Ökoenergieanlagen: Betreiber kassieren auch in der Krise

Nun ist es halt da, das Virus. Der wirtschaftliche Einbruch wird gewaltig sein, Existenzen sind bedroht, bei anderen wird zumindest eine neue Bescheidenheit einziehen. Während ganze Branchen ums Überleben kämpfen, kassieren die Betreiber von Ökoenergieanlagen ungestört weiter.

Getty Images

Selten wurde in einer Bundestagssitzung wie der am 24. März so viel Dank ausgesprochen. Das ist berechtigt und nicht zu kritisieren, auch wenn nicht alle genannt wurden, die derzeit den noch funktionierenden Teil der Gesellschaft aufrechterhalten. Die Strom-, Wärme- und Gasversorger zum Beispiel, deren Absatz schrumpft und die auf den Kosten für die Organisation der Arbeit unter Pandemiebedingungen natürlich sitzenbleiben. Abschottung der Leitwarten, Einrichtung von Übernachtungsplätzen für das eventuelle Arbeiten unter Bedingungen der Quarantäne und so weiter. Wie immer ist es uns selbstverständlich, dass Energie rund um die Uhr verfügbar ist, in jetzigen Zeiten wichtiger denn je.
Natürlich ist jede Krise schlecht, aber nicht so schlecht, dass es nicht noch schlimmer hätte kommen können. Der gegenwärtige Zustand in eiskalte dunkle Winterzeit mit viel Schnee verschoben hätte alle gegenwärtigen Sorgen deutlich verschärft.

Zumindest die sonst aufgeregten ökokorrekten Diskussionen sind etwas abgeflacht. Niemanden stört jetzt, dass tausende Menschen für viele Stunden des Tages Plastik im Gesicht tragen, dass Diesel-LKWs auch sonntags die Feinstaubzonen befahren und Pendler ihren Auto-Individualverkehr bevorzugen anstelle der ÖPNV-Virenmultiplikatoren. Sehnsüchtig wartet man auf ein passendes Medikament, das dann von ach so bösen Pharmakonzernen produziert werden wird.

Das Klimathema ist weitgehend abgetaucht. Seitdem jeder Werktag schulfrei ist, lohnt der Aufstand der juvenilen Untergangspropheten von fff nicht mehr. Vereinzelt herrscht Freude über derzeit geringe Treibhausgas-Emissionen, verbunden mit der vorsichtig ausgesprochenen Hoffnung, sie mögen doch so niedrig bleiben. Professor Schellnhuber verbreitet im Interview mit klimareporter.de die Einsicht, dass weder Viren noch der Klimawandel an Grenzen halt machen. Prinzipiell muss man ihm Recht geben, dennoch hinkt es hier. Virenträger kann man durch Grenzkontrollen reduzieren, wie inzwischen selbst an deutschen Binnengrenzen praktiziert und wo es schon zu gewaltsamen Grenzdurchbrüchen kommt. Noch wird nicht geschossen.

Nationale Maßnahmen wie Grenzkontrollen helfen hingegen bei Emissionen nicht. Bilanzen für einzelne Länder oder Regionen kann man erstellen, sie sind aber nur Theorie, wenn die Emissionen nur verschoben werden, zum Beispiel durch zunehmenden Stromimport über Ländergrenzen. Klimanationalismus hilft nicht, globale Probleme zu lösen. In dieser Frage ist die deutsche Sicht allerdings eine besondere, der Weltrettungsanspruch tief verwurzelt. Während wir unseren Nachbarn unser hässliches Gesicht zeigen, bleibt die politische Anmaßung eigener Fähigkeiten auf hohem Niveau. Das unterscheidet uns von den Nachbarländern, die pragmatisch die Probleme zu lösen versuchen. Die Holländer bauen die Deiche höher, Deutschland senkt den Meeresspiegel.

Mit dem schrumpfenden Stromabsatz fallen die Preise an der Börse, auch etwas die der CO2-Zertifikate. Den Haushaltskunden nutzt das nichts, 53 Prozent Staatsanteil am Strompreis bleiben und auch die EEG-Umlage steht festgemauert in deutscher Erden. Zurücklehnen können sich die Betreiber der Ökoenergieanlagen, deren Strom unabhängig vom Bedarf zum Festpreis abgenommen wird. Sie bekommen das Geld vom EEG-Umlagekonto, das über die Netzbetreiber gefüllt wird. Fallen Einzahler am Anfang der Kette aus, zum Beispiel weil Mieter die Stromrechnung nicht mehr zahlen können, haben die Netzbetreiber das Inkassoproblem, nicht die Windmüllerin oder der Biogasmann.

Der Streichelzoo der Erneuerbaren ist krisenfest, egal, wie das Virus heißt. Dafür sollten sich die Profiteure dann doch auch mal bedanken.

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 13 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

13 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Kaltverformer
6 Monate her

Die Klimahysteriker und Asylfetischisten (meistens dieselbe Personengruppe und subsumiert unter linksgrüne Vollpfosten) haben nur oberflächlich Pause.
In Wahrheit strampeln sie ganz gehörig unter der Decke weiter, zum Schaden des deutschen Volkes.

Hildegard
6 Monate her

Es wird nicht nur weiter gut verdient, es wird trotz Corona auch tüchtig weiter gebaut, Herr Hennig. Während Land und Wirtschaft brach liegen, hat man hier im kleinen beschaulichen Vorst am Niederrhein nichts anderes zu tun als so schnell wie möglich zwei Windräder aufzustellen. Und wie der Mitforist Twsan schon richtig beschreibt, „…macht jeder Behörden-Fuzzi in Deutschland mittlerweile was er will – und keiner hindert ihn daran“. Wer das einmal so richtig live erlebt hat, wie die Behörden mit dem Bürger umgehen, wie verschwiegen sie im Verborgenen mit dem Formträger die Baugenehmigung ausbaldowern, wie frech sie dem Bürger ins Gesicht… Mehr

Dieter Blume
6 Monate her

Wer sogar die globale Erwärmung begrenzen kann, für den ist das Absenken des Meeresspiegels doch ein Kinderspiel.

twsan
6 Monate her

Wer glaubt denn jetzt noch ernsthaft, dass wir mit diesen ganzen behördlichen Lokaldiktatoren und Amokläufern mit den üblichen rechtsstaatlichen Maßnahmen fertig werden? Jeder Behörden-Fuzzi macht doch in Deutschland mittlerweile was er will – und niemand hindert ihn daran. Wo sind die Stoßtrupps der Bundeswehr, die diese Typen in Amtsstuben und Streifenwagen mit vorgehaltener MP in die Haftanstalten verbringen? Und wenn die Haftanstalten voll sein sollten – dann eben in Lager. McPomm ist schließlich groß genug und Stacheldraht wird es doch noch genügend geben. Wohncontainer auch. Oder ist das alles auch schon Mangelware? Langsam aber sicher läuft das hier doch auf… Mehr

StefanB
6 Monate her

Die Erneuerbaren sind krisenfest, weil es die politischen Entscheider, die ebenfalls ein krisenfestes Einkommen haben, so wollen. Leistung ist bei beiden Gruppen nicht lebensnotwendig. Parasiten.

herbert b.
6 Monate her

Ein wunderbarer Satz, lieber Herr Hennig, besser, kürzer,
prägnanter kann man es nicht sagen: „…Deutschland senkt
den Meeresspiegel“. Wenn dazu auch übernatürliche Kräfte
vonnöten sind, aber wir haben sie ja…diese GODDESS, das
Mädchen für besonderes GeFälle. Der Wasserspiegel wird
trotzdem reichen, um auch weiterhin „Schiffe versenken“
spielen zu können. Da wird noch so manchem Schatz der
Titanic-Stab in den Tornister gelegt werden. Sie ist halt
allmächtig. Gemacht worden. Und sie hat’s (an)genommen.

Otis.P. Driftwood
6 Monate her

Was den Grenzdurchbruch anbetrifft, kann die Genossin Schwesig aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz ihrer Genossen im Geiste schöpfen.

HGV
6 Monate her

In dem Geschäftsmodell für erneuerbare Energien war halt nicht eingeplant, dass es zu einer Corona Pandemie kommt, die dazu führt, dass alle, die diese Rechnung bezahlen sollen, auf einmal nicht mehr so viel Geld in der Tasche haben. Der Webfehler des Systems ist, dass die Subvention, wie normaler Weise, nicht vom Bund kommt und über Steuer finanziert wird, sondern quasi über einen Schattenhaushalt direkt von Verbraucher finanziert wird. Und, es sind nicht die energieintensiven Industrien, die die Party bezahlen, sondern die Verbraucher, die trotz Glühlampen-Verordnung, Energie-Labeling, … ihre Energieverbrauch optimieren und trotzdem mehr zahlen. Was wird passieren? Die neuen Armen… Mehr

Biskaborn
6 Monate her

Die Klimahysteriker liegen längst auf der Lauer umgehend wieder laut und deutlich zu werden. Die Grünen erinnern das Volk schon mal an die dringende Erhöhung der CO2 Bepreisungen mit ihren Folgewirkungen für die Treibstoffpreise, Gas- und Energiekosten usw…, daran soll nicht gerüttelt werden, egal wie es dann um das Land und seine Bevölkerung steht. Auch die phänomenale Umweltministerin verkündet vorsorglich wonach die Klimaerwärmung an der Ausbreitung des Virus Schuld sei. Auch die kleinsten Fernsehseher werden darüber informiert, das das böse CO2 an allem irgendwie Schuld sei. Also nicht zu früh freuen, diese Klimaideologen warten nur auf ihren Neustart, die kennen… Mehr

Contra Merkl
6 Monate her

Heute Nachmittag war der Strom wieder im Minuspreis von bis zu 40 Euro die GWH. Zahlt ja alles der Stromkunde.
Bald kann man sich ein plug in Solarmodul aufs Dach bauen und seinen eigenen Strom produzieren. Braucht man diesen nicht, läuft der Stromzähler rückwärts. Toll was hier im Land alles geht.