Bahnstreik: Ein Ende mit Schrecken

Die gute Nachricht: Der 9. Bahnstreik ist beendet. Den 10. darf es erst nach dem 17. Juni geben, denn für die Dauer der Schlichtung vom 27. Mai bis zum 17. Juni 2015 gilt Friedenspflicht. Und jetzt die unvermeidliche schlechte Nachricht, die im Erleichterungsgestöhn leicht untergeht: Die GDL hat den thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow als Schlichter benannt, die Bahn den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck. Und da beginnt man skeptisch zu werden.




Beim Staatsunternehmen Bahn schlichten also zwei Linke; der frühere SPD-Chef Platzek und der LINKE Bodo Ramelow. Da ahnt man: Gutes wird nicht zu erwarten sein; eher eine klassische sozialistische Lösung: Mehr Macht für die GDL, denn darum geht es ihr ja – Zuständigkeit für versprengte Mitglieder im Bordbistro oder bei den Schaffnern, was dann bedeutet: Die GDL kann dann auch an anderen Funktionsbereichen zum Streik aufrufen. Und dann natürlich das Übliche: Höhere Löhne, mehr Freizeit. Die Bahn hat es ja. Als Staatsbetrieb ist sie ja nicht auf Wirtschaftlichkeit aus, sondern auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter. Passagiere und Fracht stören da nur. Wenn dann die GDL alles hat, was sie will, ist wiederum die konkurrierende Eisenbahnergewerkschaft dran. Sie steht ja in einem Überbietungswettbewerb mit der GDL und kann auf keinen Fall hinnehmen, dass deren Mitglieder besser gestellt werden. Die Bahn also wird zwei Tarifsysteme bekommen, die sich gegenseitig hochschaukeln.

Dem Verkehr in Deutschland wird das nicht gut tun. Man sollte also nicht zu erleichtert sein und sich wappnen: Wer Güter transportiert oder als Fahrgast auf die Bahn setzt sollte wissen: Sicher ist nur, dass die Bahn noch unsicherer wird. Neben den vier Jahreszeiten hat die Bahn jetzt zwei Gewerkschaften als Feinde der Pünktlichkeit.

Eine vernünftige Politik würde jetzt daran gehen, die Dominanz des maroden Staatsunternehmens zurück zu drängen. Das könnte durch die Trennung von Schiene und Fahrbetrieb erreicht werden. Dann würden sehr schnell alternative Unternehmen ihre Dienst anrollen lassen. Derzeit werden sie ja durch den einheitlichen Bahn-Komplex von Schiene und Zug ausgebremst. Aber klar: Das wäre Leistungswettbewerb. Und daran ist in der Politik niemand interessiert. Es geht um Besitzstandswahrung, mag doch fahren oder transportieren, wer will.

Das Ende des Bahnstreiks ist ein Ende mit Schrecken.




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