Biden spricht von Vereinigung, während Parteifreunde zum „innerstaatlichen Krieg“ aufrufen

Rhetorisch tritt Biden als Muster-Demokrat und Heiler auf, als Anti-Trump. Dabei findet er weder Distanz zu linken Gewaltverbrechern noch zu Democrats, die Trump-Wähler jagen wollen. Folgen seinen wohlklingenden Worten auch Taten?

imago images / UPI Photo

Amerika hat einen neuen Präsidenten. Joe Biden wurde gestern mittags amerikanischer Ostküstenzeit zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. Donald Trump hat das Weiße Haus bereits am Vormittag verlassen, seine Nicht-Teilnahme an der Zeremonie bereits iTage vorher angekündigt und die Hauptstadt per Flugzeug gen Florida verlassen. Vizepräsident Pence und Vorgängerpräsidenten wie Obama, Bush und Clinton waren dagegen anwesend. Publikum war aufgrund von Corona-Beschränkungen kaum da, so dass der neue Präsident zu einem mit US-Fahnen geschmückten Rasenstreifen zwischen Kapitol und Washington Monument sprach.

Heft 02-2021
Tichys Einblick 02-2021: 2021 - Endlich wieder leben
Die Hauptstadt Washington galt in den letzten Tagen einer Festung, manch einer verglich es gar mit der “grünen Zone” in Bagdad. Wegen Bedenken nach dem „Sturm auf das Kapitol“ wurden die Sicherheitsmaßnahmen massiv hochgefahren. Tage vorher wurden Straßen und Brücken gesperrt. 15.000 Nationalgardisten aus verschiedenen umliegenden Bundesstaaten waren im Hauptstadtdistrikt, errichteten Checkpoints und riegelten die Gegend ums Kapitol weitgehend ab.

In seiner Antrittsrede sprach Präsident Biden vor allem immer wieder von “unity and healing” (Einheit und Heilung). Abgesehen von einigen indirekten Anspielungen auf seinen Vorgänger, war die Rede selbst größtenteils überparteilich und patriotisch. Biden verurteilte “Gesetzlosigkeit” und den vorausgegangen Angriff auf das Kapitol, von dessen Stufen er seine Rede hielt. Er betonte auch, dass er Präsident für “alle Amerikaner” sein werde.

Nun solche Rhetorik ist tatsächlich nichts neues, viele Präsidenten begannen so ihre Präsidentschaft, woran er also gemessen werden sollte, sind seine Taten. Viele aus seiner Partei legen nämlich ganz andere Töne an den Tag.

Trump tritt ab - die Bilanz
Der Erschütterer
Der demokratischer Abgeordneter Steve Cohen stellte alle republikanischen Wähler als potenzielle Gefahr dar, als er über den Einsatz der Nationalgardisten sprach: “Die Nationalgarde besteht zu 90% aus Männern, und nur etwa 20% der weißen Männer haben für Biden gestimmt”, sagte Cohen. „Wahrscheinlich nicht mehr als 25% der Menschen, die uns schützen, haben für Biden gestimmt. Die anderen 75% sind in der großen Klasse von Leuten, die uns vielleicht etwas antun wollen.” Ein anderer demokratischer Politiker forderte auf Twitter gar einen “innerstaatlichen Krieg gegen die aufrührerischen Aktivitäten amerikanischer Terroristen” und bezeichnete seinen republikanischen Gegenkandidaten und Abgeordneten für dessen Teilnahme an einer Trump-Januar-Rally vor dem Weißen Haus “schuldiger als 95% der Guantonamo-Insassen”.

Pulitzer-Preisträgerin Nikole Hannah-Jones von der New York Times, gefragt wie man Trump-Anhänger “deprogrammieren” könne, suggerierte die 74 Millionen Trump-Wähler müssten “bestraft” werden. Auf CNN, das sich gerne als Verteidiger der Pressefreiheit geriert, sprach man gar davon, die konservativen Kollegen von Fox News von der Sendung abzuschneiden. Viele Konservative haben jetzt zurecht die Befürchtung, linke Medien und Politiker sind darauf aus, sie zu zerstören, auch wenn sie sich von den Gewalttaten am Kapitol distanzieren. “Einheit und Heilung” sehen sie nirgends, sondern nur gnadenlose Attacken von links.

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Kommentare ( 79 )

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country boy
6 Monate her

Das Highlight der Woche: Lanz und Kleber unterhalten sich über Trump. Thevesen bringt Zusatzinformationen ein. Das ist ja angeblich die deutsche Journalistenelite. Da kann man viel lernen.

Kassandra
6 Monate her
Antworten an  country boy

Zumal sie mit solcher Fokussierung geschickt auslassen können, dass in Portland und Seattle erneut „riots“ stattfinden – und man Biden dort bereits in die Hölle wünscht.

Maik Lehrmanns
6 Monate her

Wir werden bald erleben, das allein durch die segnenden Hände von St. Joe die Covid-Neuinfektionen in den USA sensationell zurück gehen werden und die Mortalität in den ( vor allem von DEMs regierten) Städten erstaunlich schwinden wird.
Uns ist ein neuer Messias geschenkt worden. Gepriesen sei sein Name.
Halleluja.
(Sorry, ich brauch das für meine Bewerbungsmappe bei den MSN)

Ralf Poehling
6 Monate her

Daran sieht man doch, wie die Links“liberalen“ wirklich ticken.
Totalitär bis zum geht nicht mehr. Und so etwas nennt sich dann „Democrats“.

Helmut Meyer
6 Monate her

Zitat aus TE 21.01.21 – Titelstory von Sebastian Thormann:
„… Publikum war aufgrund von Corona-Beschränkungen kaum da, so dass der neue Präsident zu einem mit US-Fahnen geschmückten Rasenstreifen zwischen Kapitol und Washington Monument sprach. …
Wäre mir neu, wenn jemand zu Rasenstreifen spricht …. mit oder ohne Fahnen geschmückt. Weltweite TV-Zuschaltquote plus Streamingdienste = 0 ?

Riffelblech
6 Monate her

Wie die „ Demokraten „ mißliebige Politiker und Menschen aus den Medien und der Berichterstattung heraushalten können ,könnten sie super gut bei den MMM der ÖR lernen . Dorthin wo manche der sog. Demokraten hinwollen, sind wir in Deutschland schon lange !

caesar4441
6 Monate her

Trump wird nicht wiederkommen.Vermutlich wird die nächste Wahl gar nicht mehr stattfinden,da Wahlen nicht mehr gebraucht werden.

Sachsenjunge
6 Monate her

Papperlapapp, bei den ganzen Lobhudeleien im unabhängigen, deutschen Presse-Wald stellt sich mir nur eine einzige Frage: Kann der Lobpreiset Magic Joe über Wasser gehen?

Korner
6 Monate her
Antworten an  Sachsenjunge

Dass er das nicht kann, sondern auch nur mit Wasser kocht, wird er schon bald beweisen. Die ersten Löcher in der Oberfläche hat er schon gebohrt. Wir haben diese links/grüne Vernichtungszeit bald hinter uns, in den USA fängt sie jetzt an; mit verheerenden, denn die Amerikaner sind nicht so diszipliniert, wenn nicht gar feige, wie wir Deutschen. Biden sollte besser nicht nach Houston fahren. Dort ist es besonders kritisch für ihn.

nachgefragt
6 Monate her

Das ist ja witzig. Wo doch Antifa und BLM in Denver, Seattle und Portland zur Amtseinführung Gebäude demolierten, Flaggen verbrannten und nette Parolen, wie „We don’t want Biden – We want revenge!“ for „Police Murders,“ „Imperialist Wars“ and „Fascist Massacres.“ präsentierten. Derweil haben die Wähler in Georgia bereits not amused festgestellt, dasses von Biden keine 2000 $ pro Nase, sondern doch nur 1400 $ gibt. War wohl nix mit Wahlversprechen. Lügen-Joe und Lügenpresse eben. Noch witziger ist, dass Bezos und Amazon Biden großzügigerweise nach der Inauguration angeboten haben, bei der Impfstoff-Lieferung zu helfen. 100 Mio Dosen in den ersten 100… Mehr

Carlotta
6 Monate her

wenn ich von den getroffenen Maßnahmen und den Anschuldigungen so lese, frage ich mich, wer von wem in Bezug auf Diffamierung einer Oppositionspartei – bis vor zwei Tagen noch Regierungspartei – gelernt hat: die deutschen Regierungsparteien exkl. AfD von den Democrats, oder die Democrats von der deutschen Behandlung von – demokratisch gewählten – Andersdenkenden?
Oder tauscht sich die weltliche Linke auf ihren internationalen Gipfeln, auf denen ja Zukunftsprobleme avisiert, erörtert und Lösungsvorschläge gemacht werden sollen, lediglich dahingehend aus, wie man eine Opposition in Schach hält bzw. vernichtet, so sie denn rechts von links (dem Gutmenschentum) steht?

Teide
6 Monate her

„Wahrscheinlich nicht mehr als 25% der Menschen, die uns schützen, haben für Biden gestimmt. Die anderen 75% sind in der großen Klasse von Leuten, die uns vielleicht etwas antun wollen.”

Das riecht nach Säuberungen in der Armee. Wenn auch nur 50% der Offiziere entlassen werden, schwächt das die Streitkräfte so sehr dass andere Länder auf dumme Gedanken kommen könnten.

Es wird dann nach Haltung befördert, nicht nach Qualifikation. Kennen wir aus Deutschland.