Der fehlende Kampf der Frauen um die eigene Freiheit

Die Wahrheit ist nicht politisch inkorrekt. Sie verhindert das Unrecht und am Ende muss man sich auch als Frau fragen: Will ich frei oder unfrei sein?

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In meinem letzten Text stellte ich die Frage in den Raum, wie viel Hass man ob der eigenen Herkunft in sich tragen muss, um wie Selin Gören die eigene Vergewaltigung unerwähnt zu lassen, damit keine „Ressentiments“ gegenüber Flüchtlingen geschürt werden. Und ja, Gören ist zweifelsohne der traurige Höhepunkt einer destruktiven Entwicklung des weiblichen Teils der Gesellschaft, der die eigene Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung nicht mehr zu schätzen weiß, der nicht für sie kämpfen musste und deren Verteidigung weit unter den ideologischen Kämpfen um Multikulti und Gender steht. Die Ideologie verdeckt die Sicht auf das Wesentliche – die Realität und die Tatsache, dass diese sich momentan in rasender Geschwindigkeit vor allem für uns Frauen in Europa verändert.

Dabei muss man sich nur die Meldungen der letzten Monate seit Köln anschauen, um zu realisieren, dass wir mittlerweile von einer Vergewaltigung Europas und vor allem einer Vergewaltigung der Freiheit und Gleichberechtigung der europäischen Frauen sprechen. Dass die tatsächlichen Übergriffe längst zu einem symbolischen Übergriff auf alles geworden sind, wofür wir in Europa stehen und gekämpft haben. In ihnen spiegelt sich die ganze Verachtung gegenüber unserer Kultur und unseren Werten. Bewusste Schläge gegenüber uns „ehrlosen“ Frauen und „wehrlosen“ Männern.

Und trotzdem hört man kaum etwas von den Frauen hierzulande. Nimmt man EMMA und Terres des Femmes aus und betrachtet nur die junge, nicht organisierte Frau, stellt dies nicht nur eine Bankrotterklärung des Westens dar, sondern im Spezifischen auch des Feminismus. Denn dadurch, dass man nichts sagt, überlässt man nicht zuletzt auch jenen das Feld, die alles sind, nur keine Feministen. Jenen, die am Ende die Frauenverachtung der islamischen Kultur dafür nutzen, ihr eigenes antiquiertes Frauenbild als doch gar nicht so schlecht zu verkaufen. Frei nach dem Motto: „Gegen das Frauenbild der muslimischen Einwanderer ist unseres doch gar nicht so schlecht.“ Dass man als Frau mit dieser Überlassung des Feldes die Rückabwicklung der Emanzipation billigend in Kauf nimmt, machen sich die meisten dabei nicht bewusst. Denn ich will weder von jungen muslimischen Flüchtlingen begrabscht, noch von alten Herren und jungen Reaktionären die Rolle der bürgerlichen Hausfrau als schmackhafte Alternative verkauft bekommen.

Aber woran liegt das, dass Frauen lieber die eigene Freiheit über Bord werfen, als Position zu beziehen? Liegt es wirklich, wie von einigen Männern unterstellt, daran, dass Frauen sich eben gerne kümmern oder es heimlich doch von einem muslimischen Macho-Mann besorgt haben wollen? Oder liegt es an ganz anderen Faktoren? Wieso will ich mich dann nicht kümmern? Wieso kenne ich dann so viele Frauen, deren Kümmern darin besteht, sich mit Pfefferspray einzudecken und den kleinen Waffenschein zu machen?

Bloß nicht auffallen, lieber schweigen und einreihen

Lässt man die Faktoren, die sonst noch eine Rolle spielen, die aber nicht spezifisch weiblich sind (z.B. die linke Weltanschauung), außen vor, besteht das Problem vor allem in einer gewissen weiblichen Zurückhaltung und dem unbedingten Drang vieler (vor allem junger) Frauen, gemocht zu werden. Nichts polarisiert so sehr, wie das politische Stellung beziehen. Die politische Diskussion, egal ob im Alltag, auf den Social Media-Plattformen oder medial ist zu einem großen Teil männerdominiert.

Auch hier fällt auf, dass sich vor allem die jungen Frauen meiner Generation zurückhalten. Der Mut zur Meinung, auch im öffentlichen Raum und in Bezug auf „harte“ Themen, scheint bei Frauen oft erst ab Ende 30, Anfang 40 einzusetzen. Davor will man lieber nichts riskieren. Da befasst man sich stattdessen mit politisch korrekten Gemeinplätzen wie Umwelt- und Tierschutz (zweifelsohne wichtig) oder eben der Propagierung der toleranten Multi-Kulti-Gesellschaft. Dabei geht es vor allem bei Letzterer tatsächlich wohl nicht um den Inhalt, um die real gelebte Multi-Kulti-Gesellschaft im Alltag, die es so häufig gar nicht gibt – vor allem nicht zwischen deutschen Frauen und muslimischen Männern – sondern um das Besetzen von Modethemen, die gut ankommen und womit man sich keine Feinde macht.

Denn die Gefahr, nicht gemocht, sogar angefeindet zu werden, besteht nur dann, wenn man all das kritisiert. Frauen kommen mit dieser Anfeindung zumeist schlechter klar, lassen sich eher verunsichern und einschüchtern. Vor allem aber lässt es sich leichter über Toleranz und Multi-Kulti von „der guten Seite“ aus reden, weil man auf dieser Seite zumeist nicht erfährt, was es bedeutet, wenn man sich nicht an diesen auferlegten Moral-Kodex hält und weil man eben nur gegenüber dem Sexismus des weißen Mannes sensibilisiert ist. Alles andere fällt unter kulturelle Eigenheiten.

Aber wie weit darf die eigene Gefallsucht und die damit einhergehende Angst gehen, als rassistisch gelten zu können, wenn man einfach nur die eigene Freiheit und Gleichberechtigung verteidigt? Ist euch das echt wichtiger? Wenn ja, dann möchte ich an dieser Stelle sagen: Oh doch. Man kann für so viel ideologische Verbrämung, falsch verstandene Toleranz und fehlende Selbstverteidigung nicht gemocht werden. Ich jedenfalls mag euch nicht.

Ich mag es nicht, dass wir Frauen wegen euch allesamt als wehrlose Naivlinge dastehen, die sich allerhand frauenfeindlichen Mist genau aus dem Grund auch von deutschen Männern anhören müssen, die sich damit in ihrem reaktionären, frauenfeindlichem Weltbild bestätigt fühlen. Ich mag es nicht, dass ihr Menschen aus patriarchalischen, archaischen Gesellschaften unsere teuer erkauften Werte vor die Füße werft und ich mag es nicht, dass wir wegen euch zu wenige sind, um einen gesellschaftlichen Druck auf die Politik auszuüben, damit unsere Freiheit als Frauen und die der Gesellschaft an sich, erhalten bleibt.

Klar, dass ich mir jetzt wieder anhören darf, dass unsere Männer uns auch deshalb nicht „verteidigen“ oder „beschützen“ würden, weil die Emanzipation, der Feminismus die klassischen Rollenbilder zerstört hätte und das ja um Umkehrschluss alles gar nicht passieren würde, wenn wir Frauen uns nur mal mit der Hausfrauenrolle zufrieden gegeben und keine Gleichberechtigung in allen Belangen gefordert hätten.

Denn nein, der Feminismus ist nicht Schuld oder trägt er nur eine Schuld daran, dass er hierzulande nicht wirklich ausgeprägt ist. Hätten wir hierzulande eine Mehrheit von wirklich emanzipierten und feministisch eingestellten Frauen, würde es dieses Schweigen, diese Tatenlosigkeit auf Seiten der Frauen gar nicht geben. Wenn wir statt lieben, angepassten, gefallsüchtigen Mädchen, mehr starke, selbstbewusste Frauen hätten, gäbe es das nicht.

Ohne Zweifel ist dafür erst einmal jede Frau selbst verantwortlich, aber auch die Männer tragen ihren Anteil daran. In einer Gesellschaft, in der weibliche Journalisten und andere meinungsstarke Frauen immer wieder durch Einschüchterung und Sexismus mundtot gemacht werden sollen, tragen auch Männer dazu bei, dass Frauen lieber den bequemen, schweigsamen Weg gehen. In einer Gesellschaft, in der es so viel mehr Lob und Anerkennung für Frauen gibt, die einfach nur nett sind und gut aussehen, braucht man sich am Ende nicht wundern, wenn es zu wenige gibt, die gelernt haben, ihren Mund aufzumachen.

Elterliche Erziehung könnte hier entgegenwirken. Starke, selbstständige Mütter als Vorbild, statt schweigsame Frauchen am Herd. Eltern, die ihre Töchter fernab von auferzwungener Gender-Ideologie dazu ermutigen, sich alle Rechte herauszunehmen, die auch Männer genießen – einschließlich des Rechts, harte, unliebsame Positionen zu beziehen. Nein, es braucht wirklich keine Rückbesinnung auf klassische Rollenbilder. Viel mehr braucht es mehr Emanzipation. Auch und vor allem in der Erziehung.

Was tun mit einer Generation, die nicht kämpft?

Die andere Frage lautet, was wir nun aber mit der jetzigen Generation, die ist, wie sie ist, machen. Einer Generation, die ihren Höhepunkt in Frauen wie Selin Gören und anderen findet, die die Herkunft der Täter verschweigen oder Übergriffe nicht zur Anzeige bringen, weil sie nicht ins „politisch korrekte “Weltbild passen. Ja, was macht man mit einer Generation von Frauen, die selbst bei eigener Betroffenheit nicht bereit ist, umzudenken und für sich und die eigenen Rechte zu kämpfen?

Feststeht, dass die Einschränkung der Freiheit mittlerweile auch dann schon beginnt, wenn man noch nicht zum Opfer geworden ist. Seit Monaten erreichen mich Mails von Frauen, die sich mit Pfefferspray eingedeckt haben, die mir anvertrauen, dass sie sich drei Mal überlegen, abends wegzugehen und was sie anziehen. Mir schreiben Familienväter- und Mütter, die Töchter nicht mehr alleine rauslassen. Das mag für den ein oder anderen übertrieben klingen, aber die Angst, die Verunsicherung ist da und sie sorgt in ihren ersten Auswüchsen nicht dafür, dass die eigene Freiheit vehement verteidigt wird, sondern führt zur freiwilligen Selbstbeschränkung und nicht selten auch zu der Frage: Was habe ich oder was könnte ich falsch machen.

Euch möchte ich sagen, dass nichts falsch ist, außer euer Schweigen. Dass ihr euch nicht zu fragen habt, was ihr an euch und eurem Verhalten ändern könnt, sondern dass sich die Gesellschaft, die Politik, die Medien und ihre Einstellung zum Islam und Fragen der Einwanderung ändern muss. Diese Änderung erzeugt man mit Druck und der entsteht nicht aus Schweigen. Der entsteht daraus, dass man seinen Mund aufmacht und seine Meinung sagt. Dass man nicht hinnimmt, wo nichts hinzunehmen ist, weil es selbstverständlich ist, dass wir so leben. Weil es unser gutes Recht ist. Und an diesem Recht ist nichts politisch inkorrekt. Das einzig politisch Inkorrekte ist das Schweigen. Es ist der Verrat an uns und unseren Werten und Rechten. Es ist der Ausverkauf dessen, was die Emanzipation gebracht hat und was wir um jeden Preis erhalten sollten. Nicht zuletzt auch für die nachfolgenden Generationen.

Die Wahrheit ist nicht politisch inkorrekt. Sie verhindert das Unrecht und am Ende muss man sich auch als Frau fragen: Will ich frei oder unfrei sein?

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