Du kriegst Berlin raus aus der DDR, aber die DDR nicht raus aus Berlin

Ideologen fordern »Reinheit«, die der Menschennatur und der Realität selbst widerspricht. – Übrigens: Die Werkzeuge im Kampf gegen das Virus (»Kontaktverfolgung«!) könnten auch wunderbar im Kampf gegen »politisch unreine« Gedanken eingesetzt werden.

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Meister und Schüler saßen auf der Terrasse, und überblickten den Garten. Der Schüler erwähnte einen Gelehrten, über welchen die Leute in der Stadt redeten. Jener Gelehrte predigte, wie die Menschen zu reden haben. Er gab ihnen neue Gesetze und scharfe Regeln, und weil er einen langen Bart trug und mit Autorität zu sprechen vermochte, gehorchten ihm nicht wenige der einfachen Menschen.

Ob der Meister jenen Gelehrten kenne, fragte der Schüler, und ob man auf ihn hören solle? Was er denn von ihm halte?

Der Meister schaute den Schüler an, um in seinem Gesicht zu prüfen, wie ernst diesem die Fragen seien. Als der Meister sich sicher war, dass der Schüler die Fragen so meinte, wie er sie gesagt hatte, stand der Meister auf. Er trank seinen Tee aus, behielt aber die Tasse in der Hand, und er ging tiefer in den Garten, wo die Büsche begannen und die Erde feucht war.

Der Meister kniete sich auf den Boden, schob einen Stein beiseite, hob mit der Hand fünf lebendige Würmer aus der Erde und legte sie in die Teetasse.

Auf dem Weg zurück zum Schüler polierte der Meister die Tasse mit seinem Hemd. Er polierte die Tasse mit dramatischen Gesten, er hauchte auf die Tasse, nur um sie erneut zu polieren. Er hielt die Tasse in die Höhe, so dass die Sonne auf den polierten Lack schien, dann polierte er ihn erneut.

Der Meister hielt die Tasse dem Schüler hin, und er sagte: »Schütte dir Tee in diese Tasse und trinke ihn!«

Der Schüler wollte schon nach der Tasse greifen, er sah aber die Würmer darin und er zog schnell wieder seine Hand zurück – er hatte ja geahnt, was der Meister da am Boden kniend verrichtet hatte, doch die Würmer auch zu sehen, das weckte Ekel in ihm.

»Aber warum willst du die Tasse nicht nehmen?«, fragte der Meister mit großer, gespielter Geste, »ist die Tasse dir denn nicht poliert genug? Glänzt der Lack nicht hell genug? Wie kann eine derart makellose Tasse dir nicht genügen, um daraus Tee zu trinken?«

»demokratiefeindliche Tendenzen«

Das Wort Politik stammt aus dem Griechischen – Πολιτικά – und über den Umweg des Lateinischen gelangt es in unsere spätrömisch dekadente Gegenwart. Das Wort Politur dagegen stammt direkt aus dem Lateinischen, wo polire schlicht glätten oder eben polieren bedeuten. Ob heilige Wahrheit oder stinkender Dreck – lang genug poliert wird alles zu Politik.

Du kriegst Berlin raus aus der DDR, aber die DDR nicht raus aus Berlin. Zum Markenkern nationaler wie internationaler Sozialisten gehört seit jeher die Schnüffelei, und also gehört sie zum Markenzeichen Berlins.

Letzte Woche erst fiel Berlin unangenehm auf, als ein Ex-SED-Mann versuchte, eine Anti-Regierung-Demonstration verbieten zu lassen; siehe »Deutschland 2020: Demo gegen Merkel-Regierung wird verboten«. (Ich hörte einen Zyniker scherzen: »Ob eine Demo in Deutschland von Linken ist oder von normalen Leuten, erkennst du daran, ob die Demonstranten auf die Polizei einschlagen oder andersrum.«)

Zuvor hatte man in Berlin eine Art »Anti-Polizei-Gesetz« verabschiedet (siehe Essay vom 28.6.2020), welches das Vorgehen gegen die schwierigeren unter ihren Kunden, welche aber der Politik extra nah am Herzen zu liegen scheinen, noch schwieriger macht.

Man liest in der Berliner Presse (und nicht nur dort) immer wieder Schlagzeilen über den grünen Berliner Justizsenator Dirk Behrendt. Die Gründe sind verschieden. Mal geht es um unentschuldigtes Fehlen (tagesspiegel.de, 6.6.2019, taz.de, 6.6.2019: »Behrendt schadet dem Parlament«, »Es ist das zweite Mal binnen vier Wochen, dass ein führender Grünen-Politiker den Eindruck erweckt, ein Parlament nicht ausreichend wertzuschätzen«.). Mal geht es um eine Ausbruchserie (faz.net, 2.1.2018), und bei bz-berlin.de, 4.1.2018 las man so deutlich wie hilflos: »Justizsenator will nicht zurücktreten? Dann sollte er entlassen werden!«

Nun, im Failed State Berlin wird man nicht entlassen, weil man beschädigt haben könnte, was zu bewahren man reich entlohnt wird – Herr Behrendt ist weiter im Amt und wieder in den Schlagzeilen.

Aktuell wird Herrn Behrendt vorgeworfen, er wolle unter Berliner JVA-Beamten ein »Spitzelsystem nach DDR-Vorbild« einführen (tagesspiegel.de, 3.9.2020).

Behrend will »demokratiefeindliche Tendenzen bei Strafvollzugsbeamten erfassen« (tagesspiegel.de, 31.8.2020), so heißt es. Doch, das Wort »Demokratie« klingt heute, wenn etablierte Politfiguren oder auch Staatsfunker es aussprechen, längst gemäß orwellscher Begriffsumdrehung wie eine Chiffre für »Macht linker Strippenzieher« – und »demokratiefeindlich« klingt wie linker Neusprech für »was linke Lügen entlarvt«.

Die Leiter der Berliner Gefängnisse wurden angewiesen (siehe tagesspiegel.de, 3.9.2020, 31.8.2020) auch nur »Hinweise« auf »demokratiefeindliche Tendenzen« in »Handlungen« oder »dem äußeren Erscheinungsbild« zu erfassen und zu melden – und eine solche Meldung kann erhebliche Konsequenzen haben, bis hin zur »Entfernung aus dem Dienst«.

Ein Geschenk aus China

Zu sagen, dass unsere Welt eine komplizierte sei, es wäre eine Banalität. Die Komplexität der Welt lässt das Erfassen eben dieser Welt unser eher für die Büffeljagd in der Savanne entwickelte Gehirn schmerzen. Zu den Lastschmerzen unserer Denkapparate kommt die kaum zu leugnende Tatsache hinzu, dass in jeder Komplexität auch Gefahren und Widerstände lauern.

Ein weiser wie auch ein kluger Mensch suchen nach Wegen, die Komplexität der Welt als solche zu akzeptieren, die prinzipielle Nicht-Greifbarkeit hinzunehmen (populär formuliert: »Ich weiß, dass ich nichts weiß« (Randnotiz: eigentlich heißt es »Ich weiß als Nicht-Wissender« und bezeichnet ein erkenntnistheoretisches Problem)).

Ein weiser wie auch ein kluger Mensch sind sich der Unmöglichkeit eines »reinen« Weltbildes bewusst, und sie suchen nach Wegen, mitten im Chaos der Realität eine Ordnung in ihren Gedanken zu finden, denn diese ist es, mit welcher das Glücklichsein beginnen kann.

Ein nicht-so-weiser Mensch aber, der durch Gewalt oder einen Zufall an die Macht gelangt, wird bald diese oder jene Ideologie zur einzig wahren erklären (manchmal tun dies auch schlaue Leute, die einen Dummkopf simulieren).

Die »Reinheit« der Ideologie verleiht der persönlichen Welterklärung eine vulgäre und primitive, aber vermeintlich »gehirnfreundliche« Einfachheit. Die »unique selling proposition« der Ideologie ist nicht ihr Inhalt, sondern ihre »Reinheit«. Die Inhalte der Ideologien sind austauschbar, solange sie den Gehorsam belohnen und eine Erlaubnis zum Nicht-Denken geben.

Das Versprechen des Ideologen an die Beherrschten – und damit ein wesentlicher Baustein im Fundament seiner Macht – ist die radikale Vereinfachung, die »Reinheit« des Weltbildes.

Das dauernde, unüberwindbare Riesenproblem des Ideologen ist der Widerspruch zwischen der Reinheit seiner Lehre und der »Schmutzigkeit« der Realität.

Die Menschen sind etwa nicht alle uneigennützig (und aus tiefstem Herzen dem Zentralkomitee hörig), wie kommunistische Ideologen es für ihre Ideologie voraussetzen (aber selbst natürlich nicht praktizieren). Die Motivation des Menschen ist nie »rein«. Während der unideologische Kapitalismus die Komplexität menschlicher Motivation versteht und nutzt, muss der Sozialismus – wie jede andere »reine« Ideologie, als auch Gottesstaaten – immer und ohne Ausnahme versuchen, die in seiner Ideologie vorausgesetzte »Reinheit« mit Folter, Gewalt und politischem Terror durchsetzen – um zuletzt doch jedes Mal zu scheitern.

Der endgültige Name für den in diesen Jahren in Deutschland aufziehenden Sozialismus ist noch nicht gefunden. Einige der Betreiber des neuen Sozialismus, wurden im DDR-Sozialismus, äh, sozialisiert, waren teilweise sogar Funktionäre im DDR-System, und doch ist dies eine neue Art des Sozialismus, wie auch immer diese Variante dereinst heißen wird.

Dieser neue deutsche, noch in seiner Formungsphase befindliche Sozialismus, er teilt mit allen anderen Ideologien die Eigenschaft, in täglich wachsender Manie eine »Reinheit« des öffentlichen Redens durchsetzen zu wollen.

Der deutsche Staatsfunk agitiert täglich gegen Menschen, die nicht »rein« genug reden. Ministerien, Schulen und Behörden wollen die neue »Reinheit« des »erlaubten« Weltbildes durchsetzen. Der Corona-Virus erscheint den neuen Sozialisten womöglich geradezu wie ein »Geschenk aus China«, mit dessen Hilfe sie Maßnahmen installieren können, die sich auch trefflich zur Durchsetzung einer ideologischen »Reinheit« politischer Meinung nutzen lassen.

Ein Virus ist, ebenso wie eine sogenannte »falsche« Meinung, nicht mehr als eine Information. Wer Covid-Kontakte verfolgt, der kann technisch auch Kontakte zu Menschen mit »falscher Meinung« verfolgen. Die Technologie, die feststellen soll, ob man einen »Infizierten« traf (vergleiche etwa heise.de, 27.8.2020), ist weitgehend dieselbe, wie jene, die es bräuchte, um zu verfolgen, wer sich etwa zum Mittagessen mit jemandem trifft, der mit allzu oppositionellem Gedankengut »infiziert« ist.

Länger und strenger

In unserer kleinen Geschichte reicht der Meister dem Schüler eine Teetasse, die von außen traumhaft poliert und schön aussieht, aber im Inneren Würmer birgt.

Im Herrschaftsbereich von Ideologien, welche die Reinheit der Äußerungen und politisch deutbaren Handlungen überwachen und mit Staatsmacht durchsetzen, entfernen sich soziale Realität und offizielle Wahrheit immer mehr voneinander. Außen stehen die potemkinschen Fassaden politisch korrekter Lügen, drinnen kriechen linke Lügen und die Konsequenzen der Lüge umher.

Politische Korrektheit versucht, durch das Leugnen von Problemen eben diese verschwinden zu lassen. Je länger und strenger ich aber das Aussprechen von Problemen verbiete, umso ärger wird das Problem werden.

Im Propagandastaat wird von oben vorgegeben, welche Lügen man zu sagen hat, was man nicht zu sehen hat, mit wem man sich nicht zu treffen hat, wenn man im öffentlichen Leben mitspielen und nicht seinen Job verlieren will.

Wie die polierte Tasse

Ich bin mir noch nicht sicher, warum ausgerechnet Deutschland wieder und wieder und wieder für die Illusion von »Reinheit« anfällig ist, mal eine angebliche »Reinheit« der Gene, mal die »Reinheit« der sozialistischen Haltung, und heute eben die »Reinheit« der Realitätsleugnung im Zeichen suizidaler »Toleranz«.

Die Welt ist kompliziert und schmutzig, ihre Widersprüche sind schmerzhaft, und manchmal lassen sie uns hilflos dastehen.

Ich strebe keine »Reinheit« an, und schon gar nicht die Reinheit des Weltbildes, denn die »Reinheit« der Ideologen ist immer nur wie die polierte Tasse, in dessem Inneren die ekligen Würmer ihrer Unwahrheiten sich winden.

Nein, ich strebe keine Reinheit an. Man verspricht uns einen Palast polierter Lügen, doch in der kleinsten Hütte kratziger Wahrheit schlafe ich besser.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

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Kommentare ( 22 )

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22 Comments
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Onan der Barbar
1 Jahr her

„Der endgültige Name für den in diesen Jahren in Deutschland aufziehenden Sozialismus ist noch nicht gefunden.“
Die „Reinheit“ spielte im Denken (oder was man so nennen muss) von Pol Pot eine sehr große Rolle. Khmerismus erscheint mir daher angebracht.

Deutscher
1 Jahr her

„Du kriegst Berlin raus aus der DDR, aber die DDR nicht raus aus Berlin“

Weiß nicht recht… ich glaube, dass Ostberlins Einwohnerschaft zu DDR-Zeiten nicht halb so versifft und kaputt war.

Alex70
1 Jahr her

Als Ossi ertappe ich mich dabei, mir das damals als West-miefig-piefig verschriene Duo Landowsky-Diepgen zurückzuwünschen. So frei und ungezwungen waren die 90er und so weit sind wir heute schon, daß man das wiederhaben will.

Deutscher
1 Jahr her
Antworten an  Alex70

Fragen Sie mal mich als Wessi: Niemals hätte ich geglaubt, dass ich mich eines Tages nach der Ära Kohl zurückzusehnen würde!

Alfonso
1 Jahr her

„Ein Geschenk aus China“ Wahrlich, SARS-CoV-2 ist für unsere Obertanen ein Geschenk aus China. Träumen sie doch stets davon, solch ein politisches System wie in China bei uns in Deutschland und insbesondere auch bei der EU zu installieren. Von daher nehmen unsere Obertanen gerne die Chance wahr, die ihnen China mit der Lieferung des Virus SARS-CoV-2 sozusagen im Beipack mitlieferte, nämlich die Chance die Demokratie in unserem Lande abzubauen und ein politisches System nach dem Vorbild Chinas zu installieren: Wenige Personen bestimmen über Politik, Wirtschaft und bis in den engsten privaten Bereich der Untertanen. Ein Traum der deutschen Poltiker wird… Mehr

Dr_Dolittle
1 Jahr her

Ich finde es immer bedenklich wenn bereits der VERDACHT und nicht der gerichtsfeste Beweis der tatsächlichen Tat Grundlage staatlichen Handelns oder staatlicher Sanktionen wird. Es darf nur der Täter bestraft werden dem die Tat tasächlich nachgewiesen wurde. Dieses Rechtsprinzip wird bei Corona außer Kraft gesetzt. Es reicht jetzt KONTAKT zur einer Person mit positivem Test gehabt zu haben, also sozusagen Verdacht auf Verdacht. Und es reicht z.B. auch das falsche, z.B. Gütersloher Nummernschild zu haben um nicht nach Bayern fahren zu dürfen, obwohl da gar keine Grenze ist und der Fahrer erstens völlig gesund, zweitens nicht getestet und drittens kontaktfrei… Mehr

groupie
1 Jahr her

„Du kriegst Berlin raus aus der DDR…“
Sie hätten auch schreiben können: „Du kriegst den Zellkern raus aus der Zelle, aber nicht die Zelle raus aus dem Zellkern“. Also den Quatsch offensichtlicher darstellen können, der Ihnen durch den Kopf durch gegangen ist.
Niemand wollte Berlin als Hauptstadt. Niemand wollte die DDR 2.0. Dennoch haben wir beides. Das ist Fakt. Das ist Realität.
Ihr Text ist wie Schaum am Strand des Meeres. Kommt der Schaum aus dem Wasser oder kommt er aus dem Sand des Strandes? Weder noch. Der Schaum entsteht, wenn man ** quirlt. Unabhängig von Sand und Wasser.

Danton
1 Jahr her

Wir haben keinen „neuen Sozialismus“. Es ist der alte, aber diesesmal gibt es im Vorfeld wesentlich mehr was man Zerstören kann, Plündern und Verbieten. Die sozialistische Basis in der SED oder SPD oder Grünen will ja die Anarchie. Die Basis ist bereit die reine Ideologie umzusetzen. Nach dem Motto: erst zerstören, dann die Kolchose. Die idologische Gehirnwäsche lässt ja keinen anderen Gedanken mehr zu, und die Steigerung von Sozialismus ist die brutale Diktatur. Aber es gibt ja noch die Funktionäre. Die Nomenklatura der Ideologie. Die will keine Anarchie, nur ein bischen, damit das Land unregierbar wird. Denn nur so sind… Mehr

Gernot Artus
1 Jahr her

Mir reicht’s!

Danton
1 Jahr her
Antworten an  Gernot Artus

Kopf hoch. Das ist eine gewaltige, aber substanzlose Welle. Die Intelligenteren haben die Neandertaler überlebt und so einige Klimawandel, die werden nicht einfach so im Sozialismus aufgehen. Wir opfern nicht unsere Freiheit noch unseren Verstand. Irgendwann fressen sich die Ideologen gegenseitig auf. Dann haben wir uns wenigstens nicht die Hände schmutzig gemacht.

Hannibal Murkle
1 Jahr her

@“Letzte Woche erst fiel Berlin unangenehm auf, als ein Ex-SED-Mann versuchte, eine Anti-Regierung-Demonstration verbieten zu lassen …“

Eine Woche später durfte eine linke Aktion gegen Eigentum stattfinden – auf den Fotos sehe ich kaum Abstände, dafür reichlich Leute ohne Masken:

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus215110018/Berlin-Grunewald-Unser-Ziel-ist-die-freiwillige-Selbstenteignung.html

Wurde in irgend einem der Podcasts Drostens behauptet, auf linken Veranstaltungen sei das Virus weniger bissig?

Kapitaen Notaras
1 Jahr her

„ Du kriegst Berlin raus aus der DDR, aber die DDR nicht raus aus Berlin.“

Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung lebten im Westteil Berlins doppelt so viele Leute wie im Ostteil, und die Bewohner der „Hauptstadt der DDR“ waren sehr pingelig darum bemüht, nicht mit dem „normalen“ DDR-Bürger gleichgesetzt zu werden. Berlin war nie „DDR“.

Natürlich weiß das Herr Wegner nicht, warum sollte man sich auch informieren, wenn doch so ein schönes Klischee zum Greifen nahe liegt (und im Leserforum unter Garantie lebhaften Beifall findet)?

Hannibal Murkle
1 Jahr her
Antworten an  Kapitaen Notaras

Ich erinnere mich, wie ich Mitte der 1980er Jahre meine Berliner Tante besuchen durfte und mich wunderte, dass alles in ihrem linksgrünen Umfeld „alternativ“ ist. Es war nicht DDR, doch die Grünen haben sich im Mauerschatten wie Coronaviren vermehrt – in Kreuzberg ging es auch vor der Wende recht sozialistisch zu:

https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_SO_36#Hintergr%C3%BCnde_und_Geschichte

(Zu den Vorreitern des Gendermurks in Deutschland gehört eine Halbschwester meiner Mutter – wie kann ich diese Familienschuld gutmachen?)

Kapitaen Notaras
1 Jahr her
Antworten an  Hannibal Murkle

Der DDR-Vergleich ist einfach irreführend.

Berlin war immer eine linke **, die vom Rest des Landes schmarotzte. Aber auch das, was wir jetzt sehen, unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der DDR. Aber um das festzustellen, müsste man nachdenken.

Hier geht es im wesentlichen um Klischeemanagement.

Hannibal Murkle
1 Jahr her
Antworten an  Kapitaen Notaras

@“Berlin war immer eine linke **, die vom Rest des Landes schmarotzte.“

Das würde die Verbreitung der linksgrünen Gedanken im Westen Berlins erklären. Die minimalen Unterschiede zwischen dem DDR-Sozialismus und dem Grünen Ökosozialismus sind drittranging – am Ende darf nur Nomenklatura reisen und Normalbürger nicht.

Wann kommen Ökos damit, dass Bananen aus fernen Ländern kommen, beim Transport CO2 entsteht und eigentlich verboten werden müssten? Irgendwie geht es bereits mit der Regionalen Wirtschaft in diese Richtung (wie blöd, dass kein Öko sich konsequent auf Regional Erzeugte Handys einschränkt…)

Kapitaen Notaras
1 Jahr her
Antworten an  Hannibal Murkle

Die Staatsideologie der DDR war der klassische, ökonomisch orientierte Marxismus, der den ökonomischen Wettlauf mit dem kapitalistischen Westen zu gewinnen suchte. Die Ideologie der heutigen Linken/Grünen ist der Kulturmarxismus, der als Schmarotzer des Kapitalismus diesen von innen zersetzt. Das ist ein gravierender Unterschied, der andere Unterschiede nach sich zieht: Die DDR wäre nie auf die Idee gekommen, den Staat aufzulösen. Sie definierte sich als klassischer Nationalstaat. Die DDR wäre nie auf die Idee gekommen, ihr Territorium mit Fremden zu fluten. In der DDR wäre jeder, der Polizisten „Müll“ nennt, nach Bautzen gegangen. Die DDR wäre niemals auf die Idee gekommen,… Mehr

Stiller Ruf
1 Jahr her
Antworten an  Kapitaen Notaras

Aber der MODUS OPERANDI der heutigen Polit-„Eliten“ (allem voran in Berlin) gleicht nun mal immer mehr dem, der alten SED-Diktatur. Das ist ja wohl leider offensichtlich.

Kapitaen Notaras
1 Jahr her
Antworten an  Stiller Ruf

Ja, das ist die konkrete Form der Machtausübung – aber auch die ist nicht typisch DDR, sondern typisch für alle Formen einer Gesinnungsherrschaft.

Die ökonomischen Grundlagen und die Ideologie sind aber völlig andere als in der DDR.

Kapitaen Notaras
1 Jahr her
Antworten an  Hannibal Murkle

Grüne wären zum Beispiel in der DDR im Knast gelandet. Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis auch, und Gendertypen hätten in der Kneipe die Fresse vollgekriegt. Naturwissenschaftliche Ausbildung hätte man auch ernster genommen.

Ich könnte locker noch weitere WICHTIGE Unterschiede benennen, aber wozu?

Tizian
1 Jahr her
Antworten an  Kapitaen Notaras

West-Berlin war doch schon immer praktisch genauso link wie Ost-Berlin. Nur freiwillig. Nach West-Berlin sind sie alle hin, die linken, alternativen, 68-er und sonstigen Spinner. Das konnte nur deshalb so gedeihen, weil man mittendrin war, in der DDR und Teil vom ewig linken Moloch Berlin.

Ulrich
1 Jahr her
Antworten an  Kapitaen Notaras

Berlin war die DDR, das Umland Provinz, auf deren Bewohner man verächtlich schaute. Es hat sich nichts geändert.

anita b.
1 Jahr her
Antworten an  Kapitaen Notaras

Zumindest eine andere DDR . Die losung, wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben wurde persifliert in ….. werden die im berlin leben.
Ich mag heute noch weder berlin, noch die Berliner.