Türkische Kindersoldaten in Herforder Moschee gefeiert

Mitten in Deutschland werden türkische und türkischstämmige Kinder in Uniform auf "Selbstverteidigung" vorbereitet. Am Ende der Veranstaltung in der Herforder Moschee fielen sie dann für das Vaterland und wurden mit der Fahne zugedeckt. Applaus.

Screenprint: Facebook

Ein Merkmal totalitärer expansionistischer Regime ist die Militarisierung von Kindern. Sie werden in Uniformen gesteckt und propagandistisch vorgeführt als die Kämpfer von morgen. Oder schlimmer: Gleich als Kindersoldaten für das Vaterland verheizt. Wer, wenn nicht wir Deutschen wüssten um diesen Missbrauch von der schmucken Marineuniform zu Kaiserzeiten bis hin zu den paramilitärischen Uniformen der Pimpfe, der Hitlerjugend und des BDM.

Haben wir etwas daraus gelernt? Offensichtlich nicht. „Wir haben doch alles geglaubt, was man uns damals erzählt hat“, erzählt der 88-Jährige Gerd Schröder aus Herford der Zeitung Neue Westfälische mit Blick auf seine Vergangenheit in der Hitler-Jugend, um dann mit gesenktem Blick, fast flüsternd, zu wiederholen: „Wir haben das doch alles geglaubt.“

Symbolkraft
Erdogan und sein „Rabia“-Gruß
Schröder wohnt im Herforder katholischen Altenheim Maria Rast. Der weiß gestrichene Gebäudekomplex mit vorgelagertem Herrenhaus und parkähnlicher Umgebung nahe der Werre gehört sicher zu den höherwertigen Einrichtungen dieser Art. Nur zehn Minuten entfernt, im Industriegebiet nahe der B239, zwischen Aral-Tankstelle, Hermes Paket Shop, der Milchwirtschaftlichen Industrie Gesellschaft und einem SB Möbel Sparkauf hat die Herforder DITIB ihren Sitz: Die Moscheegemeinde der türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion, so die offizielle Bezeichnung des von der türkischen Regierung finanzierten Dachverbandes der Muslime. DITIB-Imame werden in der Türkei ausgebildet, laut Ditib Herford (Merkez Camii Herford) gibt es bundesweit 900 solcher Ortsgemeinden der DITIB.

Anzunehmen ist, dass trotz quasi nachbarschaftlicher Nähe keinerlei Berührungspunkte gibt, zwischen dem 88-jährigen Gerd Schröder in seinem katholischen Altenheim und der Islamischen Gemeinde mit ihrem Imam Hüseyin Mermer. Ditib Herford schreibt zu Mermer: „Da die Imame ihren Lebensmittelpunkt in der Türkei haben, ist deren Einsatz in Deutschland auf vier Jahre begrenzt. Der Imam ist verantwortlich für die Steuerung und Ausübung der religiösen Dienste unserer Gemeinde.“ Weiter heißt es dort unter dem Stichwort „Integrationsarbeit“: „Wir sind offen für Kooperationen mit deutschen Vereinen und Instituten.“ Ditib Herford bietet Fahrradkurse für Frauen an, einen Leseclub und Deutschkurse für Mütter. Auch möchte man sich an Straßen- und Nachbarschaftsfesten beteiligen.

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Bei Anne Will: Erdogan spaltet
Ein Fest das innerhalb des Hauses der Ditib Herford stattgefunden hat, sorgt nun allerdings für Ratlosigkeit bis Empörung. Nicht, weil die Verantwortlichen es an die große Glocke gehängt hätten, sondern weil ein überstolzer türkischer Vater oder eine Mutter das Handy nicht in der Tasche lassen konnte, filmte und diesen Film dann auch noch ins Facebook stellte, wo es mittlerweile zwar gelöscht, aber zuvor noch kopiert wurde. Zu sehen sind in dem 3:11 minütigen Film türkische Grundschüler in paramilitärischer Flecktarn-Uniform und Spielzeuggewehren, die vor der Ditib-Fahne posieren und marschieren. Auf der Tonspur ist ein Marsch zu hören. Eine Mutter mit Kopftuch trägt ein Kind auf dem Arm durchs Bild, das einen Krummsäbel in der Hand hält, ja, auch so etwas kann man aus Luftballons fertigen, aber das gibt es anderswo auch auf dem Piratengeburtstag. Auf der Bühne dirigiert eine Mutter mit olivfarbenem Kopftuch die Kindersoldaten. Etliche Handys werden hochgehalten. Die Kinder zielen mit ihren Gewehren auf den imaginären Feind hoch über den Zuschauern. Ein Mikrofon geht herum, jeder der Jungen sagt ein Sprüchlein auf, als einer besonders militärisch schreit, freut sich die Gemeinde hörbar. Applaus. Dann wird wieder im Kreis marschiert, dieses Mal zu einer türkischen 12-Ton-Musik aus dem Lautsprecher. Zum Schluss der Parade fallen die Jungs auf den Bühnenboden und werden von einer übergroßen türkischen Fahne zugedeckt. Gefallen für das türkische Vaterland.

Die Lippische Landeszeitung ist so irritiert, wie andere Publikationen, die das Video gesichtet haben. Und der Redakteur befragt die Gemeinde. „Die Entscheidung für die Aufführung ist vom Elternbeirat getroffen worden und die Aufführung ist auch von ihm gestaltet worden“, erklärt ihm das Herforder Ditib-Vorstandsmitglied Necati Aydin. Der Vorstand sei in das Programm nicht eingebunden gewesen und habe auch nichts davon gewusst. Die Aufführung sei auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen.

Das scheint nur die halbe Wahrheit zu sein, wenn Aydin später gegenüber dem Westfalen-Blatt erklärt: „Wir haben völlig falsch eingeschätzt, wie diese Aufführung interpretiert werden kann.“ Also wusste der Vorstand sehr wohl, was da sicher auch im Vorfeld geprobt wurde und später zur Aufführung kam. „Das für die Aufführung zuständige Gemeindemitglied sei kurzfristig schwer erkrankt gewesen, sodass die Aufführung von einer anderen Person vorbereitet worden sei.“ Die übliche Qualitätskontrolle hätte nicht erfolgen können, sagt Aydin noch.

Das alles klingt wenig überzeugend. Und es ist weniger eine Frage der Qualität, denn tatsächlich gab es anderswo schon deutlich diszipliniertere Kinder-Aufführungen als in der Herforder Moschee-Gemeinde, auch ohne Kindersoldaten und solche abstoßenden Inszenierungen.

Der Herforder CDU-Kreisvorsitzende Tim Ostermann war jedenfalls fassungslos, als er das Video sah und Ditib fragte: „Halten Sie dies für integrationsfördernd oder handelt es sich nicht vielmehr um eine Instrumentalisierung der Kinder, die einer Integration absolut abträglich ist? (…) Staat und Gesellschaft müssen alles geben, um so etwas zu verhindern.“ Antwort bekam er bisher keine. Ostermann leitete das Video vorsorglich an den für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz in Bielefeld weiter.

Der Paderborner CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann wird nach Sichtung des Videos noch deutlicher: „Das ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Parallelgesellschaften nicht nur existieren, sondern dass sie sich auch verfestigen.“ Aber wie soll man solchen Entgleisungen entgegentreten, wenn eine Mehrheit der Türken in Deutschland Erdogan ihre Stimme gibt, wenn ungefähr die Hälfte der türkischstämmigen Menschen in Deutschland für sich sagen: Die Islam-Gebote stehen über dem deutschen Gesetz? Der Aussage „Die Befolgung der Gebote meiner Religion ist für mich wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe“ stimmen sogar 47 Prozent der Befragten zu.

Nun darf man nachdenken, was militärische Paraden von Kindersoldaten mit dem Islam zu tun haben. „Man kann nicht zugleich laizistisch und muslimisch sein. Entweder bist du ein Laizist, oder du bist ein Muslim.“, erklärte Erdogan in früheren Wahlkämpfen. Vor der Amtszeit Erdogans gab es in der Türkei kaum mehr als 400 Koranschulen. Heute sind es dreimal so viele. Und dabei sind jene in Deutschland noch gar nicht mitgezählt. Aber auch die hiesigen unterstehen dem türkischen Staat. Ob in der Türkei oder in Deutschland: Nicht mehr nur konservative Türken betrachten Erdogan als religiöse Retter-Figur. Eine Erdogan-Anhängerin bekennt bei einer Veranstaltung mit dem türkischen Ministerpräsidenten in Oberhausen: „Wir haben Allah, wir haben unseren Propheten Hz. Muhammed Mustafa und jetzt Recep Tayyip Erdogan!“

Verrat an der deutschen Demokratie
Erdogan, DITIB und die Bundesregierung
Der Leiter der islamischen Universität in Rotterdam, Professor Ahmet Akgündüz, fasst es gegenüber Deutschlandfunk zusammen: Erdogan hätte heute eine besondere Führungsrolle in der gesamten islamischen Welt. „Eine Position, der viele Muslime folgen. Besonders in Syrien, Palästina und in islamischen Regionen in Afrika wird Erdogan bereits als neuer Anführer der islamischen Weltgemeinschaft gefeiert, wie in einem Bittgebet für Erdogan aus Afrika.“ Treffender kann man den politischen Islam kaum definieren. Und die Kindersoldaten der Herforder Ditib-Gemeinde sind dann die Wiederkehrer dieser Szene, die um die Welt ging, als Erdogan bei einer AKP-Wahlveranstaltung in Kahramanmaras ein weinendes Mädchen in Soldaten-Uniform auf die Bühne holte und ans Publikum gewandt den für unsere Ohren unfassbaren Satz sagte: „Wenn sie als Märtyrer fällt, dann wird man sie – so Gott will – mit der Fahne zudecken. Es ist alles bereit.“ Dann beugte er sich zu dem Mädchen herunter und fragte sie, ob sie zu allem bereits sei und die Kleine antwortete natürlich: „Ja.“

Der Nato-Partner Türkei befindet sich im Krieg mit den Kurden in Syrien. Die Nato bittet Erdogan schüchtern um Zurückhaltung. Es ist sogar von Selbstverteidigung die Rede: „Jedes Land hat das Recht zur Selbstverteidigung, es ist aber sehr wichtig, dass dies verhältnismäßig und angemessen geschieht“, sagte ein Beamter aus dem Team des Nato-Generalsekretärs Jens Stoltenberg. Mitten in Deutschland werden derweil türkische und türkischstämmige Kinder in Uniform mental und praktisch auf diese „Selbstverteidigung“ vorbereitet. Am Ende der Veranstaltung in der Herforder Moschee fielen sie dann für das Vaterland und wurden mit der Fahne zugedeckt. Applaus.

Der 88jährige Gerd Schröder sitzt derweil weiter in seinem katholischen Altenheim und erzählt leise aus seiner Jugend: „Wir haben doch alles geglaubt, was man uns damals erzählt hat.“ Zwischen Schröder und der Ditib gibt es keine Verbindung. Man kennt sich nicht. Man weiß nichts voneinander. Nichts von der Geschichte der Menschen, in deren Land Zugewanderte und ihre Nachkommen Kinder wieder in Uniformen stecken als Grußadresse an den hochverehrten Recep Tayyip Erdoğan. Und der gilt immer mehr Muslimen weit über die Grenzen der Türkei hinaus als Führer eines politischen Islam gilt. So auch im nordrhein-westfälischen Herford.

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Kommentare ( 154 )

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Bevor dieses wichtige Thema in der Versenkung verschwindet:
Constantin Schreiber ist Autor des Buches „Inside Islam: Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird“.
Ich würde mich freuen, wenn er, aber auch gerne andere „Insider“ bei Tichy über seine/ihre Erfahrungen berichten würde/n!

„Treffender kann man den politischen Islam kaum definieren. “
Hören sie doch bitte auf mit solch unsinnigen umschreibungen.
Es gab nie einen politischen islam und es gibt ihn auch nicht.

Der islam ist vielmehr eine menschenverachtende ideologie, was man zb daran erkennt, das für alle islamischen länder die un-menschenrechte abgeschafft wurden.

Ob das die Antwort ist:

„Im Wochenendkurs zum Soldaten“ – nachzulesen über D(eutsche) W(elle).

Überlege gerade, ob es sich lohnt, eine Altersdiskriminierungs-Story aufzumachen – Höchstalter 55 😉

Moscheen – die Brückenköpfe der islamischen Eroberung.
Die islamischen Eroberer finanziert aus deutschen Sozialsystemen.

Und die Gruppe-Merkel will noch mehr.

Mal ganz ehrlich: Die Empörung ist absolut nachvollziehbar, aber welcher Türkische Familienvater will denn das sein Kind außschließlich in deutschen Schulen verweiblicht und verschwächlicht wird…die leben mehrheitlich eben nicht in Blankenese und müssen sich Tag für Tag durchkämpfen…welcher osteuropäische Vater schickt seine Kinder nicht zum Kampfsport? Diese Schwäche kennt man eben mehrheitlich nur von Deutschen Eltern, die dann direkt zum Lehrer gehen, wenn Pascal heulend nach Hause kommt. Boxclub oder sonstwo…Osteuropäer und Südosteuropäer unter sich. Zum Mann sein gehört seit einigen Jahren auch wieder Maskulinität dazu. Das sollte Eltern schnell ihren Kindern lieber mal schnell eintrichtern. Die das nicht schaffen… Mehr
Ja, Herr Wallasch, so geht patriotische Erziehung im Orient. Mich wundert’s nicht. Eine solche „Feier“ ist auch sicher kein Einzelfall in DE. Nur kommt es nicht häufig raus: Sprachbarriere und außerdem die Umma hält fest zusammen im „Haus des Krieges“. Was meinen Sie aber mit „türkische[n] und türkischstämmige[n] Kinder[n]“. Wollen Sie es nicht wahrhaben, dass sich diese Leute (zumindest die in der Moschee in Herford Versammelten wie auch die Masse der Türken in DE überhaupt) einfach als Türken fühlen? Sie sind Türken und wollen auch Türken bleiben. Das ist auch zu akzeptieren. Welchen Pass sie haben, spielt da eine untergeordnete… Mehr

»Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.
Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.«

Was sagt denn eigentlich der hier so oft gefeierte Herr Lindner dazu? Oder ist der noch beim AfD bashen?

Aber angeblich haben wir hier ja nur ein Problem mit „Rechts“.

Der Islam ist m.E. keine Religion, sondern eine kriegerische Sekte und gehört zumindest in Deutschland verboten.

Sie sagen es.

Ich wäre für ein beherztes quid pro quo und würde den Islam, die Moschee-Vereine und die Mohammedaner so behandeln, wie sie Christen behandeln.

Das hieße alle praktizierenden Moslems zu deportieren.