konzernumbau. Es ist der Beginn einer Kettenreaktion, die Zulieferer, Logistik und den gesamten industriellen Unterbau trifft.
Und künstlich geschürte Russlandangst wird die deutsche Industrie auch nicht wiederbeleben. Sie befindet sich inzwischen etwa ein Viertel unterhalb des Produktionsniveaus, das sie unter normalen Bedingungen, ohne die kontinuierlichen ideologischen Attacken aus Brüssel und Berlin, erreicht hätte. Merz’ Militär-Comeback wird nicht einmal ein keynesianisches Strohfeuer entzünden, das zeigen die trüben Konjunkturprognosen.
Die private Wirtschaft pfeift aus dem letzten Loch, die Zitrone ist ausgequetscht. Der Kredit, der eigentlich eine Wende erzwingen sollte, wird einmal bleischwer auf den Schultern unserer Kinder liegen. Und: Er verpufft ins Nichts, wie alles, was diese Bundesregierung anpackt. Immerhin füllt er die Taschen politischer Günstlinge und Subventionsjäger. Das sollte schon noch erwähnt werden, weil es die Gesinnung heutiger Zeiten am besten widerspiegelt.
Dass sie es ernst meinen mit ihrem grotesken neuen Sozialismus, zeigen Medienspiele wie das von Merz im vergangenen Jahr veranstaltete Kaffeekränzchen „Made for Germany“. Merz präsentierte sich damals mit den DAX- und MDAX-Vorständen im Kanzleramt, stolz, Unternehmer einmal nicht auf dem Golfplatz vorzufinden, und führte der Bevölkerung ein Kunststück vor, über Investitionen, die es gar nicht gibt.
Und während Politik noch immer im hermetisch abgeschlossenen Raum vegetiert, verliert Deutschland Jahr für Jahr zwischen 60, 80, manchmal 100 Milliarden Euro an Direktinvestitionen – also echtem Produktivkapital – ans Ausland. Wahre Unternehmer gehen, die Subventionsjäger bleiben. Und es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die öffentliche Meinung gegenüber den Subventionsjägern und der grünen Transformation wandelt, in dem Moment, in dem klar wird, dass es sich bei der gesamten Klimaerzählung um ein gigantisches Extraktionsschema handelt.
Sie werden lernen: Bürokratie produziert nichts. Ein subventioniertes Unternehmen arbeitet an den Bedürfnissen der Konsumenten vorbei. Und woke Aktivisten in ihren mit Milliarden an Steuergeld aufgepäppelten, parasitären NGOs schaffen ebenfalls keine Werte. Sickert dieses Wissen erst in das Bewusstsein der Bevölkerung ein, wandelt sich der Diskurs – dann wird es wild.
Bis dahin werden viele Deutsche staunend auf die jungen Menschen blicken, die sich an Straßen kleben oder Museen und Kunstwerke im Namen ihres Klimagottes schänden. Sie werden den skurrilen Ausführungen ihrer Politiker lauschen, die – genauso wie ihre Gewerkschaften und Unternehmensvertreter – an der Erzählung festhalten, dass ausschließlich CO2-freie Produktion Zukunft sicher und ethisch akzeptabel sei.
Währenddessen erschallt ein Lachen im Hintergrund. Es sind all die Länder, all die Standorte, Politiker, Arbeitnehmer und Investoren, die sich über den Exodus deutschen Kapitals, deutscher Unternehmen, deutschen Ingenieurwissens und angesichts der deutschen Hybris die Bäuche vor Lachen halten. Ob VW, Audi, BASF oder Bayer – deutsche Unternehmen befruchten die Standorte dieser Welt mit ihrem Wissen und zeigen, dass Standortpatriotismus Grenzen hat.
Die Grenze wird präzise dort gezogen, wo übergriffige, ideologisch aufgeladene und intellektuell erbärmliche Politik versucht, eine vormals freie Gesellschaft in ein ökosozialistisches Irrenhaus zu verwandeln. Drücken wir VW für die Zukunft an besseren Standorten die Daumen. Etwas Besseres als den Ökosozialismus wird sich beinahe überall finden lassen. Deutschland hat sich schon vor geraumer Zeit aus dem Club der aufgeklärten Völker verabschiedet.





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