Die Not mit der Quote

Die Quote, ob bereits als paritätische oder auch nur als eine darunterliegende prozentuale Größe, soll über die Politik hinaus aber auch in weiteren Bereichen der Gesellschaft Einzug halten. Vor allem die Wirtschaft und dort besonders die Besetzung von Vorstands- und Aufsichtsratsposten sind im Visier der Frauen- und Genderpolitik.

imago Images/Xinhua
Sie ist der Evergreen in Politik und Wirtschaft: die Quote. Alle Jahre wieder fühlen sich Politiker bemüßigt, Frauen und anderen tatsächlich oder auch nur vermeintlich benachteiligten Gruppen, vor allem aber dem eigenen Image etwas Gutes zu tun.

Die Quote als Agenda

So haben sich die Mitglieder der Satzungskommission der CDU darauf geeinigt, dem nächsten Parteitag die Einführung einer Frauenquote vorzuschlagen: Bis 2025 sollen Frauen stufenweise bei der Aufstellung von Wahllisten und bei Vorstandswahlen der Partei ab der Kreisebene aufwärts in allen Gremien hälftig vertreten sein. Richtig ist: Mindestens die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen. Was Intellekt, Fleiß, Belastbarkeit und die Fähigkeit zum Management von mehreren parallel zu regelnden Angelegenheiten, das Multitasking, sowie das Durchhaltevermögen anbelangt, stehen Frauen dem nur physisch stärkeren Geschlecht in Nichts nach.

Welch‘ Wunder: Frauen haben mit Männern das Person- und Menschsein gemein, mit Körper, Leib und Seele, mit Erkennen, Reflektieren, Fühlen und Wollen. Auch wenn sie die Welt partiell vielleicht „anders“ wahrnehmen, weniger kriegerisch, denn kooperativ gesinnt sein mögen, sind sie doch gewillt, auch zu kämpfen, wenn es darauf ankommt.

Vielleicht können sie psychisch und auch physisch sogar mehr ertragen als Männer, fühlen sensibler, aber auch intensiver – wer weiß. Nur Hollywood brachte es mit dem Muskelmann Arnold Schwarzenegger auf Zelluloid; doch in der Wirklichkeit hat noch kein Mann in Wehen gelegen und wird voraussichtlich auch nie ein Kind austragen und zur Welt bringen.

Demokratisch zweifelhaft

So sehr das Ziel einer paritätischen Besetzung von politischen Mandaten und Funktionen in Parteiämtern oder Staatsfunktionen auch plausibel erscheinen mag – dies mit einer verpflichtenden Quotenregelung durchzusetzen, erscheint wenig sachgerecht und demokratisch zweifelhaft. Im Zweifel würde ein besser qualifizierter, kompetenterer und leistungsfähigerer Mitbewerber auf der Strecke bleiben. Er dürfte oder könnte nicht gewählt werden, solange die Frauenquote nicht erfüllt wäre, auch wenn eine Mehrheit der Parteimitglieder oder Delegierten gern für ihn votieren würde.

Seine Nichtwahl aber wäre eine Diskriminierung, eine Art Geschlechter-Rassismus, und zugleich ein Verstoß gegen das Mehrheitsprinzip als Grundregel der Demokratie; der Wählerwille würde ignoriert und gar konterkariert. Doch in der Politik, insbesondere in der Parteipolitik, sind neben dem Geschlecht noch weitere Faktoren wie Gebietsproporz, Religion und Konfession, das Alter, eine berufliche Spezialisierung und Erfahrung sowie eine allgemeine Prominenz von Bedeutung. Und eine Promi-Quote: So bedienen sich die Parteien bei der Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten wählt, gern als entsandte Wahlfrauen und -männer beliebter Film- oder Sportstars, Adliger oder sonstwie bedeutender Mitbürgerinnen und bekannter Persönlichkeiten als Aushängeschilder.

Es geht um die Vorstandsposten

Die Quote, ob bereits als paritätische oder auch nur als eine darunterliegende prozentuale Größe, soll über die Politik hinaus aber auch in weiteren Bereichen der Gesellschaft Einzug halten. Vor allem die Wirtschaft und dort besonders die Besetzung von Vorstands- und Aufsichtsratsposten sind im Visier der Frauen- und Genderpolitik. Seit 2016 gilt bereits eine gesetzliche Frauenquote von mindestens 30 Prozent Frauen für die Besetzung von Aufsichtsräten in sogenannten voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen; dort stieg der Frauenanteil von 26,8 Prozent im Jahr 2015 bei DAX-Konzernen sogar auf 35,4 Prozent im Jahr 2019. Die gesetzliche Frauenquote gilt allerdings nur für Aufsichtsräte, nicht für Vorstände.

Die Präsenz von Frauen in Vorständen ist immer noch sehr gering. Nur 8,7 Prozent der Vorstandsposten wurden 2019 von Frauen besetzt. Zwei von drei Unternehmen werden nach wie vor ausschließlich von Männern geführt. Dabei scheint vor allem auch die Größe der Unternehmen relevant. Noch immer gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto geringer ist tendenziell der Frauenanteil. Bereits 2015 bekundete der Bundestag, bis 2018 solle eine 50-Prozent-Quote für Frauen in Aufsichtsräten angestrebt werden, um eine faktische Geschlechterparität zu schaffen. Vorerst blieb es aber bei dieser Absichtserklärung.

Machtanspruch der Politik

Die erhobenen Zahlen zeigen aber auch, dass die Politik nach wie vor versucht ist, die Wirtschaft und in deren Gefolge auch die Wissenschaft immer mehr zu „demokratisieren“ und zu „quotisieren“. Schon gibt es Forderungen, auch zugunsten von Migranten und Divers-Geschlechtern Quotenregelungen zu erlassen. Diesem Machtanspruch der Politik gegenüber der Wirtschaft als einer immer mehr pseudopolitischen Arena beugen sich größere Unternehmen offenbar umso mehr, je mehr die Politik über Subventionen und Regulierungen Einfluss nimmt. Die Energiewende, die neu verordnete Klima-, Verkehrs-, Landwirtschafts- und Ernährungspolitik, aber auch das nun angedachte Lieferkettenhaftungsgesetz weisen den Weg: Politik und Staat mischen zunehmend in den noch politikfreieren Arenen der Gesellschaft mit. Das aber ist in dieser Totalität weder sach- noch personengerecht.


Dieser Beitrag von Richard Schütze erschien zuerst in Die Tagespost. Katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur. Wir danken dem Verlag für die freundliche Genehmigung zur Übernahme.

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Kommentare ( 31 )

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31 Comments
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Heinrich Wolter
1 Jahr her

Nach m.M. dient das dazu, daß mehr Entscheidungen nach Gefühl gefällt werden sollen und weniger nach Verstand.

bhayes
1 Jahr her

Jede Art von Geschlechterquote ist ein rohes Verbrechen, grundordnungswidrig, verfassungswidrig und damit von Anfang rückwirkend nichtig. Jede/r Mandatsträger/in und jede/r Amtsträger/in, die dies auch nur befürwortet, ist ein/e Verbrecher/in und rückwirkend ihrer Mandate und Ämter enthoben. Denn ausschließlich die Staatsbürger selbst haben zu entscheiden, wen sie wählen und wen sie Posten geben. Die Einführung einer faschistischen Unrechtsordnung, die solche Quoten nämlich bedeuten, muss unbedingt verhindert werden. Es würde dadurch eine neue Ständegesellschaft eingeführt werden, dies bedeutet die Vernichtung der Bürgergesellschaft, in der jede/r im Prinzip alles werden kann und ein sehr hohes Maß an Selbstautonomie hat. Es würden dann gut… Mehr

Hosenmatz
1 Jahr her

Wie hoch war denn die Frauenquote bei Wirecard?

GNaB
1 Jahr her

Man könnte ja mal eine Umfrage unter den besten 20% der Frauen ihres jeweiligen Jahrganges in Studium und Beruf machen, ob diese meinen eine Quote für ihr Fortkommen zu benötigen und eine solche Befürworten. Diese Damen würden die Quote wohl vehementer ablehnen als jeder männliche Hardliner, weil sie keinen Bock darauf haben, was Ihnen über die Quote in den Kolleginnen Sessel gespült wird. Wer hat schon Bock, die Arbeit der anderen mitmachen zu müssen.

Lore
1 Jahr her

Das männliche Geschlecht wird benachteiligt, damit sich das dämliche Geschlecht besser fühlen kann…ist doch sprachlich korrekt, oder?

Nibelung
1 Jahr her

Die Quote ist schon deshalb inhuman, weil sie nicht nur gegen den Wettbewerb verstößt, sondern das männliche Geschlecht eindeutig benachteiligt und wenn man das Bild ansieht, dann ist es völlig unverständlich, wie eine politisch dominierte Männerwelt, sich auf solche fatalen Experimente einlassen kann und das hat etwas mit der Sozialdemokratisierung zu tun, wo deren Idiologie jeden Rahmen sprengt und trotz Emanzipation noch nachhelfen will, was aber nun Angelegenheit der betroffenen Frauen wäre um sich durchzusetzen. Alles andere ist undemokratisch und gerade solche Typen wie der verstorbene ehemalige SPD-Vorsitzende, waren maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt, völlig losgelöst vom Gedanken des stetigen… Mehr

Gottfried
1 Jahr her

Gegen eine Quote spricht: Merkel, von der Leyen, Kramp-Karrenbauer, Schulze, Esken, Göhring-Eckart, Roth, Käsmann

country boy
1 Jahr her

Auf die Frauenquote folgt die Migrantenquote und dann das Ende Deutschlands.

GNaB
1 Jahr her
Antworten an  country boy

Ich kann mit Ihrem „dann“ nicht viel anfangen; dem wohnt so ein Moment des Zukünftigen inne. Lange nicht mehr vor die Tür gekommen? Empfehle: Politikversagen.net

Eberhard
1 Jahr her

Warum nur in Politik und bei Vorstandsposten Quoten? Wenn die Politik dem Wähler Quoten der zu Wählenden vorsetzen will, dann gehören auch Quoten für Wähler und Wählerinnen zu einem ausgewogenen System. Wer mit Quoten Benachteiligungen ausgleichen will, der darf das dann auch nicht nur für Frauen und vielleicht noch Migranten fordern. Da fangen wir doch erst mal bei reich und arm an. Bei gesund und behindert und, und, und. Quoten für dumm und schlau, faul und fleißig und alle möglichen Tugenden. Aber wozu und was soll das Ergebnis werden? Noch scheint es nicht vom Geschlecht abzuhängen, zu welchen Benachteiligten wer… Mehr

rainer erich
1 Jahr her

Im deutlichen Unterschied zum Verfasser und als Personalleiter a. D. sehe ich die Geeignetheit der Damen allgemein differenzierter und kritischer. Daran ändert die offenbar auch vom Autor vertretene, nur ideologisch begruendete, Meinung einer totalen Gleichheit nichts. Dieses Auffassung wird bereits empirisch in einer Offensichtlichkeit widerlegt, dass man schon jede Perception ausschalten muss, um sie zu vertreten. Allein der uebliche „Schlenker“ zu den Emotionen verrät hier genug. Die Ungeeignetheit von Herren, wobei es auch hier Negativauslese und Beziehungsproblematiken zuhauf gibt, ist kein hinreichendes Argument gegen die spezifische Ungeeignetheit des weiblichen Geschlechts fuer diverse Berufe, wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen.… Mehr

Der Ketzer
1 Jahr her
Antworten an  rainer erich

Danke für diese fundierte Darstellung!
Der Satz „… eine Befragung von Damen, die „unter“ einer weiblichen Führungskraft arbeiten“ erinnert mich an meine Ausbilderin, die mir vor fast 40 Jahren erläuterte, warum sie lieber in einer Organisationseinheit arbeitet, deren Mitarbeiter mehrheitlich männlichen Geschlechts sind. Dort gäbe es keinen Zickenkrieg, keine Schönheitswettbewerbe, weniger Hinterhältigkeit, Neid und Missgunst. Und dabei ging es nicht einmal nur um weibliche Vorgesetzte, sondern vor allem um Kolleginnen auf derselben Hierarchiestufe.

Nibelung
1 Jahr her
Antworten an  rainer erich

Das einzig schöne am Koran ist die Tatsache, daß darin die Verhältnisse zwischen Mann und Frau klar geregelt sind und wenn die erst das Sagen haben, indem sie hierzulande Majoritäten besitzen, regelt sich vieles von allein, wobei sich die Männer dann erfreuen können und die Frauen wieder dort hingeführt werden, woher sie gekommen sind und keine Richterin wird dann über einen Mann mehr urteilen können, weil das heilige Buch das nicht zuläßt und bei den Bekloppten hierzulande wieder Ordnung einkehrt. Was hier bei uns abläuft ist der totale Krieg der Geschlechter, der von den Politikern der Frauenstimmen wegen entfacht wurde… Mehr