Das rot-rot-grüne Berlin hat endlich die DDR überholt

Berlin erreicht, um es im DDR-Jargon zu formulieren, mit seinem neuen Feiertag „Weltniveau“. Schließlich befindet es sich jetzt feiertagspolitisch auf Augenhöhe mit Russland und Ländern wie Angola, Armenien, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Kuba, Mongolei, Nordkorea, Vietnam oder Weißrussland.

imago/Christian Ohde

„Überholen, ohne einzuholen.“ Nach dieser Maxime wollte die DDR „dem gegenwärtigen Welthöchststand nicht auf bereits mehr oder weniger bekannten Wegen nacheilen, um ihn zu erreichen. Vielmehr wollen wir, gewissermaßen an ihm vorbei, (…) einen neuen Höchststand bestimmen.“ Ökonomisch hat das bekanntlich nicht geklappt. Aber auch gesellschaftspolitisch war der SED-Staat nicht auf Welthöchststand. Mochten andere kommunistische und sozialistische Länder den „Internationalen Frauentag“ 8. März als gesetzlichen Feiertag begehen, so mussten Frauen in der DDR erst arbeiten, ehe es eine betriebliche Feierstunde mit ein paar warmen Worten des Genossen Betriebsleiter gab. Die Produktion ging vor.

Nur gut, dass Erich Honecker nicht mehr erleben muss, wie ausgerechnet das Land Berlin am 8. März 2019 die DDR überholt. In diesem Jahr ist der „Frauentag“ in Berlin zum ersten Mal gesetzlicher Feiertag. Das ist zweifellos ein neuer Höchststand, jedenfalls in der westlichen Welt. Im Übrigen erreicht Berlin, um es im DDR-Jargon zu formulieren, mit seinem neuen Feiertag „Weltniveau“. Schließlich befindet es sich jetzt feiertagspolitisch auf Augenhöhe mit Russland und Ländern wie Angola, Armenien, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Kuba, Mongolei, Nordkorea, Vietnam oder Weißrussland. Bei allem, was Berlin von diesen Ländern trennen mag, gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Ökonomisch sind alle diese Frauentag-Nationen vom Welthöchststand weit entfernt.

Das rot-rot-grün regierte Berlin beschert seinen Einwohnern jedweden Geschlechts einen arbeitsfreien Tag, um damit etwas für die Gleichstellung und Gleichberechtigung der Frau zu tun. Doch wird die Stadt am Freitag nicht auf einer feministischen Woge ins verlängerte Wochenende schweben. Denn der Senat hat keine Kundgebungen oder sonstigen Termine zu Ehren der Frau an sich geplant. Irgendwie vertraut man wohl darauf, dass die Idee der Emanzipation den großen Durchbruch erzielt, wenn die berufstätigen Frauen nicht am Schreibtisch sitzen oder hinter einer Ladentheke stehen, sondern zu Hause ihren Lieben ein Feiertagsmenü zubereiten.

Den Berlinern sei der zusätzliche Feiertag gegönnt; sie liegen in der Feiertagsliga ohnehin ganz hinten. Dass mehr gesetzliche Feiertage nicht automatisch Produktivität und Inlandsprodukt senken, zeigt das Beispiel Bayern. Dort gönnt man sich nicht nur die meisten Feiertage, sondern bringt wirtschaftlich zugleich deutlich mehr zustande als andere Bundesländer. Da drängt sich der Umkehrschluss auf: Selbst wenn Berlin von seinen wenigen Feiertagen noch den einen oder anderen streichen würde, würde der neue Flughafen nicht schneller fertig und aus dem mit jährlich mehr als vier Milliarden Euro über den Länderfinanzausgleich subventionierten Stadtstaat mit den meisten Hartz IV-Empfängern keine Boom-Town.

Dass Berlin auf den Spuren der DDR und im Geist vereint mit sozialistischen Schwesterländern – der Begriff Bruderländer passt hier wohl nicht – die Frauen hochleben lässt, ist symptomatisch für das geänderte Frauenbild. Es ging der DDR und es geht dem rot-rot-grünen Senat nur um einen Typ Frau: die berufstätige Frau, in der DDR einst als Werktätige besungen. Frauen, die nichts zur Steigerung des Sozialprodukts beitragen, weil sie „nur“ Kinder erziehen oder „nur“ Alte in der Familie pflegen, sind keiner Erwähnung wert. Aus der Sicht feministischer, sozialistischer und gutmenschlicher Frauenversteher*innen sind diese Frauen schlicht nicht viel wert.
So hatte einst die DDR-Führung gedacht, weil jede Frauenhand gebraucht wurde, um den kapitalistischen Westen bei der Produktion „einzuholen ohne zu überholen“. Dieselbe materialistische beziehungsweise kapitalistische Sichtweise prägte schon bisher den „Frauenkampftag“, den Gewerkschafterinnen, linke Politikerinnen und kampfbereite Feministinnen nach der Wende auch in der alten Bundesrepublik in kleinen Schritten etablierten. Dass Berlin aus einem Tag der großen Worte, schrillen Parolen und Halstüchern in Milka-Lila nunmehr einen arbeitsfreien Tag gemacht hat, wird Nachahmer finden. Denn nichts ist hierzulande populärer als zusätzliche, bezahlte Freizeit.

Die rot-rot-grünen Frauenbeglücker hatten freilich nicht bedacht, dass der neue, politisch überaus korrekte Feiertag zu neuer Diskriminierung von Frauen führt. In Unternehmen mit Betrieben oder Niederlassungen sowohl in Berlin als auch in anderen Bundesländern hat die Berliner Belegschaft künftig an jedem 8. März frei, die Kolleginnen und Kollegen an Standorten in München oder Hamburg müssen dagegen arbeiten. Besonders deutlich wird dieses schreiende Unrecht in den Bundesministerien mit doppeltem Dienstsitz in Bonn und Berlin. In der ehemaligen Hauptstadt wird am 8. März gearbeitet, in der neuen dagegen nicht. So ungerecht kann die Welt sein.

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Kommentare ( 50 )

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Geldhahn zudrehen, dann hat der Spuk ein Ende. Da in „Lost city“ kein Leisptungsprinzip existiert, wird das automatisch eine „Dead city“.

Es würde das werden, was es heute schon ist, nur härter. Partys feiert man in London, Orgien in Berlin.

Wo bleibt eigentlich der Welttag für die LGBTQIXYZ-Community? Ich hab‘ grade a bisserl Zeit und mir die Liste der „Welttage“ mal angesehen. Jetzt bin ich etwas ratlos. Es gibt Welttage der englischen, der französischen, der chinesischen, der spanischen, der russischen und der arabischen Sprache, auch der Poesie und der Philosophie. Zudem ist 2019 das Internationale Jahr der indigenen Sprachen. Gehe ich recht in der Annahme, dass der Welttag der deutschen Sprache der 27. Januar ist, nur mahnsinnig anders benannt als „Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ (warum nicht auch an die Opfer der chin. Kulturrevolution (100 Mio),… Mehr

Der Welttag der Deutschen Sprache kann nur an einem 30. Februar begangen werden.

„Kommunisten aller Länder, vereinigt Euch in Berlin!“
Wenn ich das nicht bezahlen müsste, wäre es mir egal.

Ich muss doch der zentralen Aussage die Werktätige Frau wären ausgenutzt worden widersprechen. Berufstätige Frauen wurden in der DDR geachtet und standen in vielen Berufen den Männern um nichts nach. Der DDR Vergleich zu heute ist völlig daneben denn es waren völlig andere Verhältnisse und Gründe warum auch die Frauen arbeiten wollten und mussten. Es wird immer vergessen, dass die DDR seit ihrer Gründung immer am Abgrund des Staatsbankrotts wankte. Warum? Weil wir nicht fleißig genug waren oder zu dumm oder weil man uns nicht gelassen hat? Die kleine DDR mit 1985 knapp 17 Millionen Einwohnern mußte nach dem Krieg… Mehr

Nicht nur das rot-rot-grüne Berlin, ganz Deutschland:

Der Bundespräsident besucht Schülerdemonstration – das erinnert ziemlich an die DDR und ähnliche Systeme.

Vor allem wofür demonstrieren diese Schüler wenn Präsident, Kanzlerin und auch sonst fast die gesamten „Eliten“ hinter ihnen stehen und Klimaschutz schon heute Staatsziel Nummer eins ist. Politiker bestärken die Jugend des Landes darin, dass sie mit ihren edelen Zielen, die identisch mit ihren eigenen sind, auf dem richtigen Weg sind. Das ist schon ein sehr feiner Humor …

„FRIDAYS FOR FUTURE“
Steinmeier besucht Schülerdemo – „Freue mich, dass ihr euch einsetzt“

https://www.welt.de/politik/deutschland/article189972939/Fridays-For-Future-Steinmeier-besucht-Schuelerdemo-und-lobt-Klimaschuetzer.html

Und was genau sollen diese Demos von Schülern bewirken.Wenn sie von Politikern die an der Macht sind gelobt werden,dann fragt man sich doch wo der Sinn einer solchen Demo liegt wenn man praktisch offene Türen bei den Regierenden einrennt.Das erinnert doch sehr an Aufmärsche im Sozialismus wo man die Politik der Herrschenden bestätigen durfte.

Was wollen Sie, der sozialistische Grüßaugust eifert lediglich seinem einstigen, geistigen Führer nach. War es nicht Mao der die Jugend gegen die eigenen Väter aufstachelte. Hier passiert inzwischen haargenau das Gleiche.

Das sind keine Demonstrationen/Proteste, sondern Aufmärsche!

Das sind von den Regierungs- und Systemvertretern impertinente Rosstäuscher- und Falschmünzertricks, gegenüber der Jugend, dem eigenen Ethos die Sorge um deren Zukunft unter dem Deckmantel des „Klimaschutzes“ anzudichten, während das eigene politische Handel – oder besser Nichthandeln – das genaue Gegenteil bewirkt, nämlich die Zukunft der Jugend und folgender Generationen nachhaltig zunichte zu machen.

Wenn ich an den Karnevalswitz von AKK denke, dann könnten die Berliner ‚Männer‘ diesen Tag doch gleich mit feiern.

Für Berlin kann es nur noch eine Rettung geben, es muss lernen das der Rest Deutschlands keine Lust mehr hat Bananen abzuwerfen.

Sinnvoll wäre es, in allen anderen Bundesländern 365 Feiertage einzuführen, damit die Berliner endlich wieder lernen, selbst für ihren großspurigen Lebensunterhalt zu sorgen. Wowereit meint eins Berlin sei arm aber sexy. Ein Irrtum, es ist lediglich arm und unfähig!

Soso…Gleichstellung? Wann ist nochmal der gesetzliche Feiertag der Männer?

Wie wäre es mit „Christi Himmelfahrt“ oder allgemein bekannt als „Männertag“, welchen jedes Jahr ein Feiertag ist? Ehrlich, das Gejammer der Männer diesbezüglich geht mir schon auf den Geist. „Muttertag“ ist so ein blöder Sonntag, der sowieso immer frei ist (in normalen Berufen) und dann ordentlich von der Familie versaut werden kann. Dann doch lieber einen Frauentag!

Inspiriert vom 8. März als von Clara Zetkin (Kommunistische Internationale) erfundenen ‚Internationalem Kampftag der Frauen‘ hat Links / Grün bundesweit zum Frauenstreik aufgerufen (hier: http://www.taz.de/!5578237/ und hier: https://www.die-linke.de/partei/parteistruktur/parteivorstand/2016-2018/beschluesse/detail/news/frauenstreik-und-frauenkampftag/)

a) In Solidarität mit den ‚Kampffrauen‘ streike ich heute mit;
b) Ich befürchte jedoch, den Frauenstreik und meinen merkt niemand;
c) Wo finden heute die Frauen-Gladiatoren-Kämpfe statt? Will das sehen;
d) Heute Autos aus Solidarität auf Frauenparkplätzen abstellen.

Ich finde den Weltfrauentag zu früh im Jahr. Der 17. Juni, der ja leider nicht mehr Feiertag ist, war wettertechnisch wesentlich wärmer und sinnvoller gelegt. Da an offiziellen Feiertagen außer dafür bezahlten Berufspolitikern und Verbandsfunktionären sowieso alle nur ihren Freizeitaktivitäten nachgehen (abgesehen vielleicht von den Christen mit ihrem Nachwuchs im Kindergottesdienst am Heiligen Abend), hätte ich einen Feiertag im Mai oder Juni besser gefunden. Der Anlass ist dann gar nicht mehr so wichtig. Ironie aus. Im Ernst: Mag sein, dass es vielen Damen wichtig ist. Spielt keine Rolle mehr, denn die mehrheitlich patriarchalisch geprägten Immigranten in unserem Land werden ihn… Mehr