Die Rückkehr der deutschen Großmannssucht

Die alte deutsche Großmannssucht ist wieder da. Unter Katastrophe der gesamten Menschheit tut es ein Joseph Fischer nicht, Luisa Neubauer, die Grünen denken in “planetarischen“ Dimensionen und die Bundeskanzlerin will ständig die Welt retten. Für Deutschland zuständig zu sein, genügt ihr nicht.

imago Images/Christian Grube

Man müsste über Joseph Fischers Kommentar im Handelsblatt, wenn er nicht so klar die politischen Träumereien der deutschen Eliten vorführen würde, nicht schreiben, dennoch oder gerade deshalb ist er ein Lehrstück in Weltfremdheit. Fischer schwärmt sogar vom Corona-Virus, weil anscheinend getreu der jesuitischen Maxime der Zweck die Mittel heilige, wenn er mit reichlich Pathos schreibt: „Aber die Covid-19-Krise weist auch weit darüber hinaus und verfügt über eine viel grundsätzlichere Dimension. Rückblickend wird diese Krise im Jahr 2020 vielleicht einmal als der Beginn der „großen Transformation“ der globalen Industriegesellschaft hin zu einer Gesellschaft der Nachhaltigkeit und der Verantwortungsübernahme der Menschen für ihr Tun bezeichnet werden, soweit sie sich in Industriegesellschaften organisieren. Wenn es gut geht, erweist sich das Virus als ein Weckruf zur rechten Zeit …“ Wenn die Große Transformation allerdings misslingt, dann „wird es den Beginn einer beispiellosen Katastrophe der Menschheit markieren.“ Letzteres ist wahrscheinlich, ersteres auszuschließen.

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Wenn Sozialalchimisten wie Lenin oder Mao die Große Transformation vermasselten, dann hatte stets die Menschheit Pech gehabt. Was Pflastersteine nicht vermochten, soll jetzt Covid 19 vollbringen, nämlich die Weltrevolution. Noch nie war man dem Ziel einer rotgrünen Ökodiktatur so nahe wie heute. Weil aber der Begriff Weltrevolution nicht mehr zeitgemäß ist, wird stattdessen der Begriff Große Transformation benutzt. Nicht nur von Joseph Fischer. Nicht nur von den Linken. Nicht nur von den Grünen. Nicht nur von der Bundeskanzlerin. Nicht nur von der EU- und UN-Administration, sondern auch vom Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie alle wünschen sich die Überwindung des Kapitalismus, übrigens auch der sozialen Marktwirtschaft. Die einen nennen das Ökosozialismus, die anderen haben lieber noch keinen Namen dafür, den Damen und Herren der Finanzwirtschaft und des Weltwirtschaftsgipfel in Davos ist der Name für die neue Grüne Blase, mit der sie Billionen verdienen wollen, weit mehr als mit dem Hausbaukrediten und den Derivaten in den 2000er Jahren, gleichgültig, sollen es die Aktivisten benennen, wie sie wollen, solange die Bürger immer mehr bezahlen, wie man es an der sogenannten Energiewende in Deutschland beobachten kann. Die Synthese aus Sozialismus und Kapitalismus, die man sich in Davos vorstellt, heißt Kasernenkommunismus für die Bürger, Hochfinanzkapitalismus für die sogenannte Elite.

Weil übrigens die Regierung immer mehr Geld für die große Transformation benötigt, wird nun auch – wie gerade durch die Bundesregierung beschlossen – durch die „CO2 Bepreisung“ auch das Erdgas besteuert. Darauf haben klamme Regierungen in der Geschichte immer vergeblich gehofft, die Luft zum Atmen zu besteuern, in Zeiten der Klimaapokalyptik gelingt es. Die Energiepreise bekommen wieder einen neuen Impuls nach oben. Es reicht nicht, dass wir als Vorreiterland der Großen Transformation bereits jetzt schon weltweit die höchsten Energiekosten haben.

Fischers Grundthese: dass „in der Vergangenheit, vor allem bis zum Beginn der industriellen Revolution um 1800 herum, sich der Verlauf der Erdgeschichte menschlichem Einfluss“ entzog, ist von geradezu rührender historischer Unbedarftheit – und das gleich in doppelter Weise. Erstens kam es auch ohne Menschen zu großen Veränderungen im Klima, die Fischer Krisen nennen würde, wenn man nur an die Kreide-Paläogen-Grenze denkt, um nur ein Beispiel zu nennen, zweitens hat der Mensch früher schon kräftigen Einfluss auf die „Erdgeschichte“ genommen, wenn man sich an die großen Rodungen im Libanon oder in Griechenland im Altertum erinnert.

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Dass Fischer in seinem Kommentar Äpfel und Birnen vermengt, Hauptsache es kommt Schmus heraus, ist nicht neu, schon gar nicht, dass die Klimaapokalypse wieder an die Wand gemalt wird, die nichts anderes als die Corona-Krise ist, nur mit C02 als Bösewicht statt des Virus. Fischer hält sich nicht mit Details auf: „Bei Covid-19 haben wir gelernt, auf den wissenschaftlichen Rat zu hören. Warum tun wir dies nicht auch bei noch sehr viel gefährlicheren Entwicklungen, die heute schon unsere Wirklichkeit bestimmen, wie der Erderwärmung und der Klimakrise?“ Das sind nicht einmal mehr Birnen und Äpfel, denn zwischen einer Pandemie und dem Klimawandel, der zur Klimakrise hochbramabrasiert wird, um mit Corona verglichen werden zu können, besteht kein Zusammenhang, außer der, dass man einmal an einen diktatorischen Regierungsstil gewöhnt nicht mehr von ihm lassen möchte. Fischer missbraucht den Begriff der Verantwortung, wenn er schreibt: „Wer die Freiheit will, darf sich also vor der Verantwortung nicht drücken.“ Der Satz könnte auch über jedes Eingangstor zu jedem Gulag stehen. Oder um es mit Dante zu sagen: „Wanderer, wenn Du hier eintrittst, lass alle Hoffnung fahren.“

Sicher, man ist nicht nur frei von etwas, sondern auch frei für etwas, nur ist man dann nicht mehr frei, wenn man nur frei für etwas ist, für das man dann auch sein muss. Notfalls hilft zur Einsicht in die Notwendigkeit, um sich nicht vor der Verantwortung zu drücken, die politische Polizei oder die gesellschaftliche Ächtung, der Pranger, der der Rotgrünen liebstes Holz ist.

Fischers Verantwortung ist nichts anderes als die Einsicht in die Notwendigkeit. Die Kommunisten liebten den Satz, das Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit ist, zumindest solange sie bestimmten, was notwendig wäre. Genau hier beginnt das Problem, denn notwendig ist nur, was Joseph Fischer für notwendig erachtet. Er benennt das Problem der Bevölkerungsexplosion, die vor allem in Asien und in Afrika stattfindet, er spricht vom Welternährungsproblem, vom Kampf zwischen China und den USA um die Hegemonie, keines dieser Probleme ist in Europa entstanden, keines dieser Probleme kann Europa lösen, aber er phantasiert, dass für „das alte Europa … sich eine unverhoffte Chance“ bietet „,wenn es nicht auf die Konkurrenz der Supermächte setzt, sondern den Mut hat, eine Führungsrolle bei dieser großen Transformation anzustreben.“ In dem wir unsere Wirtschaft zerstören? Indem wir unsere wissenschaftliche und technische Leistungsfähigkeit der Identitätspolitik und dem Genderismus opfern? Indem wir den Sozialstaat durch die Ideologie der Offenen Grenzen, durch Masseneinwanderung und durch das EU-Einwanderungsprogramm überlasten, bis er zusammenbricht? Indem wir Zukunftstechnologien abschaffen zugunsten von Voodoo, wie es die E-Mobilität darstellt? Worin wird Europa führend sein, wenn es Fischers Großer Transformation folgt – und zwar auf das Narrenschiff Utopia? Führend wird Europa dann nur in der Narretei sein. Wenn die große Transformation in Europa siegt, wird die Hauptstadt des Zentralstaates Europa Schilda heißen.

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Fischers Freude über Covid-19, das zum Fanal für die Große Transformation werden soll, ist in doppelter Weise zynisch, zum einen denjenigen gegenüber, die an Covid-19 erkrankt und die an Covid-19 gestorben sind, und darüber hinaus den Bürgern Europas, insbesondere den deutschen gegenüber, denn wie ernst kann man gerade im Krisenfall eine Regierung noch nehmen, die, wie Fischer ausführt, die Pandemie benutzt, um auf demokratisch nicht legitimierte Weise über Notverordnungen die Gesellschaft umzubauen. In Fischers Kommentar dringt die Freude über das Virus durch, das sich so glänzend eignet, die eigene politische Agenda durchzusetzen. Der Grünenpolitiker spielt va banque, es scheint ihm nicht klar zu sein, dass das exzessive Benutzen des Virus dazu führt, dass die Skepsis in der Bevölkerung der Regierung gegenüber steigt und es im Momente der größten Gefahr sein könnte, dass dann der Regierung – auch wenn alle Medien um den Status des Regierungssprechers konkurrieren, selbst wenn in diesem Fall die Maßnahme sogar richtig ist – niemand mehr glaubt, weil sie zu oft ihre politischen Ziele durch das Schüren von Ängsten und durch Propaganda durchgesetzt hat.

Bei allem aber erstaunt doch, dass sich die alte deutsche Großmannssucht wieder zeigt. Unter einer Katastrophe der gesamten Menschheit macht es ein Joseph Fischer nicht, Luisa Neubauer, die Grünen schlechthin denken sogar in “planetarischen“ Dimensionen und die deutsche Bundeskanzlerin will ständig die Welt retten. Für Deutschland zuständig zu sein, genügt ihr nicht. Für die Probleme in Deutschland existieren Medien, die den Menschen erzählen, was sie denken sollen.

Aber diese deutsche Großmannssucht ist noch nie gut ausgegangen. Ein wenig, wollte man es freundlich betrachten, erinnert Joseph Fischer an Voltairs Pangloss. Wenn es am Ende des Romans „Candide oder der Optimismus“ heißt: »In dieser besten aller möglichen Welten sind alle Ereignisse miteinander verkettet, denn wären Sie nicht wegen ihrer Liebe zu Fräulein Kunigunde mit wuchtigen Fußtritten in den Hintern aus einem schönen Schlosse verjagt worden und nicht in die Hände der Inquisitoren geraten, hätten Sie nicht Amerika zu Fuß durchwandert und dem Baron einen tüchtigen Degenstich versetzt, ja, hätten Sie nicht alle Ihre Hammel aus dem guten Lande Eldorado eingebüßt, so würden Sie hier nicht eingemachte Zedratrinde und Pistazien essen.« »Vollkommen richtig,« erwiderte Candid, »aber wir müssen unseren Garten bestellen.«“

Nett, worüber Joseph Fischer so alles schreibt, aber wir müssen unseren Garten bestellen. Voltaire hat recht.

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Kommentare ( 208 )

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Robert Tiel
7 Tage her

„Die Synthese aus Sozialismus und Kapitalismus, die man sich in Davos vorstellt, heißt Kasernenkommunismus für die Bürger, Hochfinanzkapitalismus für die sogenannte Elite.“
Dafür Danke. Alle Krisen der vergangenen 10 Jahre, mit humanitär, klimaschützend, Menschenrecht, links betitelt, sind im Grunde Hochfinanzinteressen. Es wird Sozialismus für die Niederen gegeben, Kapitalismus für die Eliten.
Wenn das die Linken endlich begreifen würden, wäre der Spuk vielleicht zu Ende.
Ich fürchte aber, die sind inzwischen ebenso wie Gewerkschaften und Kirchen korrumpiert.

Evero
8 Tage her

Fischers Joseph handelt mit stinkenden Fischen.
Der Emporkömmling mit den Turnschuhen hat Deutschland verlassen und reist als Vortragsreisender der US-Elite durch den Globus und philosophiert süffisant über die, die in dem engen Deutschland leben und schuld an Afrikas Krisen und dem Weltklima sein sollen.

Die Saat dieser altlinken Kleriker wird verdorren.

Pippi L
8 Tage her

Man macht es sehr geschickt, indem man diese Transformation in rosigen und euphemistischen Worten beschreibt und die Menschen glauben es! So war es auch bei der Einführung des Euro. Was hat man uns den Euro angepriesen als Vermehrung unseres Vermögens und grenzenlose Freiheit in der EU und dann kam genau das Gegenteil, erst die Halbierung der Währung bei fast gleichbleibenden Preisen und dann durch Null-Zins-Politik die weitere Enteignung, Stück für Stück, nach Juncker Zitat und dann die Grenzöffnung für jeden Glücksritter und Plünderung unserer Sozialkassen. Wie kann es sein daß nach diesen Erfahrungen immer noch jeder zweite lt. Umfrage möchte,… Mehr

Frank M.
8 Tage her
Antworten an  Pippi L

„Halbierung der Währung bei fast gleichbleibenden Preisen“
Danke, dass Sie diesen Punkt ansprechen. Mir liegen zwar keine belastbaren Daten vor. Aber ich denke schon, dass Sie mit Ihrer These richtig liegen, die ja letztlich auf einen riesigen Wertverlust hinsichtlich der in DM-Zeiten angehäuften Sparguthaben hinweist, da ja nicht zuletzt die Vermögen in DM durch den Divisor 1,96 nominal nahezu halbiert wurden, während die Güter bereits wenige Jahre später wieder mit den nahezu gleichen nominalen Werten/Beträgen in Euro ausgewiesen wurden.
Mir ist es schleierhaft, warum bis heute keine Debatte darüber geführt wurde.

Evero
8 Tage her
Antworten an  Frank M.

Die Bundesregierung gibt sich größte Mühe, den Bürgern durch Nullzinspolitik auf Dauer und womöglich Pfändung von Sparguthaben im Falle von Bankenschieflagen im Zuge der EU-weiten Bankenhaftung, und letztlich Inflation den Rest auch noch zu stehlen.
Wie schrieb ein ehemaliger deitscher Politiker sinngemäß, der offensichtlich die Deutschen hassen muss, einmal: …egal wo das Geld vergeudet wird, Hauptsache die Deutschen haben es nicht.

francomacorisano
8 Tage her

Egal ob das Corona-Virus absichtlich oder durch einen Unfall entstanden ist, aber den Anhängern der Klima-Religion und den Zirkeln, die eine New World Order anstreben (Weltwirtschaftsforum Davos, Bildenberger, UNO, Open Society von Soros, Gates-Stiftung,…), kam es zumindest gerade recht. Diese Leute wollen uns mit allen Mitteln umerziehen…!

Evero
8 Tage her
Antworten an  francomacorisano

Diese Herrschaften haben alle schmutzige Westen. Entweder stehen sie auf der Lohnliste der VR China oder auf der der greisen US-Oligarchen.
Europas Politelite habem wir als Bürger nicht verdient. Das sind durch die Bank Vertreter fremder Interessen und nicht Vertreter fundamentaler nationaler Intetessen. Der Mensch zählt heute ebenso wenig, wie im Mittelalter oder im dritten Reich oder unter anderen Diktatoren. Je mehr abstrahiert und zentralisiert wird, desto unmenschlicher wird das System. Die Weltkommunisten sind Barbaren!

Wilhelm Roepke
8 Tage her

Ach ja, der Joschka. Si tacuisses…

Epouvantail du Neckar
8 Tage her

Der Joseph ist mindestens so krank im Kopf wie die Angela Dorethea. Auch volumenmäßig werden sie sich immer ähnlicher. Beide inzwischen fast ohne Hals.
Übrigens, der Artikel ist exzellent geschrieben, ich hatte keine Schwierigkeiten bei der Erfassung.

Peter Gramm
8 Tage her

** Fischer hat schon viele Geschichten erzählt. Er war maßgeblich daran beteiligt Deutschland in den ersten völkerrechtswidrigen Auslandseinsatz zu bugsieren. Mit seiner dämlichen (Auschwitz verhindern zu wollen) Aussage war er an einem Kriegsverbrechen beteiligt. Er hat schlicht seine Seele an die Amis verkauft und bekam dann auch seinen Lohn dafür. u.a. eine Professur in Amerika und einen Platz als Schoßhündchen von Mdm. Albright. Die Medien in Händen von ein paar Familien machen es möglich dass er seinen Sermon immer wieder ausbreiten kann. Als ehemaliger Steinewerfer, Taxifahrer und Mitglied einer Putzkolone die auf Polizisten eigeprügelt haben konnte er in der Politik… Mehr

Jan Frisch
8 Tage her

Zitat: „Die einen nennen das Ökosozialismus, die anderen haben lieber noch keinen Namen dafür …“.
Ich würde gerne den Namen „Internationalsozialismus“ in den Ring werfen – alle Schrecken wie Gleichschaltung, Entmenschlichung und äußerer Zwang wie in den Jahren 33-45, nur diesmal in globaler Ausdehnung ohne jeden Ausweg.

Robert Tiel
7 Tage her
Antworten an  Jan Frisch

Internationalsozialismus trifft es.

Schlaubauer
9 Tage her

Ein weiteres schönes Beispiel dafür, wie verkaufe ich es meinen Untertanen. Eigentlich spielt es doch gar keine Rolle, wessen Namen mit dem Inhalt des Handelsblattartikels in Verbindung gebracht wird. ** Bleibt hier wirklich bei genauem Hinsehen „Großmannssucht“ übrig oder nicht einfach nur, wie kriege ich Europa und vor allem Deutschland klein?

Peter Pascht
9 Tage her

„Was Pflastersteine nicht vermochten, soll jetzt Covid 19 vollbringen,
nämlich die *Weltrevolution*.“

Die „Covid19 Weltrevolution“, schon,
aber die „Weltrevolution des Kapitalismus“, genannt „Globalisierung“
des „green deal“ gefaselt in demokratischen Kreisen der USA und von Frau vdLeyen in der EU, dazu kommt dann noch die „Weltrevolution der globalen Migration“ hinzu,
nicht „Weltrevolution des Kommunismus“, denn den gibt es zur Zeit nirgendwo in der Welt.