In die Geschichtsbücher wird „Lockdown“ als Code für Staatsversagen eingehen

Die Varianten von fast kein "Lockdown" bis fast nur "Lockdown" zeigen keine großen Unterschiede von Wirkungen oder Nichtwirkungen.

imago images / Revierfoto
Leere Einkaufsstraße in Düsseldorf

Nein, es ist nicht meine Absicht, den zahlreichen Argumenten für und gegen „Lockdown“ weitere hinzuzufügen oder gegen sie anzuschreiben. Bei Juristen ist die Formel altbekannt: zwei Juristen, drei Meinungen. In diesen Zeiten wurde klar: drei Mediziner, fünf Meinungen. Im ORF gestern Abend schloss der Moderator der Sendung Zeit im Bild die neueste Nachrichtenlage zur Coronapolitik nach den Expertenmeinungen und Forderungen von Unternehmern und Gewerkschaftern wieder einmal mit dem Satz, „aber das ist eine politische Entscheidung.“

Nichts ist wahrer als das. Denn ob und wieviele Leben eingesperrt werden und wieviel Gesellschaft und Wirtschaft stillgelegt, entscheiden keine Mediziner und andere Experten, sondern Berufspolitiker. Und diese treffen ihre Entscheidungen nach allen möglichen Kriterien, nur nicht nach wissenschaftlichen oder objektiven. Dem Berufspolitiker ist das Wichtigste, sich gegenüber seinen Konkurrenten – vor allem in der eigenen Partei – keine Blöße zu geben. Wie er das erkennen kann? Das sagen ihm die tonangebenden Massenmedien. Aber zurück zur Coronapolitik.

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Ich reihe mich also weder bei den einen noch anderen kolportierten Coronatheorien von „Experten“ ein, sondern beobachte einfach, was so rund um den Globus passiert. Und stelle fest: Die Varianten von fast kein „Lockdown“ bis fast nur „Lockdown“ zeigen keine großen Unterschiede von Wirkungen und Nichtwirkungen. Vor der ärgsten Begründungsnot für einen Lockdown nach dem anderen schützen Virus-Mutationen im Moment in vielen Ländern die Classe Politique – aber wie lang?

Ich stelle mir gerade vor, was Berufspolitiker tun wollen, wenn sich dieses Bild auch nach Monaten des ganzen oder halben Durch-Impfens der Bürger in ihren Ländern nicht ändert. Noch mehr Impfen?

Meine These ist sehr einfach: Irgendwann geben sie es mit irgendwelchen Begründungen auf, wenn zunehmend ganz offen niemand von den Massen mehr mitmacht, die bis dahin verdeckt nicht mitgemacht, sondern nur so getan und geredet haben, als täten sie es. Beim „Lockdown“ ist es nämlich wie beim Mülltrennen. Die am lautesten dafür sind, überlassen das Tun den anderen.

Wenn der „Lockdown“ vorbei ist, weil er sich totgelaufen hat, werden die Opfer und Folgen dessen bilanziert, was „Lockdown“ hieß und ein Knockdown war. Wer dafür bezahlen muss, ist schwer vorherzusagen – mit einer Ausnahme: Die Bürger zahlen jede Rechnung und vor allem immer das, was sie gar nicht bestellt – aber viel zu lange hingenommen haben.

Ganz egoistisch darf ich sagen: Damit, dass ich nach allem, was ich von 1960 bis 2000 politisch schon gesehen habe, noch einmal derartige Augenöffner erleben darf, hatte ich nicht gerechnet. Doch wie meine Großmutter immer sagte: Der Mensch denkt, Gott lenkt.

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Kommentare ( 70 )

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Wolf Koebele
1 Monat her

Inzwischen bin ich alt genug und viele Jahrzehnte politisch aktiv bzw. seit 20 Jahren (fassungsloser) Zuschauer und bin derart geläutert, daß ich eine Regierung Stoiber (steht für Redlichkeit) oder Strauß (steht für politische Rationalität) mit voller Hingabe begrüßen würde. Ja, sogar eine Regierung Barzel (steht für Haltung) wäre mir willkommen. Man sieht, welchen Niedergang ich schon erlebt habe. (Bloß zur Regierung Adenauer I wollte ich nicht zurück.) Von Erhard soll man doch träumen dürfen!

amendewirdallesgut
1 Monat her

Ist die Plandemie nicht doch nur ein stark überstrapaziertes Ablenkungsmanöver , daß mit aller Gewalt am Kochen gehalten werden muß ? Wem nutzt es ? Was wäre wenn eine neue Schuldknechtschaft , die eigentliche , die versteckte Agenda ist , dann läuft alles so wies muss . Ein faustcher Handel , im Sinne von wer nicht mitmacht , bekommt später auch keine Kekse . Nur anstelle der Seele , verpfänden wir Überlegenheit , Hab und Gut , Freiheit , Selbstwert Identität und unsere gemeinschaftlichen Verbünde . Die spaltenden , global eingeschlagenen Pflöcke des ökohumanfeministichen Sozialismus sitzen mittlerweile so tief und… Mehr

Last edited 1 Monat her by amendewirdallesgut
Entenhuegel
1 Monat her

Insgesamt völlig einverstanden – außer den Orderkontingenten für Impfstoffe. Solange eine Notwendigkeit von Impfungen nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist und deren Nebenwirkungen geklärt sind, sollte noch nicht einmal an Massenimpfungen gedacht werden. Die Schweinegrippe von 2009 ist da mahnendes Beispiel. Auch damals war übrigens Herr Drosten ein Haupt-Darsteller.

Und zum Duden: Der ist inzwischen zum miefigen Hort des politisch korrekten Deutsch verkommen, wie auch der Langenscheid. Lesen Sie lieber Thor Kunkels „Das Wörterbuch der Lügenpresse: Deutsch – Lügenpresse, Lügenpresse – Deutsch“. Da lesen Sie die gleichen Begriffe, aber schön entlarvt und auf die Schippe genommen …

HDieckmann
1 Monat her

Warum bleiben Sie so oberflächlich und steigen nicht tiefer in die Thematik ein? Ein Artikel über „Lockdown“ (Ausgangssperre) ohne Erwähnung der neuen Stanford-Studie geht gar nicht.

chino15
1 Monat her

Den Italienern reicht es offenbar schon jetzt. Laut Sciencefiles wurden dort am Freitag über 50.000 Restaurants und Bars gegen den Willen der Regierung wiedereröffnet. Videos zeigen volle Gaststätten, fröhliche Menschen, die laut „Liberta!“ rufen und auch schon mal ein paar Polizisten mit ihren Rufen verjagen. Viva Italia!

fatherted
1 Monat her

Das größte Staatsversagen sehe ich derzeit in der Organisation und Durchführung der Impfung. Da kein Impfstoff zur Verfügung steht, dauernd aber darauf gedrungen wird, dass sich jeder impfen lassen soll…ist das eklatante oder gewollte Versagen der Verantwortlichen der eigentliche Skandal.

Entenhuegel
1 Monat her

Dass es Staatsversagen im Sinne aller Erfahrungen sowie bestehender Rechtsgrundlagen ist, ist offenkundig für jeden, der es denn überhaupt sehen will. Ob es ein Versagen im Sinne von Scheitern aus Unfähigkeit ist, muss man inzwischen bezweifeln. Denn die Permanenz dieses „Versagen“ ist dermaßen ausgeprägt, dass man blanke Absicht unterstellen kann, ja muss. Und wenn man sich die Reden von Merkel und Co. im Ausland, v.a. in Davos oder beim Besuch von Viren-Laboren in Wuhan anhört, fallen die letzten Zweifel …

KoelnerJeck
1 Monat her

Es ist m.E. noch viel schlimmer!

Sollen impliziert können. Versagen kann nur, was eigentlich funktionieren sollte. Politik kann aber nicht funktionieren (Hayek spricht von „Anmaßung von Wissen“). Mises spricht von „Interventionsspirale“.
Regierung beruht auf Meinung, wie Hume schon geschrieben hat. Das ist das ganze Geheimnis.

Patriot
1 Monat her
Antworten an  KoelnerJeck

und dafür hat man die Meinungsmacher.
Deshalb muss man die Meinungsmacher korrumpieren.

Sonny
1 Monat her

Wenn man die Fakten zu Covid 19 betrachtet, hat nicht ein Virus die Länder in den Bankrott getrieben, sondern die Politik. Und sie hören einfach nicht damit auf.
Aber es sind nicht alle Länder, die diese willkommene Entwicklung zur Ausweitung der politischen Macht mißbrauchen. Es gibt auch Ausnahmen, siehe Schweden.

Peter Silie
1 Monat her

Die Liste von Staatsversagen in den Geschichtsbüchern wird lang sein, sehr lang. Seit 2008 ist es eine unaufhörliche Aneinanderreihung. Das kann kein Zufall sein, daß hat System. Und dieses System hat Namen und Gesichter.

Thorsten
1 Monat her
Antworten an  Peter Silie

Dieses Versagen hat einen Namen …

Andreas Stueve
1 Monat her
Antworten an  Peter Silie

Ganz genau. Der Irrsinn hat Methode und mit Versagen nichts zu tun. Asylflut, Zerstörung der energetischen Basis, de facto Abschaffung der Bundeswehr. Klimahysterie. Corona.
Ein bisschen zuviel, um es mit Dummheit oder Versagen abzutun.