Die Junge Union ist politisch frühvergreist

Die Junge Union inszeniert sich auf ihrem Deutschlandtag als Zukunft der CDU. Tatsächlich ist sie der Nachwuchs eines Apparats, der längst nur noch sich selbst verwaltet. Parteikarrierebewusst, phrasensicher und politisch frühvergreist. Von dieser Jugend ist rein gar nichts zu erwarten. Die CDU ist klinisch tot.

picture alliance / Chris Emil Janßen

Das grundlegende Problem Deutschlands besteht in der Dysfunktionalität und in der autistischen Selbstbezogenheit der Eliten, darin, dass die politische Klasse aus Politikern ohne Biographien besteht: Wenn überhaupt, dann Jura oder Schwatz und Quatsch studiert, aktiv in den sogenannten Jugendorganisationen der Parteien, bei der Antifa oder anderen NGOs mitgewirkt, dann bei einem Abgeordneten gejobbt, schließlich selbst ein Mandat zumeist über die Liste zugeschoben bekommen. Begegnung mit der Wirklichkeit in diesem Land? Keine. Das heißt, der Parteiapparat ist ihre Wirklichkeit, die Intrigen und politischen Spiele des Apparats. Mit anderen Worten: das Land braucht sie nicht, sie aber das Land als Funktion ihrer wirtschaftlichen Existenz. Es ist ihr Land, ihre Demokratie, nicht das Land der Bürger, die ohnehin zu blöd dafür sind, was diese hocherhabenen Politiker ohne Biographie und Wirklichkeit alles für „Wohltaten“ wie Steuer- und Abgabenerhöhung und Bürokratievermehrung alles so für sie schaffen.

Am Wochenende jedenfalls traf sich die Junge Union zum traditionellen Deutschlandtag, um schon mal den Machtanspruch von Hendrik Wüst in Bonn zu dokumentieren. Sie mögen in dem schwatzgrünen Muster-Apparatschik ihr Vorbild sehen.

Die Junge Union, die man leicht mit der Senioren-Union verwechseln könnte, wenn die Senioren-Union nicht jugendlicher wirken würde als die Versammlung der frühvergreisten Parteijugend, hält seit Freitag ihren Deutschlandtag ab. Was man den Nachwuchspolitiker nicht vorwerfen kann, ist, dass es ihnen an Selbstbewusstsein mangeln würde, am Selbst hingegen schon. JU-Chef Johannes Winkel freute sich, dass 1.200 Besucher zum Treffen kamen und feiert seine JU als größte politische Jugendorganisation Deutschlands und sogar Europas. Innerhalb planetarischer Grenzen macht Winkel und Politfreunden niemand etwas vor. „Wir sind eine eigenständige politische Vereinigung, deswegen machen wir hier unser eigenes Ding“, ruft Winkel aus und trifft damit den berühmten Nagel auf den noch berühmteren Kopf. Denn mit Deutschland hat dieses parteipolitische XING nichts mehr zu tun, denn ihr „Ding“ ist nicht Deutschland, sondern ihre politische Karriere in Deutschland.

Die Backen bläst auch ein geschniegelter Kevin Gniosdorz aus NRW auf, als er in den Saal ruft: „Wir strotzen vor Kraft, weil wir das Land noch nicht aufgegeben haben.“ „Strotzen“ kann man übrigens auch vor etwas anderem.
Inhaltlich bewegte sich bisher der Deutschlandtag auf der Ebene der Phrasen, der Wichtigtuerei, der Ansprüche, ansonsten hübsch bemänteltes Versagen auf allen politischen Ebenen.

Versagt hat die Junge Union und ihr Abgesandter Pascal Reddig in der Rentenkommission, herausgekommen ist, was die SPD wollte, höhere Kosten für alle. Und das wenige, was JU-Reddig heraushandelte, haben CDU-Ministerpräsidenten und SPD-Funktionäre auch schon wieder in Frage gestellt. Darin, dass die Abgeordnete Catarina Dos Santos-Wintz, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion ist und Johannes Winkel Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, erschöpfen sich auch schon die großen Leistungen der JU. Mit der Karriere geht es voran, während Deutschland zerfällt. Sie strotzen halt vor Kraft. Und damit sich die Nachwuchspolitiker weiter in ihrem Politkinderzimmerchen wohlfühlen können, kommen auch die Politiker der Union vorbei, die eigentlich niemand in diesem Land mehr sehnen will, um nach den lieben Kleinen zu schauen. Am Freitag Hendrik Wüst, am Samstag Friedrich Merz und heute ein Ministerpräsident aus Bayern, nach dessen Namen man inzwischen die KI befragen müsste.

Wüst tönte: „Ihr seid Zukunftsmotor der Union und ihr haltet den Laden zusammen“. Welcher Zukunftsmotor? Welchen Laden? Die Union? Die JU? Merz am Samstag glückte wieder einmal ein schiefes Bild, wenn er meint, dass die CDU sich wehren müsse gegen „den Sumpf von rechts und die Salons von links“. Rechts ist also der „Sumpf“ und links die „Salons“ – das klingt doch schon sehr nach Komintern. Aber vielleicht will Merz auch nicht vom „Sumpf von links“ sprechen, sondern von Salons von links, weil in den Salons auch CDU-Funktionäre verkehren, nämlich im „Sumpf von links“, während man die Salons von rechts meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Merz jedenfalls trötet: „Ich sage es mit großem Ernst: In dieser Zeit braucht es die CDU und die Junge Union Deutschlands.“ Wofür und wozu? Um den Abstieg, den Zerfall Deutschlands weiter zu beschleunigen? Um Selenskyj zu finanzieren? Um den Islam in Deutschland auch durch weiterhin kräftige Zuwanderung weiter zu stärken? Um ein Stasigesetz 2.0 zu machen? Um Zensur und Repression einzuführen? Um weiter das Tänzchen zu genießen: kaum versprochen, schon gebrochen? Dazu der Vereinigten Linken weiter die Macht zu sichern und ihre NGOs zu finanzieren? Wozu also braucht es die CDU? Und was war nochmal gleich die Junge Union? Man könnte weiterfragen, wie sehr hat die Union Deutschland geschadet?

Reddig stampfte dann auch heftig auf: „Ich möchte, dass wir eine Reform verabschieden, die diesen Namen auch verdient.“ Was meint Reddig damit? Den Rentenpfusch, den Gesundheitspfusch, die Zucker-, die Tabak-, die Plastiksteuer, in summa die Bürgerausplünderungsprojekte? Sie schwafeln viel bei der Jungen Union über Generationengerechtigkeit, aber nicht die Rente ist der Anschlag auf die junge Generation, sondern die Totalverschuldung des Staates. In 2029 wird der Haushalt über 80 Milliarden Euro an Zinsen bezahlen müssen, 2033/34 dann je nach angenommener Zinshöhe 140 bis 180 Milliarden Euro.

Das war aber irgendwie nicht Thema. Warum wohl nicht? Zumal die Junge Union fast 350.000 Euro an das Bundesfamilienministerium zurückzuzahlen hat, weil staatliche Fördermittel nicht ordnungsgemäß abgerechnet wurden. Jedenfalls trat die große Nachwuchshoffnung JU-Schatzmeisterin Clara von Nathusius nicht wieder zur Wahl für den Vorstand an. Wurde aber dennoch von den letzten Unverbesserlichen bejubelt.

Auch Söder ließ es sich nicht nehmen, den Phrasengaul zu besteigen, stolz wie Don Quichotte. Doch in einem hatte er recht: „Wir brauchen keine Kreml-Knechte, wir brauchen Patrioten, die für unser Land stehen.“ Das Land in Grund und Boden zu regieren, Deutschlands Niedergang voranzutreiben, das bekommen die Patrioten Merz, Wüst und Söder schon bestens allein hin, dazu brauchen sie wirklich keine Kreml-Knechte.

Johannes Winkel, der mit dem nordkoreanischen Ergebnis von fast 95 Prozent wiedergewählt wurde, betonte: „Wir werden diejenigen sein, die die Geschichte der Volkspartei von CDU und CSU erfolgreich weiterschreiben.“ Das dürfte die Geschichte unbeeindruckt lassen. Der Provinzfürst aus Düsseldorf, dem die Frühvergreisten aus der JU zujubelten, sagte es in Bonn klar und deutlich, dass ihm das Land gehört und nicht den Bürgern: „Wir lassen nicht zu, dass die AfD unser Land übernimmt.“ Ihr Land? Wüstes Land? Und damit das Land das Privateigentum von Merz und Wüst und Winkel bleibt, werden Zensur, Repression, ein Stasi-Gesetz 2.0 geschaffen und Stück für Stück die Freiheit und die Demokratie suspendiert. Auch das kein Thema auf dem Deutschlandtag. Warum benennen sie ihr Treffen nicht einfach in Funktionärstag um? Rituell jedenfalls beteuerten alle, nicht mit der AfD zusammenzuarbeiten. Kennt man schon. Kommunistisches Ritual halt.

Von dieser Jugend geht jedenfalls keine Hoffnung aus. Man gewinnt den Eindruck, dass man es mit den altklugen Kindern einer Republik im Spätherbst zu tun hat, bundesdeutsches Biedermeier. „Vielleicht brauchen wir eine neue Union“, sagte Winkel. Und damit kann nur eine Wüst Union gemeint sein. Aber den wollen in NRW auch nur noch 26 % wählen, Verlust 8 %. Die AfD holt stündlich auf, sie steht jetzt bei 21 %, plus 4 %. Argumente hat Wüst nicht, braucht er nicht, ist ja sein Land, Parteiverbote oder Streichung der Parteienfinanzierung tun es auch in seiner Demokratie in seinem Land.

Wie schrieb doch Hölderlin in „Hyperion oder der Eremit in Deutschland“: „Alt zu werden unter jugendlichen Völkern, scheint mir eine Lust, doch alt zu werden, da wo alles alt ist, scheint mir schlimmer, denn alles.“

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