Während Donald Trump das Sterben in der Ukraine möglichst schnell zu Ende bringen will, fordern deutsche und EU-Politiker mehr Zeit und setzen auf Verzögerung. Derweil wird weiter gestorben und es wächst die Kriegsgefahr auch für Deutschland. Das Versagen der deutschen Eliten erinnert fatal an die Schlafwandler des 1. Weltkriegs.
picture alliance / empics | Leon Neal
Seit dem 24. Februar 2022 tobt Krieg in Europa. Die Erinnerung an die Vorgeschichte des I. Weltkrieges führt die Dysfunktionalität der europäischen Eliten, der „Europäer“, wie sie sich inzwischen selbstverliebt nennen, in aller Drastik vor Augen. Besonders der Verlauf der Juli-Krise 1914 deckt die Arroganz, die Unfähigkeit und den Dilettantismus der damaligen „Europäer“ auf. Die „Europäer“ dilettierten damals solange vollmundig, bis in Europa „die Lichter ausgehen“, wie der britische Außenminister Edward Gray bemerkte. Am 19. Juli 1914, 21 Tage nach dem Attentat auf den Erzherzog Franz Ferdinand und auf seine Frau in Sarajewo beschloss der Ministerrat von Österreich-Ungarn die diplomatische Note an Serbien. In der Note wurde nicht mit Annexion gedroht. Österreich-Ungarn forderte:
Die russische, die französische und die deutsche Regierung erhielten um die gleiche Zeit Abschriften der Note. Erst am 24. Juli traf sich Nikola Pašić endlich mit seinen Ministern. Belgrad galt damals als tiefste diplomatische Provinz. Ausgerechnet hier braute sich ein Konflikt mit gesamteuropäischer Dimension zusammen. Abstimmung mit den Großmächten war also dringend geboten. Und die „Europäer“?
Der britische Gesandte in Belgrad lag danieder, der russische war gerade verstorben, ohne dass es bereits einen Nachfolger gab, und der Nachfolger des französischen Gesandten, der gerade eingetroffen war, befand sich im Zustand eines veritablen Nervenzusammenbruchs. Der britische Außenminister Grey empfahl den Serben, möglichst viele Punkte der österreichisch-ungarischen Note anzunehmen.
Am Nachmittag des 24. Juli bestellte der britische Außenminister den österreichisch-ungarischen und den deutschen Botschafter ein, bat um Fristverlängerung und schlug vor, dass Deutschland, Frankreich und Italien in dem Konflikt vermitteln sollten. Niemand war bei allem Säbelrasseln an einer europäischen Krise, geschweige denn an einem europäischen Krieg interessiert, schon gar nicht wegen Serbien, einem rückständigen christlich-orthodoxen Zwergkönigreich auf dem Balkan.
Bis zum Nachmittag des 25. Juli zeigten sich die Serben zum Nachgeben bereit, doch dann trafen unbegreiflicherweise Berichte der Gesandten vom Zarenhof ein: die Stimmung wäre dort äußerst proserbisch. Der Zar wäre zwar noch nicht bereit zur Mobilmachung, habe aber den Beginn der „Vorbereitungsperiode zum Krieg“ befohlen. Die Serben fühlten sich ermutigt und kippten nun den Kabinettsbeschluss vom Vormittag, der alle 10 Punkte der österreichisch-ungarischen Note fast ohne Einschränkung akzeptierte.
Nun wurden 6 Forderungen der Note mit sehr einschränkenden Bedingungen versehen und die wichtigste Forderung abgelehnt. Die Antwort übergab Nikola Pašić dem österreichisch-ungarischen Gesandten, der noch in der gleichen Nacht Belgrad verließ. Am 26./27.7. mobilisierten die Serben das Heer. Russland berief Reservisten ein. Wilhelm II befand sich noch auf See, Poincaré an Bord der France. Sie erhielten Funksprüche. Mit der Verkündung der Mobilmachung hatte Zar Nikolai II. de facto den I. Weltkrieg ausgelöst. Kaiser Wilhelms II. Telegramm an seinen Cousin „Nikki“, die Mobilmachung zurückzunehmen, weil Europa sonst in eine Katastrophe schlitterte, erreichte Nikolaus II. nicht, weil er sich nach dem Befehl zur Mobilmachung zurückzog und keine Nachrichten oder Telegramme mehr zu erhalten wünschte. Auch wenn die Russen de facto den Krieg ausgelöst hatten, resultierte dieser Krieg aus dem kollektiven Versagen der europäischen Eliten, der „Europäer“, aus ihrer Arroganz, Verantwortungslosigkeit, aus ihrer Liebe zur Phrase und zur Großsprecherei.
In unseren Tagen ruhen die realistischen Hoffnungen auf einen Friedensschluss auf Donald Trump. Von den „Europäern“, wie sich inzwischen die Dilettanten der Geschichte und der Politik, Macron, Starmer, von der Leyen und Merz hochtrabend nennen, ist außer einer neuen Art von realitätsblindem Chauvinismus nichts zu erwarten. Fest steht, dass es höchste Zeit ist, dass dieser Krieg beendet wird, denn jeden Tag, an dem er wütet, sterben Menschen, steigt die Gefahr, dass der Krieg eskaliert und in Europa wieder „die Lichte ausgehen“ und dass wir sie diesmal „in unserem Leben nicht mehr brennen sehen“ werden.
Im gleichen Moment jedoch, in dem sich die Starmers, die Macrons, die Baerbocks, die Wadephuls und Merzens erhabene Gefühle gönnen, haben junge Männer an der Front nur das einsame Gefühl des Todes, in dem Moment, indem die Worte der „Europäer“ durch die Paläste von Brüssel und Paris und Berlin hallen, verstummt der Sterbende im Schützengraben im Osten der Ukraine. Es scheint diesen Leuten in Brüssel, in Paris, in London und in Berlin nicht einmal bewusst zu sein, dass zwischen ihrer Rede und ihrem fünf Gänge Menü junge Männer den Tod finden oder schwer verletzt werden, junge Ukrainer, junge Russen. Versucht man herauszufinden, wie viele Soldaten seit dem 24. Februar 2022 gefallen sind, stößt man sehr schnell auf hohe russische Verluste, was die ukrainische Seite betrifft muss man schon suchen.
Alle Informationen über diesen Krieg sind Propaganda – und die Russen und die Europäer glauben ihrer eigenen Propaganda – darin besteht ein großes Problem. Es existiert faktisch keine Möglichkeit der Verifikation oder Falsifikation der Angaben.
Die Öffentlichkeit ist fast manichäisch gespalten zwischen prorussisch und proukrainisch – und die Grundlage der Ansichten sind Glaubenssätze auf der Basis von fragwürdigen, aber nicht befragbaren Informationen. In meiner Gorbatschow-Biographie schrieb ich vor zwanzig Jahren: „Ein sozialdemokratischer Bundeskanzler schweigt zu Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien, zu Verletzungen der Bürgerrechte und nennt den Mann, der all das ins Werk setzt, einen „lupenreinen Demokraten“. Ein Lapsus, der sich nicht daraus erklärt, dass er Putins Handeln wirklich demokratisch findet. Vielmehr, hat der Kanzler dem Interesse des Wahlsiegs die Interessen des Landes geopfert. Wir wollen nicht hoffen, dass Deutschland und die deutsche Wirtschaft die Zeche hierfür eines Tages in Russland zu zahlen hat.“ (Klaus-Rüdiger Mai: Michail Gorbatschow. Sein Leben und seine Bedeutung für Russlands Zukunft. Campus, Frankfurt am Main 2005, S. 378).
Doch wie immer man die Lage beurteilt, müsste doch eines unstrittig sein, dass Frieden besser heute als morgen geschlossen wird. Wenn die Europäer, die Dilettanten der Geschichte sind, einen Blick auf die Geschichte der Friedensschlüsse in Europa würfen, würde ihnen auffallen, dass in Europa jedenfalls noch kein „gerechter Frieden“ geschlossen wurde. Der beste dürfte der Westfälische Frieden gewesen sein, weil er eine neue Verfassungsmöglichkeit begründete.
Der deutsche Außenminister Wadephul – weit von der Front – formulierte derweil bräsig, während Trump sich um Frieden bemühte: „Deswegen brauchen wir jetzt Geduld und wir brauchen Zeit.“ „Jetzt“, soll das ein Witz sein? Die sogenannten Europäer hatten über drei Jahre lang, in den gestorben wurde, Zeit – und haben nichts, aber auch gar nichts bewerkstelligt. Sie haben eher zur Eskalation beigetragen, als deeskaliert. Am schlimmsten Annalena Baerbock.
Es ist Donald Trump, der Bewegung in die Verhandlungen gebracht hat, nicht Wadephul, nicht Baerbock, nicht Scholz, nicht Merz und auch nicht von der Leyen. Nein, ein Johann Wadephul lässt sich natürlich trotzt des Sterbens an der Front nicht aus der Ruhe bringen: „Das Letzte, was wir jetzt brauchen, ist Hektik und Schnelligkeit“, verkündet er in den Tagesthemen – und jegliche Gefühligkeit, die er gern im Zusammenhang mit Syrien zelebriert, fehlt. Wadephul nennt sich im Interview mit den Tagesthemen „Anwalt der Ukraine“, man weiß nur nicht recht, ob er der Anwalt Selenskyjs oder der Anwalt der Soldaten ist, ihrer Mütter und Väter und Geschwister. Die Arroganz des deutschen Außenministers im Interview besteht darin, dass er, der nichts zu vorzuweisen hat, sich zum Richter über die Bemühungen des amerikanischen Präsidenten aufschwingt, der beurteilt, ohne selbst auch nur das geringste erreicht zu haben. Nichts, aber auch gar nichts haben die sogenannten Europäer zustande geberacht. Weder in Gaza, schon gar nicht in Europa, nicht in der Ukraine. Sie nehmen nur den Mund sehr voll, weil sie den Gang in die außenpolitische Bedeutungslosigkeit zu verdrängen suchen.
„Jeder versteht, dass schnell ein Ende des Schießens kommen soll“, sagt Wadephul und dementiert sich, wenn er fortfährt: „Aber wir brauchen Zeit, um nachzudenken, was eine verlässliche Grundlage sein kann für einen dauerhaften Frieden.“ Wieviel Jahre will Wadephul noch nachdenken? Noch einmal drei Jahre? Wozu hat das deutsche Außenministerium 13.627 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 1.939 im Höheren und 2.089 im Gehobenen Dienst? Wozu gibt es Think Tanks, Professuren für Außenpolitik, Institute? Was haben die eigentlich in den letzten drei Jahren beruflich gemacht?
Jetzt heißt es, die Europäer lehnen den US-Plan für ein Ende des Krieges ab. Deutschland erhöht derweil seine Ukraine-Hilfe auf 11,5 Milliarden Euro – nur weiß niemand, wo überall hin das Geld tatsächlich fließt. Großspurig urteilen Merz, Macron, dass am Plan gearbeitet werden müsse, dass „zusätzliche Arbeit“ nötig sei. Welchen Plan haben denn die Europäer vorgelegt? Sie plustern sich auf und proklamieren, „dass Grenzen nicht gewaltsam verändert werden dürfen.“ Und urteilen vom hohen Ross: „Wir sind auch besorgt über die vorgeschlagenen Einschränkungen für die ukrainischen Streitkräfte, welche die Ukraine für zukünftige Angriffe verwundbar machen würden.“ Wenigstens danken die Europäer den USA für ihre „Bemühungen, der Ukraine Frieden zu bringen“. Wie Annalena Baerbock tönt Merz: „Eine Beendigung des Krieges kann es natürlich nur dann geben, wenn es eine uneingeschränkte Zustimmung der Ukraine gibt.“ Aber wer ist die Ukraine? Die letzte Wahl hat im Jahr 2019 stattgefunden. Merz macht sich lächerlich, wenn er behauptet: „Kriege können nicht beendet werden durch Großmächte über die Köpfe der beteiligten Länder hinweg.“ Alle Kriege in Europa sind genauso beendet wurden „durch Großmächte über die Köpfe der beteiligten Länder hinweg.“ Man erinnere sich nur an den Wiener Kongress, an Versailles, Trianon, Brest-Litowsk, Teheran-Jalta-Potsdam.
Wadephul behauptet: „Wir werden unsere eigenen Interessen in diese Gespräche einbringen.“ Etwa indem Deutschland einsame Spitze im europäischen Kontext in der Finanzierung der Ukraine ist und jetzt nur offenbar wird, was längst klar war, dass die Korruption, um es freundlich zu formulieren, bis in Selenskyjs enges Umfeld reicht? Etwa indem Deutschland die Kosten für den Mega-Rüstungsdeal zwischen Frankreich und der Ukraine übernimmt?
Wie immer man zu Donald Trump seht. Eine andere Hoffnung hat Europa derzeit nicht. Mit Blick auf die „Europäer“ allerdings bleibt derzeit nur, einen wirklichen Europäer zu zitieren, nämlich Dante: „Lasst, die Ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“



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Ich verstehe das Problem mit der „territorialen Integrität“ der Ukraine nicht, auf dem die Europäer ständig bestehen. Haben sich die Alliierten 1945 nicht große Teile Deutschlands unter den Nagel gerissen? In meinem Schulatlas (1960er Jahre) steht bei Nord-Ostpreußen „z.Zt. unter russischer Verwaltung“ und bei der Südhälfte, Schlesien und Pommern „z.Zt. unter polnischer Verwaltung“. Das wird wohl auch die Formel sein, auf die man sich einigt. Alles andere ist unrealistisch, Herr Merz.
Die Inkompetenz der EU-„Eliten“ war noch nie so offenkundig wie in den letzten Jahren. Weltfremde Schwätzer und Wichtigtuer geben in der EU und in Deutschland den Ton an. Kein Wunder, dass diese Clowns nirgendwo mehr ernst genommen werden. Leute wie Merz, Macron und Starmer brauchen den Krieg in der Ukraine, um von dem Fiasko abzulenken, das sie und ihre Parteien in ihren eigenen Ländern angerichtet haben.
Der Vergleich zum“ Großen Krieg“ in Europa ist realer als der zu München 1938. Und Scholz hatte recht wenn er von einer Zeitenwende sprach,denn nach dem Großen Krieg wird es keine europäischen Eliten mehr geben,und ich kann mir kaum vorstellen das die USA zum 3. mal die dilettantischen selbstverliebten( Europa Mittelpunkt der Welt) Europäer mit US Soldaten retten will. Eine minimale Hoffnung habe ich noch ,daß die junge Generation einfach die Befehle der Alten weißen Männer ignoriert und sie diese ansatt ihrer an die vorderste Front schickt, und wenn es seien muß unter staatlicher Gewalt, bevor sie sich selbst auslöschen… Mehr
Putin allein hat den Frieden in der Hand. Sobald sich alle russischen Soldaten aus der Ukraine zurückgezogen haben steht das Tor zum Frieden offen.
Ohne Worte !
Der Krieg wird zwischen den USA und Russland beendet. Die EUdssr und Kiew sind nicht einmal eine Randnote wert, egal wie sich Merzel, Starmer oder der Mini-Napoleon der Grande Nation auch aufblasen. Der reichste Bettler der Welt, aus Kiew, hat seine Halbwertzeit ohnehin schon überschritten. Die Frage ist doch ob sich die Russen auf Trumps wünsch dir was Papier einlassen, mit Minsk 1 und 2 wurde Russland schon einmal suggeriert das im Himmel Jahrmarkt ist, es fehlten nur die Buden. Russland siegt, auch wenn Herr Frei im Kanzleramt tapfer vorrechnet, das Russland 4 Jahre brauchen würde um das im Vertragsvorschlag… Mehr
Trump ist ein Umfaller. Niemand rechnet damit das er diese 28 Punkte ernst meint. Schon in wenigen Tagen wird er wieder umfallen und von seinem eigenen Friedensplan abkehren und aufweichen. Wir immer – Wetten?
Möge TE doch bitte eine Serie über Auswanderungsziele und redliche Ansprechpartner hierfür anstoßen…
Es geht in erster Linie um die finanziellen Interessen bestimmter Kreise und niemals um das was die Bürger, die sich fälschlicher Weise auch noch Souverän nennen, für richtig halten.
Und nebenbei ruinieren Sie unser Land komplett. Nihilismus, Zerstörungswut und diabolische Freude am Untergang. Und die CDU seit 20 Jahren im Zentrum des Versagens.
„Wie immer man zu Trump steht.“ Was soll das bedeuten? Er zerstört nicht unsere Wirtschaft, unsere Energieversorgung, unsere Kultur, unseren Wohlstand, unsere bürgerlichen Freiheiten, unsere Justiz, er führt uns nicht in einen Krieg, er will Christen und Andersgläubige nicht die Kehle durchschneiden, er hält nichts von Queer und Gender Ideologie, denkt bei Mann und Frau an zwei Geschlechter, er will mir weder die Rente oder Erbschaft stehlen, zahlt nicht an Terroristen Geld, hat Minister und keine Idioten oder Schmarotzer, verbietet die Staats SA, hat Ungeimpfte ins gesellschaftliche Leben zurückgeholt, fängt an die Staatsschulden abzuzahlen, hilft seinem eigenen Land aus den… Mehr
Was für eine arme Phanatsiewelt in der sie leben.
Sollen sie noch warten, sollen noch mehr Menschen sterben und man sollte noch mehr Geld verdienen, die alle müssen sich keine Sorgen machen, sitzend in ihren warmen Sesseln, gut essen und gut trinken und dann in ihren warmen Betten schlafen und entscheiden über Leben und den Tod.“ Feine“ Men schen sind das , die nicht auf die Front müssen, so lässt sich leben. Ich frage mich nur, warum sind die aus Afganistan weggegangen, war da nichts zu holen?