Saudi-Arabien drängt zur Hightech-Macht

Saudi-Arabien will sich mehr an Hightech-Unternehmen beteiligen und mehr Kompetenz ins Land holen. Darunter soll auch eine Partizipation am Nachfolger-Jet des Eurofighters sein. Das stößt auf politische Bedenken – wie lange?

IMAGO / Kyodo News
Der japanische Premierminister Fumio Kishida zu Besuch in Jeddah beim saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman, 16.07.2023

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) will im Herbst Großbritannien besuchen und sich dort an einem der größten Militärprojekte Großbritanniens beteiligen, dem Tempest-Projekt. In diesem Projekt soll bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts ein Kampfjet der sechsten Generation entwickelt und gebaut werden, der den Eurofighter ablösen soll.

Wie der britische Telegraph berichtet, will Saudi-Arabien offizieller Partner in dem Programm werden und nicht mehr nur das fertige Produkt als Kunde kaufen. Eine solche Partnerschaft erfordere zwar hohe Kapitalinvestitionen, sichere Saudi-Arabien aber neue Arbeitsplätze vor Ort und eine Mitwirkung an der Entwicklung bei dem Tempest-Projekt, die dem Herrscher das nötige technologische Know-how liefere.

Tempest ist das Konzept für ein Tarnkappenflugzeug, das für die Royal Air Force von BAE-Systems, der Rolls-Royce-Group als Triebwerkshersteller entwickelt wird. Italien und Japan sind ebenfalls mit bei der Partie. Großbritannien beteiligt sich nicht am deutsch-französisch-spanischen Eurofighter-Nachfolger Future Combat Air System. Nur wenige Länder in der Welt sind in der Lage, Überschallflugzeuge zu bauen.

Zeit zum Lesen
„Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Jetzt will Saudi-Arabien ebenfalls mit dazu gehören. Das Land soll, so schwebt es MBS vor, auf einen Weg weg vom reinen Ölförderstaat zu einer Hightech-Produktionshochburg gebracht werden. Der Thronfolger von Saudi-Arabien mit einem Vermögen von 2 Billionen Dollar will die Industrieexporte bis 2030 auf 148 Milliarden Dollar steigern und die Zahl der Fabriken bis 2035 auf 36.000 verdreifachen, in denen von Kriegsschiffen bis zu Autos alles hergestellt werden soll.
Er hat bei dem US-Hersteller von Elektroautos, Lucid, investiert, der eine Fabrik in Saudi-Arabien bauen will. Ebenso wurde ein geplantes Joint Venture mit Navantia, dem staatlichen spanischen Hersteller von Marineschiffen, vereinbart.

»Durch die nationale Industriestrategie und in Partnerschaft mit dem Privatsektor wird das Königreich ein führendes industrielles Kraftzentrum werden, das zur Sicherung der globalen Versorgungsketten beiträgt und Hightech-Produkte in die ganze Welt exportiert«, betonte MBS im vergangenen Jahr. Saudi-Arabien will auch im Bereich der künstlichen Intelligenz führend werden und kauft die für die Entwicklung einer KI-Wirtschaft erforderliche Computertechnik auf.

Nach eigenen Angaben führend im Metall- und Chemiesektor im Nahen Osten ist bereits die saudi-arabischen Basic Industries Corporation (SABIC). Das Unternehmen stellt unter anderem Autoteile, Kosmetikinhaltsstoffe und Metalle her und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 53 Milliarden US-Dollar und hat eine Reihe europäischer Produktionsstandorte.

Brancheninsider jedoch sorgen sich über den technologischen Vorstoß des Landes und die damit verbundenen politischen Beeinträchtigungen. Vor allem bei japanischen Regierungsstellen habe die Aufnahme eines so umstrittenen Partners bei einem militärischen Zukunftsprojekt Unbehagen hervorgerufen.

Das Land hat immerhin im vergangenen Jahr 196 Menschen hingerichtet, die höchste Zahl, seit Amnesty International vor 30 Jahren mit der Aufzeichnung dieser Zahlen begann. Noch heute ist die brutale Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 in der Botschaft in Istanbul nicht vergessen. Der Besuch von MBS wird der erste in Großbritannien seit der Ermordung Kashoggis sein. MBS hat bisher jede Beteiligung bestritten.

Klar ist nur, dass das größte Land und die größte Militärmacht der arabischen Halbinsel nicht allzulange mehr auf »Khashoggi« reduziert werden kann. Und nicht werden wird, denn wann hätte je so etwas wie Moral die Weltmächte interessiert?

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 32 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

32 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Boris G
10 Monate her

Die Chancen, ein High-Tech-Land zu werden, stehen für Saudi-Arabien schlecht. Das derzeitige BIP-pro-Kopf von 24 000 $ (Deutschland 50 000$) wird durch Öl- und Gas-Verkauf generiert. Ansonsten gibt es wohl keine auf dem Weltmarkt konkurrenzfähigen Produkte „Made in Saudi-Arabia“. Prof. Heiner Rindermann erklärt in „Cognitive Capitalism“ woran das liegt: TIMSS, PISA und weitere Studien belegen, dass die durchschnittliche kognitive Leistungsfähigkeit der Bevölkerung meilenweit hinter der der Europäer und Nordostasiaten hinterherhinkt. Da kann der König mit den Petro-Dollars alle möglichen Strohfeuer anzünden – sie werden verlöschen. Sollte das Öl einmal nicht mehr sprudeln, wird es einen Rückfall in die Zeit vor… Mehr

K.Behrens
10 Monate her

MSB ist sehr gut ausgebildet, mit seinen 37 Jahren wird er weiter auf der Weltbühne mitspielen. Er weiß um die Endlichkeit des Erdöls, er agiert nur geschickter step by step und nicht moralbesoffen via „Wärmepumpe“ für sein Volk. Er vertritt vor allem die Interessen seines Landes und damit auch dessen Homogenität, was nicht nur wirtschaftlich ein wichtiger Aspekt ist. Für Schritte in die Welt 2023 öffnet er sein Land ebenso sukzessive, nur hält er sich mit „Gender, Homosexualität, Kriminellen, Klebern, Staatbürgerschaft für alle“ ganz sicher nicht auf. Er verkörpert einen Leader, nicht nur deshalb ist die Region um Israel als… Mehr

fatherted
10 Monate her

Wenn man nun noch „Industrial Regions“ in S-A einführt…in denen dann Ausländer leben, wohnen und hinziehen können und auch mal Bier getrunken und Frauen unverschleiert rumlaufen können….dann kann man sich auf viel Zuspruch von Seiten der internationalen Industrie und Fachkräfte freuen. Keine Steuern, Fachkräfte aus aller Welt zu höchsten Löhnen, sicheres Umfeld ohne Gewalt und Störenfriede, internationale Schulen (die dann in den „Industrial Regions“ auch entgegen der Sharia unterrichten könnten). Im Prinzip sowas wie im China des 19 Jahrhunderts….nur das die Chinesen damals durch die Kolonialmächte „erobert“ wurden und die Handelsplätze mit Gewalt durchgesetzt das Land ausbeuteten….hier aber wird wohl… Mehr

Ralf Poehling
10 Monate her

Die Saudis verhalten sich derzeit überaus geschickt und MBS ist ein sehr schlauer Kerl mit dem richtigen Gespür für die Situation.
Etwas, was der deutschen und der US Politik leider vollends abgeht.
Was die Sache mit Khashoggi betrifft, so sollte doch so langsam mal klar geworden sein, dass MBS hierbei der falsche Ansprechpartner ist.
Einfach mal in Ankara anrufen. Da weiß man mehr.

Johann Thiel
10 Monate her

Saudi-Arabien? Gehören die nicht zu dieser überlegenen Kultur? Dann sollte man die überlegenen Wüstensöhne mal selber machen lassen, statt denen den Laden mit westlichem Know-how immer weiter hochzuziehen.

kasimir
10 Monate her
Antworten an  Johann Thiel

Zu spät. Die Saudis sind einfach zu clever. Schon seit Jahren werden europäische, hochqualifizierte Kräfte nach Dubai und Saudi- Arabien abgeworben. Mein Neffe ( Maschinenbau studiert, dann noch 2 Jahre in Deutschland gearbeitet), wurde auch abgeworben. Er hat dort den Job seines Lebens: eine interessante Tätigkeit. Ihm wird schon im jungen Alter eine hohe Verantwortung übertragen, super Gehalt mit sehr wenig Abzügen, Krankenversicherungen übernimmt sein Arbeitgeber. Er ist seit 3 Jahren dort und möchte nicht mehr weg. Und so läuft es in allen Bereichen: junge, qualifizierte Arbeitgeber werden abgeworben. Für die jungen Leute ist es optimal. So einen Job würde… Mehr

Schwabenwilli
10 Monate her
Antworten an  kasimir

Stimmt halt leider. Die andere Seite ist die Saudis, eigentlich alle Golfstaaten, kaufen sich das Know-how und begeben sich gleichzeitig damit in Abhängigkeiten denn man muss es so sagen ihre eigenen Studenten sind nicht das Gelbe vom Ei. Im Umkehrschluss heißt das sollten sich die Golfstaaten, wieder erwarten, in strikte islamische Gefilde zurückbegeben und damit gleichzeitig eine Flucht der sogenannten Ungläubigen aus diesen Ländern verursachen würden dann sieht es ziemlich mau aus. Auch finanzielle Beteiligungen ein sämtlichen Firmen in anderen Ländern sind dann nicht mehr viel wert .

EinBuerger
10 Monate her

Jedenfalls drängt Saudi-Arabien unter diesem Herrscher nach vorn. Ähnlich wie die Türkei, Indien, China sowieso, Brasilien, etc.
Ob es erfolgreich sein wird? Ich weiß es nicht. Möglich. Die Bevölkerung eines Landes spielt auch eine große Rolle. Und hier würde ich Araber anders einschätzen als z.B. Ostasiaten.

dienbienphu
10 Monate her

Das Land hat immerhin im vergangenen Jahr 196 Menschen hingerichtet, die höchste Zahl, seit Amnesty International vor 30 Jahren mit der Aufzeichnung dieser Zahlen begann.

Die bösen Saudis! Was ich nicht verstehe, wenn man diese Kultur so so schlimm findet. Soooo schlimm. Warum importiert man dann millionenfach Personen, die aus diesem Kulturkreis nach Deutschland. Leute vor denen sogar die Saudis warnen?

Last edited 10 Monate her by dienbienphu
gmccar
10 Monate her
Antworten an  dienbienphu

Habe gerade in einem „Feindsender-Kanal“ das Interview von Tucker Carlson mit Donald Trump gesehen. Auch Trump sagt das, was auch bei TE leider zu kurz kommt. Es übertreten Leute aus 145 Staaten die Südgrenze der USA. Es sind dies laut Trump mehrheitlich Kriminelle und Terroristen, weil die südlichen Länder erwiesenermaßen ihre Gefängnisse und Psychiatrien leeren und bewusst diese Leute nach USA schicken.+ Das Gleiche findet doch hier auch statt. Seit 2014 leert ganz Westasien und die Westküstenstaaten Afrikas ihre Gefängnisse und psychologisch Beeinträchtigten und schickt sie mit Hilfe der Soros-NGOs und der Kirchlichen Rettungsterroristen nach EU und insbesondere zu ihren… Mehr

Moses2
10 Monate her
Antworten an  dienbienphu

Weil die Mohammedaner, die hier her „fliehen“ vor den Mohammedanern „fliehen“. Ich fliehe jetzt erst einmal in den Urlaub.

Endstadium0815
10 Monate her

Die Welt entwickelt sich weiter, nur hier in Deutschland hoffen wir auf Lastenräder, Zappelstrom und geben dieses Land auf wegen der Ukraine. Aber zum Glück ist Baerbie gerade in Kirgistan und rettet Deutschland.

elly
10 Monate her

“ Das stößt auf politische Bedenken – wie lange?“
Wie lange und wieviel politische, vor allem moralische, Bedenken können wir uns leisten?

luxlimbus
10 Monate her

Khashoggi war ein gefährlicher Islam-Extremist. Anstatt endlich Farbe zu bekennen und zumindest, hinter vorgehaltener Hand, froh über dessen Ende zu sein, hat der Westen mal wieder realitätsfremd reagiert, und „seine“, für diese Region vollkommen unpassenden, Standards im Rampenlicht zelebriert, und so ganz nebenbei, die mit Abstand, erfolgversprechendsten Kräfte vor den Kopf gestoßen. Die Selbstverzwergung ist nicht nur ein deutsches, sondern ein westliches Problem. Die Ansprüche korrelieren immer weniger mit den, sich so reduzierenden, Möglichkeiten. Unbelehrbare, fromme Stümper! Es kommt daher, wie es kommen muss!