G7-Gipfel: Kein Bier für Obama in Elmau

John F. Kennedy („Ich bin ein Berliner“), Gorbatschow, de Gaulle – wenn sie in Deutschland waren, jubelten Hunderttausende. Noch 1999 in Köln brach Bill Clinton aus dem Gala-Dinner des G-8-Gipfels aus und kippte in der „Malzmühle“ zum Rheinischen Sauerbraten einige Kölsch: „Ich bin ein Kölsch“, grölte er dann durch die Altstadt.




Jetzt kommt Barack Obama nach Deutschland, 17 000 Polizisten müssen aufpassen – an Passstraßen, hinter Heustadeln, Berghütten, auf den Gipfeln wie in den Schluchten des Karwendel-Gebirges.

Wenn jetzt Deutschland Staatsgäste empfängt, sind Krawall und Randale garantiert. Nun sind die Chefs von Deutschland, USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada (G 7) nicht über Kritik erhaben.

Aber sie regieren Demokratien. Flüchtlinge fliehen nicht vor den G 7, sie fliehen zu ihnen. Trotzdem müssen jetzt die Grenzen abgeriegelt werden, um Demo-Touristen abzuhalten und ein 16 Kilometer langer Zaun wurde extra um den Treffpunkt der Mächtigen gezogen. Deutschland? Das ist für die G 7 heute ein Hotel hinter den Bergen bei den sieben Zwergen.

Es ist verzwergt, wenn der Steuerzahlerbund die Kosten bekrittelt. Kann Deutschland es sich nicht mehr leisten, Regierungschefs zu empfangen?

Warum wird demonstriert?

Vor einem Jahr haben wir den Beginn des Ersten Weltkriegs gedacht. Da sind die Staaten hineingeschlittert wie Schlafwandler; ohne Verhandlungen. Wenn der Ober-Grüne Anton Hofreiter von „vielen schönen Gipfelerklärungen, die nie was veränderten“ faselt, dann ist das falsch: Die Finanzkrise wurde 2009 in London von G 20 beendet. In Toronto und und Neapel (1988 und 1994) wurde ein Entschuldungsprogramm für Afrika verabredet. In Heiligendamm und Tokio ein Klimaschutzprogramm ((2007/08). Aber so ist das eben, wenn ein Orchideenforscher redet, ehe er nachdenkt.

Kommendes Wochenende geht es um Arbeitsschutz, Sozialstandards und Klimaerwärmung. Wichtige Themen, langsame Fortschritte, aber: Die Weltwirtschaft ist keine Modelleisenbahn, die auf Knopfdruck fährt. Es ist eine naive Vorstellung: Wir treffen uns in der Turnhalle, und hallo, wir machen jetzt die Welt gut! Politik ist, wie wir seit Max Weber wissen, das Bohren sehr dicker Bretter – und das Ausbalancieren von unüberbrückbaren Interessengegensätzen.

Ist es wirklich ein gutes Zeichen, wenn Michele Obama nicht mitkommt, weil es zwischen Deutschland und den USA gerade kriselt? In Heiligendamm, beim 33. Treffen 2007, hat noch Nicholas Sarkozy seine schöne Cécilia vorgeführt; sie in Ballerinas, er mit hohen Absätzen, damit der Große nicht zu klein daherkommt. Im Strandkorb wurde posiert. Kann man als Show runterreden. Kann man. Damals gab es 1.000 Verletzte, weil demonstriert wurde. Ich hatte das Gefühl am Zaun um Heiligendamm: Es ging um Demo-Spaß, künstlich aufgeredet. Heute geht es um mehr. Es werden offenbar Trainings veranstaltet, um richtig Krawall zu machen. „Zwischen Bullenhelm und Nasenbein, paßt noch ein Pflasterstein.“ Das ist das Motto. Jedenfalls sitzt unter dem Bullenhelm deutlich mehr Hirn als unter der schwarzen Kapuze der Autonomen.

Politik ist gut, wenn sie menschlich bleibt, die Mächtigen sich näherkommen und auf dem Boden bleiben. Deshalb haben Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing 1975 das Treffen als Kaminrunde gegründet. Und in St. Petersburg 2006 sprachen noch alle mit Wladimir Putin und dem Wodka zu.

Es gibt nur zwei gute Demo-Gründe: Der eine ist, gegen Russlands Staatschef Wladimir Putin zu demonstrieren – weil er die Ukraine überfallen hat. Aber er darf ja nicht dabei sein, und damit sind wir beim zweiten Demo-Grund: Dass Russlands Staatschef hinausgedrängt wurde und G8 zu G7 schrumpfte. Das wären ja mal Demonstrationsgürnde – für oder gegen Putin. Aber wer demonstriert schon gegen Stephen Harper? (das ist der Chef-Kanadier).

Miteinander reden ist besser als aufeinander zu schießen. Und wenn er dabei wäre und reden müsste – was könnte dann schlechter werden? Es ist falsch, dass er nicht dabei ist.

Aber sonst? Warum verpulvert das katholische Hilfswerk Misereor mein Spendengeld für alberne Proteste, Seit`an Seit`mit den Doofies von Attac? Zusammen mit anderen Gewalttätern, die jetzt scheinheilig von friedlichen Demos reden, Gewalt vorbereiten, Steine werfen, und anschließend über Bullengewalt lamentieren? Hilft das im Kampf gegen den Welthunger, Misereor? Oder habt ihr mal kurz wieder nicht nachgedacht – und veranschlagt für Euch ein politisches Mandat, das ich Euch nicht gebe? Es ist schon seltsam, welches komische Denken sich unter dem Deckmantel der steuerfinanzierten Kirchen breitmacht neuerdings. Ich demonstriere daher FÜR den Gipfel – durch Spendenentzug für Misereor.

Obama wird keine frische Mass von der Mittenwalder Brauerei kippen können. Nicht dass ich sein Fan bin. Aber es geht um Anstand und Würde. Und dass dies  hier nicht mehr klappt, ist schade. Zu gefährlich. Zu schade.

Zuerst kürzer erschienen in BildamSonntag auf Bild.de




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