Die Stunde der Konservativen in Europa – aber nicht der CDU

Der Wahlsieg in Italien zeigt: Die Menschen haben europaweit genug von woker, abgehobener Politik und wollen die ernsten Fragen beantwortet wissen. In Deutschland hat die CDU derweil die Frauenquote im Angebot.

IMAGO / ZUMA Wire
Giorgia Meloni, Fratelli d'Italia, 26.09.2022
Schweden. Das rote Schweden fällt. In Italien steht ein konservativer Wahlsieg an. Und was macht Hendrik Wüst? Er schenkt der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Schlagzeile: Konservativismus sei nie der Markenkern der CDU gewesen. In Speyer hat es derweil ein Erdbeben rund um das Grab von Helmut Kohl gegeben.

Der Trend in Europa ist eindeutig: Die Menschen haben genug von einer abgehobenen woken Politik: Die sich um die Befindlichkeiten einer verschwindend kleinen Minderheit kümmert, die jährlich das Geschlecht wechseln will. Die betont, Herkunft und Geschlecht spielten keine Rolle, um dann Quoten nach Herkunft und Geschlecht einzuführen. Zudem staatliche Förderprogramme noch und nöcher. Die eine mögliche Temperaturerwärmung in 100 Jahren abwenden will, indem sie heute Arbeitsplätze auf unter 15 Grad abkühlen lässt.

Energie könnte diesen Winter knapp werden. Davor warnen mittlerweile sogar die Stadtwerke. Die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) spricht bereits offen darüber, einzelnen Stadtteilen gezielt den Strom abzustellen. In Europa droht eine Wirtschaftskrise, der Euro verliert gegenüber dem Dollar und Aufsteigerstaaten wie Indien stehen bereit, den Boden zu besetzen, den Europa in der Wirtschaft verliert. Einem reichen Kontinent droht die Verarmung. Darauf erwarten die Menschen Antworten. Das zeigt sich in Italien, in Schweden oder auch in Dänemark. Dort geht die linke Regierung die Probleme an, die durch Einwanderung entstehen. In Deutschland wird migrantische Kriminalität statistisch nicht mehr erfasst. Problem auch gelöst. Irgendwie.

Die Ampel gibt hierzulande ein erbärmliches Bild ab. Gerade die FDP, die sich selbst zum Mehrheitsbeschaffer für Rot-Grün degradiert hat. Eine konservative Partei wäre gefragte denn je. Und was macht die CDU: Konservativismus war nie ein Markenkern der CDU. Sagt Wüst. Deutschland erlebt eine Regierung, die keine durchgehende Stromversorgung mehr garantieren kann und die den Waschlappen als Alternative zum Duschen ins Spiel bringt. Und die CDU steht in den Umfragen nicht einmal bei 30 Prozent.

Die CDU hatte gerade einen Parteitag. In Hannover. Es war die Chance, sich neu zu positionieren. Und was macht die CDU? Sie gibt sich eine Frauenquote. Führt sie ein, gegen die Stimmen junger Frauen aus den eigenen Reihen, die warnen: Damit würden sich nur mittelalte, politisch gescheiterte Frauen ihre Restkarrieren absichern. Und Hendrik Wüst triumphiert: Die CDU ist jetzt wie die Grünen – nur trägt sie Anzüge von der Stange. Inhaltlich hat der Parteitag in Hannover die allgemeine Dienstpflicht gebracht. Mehr Staat. Die Botschaft der CDU für junge Menschen. Unausgegoren ist die Idee obendrein. Während Handwerker beklagen, dass Schüler ins Berufsleben drängen, die nicht mal lesen und rechnen können, will die Union denen jetzt die Verantwortung für hochkomplexe Waffen überlassen. Sie können aber auch was anderes machen. Egal was. Hauptsache Staat.

Die CDU steht zurecht bei unter 30 Prozent. Obwohl die Ampel so verheerend agiert, wie sie es tut. Die Partei lässt sich von den Wahlsiegen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen einlullen, wo der woke Wüst und der noch wokere Daniel Günther gewonnen haben. Die historisch niedrigen Wahlbeteiligungen ignorieren sie. Auch dass ihre Stärke die Schwäche der Ampelparteien ist.

Es ist die Merkel-CDU, die sich unter Friedrich Merz keinen Nanometer in die richtige Richtung gewandelt hat. Die sagt: In der Politik geht es darum, Wahlen zu gewinnen und das gelingt uns am besten, wenn wir inhaltlich nichts machen, aber dafür ab und an Wohlfühlthemen wie die Frauenquote bedienen. Das Haus brennt. Deutschland droht eine Verarmung, wie sie heute unvorstellbar ist. Die Bürger haben das längst verstanden. Die CDU-Funktionäre noch nicht.


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Kommentare ( 86 )

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Hannibal Murkle
2 Monate her

Fairerweise sollte man erwähnen – wie etliche Medien berichten, Merz kritisiert gerade den Sozialtourismus der Ukrainer. Nicht dass ich nur deswegen der CDU meine Stimme gebe, aber einen Schritt in die richtige Richtung sollte man loben.

hassoxyz
2 Monate her

„Die Bürger haben das längst verstanden. Die CDU-Funktionäre noch nicht.“ Und die werden das auch in Zukunft nicht verstehen, weil sie in einer anderen Welt, die woke und linksgrün ist, leben, aber nicht in der Realität der einfachen Menschen. Die CDU-Basis ist da schon weiter. Immerhin hat sie gegen die lächerliche Frauenquote gestimmt. Leider ohne Erfolg, weil die Funktionäre auf den Parteitagen stets die Mehrheit der Delegierten stellen. Wie lange will sich die Basis die Arroganz der CDU-Kader noch gefallen lassen, bis das Maß voll ist ?

Thorsten
2 Monate her

Ich denke, dass die Wähler sich nach rechts bewegen müssen. Merkel hat die Substanz der CDU für Wahlsiege verraten und verkauft.
Der „ewige Hoffnungsträger“ Merz erweist sich als Rohrkrepierer. Hätte man sich schon denken können, da er von Merkel alle Jahre vorgeführt würde.
Die CDU ist nun genauso am Ende, wie die SPD, als sich die Linke abspalteten.

Deutscher
2 Monate her
Antworten an  Thorsten

„Ich denke, dass die Wähler sich nach rechts bewegen müssen“

Richtig! Ich kann nicht eine Partei wählen, die meine Werte nicht vertritt und darauf hoffen, dass sie es vielleicht irgendwann doch tun wird.

Ralf Poehling
2 Monate her

Die CDU muss sich bewegen. Nach rechts. Da führt kein Weg dran vorbei.
In der Zwischenzeit müssen konservative Denke und Patriotismus bei uns wieder hoffähig gemacht werden. Das geht. Auch dann, wenn es dabei rumpelt.

Heinrich Wolter
2 Monate her

Die Überschrift hat mich schockiert. Wer wagt es denn heutzutage, die CDU in die Nähe des Konservativismus zu rücken? Merkel sei Dank ist die CDU jetzt modern, aller früheren Ziele entkernt und woke!

Rene 1962
2 Monate her

Nicht einmal im Osten haben es alle verstanden. Ich habe oft mit Beamten zu tun. Haus im Berliner Speckgürtel. Die sitzen jetzt seit 2,5 Jahren zu Hause.
Loben Herrn Habeck dafür, wie er diese schwierige Situation meistert. Dann sind sie davon überzeugt das Russland die Krim und den Donbass freiwillig wieder abgibt, weil Putin Angst hat, das die Ukrainische Armee sonst bis Moskau durchrennt.
Bitte nicht lachen, es ist so traurig.

Thomas Hellerberger
2 Monate her

Eigentlich ein Kommentar, der typisch ist für das heutige Deutschland. Oder genauer: Für seinen bürgerlichen, nichtlinken Teil. Es reichte doch vollkommen, festzustellen: Die CDU versagt als Partei für Bürgerlich. Sie muß weg, so wie einst die DC in Italien. Sie versagt seit ca. 1986, seit in der Union Leute wie Geißler oder Blüm oder Süßmuth die Deutungsmacht bekamen. Wer älter als 50 ist, erinnert sich auch, daß und wie die Union danach intellektuell und politisch abgewirtschaftet hatte, so daß ohne die „Wir-sind-ein-Volk“-Ostdeutschen der grünlinke Komplex schon seit 1990 regierte. Nach 24 Jahren grüner Hegemonie macht das aber keinen Unterschied mehr… Mehr

WGreuer
2 Monate her

„Die Stunde der Konservativen in Europa – aber nicht der CDU“ Die CDU ist seit Merkel, allerspätestens seit der BTW 2010 nicht mehr konservativ, sondern hechelt dem linksgrünen, woken „Zeitgeist“ hinterher. Die verbliebenen wahren Konservativen wurden rausgeekelt und durch unfähige und korrupte Parteisoldaten und Pöstchenhocker ersetzt. An der Basis mag es noch ein bisschen anders aussehen, aber auch da ist im Großen und Ganzen der konservative Kern längst massiv im Rückzu befindlich, da er keine Lust mehr auf das dümmlich-dämliche Bashing und das ideologisierte, aber fern jeglicher Realität und Fakten liegende Gelaber der woken Zeitgenossen à la Hofreiter, Baerbock, KGE… Mehr

Okko tom Brok
2 Monate her

Zum hundertsten Male: die CDU war und ist keine konservative Partei, sondern eine „Mischpartei“ aus christlichen Sozialdemokraten, echten Konservativen aber auch pragmatischen Karrieristen. Letztere haben sich von den Sozialdemokraten in den eigenen Reihen immer stärker in Dienst nehmen lassen, während Konservative praktisch verschwanden. Der „Merkel-Putsch“ (die war nicht einmal Parteimitglied) schließlich führte seit 2005 zur Vergrünung der Partei, die Karrieristen wurden „woke“ und die Konservativen endgültig heimatlos. Ein neues Parteiangebot mit „A“ wurde von vielen ergriffen, viele glaubten jedoch ausgerechnet beim Thema Oppositionsparteien noch weiterhin der Regierungspropaganda, obwohl die Regierung in fast allen Themen so deutlich falsch lag und liegt… Mehr

Siggi
2 Monate her

Merkel hat der CDU alles Konservatives ausgetrieben. Metz ist doch auch nur ein Handlanger der immer noch im Hintergrund agierenden Versagerin.