BMU und DUH: #Grundlastgate

Dass die Freiheit des Automobils eingeschränkt wird, ist wohl beschlossene Sache. Aber auch bei der Versorgung für das Elektroauto steigen wir aus dem Strom aus. Alles läuft, wenn ein starker Wille will.

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Die Regierung, die stets das Beste für ihren Bürger will und demnach um Transparenz bemüht ist, studiert gerne Exempel um die kleineren oder größeren Macken des politischen Systems zu übertünchen. Wenn woanders die Queen vom Balkon winkt oder die Kim-Dynastie eine Vorzeigefabrik besucht, dann muss die Demokratie ein ähnliches Stück liefern. Das Bundesumweltministerium (BMU) gab sich volksnah: der gemeine Bürger durfte auf Twitter fragen, was das klimatisch beste Deutschland aller Zeiten denn in Zukunft vorhabe; schließlich versteht noch nicht jeder den Plan des großen Sprungs nach vorne, vulgo Energiewende.

Rede und Antwort stand dazu Staatssekretär Jochen Flasbarth. Flasbarth – kommt der Name nicht bekannt vor? Doch, doch, er fiel bereits einmal, nämlich bei einem Artikel über die DUH. Flasbarth ist nämlich kein gewöhnlicher Staatssekretär, er ist ein Staatssekretär mit Hintergrund. Als Mitbegründer des Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist er ein erklärter Gegner des Individualverkehrs, bekleidete jahrelang den Posten eines NABU-Präsidenten, verkündete bereits 2016 das Ende des Verbrennungsmotors im Jahr 2030, und trifft sich zudem gerne mal auf ein Mittagessen mit dem Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Es ist dieser Hintergrund, welcher der Mehrheit der Leser ebenso verborgen bleibt wie den Fragestellern. Flasbarth spielt seine ideologische Karte dabei als Expertentum aus – so, als existierten seine Verbindungen zu grünen Amigos wie Rainer Baake oder Think Tanks wie der Agora Energiewende gar nicht. Es geht schließlich um ein Millionengeschäft – im Namen von Klima, Natur und Moral, selbstverständlich! Dass Flasbarth leider nicht in seiner grünen Selbstbestätigungsblase sitzt, wie er es gewohnt ist, macht ihm aber bald zu schaffen:

Grundlast? Wohin wir hingehen, brauchen wir keine Grundlast. Flasbarth hüllt sich zwar in Schweigen, was die smarten Lösungen angeht, von denen wir heute noch nicht zu träumen wagen, aber wir können darauf gespannt sein, dass der gute Mann bereits von seiner Pension lebt, wenn wir die grünen (Alb)Träumereien durchleben dürfen. Im vollmundigen Tonfall der Selbstgewissheit lesen wir davon, dass die Regierung auf alles eine Lösung habe, Zweifel am großen Plan können nur von Atomketzern stammen. Argumente oder Fakten sind nichts wert, der Opponent hat Unrecht, weil er die falsche Meinung vertritt.

Wie groß überdies die Speicherkapazitäten sein sollen, wenn der ganze Autoverkehr elektrifiziert sein soll, mag man sich gar nicht vorstellen wollen. Aber offensichtlich ist es doch ein subtiler Hinweis auf Flasbarths altes Ziel, lieber den Individualverkehr ganz abzuschaffen. Dass die Freiheit des Automobils eingeschränkt wird, ist wohl beschlossene Sache – so, wie wir es auch aus Brüssel vernommen haben. Wenn die Verantwortlichen ehrlicher werden, fühlen sie sich bereits sicher am Ziel – und auf die Presse, die auf dem grünen Auge blind ist, kann man sich ebenso (wenig) verlassen.


Der Beitrag von Marco Gallina ist zuerst bei hier erschienen.

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Kommentare ( 43 )

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Danton
2 Jahre her

„Da sehe ich jetzt keinen Dissens“ sagte er und verschwand. Ja der Irrsinn hat Methode. Ein intelligentes Energiemanagment! Ja was heißt das denn? Wollen sie Leichen verbrennen? Kosmische Strahlung durch ein Energieprisma jagen? Oder ist es nicht einfach so das der Staat alle Motoren und Stromverbraucher verbietet? Dann brauchen wir nur noch 2 Windräder für den Elektroautofuhrpark des Bundestages. Ganz ohne Wirtschafts- und Physikstudium behaupte ich mal das hier Dilletanten am Werk sind die ihre Chance sehen den kuhbetriebenen Feldpflug wieder einzuführen. Alleine der Gedanke im nächsten halben Jahr würde ein Vorort von Frankfurt auf Elektroautos umsteigen ist irrwitzig. Die… Mehr

F.Peter
2 Jahre her

Es ist wie so oft in der derzeitigen Politik bzw. deren Akteuren: Verantwortung wird keine übernommen dafür aber umso mehr Ideologie betrieben. So nach dem Motto: Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete. Er kennt weder Gründe noch Gegengründe und glaubt sich immer im Recht!
Solange bei Flaschenbart der Strom aus der Steckdose kommt, wird der seine Meinung nicht ändern. Es würde vielleicht helfen, seinem Haushalt mal für eine Woche den Strom abzudrehen. Denn selbst erlebte Erfahrungen machen oft schlauer, als alles Gerede!

masch
2 Jahre her

Ich lade mir jetzt vorsorglich jedenTag ein paar Gigawatt auf meine Festplatte

Kassandra
2 Jahre her

Ergänzende und erweiternde, den verzapften Blödsinn gänzlich offen legende Informationen von Roger Letsch hier: https://www.achgut.com/artikel/stromnetz_minus_grundlast_ist_gleich_smart
Die scheinen in den Ministerien tatsächlich in fest geschlossenen Blasen Richtung Realität zu sitzen und tagein tagaus entsprechende Wunscherfüllungsszenarien gegen die Physik auszubaldowern. In der sogenannten „Migrationspolitik“ ist es nicht anders.

P.Reinike
2 Jahre her

Der von Trittin mentorierte Flasbarth hat sich bereits mit vollmundigen Nebelkerzen negativ profiliert. Er braucht das doch gar nicht mehr als Referenz für sein Worthülsen-Portfolio. 2011 hatte ihm ausgerechnet die „Zeit“ vorgehalten, die klimatechnischen Wirkungen (insbesondere CO2) des Atomausstiegs völlig zu unterschätzen. Das wischte er weg mit der Behauptung weg, das sei alles kein Problem, bis 2020 würde man den Co2 Ausstoß um 40% reduzieren. Natürlich war das Blödsinn, die Probleme dienen jetzt dazu, den Individualverkehr abzuwürgen und Schweden und Frankreich als Vorbild zu preisen. Und natürlich zu unterschlagen, daß die den Atomausstieg verweigert haben, und daher eine besser CO2… Mehr

P.Reinike
2 Jahre her

Solche Speicherszenarien wurden schon durchgerechnet. Sie bräuchten dafür in D 160 Millionen BMW i3.

Thomas Hellerberger
2 Jahre her

„Nie wieder Krieg!“ Wer würden dem widersprechen wollen, auch als rechter Haudegen? Wie aber kommt man da hin, „nie“ wieder Krieg führen zu wollen – oder eher doch, gar nicht zu KÖNNEN? Die Geschichte der letzten 70 Jahre gab die Antwort: Laß die Menschen wohlhabend werden. Also Folge sinken die Geburtenraten, verschwindet der Überschuß junger Männer, in den Gesellschaften steigen Frauen und Minderheiten auf und dominieren sie schließlich. Den Rest kann Gunnar Heinsohn besser erklären. Dummerweise aber verschwindet weder das Böse in der Welt noch der Bedarf an Sicherheit, ja, die entwaffnete und ängstliche Gesellschaft der Friedfertig-Satten ist ja nicht… Mehr

Leif
2 Jahre her

Die Vergangenheit war elektrisch, das haben die Autokonzerne verstanden. Deshalb investieren sie auch Milliarden – außerhalb des sozialistischen Biotops der Klimareligion.

Indigoartshop
2 Jahre her

So frage ich euch: Wollt ihr die totalen Ausstieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, smarter und moderner, als wir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?

Nun, ihr Blödel, guckt in die Röhre, und Chaos, brich los!

Juergen Schmidt
2 Jahre her

Man sollte das nicht so leichtfertig als Unsinn abtun, was das verzapft wird, denn ich fürchte, das ist bitterer Ernst dieser Leute. Sie sagen halt nur nicht die ganze Wahrheit. – Zur Zeit wird ja von den Grünen Khmer verschärft in allen Bereichen an der Deindustrialisierung Deutschlands gearbeitet, damit verbunden relativiert sich auch das Problem mit der hohen Grundlast in absehbarer Zukunft. – Wenn Individualverkehr so exorbitant künstlich verteuert wurde, dass er nur noch für Privilegierte oder Polit-Funktionäre in teuren Batterie-Autos realisierbar ist, und sich die Mehrheit morgens an der langen Schlange an der Bushaltestelle anstellt, senkt das ja auch… Mehr

Kassandra
2 Jahre her
Antworten an  Juergen Schmidt

Erkennen Sie, dass in Deutschland der öffentliche Personen Nah- und auch Fernverkehr auf irgend eine Art erweitert, gar verbessert würde, um den Individualverkehr auf Dauer zu ersetzen?