Kita-Streiks: Es klunckert wieder

Es klunckert wieder. Aber wer erinnert sich noch an Heinz Kluncker? Dabei war er ein so mächtiger Mann, dass viele in ihm sogar den Mann sahen, der Bundeskanzler Willy Brandt stürzte.




„1974 führte Kluncker den heftigsten Streik des Öffentlichen Dienstes: mit einem dreitägigen Streik der Müllwerker und Straßenbahner erreichte die ÖTV (der Vorgänger-Gewerkschaft von Verdi) gegen den Willen von Bundeskanzler Willy Brandt eine Tariferhöhung von 11 %. Die Lohnrunde wurde auch als Kluncker-Runde bekannt“, so weit Wikipedia.

Ist Frank Bsirske als Ver.di-Boss Klunckers würdiger Erbe? Postboten und Erzieherinnen sind an die Stelle von Müllmännern und Straßenbahnern getreten; die geforderten Lohnerhöhungen übersteigen sogar Klunckers Vorbild um fast 100 Prozent. Damals wie heute: Der Öffentliche Dienst geht voran; dazu gehören auch die bahnsinnigen von der GDL und von der Eisenbahnergewerkschaft, die jetzt auch mal streiken wollen, kaum dass uns die GDL etwas Ruhe gönnt. Bei Staatsbetrieben und Staatskitas zählen ja wirtschaftliche Tatsachen nicht, der Steuerzahler hat tiefe Taschen. Anders als damals: Damals warnte Willy Brandt vor überzogenen Lohnforderungen; heute unterstützen Bundesminister solche Forderungen.

Sigmar Gabriel findet es richtig, wenn die Gewerkschaften eine “Umverteilungskomponente“ zum Maßstab ihrer Forderungen in den Tarifverhandlungen machten: „Das ist auch absolut berechtigt“. Und Manuela Schwesig betont verständnissinnig die große Verantwortung der Erzieherinnen.

Beide geben also die Staatskassen zur Plünderung frei – ein seltsames Amtsverständnis. Gelegentlich wiederholt sich Geschichte. Was hier passiert könnte der Auftakt zu einer neuen Lohn-Preis-Spirale sein. Geld ist ja genug vorhanden und auch der Wille der Europäischen Zentralbank, mit Inflation die Schulden zu entwerten die Politiker wie Schwesig und Gabriel jetzt erst mal schnell machen wollen. Dumm nur: Der oben zitierte Eintrag zu Heinz Kluncker in Wikipedia endet mit dem Satz: „Viele Ökonomen warfen Kluncker bzw. den Gewerkschaften vor, mit diesem zu hohen Abschluss eine Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt zu haben. Die Jahre darauf waren geprägt von Stagflation und Eurosklerose.“




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