Warum Islam-Kritik links sein muss

Als oberstes Übel gelten Linken stets Kapitalismus und USA. Da Saudi-Arabien neben Israel zu den engsten Verbündeten Amerikas zählt, ist es Linken möglich, die Menschenrechtsverletzungen dort zu kritisieren, bei den gleichen Vergehen im Iran aber zu schweigen.

© Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Diese Überschrift mag viele Leser überraschen, zu falsch klingt sie. Und doch: Islamkritik muss links sein, daran führt kein Weg vorbei. Sonderlich logisch erscheint diese Forderung nicht. Schließlich behaupten Linke doch immer wieder aufs Neue, dass der Islam nichts mit Terrorismus zu tun habe, dass die meisten Muslime friedlich seien und nicht zuletzt, dass es sich bei Islamkritikern um Rassisten handele, obwohl der Islam keine Rasse ist. Ein Araber wie Hamed Abdel-Samad ist Atheist, während der Deutsche Pierre Vogel als Salafist auftritt.

Aber hatten nicht schon Karl Marx und später Lenin Religion als „Opium des Volkes“ beschrieben? In ihren Augen spendete der Glauben den Menschen in Armut Trost – was indirekt ihre Bereitschaft zur Revolution senkte und der Errichtung des Kommunismus im Wege stand. Zudem diskriminiert der Islam Frauen, Homosexuelle, Juden, er will die Meinungs-, Presse-, Religions-, Wissenschafts- und Kunstfreiheit abschaffen. Er lehnt die Demokratie ab und befürwortet Prügel- und Todesstrafe. Er steht für all das, was Linke vorgeblich ablehnen.

In Ansätzen üben Linke durchaus Kritik am Islam. Die schweren Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien beispielsweise nehmen sie zur Kenntnis. Seltsam verklausuliert will man aber nur die wahhabitische Spielart des Islam als Schuldigen benennen. Nun ist der Wahhabismus aber eine Denkrichtung, die sich allein auf den Koran stützt und die Neuerungen der Moderne ablehnt – also Islam pur. Auch ist Saudi-Arabien nicht ein islamisches Land unter vielen, sondern mit Mekka und Medina die Wiege des Islam. Warum schaffen es so viele Linke, das Unrecht an einem Ort zu erblicken, das gleiche Unrecht an anderem Ort aber zu ignorieren?

Rechtsextremismus und Islam

Erklären lässt sich dieser Widerspruch aus der anti-imperialistischen Logik. Als oberstes Übel gelten Linken stets der Kapitalismus und die USA. Da Saudi-Arabien aber neben Israel zu den engsten Verbündeten Amerikas in der Region zählt, ist es Linken möglich, die dortigen Menschenrechtsverletzungen zu kritisieren, angesichts der gleichen Vergehen im Iran aber zu schweigen – denn Teheran will sich Washington nicht beugen. Ähnlich lässt sich aus dem linken Lager auch Kritik am türkischen Staatspräsidenten Erdoğan vernehmen. Denn erstens gehört sein Land der NATO an und zweitens geht er militärisch gegen die marxistisch ausgerichtete Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor.

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Dennoch darf man sich von dieser linken Inkonsequenz nicht dazu verleiten lassen, in rechter Islamkritik eine Alternative zu sehen. Das rechtsextreme Lager hatte schon immer ein ambivalentes Verhältnis zum Islam. Historischer Vorläufer war das Bündnis Hitlers mit dem Großmufti von Jerusalem. Beide verband der Antisemitismus und der Wunsch, die britische Kolonialherrschaft in Nahost zu brechen. Mohammed Amin al-Husseini half bei der Aufstellung islamischer SS-Divisionen in Albanien und Bosnien und verhinderte auf diplomatischem Wege, dass jüdische Kinder aus dem besetzten Europa das rettende Mandatsgebiet Palästina erreichen konnten. Hitler flirtete auch mit dem großtürkischen Nationalismus. Denn das sogenannte Großturanische Reich hätte sich bis nach Zentralasien erstreckt, in dem Angehörige der Turkvölker leben. Eine solche Expansion der Türkei an der Seite der Achsenmächte wäre zu Lasten der Sowjetunion gefallen.

Reste dieses Bündnisses haben sich auch in der heutigen NPD erhalten – und das obwohl sie gegen syrische Flüchtlinge und Moscheebauten polemisiert. So konnte sich beispielsweise der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad, der gegen Israel hetzte und 2006 in Teheran eine Konferenz international bekannter Holocaustleugner ausrichtete, der Sympathie der rechtsextremen Kleinpartei erfreuen. Auch anlässlich der Militäroperationen in Gaza brachte die NPD ihre Verbundenheit zum palästinensischen Volk zum Ausdruck.

Zentral sind jedoch nicht Antisemitismus und Antiamerikanismus, sondern etwas ganz anderes.

Parallelgesellschaften als Schutz vor Integration

2008 bezeichnete Erdoğan bei einem Auftritt vor tausenden Deutschtürken in Köln Assimilation als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Türken sollten sich in Deutschland zu ihrer Kultur, Sprache und auch Religion bekennen. Ebenso forderte Erdoğan, dass es auf deutschem Boden türkische Schulen und Universitäten geben solle. Damit erteilte er der Integration eine Absage und rief zum Gegenteil auf, zur Bildung von Parallelgesellschaften.

Gerade diese Forderungen stießen aber auf Beifall, nicht auf Ablehnung der NPD. Denn sie laufen auf eine Apartheidspolitik hinaus. Nur dann, wenn Türken weiterhin türkisch sprechen und die türkische Staatsbürgerschaft behalten, ist es möglich, sie in die Türkei abzuschieben. Je deutscher sie werden, umso schwieriger ist es, sie des Landes zu verweisen. Auch kann eine Trennung beider Völker die gefürchtete Rassenvermischung verhindern. Daher sprach der frühere Parteivorsitzende Holger Apfel von einer „Pflicht“ für Ausländer, ihrer jeweiligen Religion anzugehören.

Wohl deshalb schätzt die NPD es, wenn islamische Frauen sich verhüllen und so von deutschen Männern abgrenzen. Der verstorbene Nazi-Anwalt Jürgen Rieger stellte die rhetorische Frage: „Was ist für unser Selbstbewusstsein schädlicher, die Pflichtlektüre des Tagebuchs der Anne Frank in den Schulen oder eine muslimische Schülerin mit Kopftuch?“ Andreas Molau, ehemaliger NPD-Politiker, hatte erklärt: „Etwas mehr Kopftuch, als Frage einer züchtigen Kleiderordnung, stünde manch deutschem Mädel schon gut zu Gesicht.“ Rechtsradikale und Islamisten teilen sich ein ähnliches Frauenbild.

Rechtsextremes und islamistisches Frauenbild

Aber auch der konservative bzw. christliche Ansatz der Islamkritik, wie ihn die AfD praktiziert, birgt Fallstricke. Es bleibt zu hoffen, dass ihr Einzug in den Bundestag kurzfristige Impulse liefert und die Altparteien zwingt, eine neue Position zum Islam zu entwickeln, langfristig kann es jedoch zu gegenläufigen Entwicklungen kommen.

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Der AfD-Abgeordnete Martin Hohmann beispielsweise behauptete im Jahr 2000 im Bundestag (damals noch als CDU-Mitglied), dass es ein „Unwerturteil der drei großen monotheistischen Weltreligionen über Homosexualität als solche“ gebe. Als Brasilien 2003 eine Resolution in den Menschenrechtsrat der UN einbrachte, die die Diskriminierung Homosexueller anprangerte, wurde der Vorstoß vom Vatikan und islamischen Staaten blockiert. 2005 fanden christliche, jüdische und muslimische Geistliche zusammen an einen Tisch, als es galt, den geplanten Christopher-Street-Day in Jerusalem zu verhindern. Die islamische Homophobie wurde 2015 instrumentalisiert, als über schwule Ampelmännchen in Hamburg diskutiert wurde. Dadurch könnten sich Muslime beleidigt fühlen, so der AfD-Landesverband. Ähnliche Bündnisse sind auch bei Abtreibung oder Sterbehilfe denkbar.

Nach wie vor gibt es in der AfD antisemitische Tendenzen (auch wenn sie nicht die offizielle Parteilinie darstellen). Dies ist gleich doppelt bedenklich. Zum einen – natürlich – weil Antisemitismus an sich eine Gefahr für Juden darstellt und zum Anderen, weil er, wie oben gezeigt, immer auch ein Bindeglied zum Islam darstellt. Jürgen Elsässer, dessen Compact-Magazin als AfD-freundlich bekannt ist, gilt als Unterstützer der Teheraner Regierung. Im Frühjahr lud das Mittelstandsforum der AfD-NRW Daniele Ganser zu einem Vortrag ein (und nach heftigem Medienecho wieder aus). Der Schweizer Politologe spekuliert über eine Beteiligung der US-Regierung an den Anschlägen vom 11. September 2001, leugnet also den größten islamischen Terrorakt der Geschichte. Ähnlich hatte Ganser auch den Angriff auf Charlie Hebdo kommentiert.

Schnittmengen Rechtsextreme und AfD

Als Islamexperte der AfD gilt der sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider, der gleichzeitig auch Sprecher der parteiinternen rechten „Patriotischen Plattform“ ist. Er ist ein erklärter Freund von PEGIDA und der „Identitären Bewegung“, deren Führungskader oft eine Vergangenheit in der NPD oder rechtsextremen Gruppen haben. Meist wird Tillschneider von den Medien als Islamfeind bezeichnet. Das Gegenteil ist der Fall. Der promovierte Islamwissenschaftler setzte durch, dass auf dem Parteitag 2016 in Stuttgart eine Passage, die eine Reform des Islam forderte, gestrichen wurde. Wer die „Islamisierung Europas zurückweise“, dürfe umgekehrt „keine Europäisierung des Islams fordern“. Er sei „sehr gerne im Orient“ und habe „großen Respekt vor dem Islam.“ Im Studium habe es ihn nach Damaskus gezogen, nicht in das „verwestlichte“ Kairo. „Ich will einen Islam, der islamisch ist, und ein Deutschland, das deutsch ist.“

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Die Forderung nach einer Islamreform sei „Feindlichkeit gegenüber Identität und kultureller Differenz.“ Zwar erkenne er den Fakt an, dass der Islam Demokratie, Frauenrechte und körperliche Unversehrtheit als Prinzipien ablehnt, er wolle diesen Umstand aber nicht bewerten. „Die islamische Kultur ist weder besser noch schlechter als die deutsche oder die europäische Kultur, sie ist anders, und sie passt, so wie sie ist, nicht zu uns.“ Der „Menschenrechtsuniversalismus des Westens“ sei in Wahrheit ein “Menschenrechtsbellizismus“. Im Klartext: Laut Tillschneider will derjenige, der die Missstände im Islam anprangert, nicht Frauen und Schwule vor der Steinigung retten oder Kinder vor einer Zwangsheirat bewahren, sondern nur neue Militäroperationen im Nahen Osten rechtfertigen.

Die linke Islamkritik einer Alice Schwarzer weise er ausdrücklich zurück. Sie führe zu Multi-Kulti und einem „grauen Einheitsbrei“. „Ich kritisiere den Islam nicht an sich und will ihn weder reformieren noch aufklären.“ Tillschneider stellt klar, dass für ihn das „Problem nicht der Islam […] sondern die Präsenz des Islams in Deutschland“ sei. Er fordert daher, die Einwanderung aus der islamischen Welt zu stoppen. Nur in einem Punkt fordert er den Islam zum Umdenken auf. Er müsse sich von seiner auf „Weltherrschaft gerichteten Expansionstendenz“ verabschieden und anerkennen „dass die Gebiete in Nordafrika und dem Vorderen Orient sein traditionelles Gebiet darstellen, in dem er sich frei entfalten kann, während er sich in den übrigen Weltregionen den dort herrschenden Gepflogenheit fügen muss.“ Diese Ausführungen ähneln den oben beschriebenen Apartheidsvorstellungen der NPD. Auch der Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts, André Poggenburg, hatte einige Tage vor der Bundestagswahl erklärt: „So wenig der Islam nach Deutschland passt und gehört, so sehr respektiert die AfD-Fraktion Kulturen, Traditionen und Religionen in ihren Herkunftsländern.“

Anti-Amerikanismus und Rechtsextremismus

Ein weiterer Islamfreund, der bei PEGIDA auftrat, ist der Potsdamer Militärhistoriker Peter Hild. Er bewegte sich längere Zeit im Umfeld der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck und griff 2015 in seiner Dresdner Rede auf NS-Propagandathesen zurück. Hild hatte allerdings auch erklärt: „Ich bin ein Freund Arabiens. Und ein Freund des Islam – möchte aber nicht mein Vaterland islamisch haben!“, und sich an den transphoben Sprüchen des algerischen Gangsterrappers Al Gear erfreut.

Mehrfach hatten AfD-Politiker bekräftigt, in der österreichischen FPÖ ein Vorbild zu sehen.
Beispielsweise trafen sich die Parteivorsitzenden Frauke Petry und Heinz-Christian Strache zum wortwörtlichen Gipfeltreffen auf der Zugspitze. Straches Vorgänger Jörg Haider hatte stets vor islamischer Einwanderung gewarnt, galt aber wegen antisemitischer Äußerungen als Freund der arabischen Welt. (Zufällig bedeutet sein Nachname auf arabisch „Löwe“.) Auf Reisen in den Nahen Osten soll er Millionenzahlungen von Saddam Hussein und dem Gaddafi-Clan erhalten haben.

Der christlich-konservative Publizist Dinesh D’Souza behauptete 2007, die „kulturelle Linke“ trage eine Mitschuld an den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Liberale Werte in den USA sorgten im Nahen Osten für Hass. Zwischen den Zeilen klingt da durch, im Rahmen des Appeasement westliche Werte aufzugeben. Den arabischen Antisemitismus scheint D’Souza auszublenden, jedenfalls meint er, dass der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern kein Motiv für Al-Qaida sei. Die sexuellen Demütigungen irakischer Kriegsgefangener in Abu Ghuraib sei auf linke Moralverstellungen zurückzuführen. Auch gab er an, in „Kernfragen des Glaubens“ dem Islam nahezustehen.

2011 griff das Internetportal „politically incorrect“ freudig die Äußerungen des britischen Biologen Steve Jones auf. Dieser hatte geklagt, dass muslimische Studenten die Evolutionstheorie ablehnten. Kurz zuvor hatte die Website allerdings republikanische Präsidentschaftskandidaten, die an die biblische Schöpfungslehre glauben, verteidigt. Derlei Widersprüche sind in einem Medium, das Meinungspluralismus zulässt, nichts seltenes – in diesem Fall aber stammten beide Beiträge vom selben Autor.

Antikommunismus, Islamismus und CDU/CSU

Wer vom Linksruck der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel enttäuscht ist und glaubt, der islamfreundliche Kurs habe erst mit der berühmten Rede („Der Islam gehört zu Deutschland.“) Christian Wulffs im Jahr 2010 begonnen, täuscht sich. Bereits 1978 gab es ein Treffen zwischen CSU-Patriarch Franz Josef Strauß und dem Gründer der rechtsextremen türkischen Partei MHP (Graue Wölfe), Alparslan Türkeş. Die beiden kalten Krieger waren sich einig in der Bekämpfung des Kommunismus. In der Folge duldete die CSU MHP-Aktivitäten auf deutschem Boden.

Norbert Blüm hatte 1998 im Bundestagswahlkampf bekundet, dass ein fester Glaube vor unmoralischem Verhalten schütze. Recht salopp verteidigte er Moscheebauten: „Ein frommer Muslim in der Moschee ist mir lieber als ein besoffener Atheist im Freudenhaus.“ Ganz ähnlich hatte auch der Ministerpräsident Baden-Württembergs, Günther Oettinger, 2006 erklärt, ihm seien Muslime als Neubürger lieber als Atheisten oder Scientologen. Erst vor wenigen Wochen sah der CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte im „wachsenden Atheismus“ eine größere Gefahr als in einer Islamisierung Deutschlands.

Im Jahr 2000 plante die Unionsfraktion den Blasphemieparagraphen § 166 zu verschärfen. Um dieser Forderung mehr Nachdruck zu verleihen, wurden 2001 zu einer Anhörung nicht nur Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche geladen, sondern auch Muslime und Juden. So sollte religiöse Einigkeit demonstriert werden, schließlich galt es, Götter vor Hohn und Spott zu schützen. Anwesend war auch der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, Ahmad Al-Khalifa, in dessen Moscheegemeinde Hintermänner des Anschlags auf das World Trade Center 1993 verkehrten.

Deutsche Lebensreform-Bewegungen - Teil 1 von 3
Irrlehren vom Neuen Menschen führten zu den Totalitarismen
In diese Aufzählung reiht sich der letzte Kronprinz und verhinderte Kaiser Österreich-Ungarns, Otto von Habsburg, nahtlos ein. Der konservative Katholik saß von 1979 bis 1999 für die CSU im Europaparlament. Er vertrat 2002 in einem Interview die These, dass der Rückgang des Glaubens in Deutschland zu einem Anstieg der Kriminalität geführt habe – was lobe er sich da die islamische Welt, wo stets der Ruf des Muezzin erschalle. Außenpolitisch schlug er ebenfalls bedenkliche Töne an. So sei das Pentagon jüdisch, das US-Außenministerium afro-amerikanisch geführt. Der Einfluss der weißen Amerikaner sei zurückgegangen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon spiele mit dem Gedanken, die Araber auszurotten. Zudem zeigte Habsburg sich als scharfer Kritiker Wladimir Putins – er fürchtete, dass dieser das Baltikum annektieren könne – und ließ gleichzeitig Verständnis für tschetschenische Terroranschläge anklingen.

Younes Ouaqasse, CDU-Bundesvorstandsmitglied 2012-14, davor Führungspositionen in Schüler-Union und RCDS, betonte die Verbundenheit von Christentum und Islam. Der marokkanisch-stämmige Politiker wendet sich scharf gegen Abtreibungen und die Pille danach. Zu seinen Überzeugungen erklärte er: „Die Familie des muslimischen Deutschen wählt in der Heimat doch auch nicht die Sozis, die wählt die Konservativen.“

Materielle Interessengemeinschaft Kirchen und Islam

Auch von den Vertretern der Kirche darf man nicht zu viel erwarten. Als im Jahr 2012 ein Kölner Gericht die rituelle Beschneidung als Körperverletzung einstufte, protestierten katholische und evangelische Bischöfe. Die Entscheidung verstoße gegen die Religionsfreiheit muslimischer und jüdischer Kinder. Selbst die ultrakonservative Piusbruderschaft, die oftmals mit antijüdischen Äußerungen aufgefallen war, äußerte sich dahingehend.

Mitgetragen wurde die Willkommenskultur in der Flüchtlingskrise nicht zuletzt auch von beiden Großkirchen. Vielleicht ging es dabei um christliche Nächstenliebe. Vielleicht aber auch nur um eine neue Einnahmequelle. Schließlich sind beide Kirchen auch milliardenschwere Sozialkonzerne, für die die Versorgung der Flüchtlinge – bezahlt von Steuergeldern (und damit ist nicht nur die Kirchensteuer gemeint) – ein ganz neues Betätigungsfeld darstellt. Zudem dürfte der Anteil der Konfessionslosen in ca. 10 Jahren 50% überschreiten, Deutschland also mehrheitlich religionslos werden. Durch die Einwanderung von Muslimen kann sich dieser Zeitpunkt noch um einige Jahre verzögern.

In Deutschland herrscht offiziell die Trennung von Kirche und Staat. Tatsächlich aber werden erhebliche Staatsleistungen für die beiden christlichen Glaubensgemeinschaften erbracht – für die islamischen Gemeinden hingegen nicht. Manch einer mag sich da fragen, ob man im Rahmen der Gleichbehandlung und der offiziell doch existierenden Trennung von Kirche und Staat diese Förderungen nicht für alle Religionen streichen könne. Wohl deswegen äußern sich evangelische und katholische Bischöfe in den letzten Jahren immer häufiger islamfreundlicher und fordern eine staatliche Anerkennung der Moscheegemeinden oder islamischen Religionsunterricht in den Schulen. Bei allen theologischen Differenzen mögen diese rein weltlichen Überlegungen überwiegen.

Weder eine national, noch eine christlich fundierte Islamkritik vermögen das Problem zu lösen. Auch wenn es für viele Leser schwer erscheinen mag, nicht nur links, sondern sogar linker als links zu werden – will man dem Islam entschieden entgegentreten, gibt es keine andere Alternative. Wer weiß: wenn man mit gutem Beispiel vorangeht, werden vielleicht sogar die Linken eines Tages links.


Lukas Mihr ist Historiker und freier Journalist.

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Kommentare

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  • Walter Knoch

    Nur anekdotisch: Die Linke als Hüterin von ‚Fortschritt, Freiheit, Demokratie …. ? Wo hat der Autor diese Fakten geklaut?

    Seit die Hebammen Robespierre, Danton, Marat, Saint-Just und ein paar andere die moderne Linke aus der Taufe gehoben haben, begleitet diese Linke in all ihren Versuchen und Ausprägungen die Kandare, der Knüppel der Kollektivismus, die Verfolgung Andersdenkender, das freiheitsfeindliche Denken, ihr exklusiver Herrschaftsanspruch, die Affinität zur Gewalt.

    Die Attacken gegen die AfD dürfte, müsste der Autor eigentlich, als Linker, der er ist – so nehme ich wenigsten an – in den Kontext der Gründungsphase der Grünen stellen, wo ein Tohuwabohu herrschte, bis sich eine einigermaßen klare Strömung durchsetzte. (die der Fraktion der K-Gruppen-Funktionäre. welche alle anderen Richtungen aus der Partei gekegelt hatte).

    Auch die AfD muss einen Klärungsprozess durchlaufen. Ohne Mitglied zu sein, kann ich, bei den vielen Mitgliedern die ich kenne, keinerlei antisemitische, israelfeindliche Strömungen sehen; das Gegenteil ist der Fall.

    Die Christopher-Street-Day-Umzüge sind im Grunde eine Belästigung all der Bürger, die die Sexualität dort lassen wollen, wo sie hingehört, ins Private, in den ganz persönlichen Bereich. Die Auswüchse an Verhalten, Schamlosigkeit bei diesen Festumzügen schlagen jeder Art dezenter Schamhaftigkeit ins Gesicht. Und ich rede keiner verklemmten, zerknirscht-verquasten Sexualität das Wort.

    Das Hohe Lied der gleichgeschlechtlichen Sexualität hat einen klitzekleinen Geburtsfehler: Ihr fehlt die Nachhaltigkeit, sie ist eine restringierte, wenn der Autor so will, eine amputierte, eine kastrierte Sexualität und insofern nicht auf Augenhöhe mit der Sexualität zwischen Mann und Frau zu betrachten; der nämlich Exklusivität zukommt, ein Alleinstellungsmerkmal: Die Potenz Kinder in die Welt zu bringen.

    Ich definiere mich als Rechter: als bürgerlicher Rechter, der für Vater, Mutter, Kind steht, der Freiheit als Freiheit zu, als Freiheit für und nicht als Freiheit von begreift, der Wirtschaft unter den Aspekt der Achtsamkeit stellt und der vor allem und zuerst und unter keinen Umständen in die Nachfolge der Kopfabhacker von (1789) 1792 fortfolgende, in die Nachfolge der Rotmützenträger gestellt werden will.

    „Fiat ius, pereat mundi,“ Es geschehe Revolution, auch wenn die Welt zugrunde liegt. Frei übertragen, ist dies Wahlspruch und Praxis der linken Bewegungen rund um den Erdball. Nicht die evolutionäre, organische, dem Menschen angemessene (Fort)Entwicklung.

    Als Konservativer wehre ich mich gegen einen Islam, der bei seinem Gründungsvater beginnend, über seine Offenbarungen im medinensischen Koran, seiner Kodifizierung der Sklaverei, seiner Frauenfeindlichkeit, seinen Hasspredigten in Koran und Ahadith gegen die Juden, bis zur Gegenwart der diktatorischen islamischen Staaten. Die Wehrhaftigkeit gegen den Herrschaftsanspruch einer totalitären Ideologie bleibt mitnichten der „Linken“ vorbehalten.

    Letztendlich gilt für mich als Maxime: Der Konservative weiß, dass sich die Dinge ändern müssen, damit das wesentlich erhalten bleibt.

    Aber das Neue muss beweisen, dass es besser ist, als das was war.

    .

    • Fritz Goergen

      Dass der Autor vom Anspruch der Linken spricht, ist Ihnen nicht aufgefallen?

      • Walter Knoch

        „Weder eine national, noch eine christlich fundierte Islamkritik vermögen das Problem zu lösen. Auch wenn es für viele Leser schwer erscheinen mag, nicht nur links, sondern sogar l i n k e r als l i n k s zu werden – will man dem Islam entschieden entgegentreten, gibt es keine andere Alternative. Wer weiß

        Wenn ich das kleine Nachsätzchen etwas zurückstelle, definiert er einen Anspruch der Linken (als Linker!???).

  • Fritz Nomen

    https://www.youtube.com/watch?v=vyZHIHp3ETk&t=49m1s&feature=youtu.be&app=desktop

    Auch manche Linke sind Islamkritisch und verstehen Ihre linken Kollegen nicht mehr ( YouTube).

  • cs137

    Ich habe „Nationalsozialismus“ geschrieben, nicht „Nationalismus“. Ersterer war sehr wohl ein totalitäres System. Nationalismus, wie Sie ihn hier interpretieren, nicht.

  • Poco100

    Die größte Bedrohung ist eher die, daß man die Bedrohung durch oder des Islams überhaupt nicht erkennt oder wahrnimmt.

  • Intersol

    Man sollte nicht hoffen. Der Kaiser ist nackt. Die Linke ist nicht diese wandlungsfähige Hoffnung aller Zeiten, die sich stets doch noch einmal fängt und die Versprechen der christlichen Heilslehre auf Erden erfüllt.
    Der Begriff „links“ ist viel zu sehr aufgeladen – selbst die Konservativen hoffen insgeheim, dass die „Linke sich noch irgendwann einmal fängt und wieder so gut wird wie früher“…
    Was ist links? Bedenken wir; Sozialkampf, Eintreten für Arbeiter, Aufklärung, Säkularismus, Staatskapitalismus und Religionskritik – all diese Dinge hat die Linke aufgegeben.
    Die heutige Linke ist anders, es geht um ganz andere Gruppen (revolutionäre Subjekte), ganz andere Forderungen – das linke Milieu ist auch materialistisch ganz anders aufgestellt – es hat größtenteils kein ureigenes Interesse an der Verbesserung der ökonomischen Verhältnisse.
    Links ist heute in erster Linie ein kultureller Begriff, linke Forderungen sind in erster Linie kulturell (man könnte als Kritiker sogar sagen anti-kulturell) und das linke Utopia hat nichts mit der SPD der 70er Jahre zu tun, sondern synergiert viel mehr mit den Plänen des politischen Establishments (das Wort „Elite“ mag ich nicht benutzen). Worauf hofft man da? Zwischen „links“ und „evangelisch“ (siehe EKD) und „grün“, bisweilen sogar „CDU“ passt heute doch kein Blatt mehr. Es ist dieses gospelige Wohlfühlprogramm, angereichert mit Postmodernismus und einfachen Narrativen. Eine „andere Linke“ (eine „eigentliche Linke“) halte ich zur Zeit für eine bloße Projektion.

  • Marc Hofmann

    @marcomahlmann:disqus

    Stichwort Ständegesellschaft….der Sozialismus/Kollektiv kennt nur 2 Stände….die Funktionäre und die Arbeiterschaft….das Mittelalter war dagegen viel „demokratischer“, weil ausgewogener-vielfältiger mit seinen Ständebaum…..Adlige, Geistliche, Bürgertum, Handwerker, Bauern, Tagelöhner….hinzu kam noch vereinzelt das Rittertum als Stand. Vielfalt war hier immer auch mit einen Interessensausgleich verbunden….das Kollektiv des Sozialismus kennt sowas wie Vielfalt nicht, weil dieses Kollektiv nicht auf Interessensausgleich zwischen den Gesellschaftlichen Schichten (Ständen) aus ist sondern nur einen Stand kennt…den des Funktionär….die Arbeiterschaft hat dem Funktionäre zu gehorchen und für ihn zu Arbeiten nach deren Kollektiv Regeln und Gesetzen (Abgaben und Steuerverordnungen).

  • Nicht-mehr-mein-Land

    „Mit der Taufe begibt sich Mensch unter Kirchenrecht.“ Sie machen einen gravierenden Denkfehler, wenn Sie Christen automatisch mit Kirchenmitgliedern gleichsetzen. Man kann durchaus Christ sein, ohne Mitglied in einer der Landeskirchen zu sein (ich halte das sogar mitunter für „glaubensförderlich“, dort nicht Mitglied zu sein).
    Ursprünglich hatte die Taufe übrigens rein gar nichts mit der Mitgliedschaft zu irgendeiner Kirche zu tun, zu Jesu Zeiten gab es nämlich noch gar keine Kirchen. Und laut Bibel kann jeder gläubige Christ einen anderen Menschen taufen, wenn dieser sich für den Glauben an Christus entschieden hat. Geht man zur ursprünglichen Bedeutung der Taufe zurück, begibt man sich dabei unter keinerlei „Recht“, sondern übergibt symbolisch sein Leben an Jesus Christus und nimmt seinen Opfertod am Kreuz an. Das Untertauchen symbolisiert hier das Sterben, man stirbt sozusagen symbolisch gemeinsam mit Jesus am Kreuz und wird auf diese Weise ein für allemal von seiner Schuld befreit (der Tod ist der Preis für die Schuld). Auf die Taufe folg dann die Nachfolge Jesu, sprich: Man lebt nach den Werten Christi, also Gott von Herzen lieben und den Nächsten lieben wie sich selbst (frei nach Lukas 12, 29). Es handelt sich hier folglich um kein Rechtssystem, sondern – wenn überhaupt – um ein Wertesystem. Leider fällt mir immer wieder auf, dass viele Menschen fast keine Ahnung vom Christentum haben, aber trotzdem ständig meinen, ihre Ansichten darüber kundtun zu müssen. Ich kann nur immer wieder dazu raten – wie beim Islam auch, dann sieht man nämlich, wie grundverschieden beide Religionen sind – sich erst einmal gründlich mit den Inhalten auseinander zusetzen, bevor man dazu ein Statement abgibt.