Eine Aufarbeitung ist nicht in Sicht – Teil 2

Verweigern am Ende gerade diejenigen eine Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen, die zu dem ganzen Dilemma beitrugen? Wer traf die Entscheidungen? Es waren Politiker und sogenannte Fachexperten. Klar ist, es gäbe wirklich sehr viel aufzuarbeiten. Ein Beitrag in zwei Teilen von Friedrich Pürner

IMAGO/NurPhoto

Ärzte spielten eine entscheidende Rolle. Was war mit den Ärzten? Sie profitierten – neben den Apothekern – am meisten von der Pandemie. Zu Beginn hatten einige Ärzte derart Angst vor Corona, dass sie ihre ärztliche Ethik über Board warfen und ihre Praxen schlossen. Eine Katastrophe für alle Patienten. In den Krankenhäusern wurden einige Covid-Patienten zu Tode beatmet. Einige Experten waren sich bei der Behandlung einig – man setzte auf eine schnelle Pflichtbeatmung. Manche Kollegen waren zurückhaltender – wurden aber nicht gehört. Aber dabei blieb es nicht. Sie wurden angefeindet und mit beruflichen und sozialen Konsequenzen bedacht. Denn es wurde nicht akzeptiert, dass sich die Mehrheit irrt. Und die Mehrheit der Ärzte war sich einig. Frühe Intubation rettet Leben. Einige Patienten bezahlten dies aber mit ihrem Leben. Sollte das nicht aufgearbeitet werden? Ich meine schon.

Im Laufe der Pandemie erkannten geschäftstüchtigen Kollegen die Goldgrube, die sich vor ihnen auftat. Tests und Impfungen ließen das Geld in die Kassen der Niedergelassenen sprudeln. Zunächst gab es nur Impfzentren. Der gemeine Hausarzt durfte das flüssige Gold anfangs nicht spritzen. Viele Ärzte aus Kliniken und Praxen ließen sich als Impfärzte anheuern. Wenig bis keine Bürokratie, dafür viel Geld pro Stunde. Das Impfzentrum glich einer Massenabfertigung. War das fachlich alles notwendig? Wohl kaum. War es verhältnismäßig, für die angemieteten Impfzentren horrende Summen zu bezahlen? Und für das Personal? Weshalb wurden die niedergelassenen Kollegen nicht von Anfang an eingebunden?
Eine weitere Frage mit hohem Stellenwert ist noch offen. Wie kann es sein, dass so viele Ärzte vollständig unkritisch die Maßnahmen mitgemacht und mitgetragen haben? War es Angst vor beruflichen Repressalien? War es Überzeugung? Einige Ärzte wollten Ungeimpfte medizinisch nicht mehr behandeln. Wo blieb da der Aufschrei? Das sind Fragen, auf die es bisher keine vernünftigen Antworten gibt. Der Arztberuf ist ein freier Beruf und vermutlich ist in den meisten Berufsordnungen der jeweiligen Bundesländer zu lesen, dass Ärzte ihrem Gewissen verpflichtet sind. In der bayerischen Berufsordnung für Ärzte steht:

§ 2
Allgemeine ärztliche Berufspflichten

(1)
Der Arzt übt seinen Beruf nach seinem Gewissen, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit aus. Er darf keine Grundsätze anerkennen und keine Vorschriften oder Anweisungen beachten, die mit seiner Aufgabe nicht vereinbar sind oder deren Befolgung er nicht verantworten kann.

Der Wortlaut dieser Berufspflicht ist eindeutig. Demnach hätten Ärzte keine Sorge haben müssen, wenn Sie danach gehandelt hätten. Denn Ärzte sind ihrem Gewissen verpflichtet, den Geboten der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit. Es ist uns sogar verboten, Vorschriften und Anweisungen zu beachten, die mit der ärztlichen Aufgabe nicht vereinbar sind. „Zuerst einmal nicht schaden“ ist ein elementarer Grundsatz des Hippokratischen Eides und modifiziert als sog. Genfer Gelöbnis die Präambel der Berufsordnung. Doch die Realität war eine andere. Viele Ärzte erinnerten sich nicht mehr an ihre Aufgabe oder an ihr ärztliches Gewissen. Sie folgten den Anweisungen. Besonders Ärzte in den Behörden taten das akkurat.

Andere Ärzte wiederum widersetzten sich. Sie fanden einen Weg, eine Lücke, wie sie helfen konnten. Diese Hilfe lag in der Ausstellung falscher Atteste oder Impfbücher. Das ist offensichtlich der völlig falsche Weg. Auch wenn man mit der sog. Nothilfe aus dem Strafgesetzbuch argumentieren kann. An dieser Stelle muss daher angeführt werden, dass sich Teile der Ärzteschaft nicht richtig verhielten. Sie stellten falsche Atteste aus oder impften Wasser statt den Impfstoff. Dies geschah mit oder ohne Wissen der Patienten. Doch wie kann es überhaupt dazu kommen, dass ein freier Beruf derart handelt, vielleicht sogar handeln muss? Wenn Ärzte falsche Atteste oder sogenannte Gefälligkeitsatteste ausstellen, dann deutet das oft darauf hin, dass es seltsame Regelungen gibt. Regelungen, die ihren Patienten zum Nachteil gereichen. Anstatt sich also auf die Berufsordnung zu stützen, wählten ein paar Ärzte einen Weg, der zwar aus rein humanistischen Gesichtspunkten nachvollziehbar, aber keineswegs gutzuheißen ist. Einer ärztlichen Bescheinigung kommt großes Gewicht zu. Bürger, Behörden und Institutionen müssen darauf vertrauen können, dass in einem Attest tatsächliche Sachverhalte belegt werden.

Mögen die Umstände für den Patienten auch noch so unangenehm sein, der Arzt darf hier nicht Tatsachen erfinden oder derart verdrehen, dass es für seinen Patienten von Vorteil ist. Das ist inakzeptabel und schadet dem ganzen Berufsstand. Doch weshalb machen Ärzte so etwas? Natürlich geht es auch um das Geld. Angeblich haben manche Ärzte ihre falschen Atteste oder die nicht durchgeführten Impfungen auch noch abgerechnet. Die Frage ist aber auch, weshalb müssen Ärzte überhaupt zu solchen Maßnahmen greifen? Seitdem ich Arzt bin, beschäftige ich mich mit ausgestellten Dokumenten von Ärzten. Schon als Assistenzarzt in der Klinik viel mir auf, wie sehr dort die Krankengeschichte zugunsten des Krankenhauses im Abrechnungsverfahren oder zugunsten der Patienten, wenn sie auf Reha oder ähnliches gehen wollten, verzerrt werden konnte. Es war mir ein Gräuel, wenn ich lesen musste, dass aus abrechnungstechnischen Gründen aus einem banalen Harnwegsinfekt eine lebensbedrohliche Infektion gemacht wurde. Und auch später hielt ich immer wieder sogenannte „Gefälligkeitsatteste“ in der Hand, die bei genauerer Betrachtung blanker Unsinn waren und eben nicht der gesundheitlichen Realität des Patienten entsprachen. Hatte der Patient Schwierigkeiten mit dem Chef, dann sahen viele einen Ausweg in einer Krankschreibung. Objektiv betrachtet lag aber keine Erkrankung vor. Es lag eine Streitigkeit vor. Diese wurde entschärft, indem der Arbeitnehmer erst einmal für mehrere Wochen den Betrieb nicht aufsuchen musste. Krankheitsbedingt. Doch die Situation hat sich bei der Rückkehr nicht verbessert. Chef blieb Chef, das Problem wurde nur vertagt.

Mehr Rückgrat und weniger Angst hätte es gebraucht

In der Pandemie baten einige Menschen Ärzte um Hilfe. Sie wussten sich nicht mehr zu helfen. Sie wollten nicht im Sommer mit Maske zum Einkaufen gehen. Sie wollten ihre Kinder nicht mit Masken in die Schule schicken. Doch der Staat zwang sie dazu. Manche Bürger wollten diese Impfung nicht. Doch der Druck in der Gesellschaft, ausgelöst durch die Politik, war oft zu groß für sie. Hilflos und verzweifelt wandten sich Bürger an ihre Ärzte – und einige gaben dem Wunsch der Bürger nach. Das mag man nun verurteilen. Doch man macht es sich zu leicht. Denn ohne diesen unmenschlichen Druck des Staates, beispielweise in Bezug auf die Impfung, wäre so ein Verhalten gar nicht nötig gewesen.

Hätten insgesamt mehr Ärzte Mut und Gesicht gezeigt, dann wäre dieser Druck möglicherweise verschwunden. Die Berufsordnung hätte wie ein Schild getragen werden sollen. Wie ein Damoklesschwert schwebte über den Ärzten der Approbationsentzug – Lauterbach selbst forderte diese Konsequenzen. Es zeigte Wirkung. Kein Arzt wollte seine Existenz verlieren. Dennoch. Hätten mehr Ärzte ihre Stimme erhoben und mehr Rückgrat gezeigt, dann wäre es nie so weit gekommen. Im Prinzip hatte also jeder Arzt die Wahl und die Freiheit zu entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Die meisten Ärzte entscheiden sich zu schweigen, Geld zu verdienen oder einfach mitzumachen.

Die schweigende Mehrheit

Und dann war da noch die schweigende Mehrheit in der Bevölkerung. Eben diese Mehrheit, die die Maßnahmen klaglos ertrugen, mitmachten und sich nicht trauten, öffentlich Kritik zu üben – obwohl sie eben anders dachten. Manche waren anfangs vielleicht noch von den Maßnahmen überzeugt. Die Öffentlich-Rechtlichen-Medien spülten die Inzidenzen wellengleich täglich in die Wohnstuben der verunsicherten Bürger. Ausgangsverbote, Demonstrationsverbote, die solidarische Pflicht einer Impfung; all das wurde regelmäßig und heftig in die Gehirne gespült. Natürlich raunte man sich über den Gartenzaun oder beim Einkauf im Supermarkt unter der Maske zu, wie unsinnig diese Regelung seien. Aber nie zu laut. Zu groß war die Angst, als Querdenker oder Covidiot bezeichnet zu werden. Dass nun gerade diese große Gruppe der schweigenden Mehrheit für eine Aufarbeitung aufsteht und sich einsetzt, ist wohl nicht mehr zu erwarten. Die meisten dürften kein Interesse daran haben. Müssten sie dann doch erkennen, dass durch ihre schiere Untätigkeit vielen anderen Leid zugefügt wurde. Den Kindern, den Alten, den Sterbenden. Die schweigende Mehrheit wird entsetzt auf die Berichte reagiert haben, in denen nun das einsame Sterben der Alten in den Heimen und Krankenhäusern gezeigt wurde. Doch es war ihr Nichtstun, ihr Schweigen, das diese Unmenschlichkeit erst möglich gemacht bzw. nicht gestoppt hat. Die Personen, die die Politik als Grund für viele Schutzmaßnahmen nannte, hat niemand gefragt und ein Sprachrohr hatten sie nicht. Ist der Schaden für betagte oder kranke Menschen nicht größer, wenn sie in Einsamkeit leben und sterben müssen?

Selbst in Familien wirkt diese Verweigerungshaltung einer Aufarbeitung hinein. Bis heute. Einige Familien haben sich unrettbar zerstritten. Und solange nicht der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk mit einem Brennpunkt über die Fehler in der Pandemie berichtet, werden auch diese Verwerfungen wohl nicht mehr zu kitten sein. Das ist schade. Sehr schade. Sollten Familienbande nicht stärker als das unfachliche Geschwätz eines Karl Lauterbachs sein? Ich finde schon. Lauterbach wird irgendwann fallen, die Familie bleibt.

Zur Spaltung der Gesellschaft hat auch der oft gehörte „ich bin übrigens geimpft“-Satz, der sich in fast jedem Smalltalk wiederfand, beigetragen. Ohne gefragt zu werden, gaben die Menschen ihre Gesundheitsdaten preis. Hierdurch versuchten sich die Personen abzugrenzen von denen, die in der Öffentlichkeit nun als Menschen 2. Klasse behandelt wurden. Niemand wollte als „Anders-denkend“ dastehen und so gab man präventiv und ohne Not seinen Impfstatus kund. Wer sich gegen eine Impfung entschied oder seinen Impfstatus nicht hinausposaunen wollte, der war in diesen Gesprächen sofort der Gebrandmarkte. Allein dieses Verhalten sollte einem persönlich zu denken geben. Hierdurch breitete sich die Ausgrenzung wie ein Lauffeuer aus. Sie fand Einzug in alle Bereiche des Lebens. Wenn die Politik sich der Aufarbeitung verschließt, so ist es dennoch möglich, das eigene Verhalten und dessen Konsequenzen zu überdenken.

Das alles sind unbequeme Wahrheiten. Jedoch keine Gründe, das eigene Verhalten unreflektiert stehen zu lassen. Wo ist nun die Solidarität mit allen denjenigen, die nicht von der Pandemie profitierten? Viel Geld ist futsch. Viel Vertrauen ebenfalls. Die Spaltung der Gesellschaft ist deutlich sichtbar. Politik und Institutionen haben versagt und bieten mit ihrer Verweigerungshaltung bezüglich einer Aufarbeitung radikalen Kräften Unterstützung. Der Bürger bleibt hilf- und ratlos zurück. Immer mehr Menschen wird klar, dass diese Pandemie ein Anfang eines viel größeren Umbruches in der Gesellschaft sein könnte. Der Bürger hat Fragen – Antworten bekommt er keine. Anstatt ihm zuzuhören und auf die Sorgen einzugehen, wird der kritische Bürger als rechtsradikal abgestempelt. Bestes Beispiel ist die Demonstration in Erding am 9. Juni 2023. Nicht etwa radikale Kräfte haben dort den bayerischen Ministerpräsidenten ausgepfiffen und ausgebuht. Nein. Es waren die besorgten Bürger der Mitte. Eben diese Bürger hat Söder vor lauter Fassungsverlust in die rechte und undemokratische Ecke gestellt. Den Unmut gegen seine Person wollte er ummünzen und es als eine Reaktion zur Abgrenzung von „rechts“ darstellen. Ein hilfloser Versuch. Durchschaubar und ein Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte. Dass dem Medienprofi Söder Derartiges passiert, zeigt deutlich, wie blank die Nerven bei ihm und seiner Partei liegen. Zudem zeigt es, dass dies der falsche Weg ist – es sei denn, man möchte der AfD zu noch mehr Stimmen verhelfen.

Was passiert hier?

Doch es gibt noch mehr Fragen. Derzeit gibt es eine Diskussion um einen möglichen Zusammenhang zwischen der massenhaft verabreichten Covid-Impfung und einer beobachteten Übersterblichkeit in Deutschland. Weshalb spricht hier niemand offiziell darüber?

Die Übersterblichkeit in vielen Monaten der Jahre 2021 und 2022 lag höher als im ersten Pandemiejahr 2020. Das ist insofern erstaunlich, als dass in Anbetracht der Panik und der medial verbreiteten Gefährlichkeit des Erregers Sars-CoV-2 eine deutliche Übersterblichkeit zu erwarten gewesen wäre. Doch das war nicht der Fall. Nun werden an dieser Stelle einige Maßnahmenbefürworter einwenden, dass eben jene Maßnahmen gewirkt hätten und die Zahlen ohne diese noch höher wären. Das ist jedoch nicht anzunehmen. Weder die öffentliche Maskenpflicht noch die Ausgangssperre wird ein Leben gerettet haben. Viele der Maßnahmen waren nicht evidenzbasiert. Man traf sie ohne ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse. Diesen Maßnahmen dann noch eine positive Wirkung zuschreiben zu wollen, grenzt an Wunschdenken.

Nun fällt die Übersterblichkeit der Jahre 2021 und 2022 zumindest zeitlich mit dem Beginn der neuartigen Impfung und den Boosterungen zusammen. Dieser zeitliche Zusammenhang kann nicht bestritten werden. Ob allerdings die Impfung dafür ursächlich ist, gilt es zu ergründen. Es muss im Interesse der Gesundheitspolitiker und der Fachexperten sein, das Rätsel um die Übersterblichkeit zu lösen. Doch hier wird gemauert. Das ist extrem bitter. Die Auffassung „Wir ziehen die Impfung schon gar nicht in Erwägung“ ist völlig unwissenschaftlich und schadet dem Ansehen aller Beteiligten. Mit dieser Haltung wird man die nächsten Jahrzehnte, was Impfung und Vertrauen in Gesundheitsbelange angeht, keinen Blumentopf mehr gewinnen. Das Bild der absoluten Blindheit auf dem Impfauge konnte schon bei der Existenz von Nebenwirkungen der Impfung gesehen werden. Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Impfung wurden lange abgestritten. Viel zu lange. Erst nach und nach kam im Sinne der Salamitaktik das an die Öffentlichkeit, was viele Menschen schon wussten. Es gab und gibt bei dieser neuartigen Impfung erhebliche Nebenwirkungen und auch Langzeitfolgen. Das Vorsorgeprinzip hätte es geboten, dass die Impfung aufgrund dieser Erkenntnisse zunächst gestoppt wird. Warum wurde das nicht getan? Warnsignale gab es genug. Auch dieses sehr unglückliche Kapitel muss unbedingt und schonungslos aufgearbeitet werden.

COVID war eine willkommene Ablenkung

Ohne Aufarbeitung wird es keine Heilung geben. Ohne Aufarbeitung und Konsequenzen für die Akteure werden wir in der nächsten Pandemie die gleichen oder eben noch schrecklichere Fehler machen. Unser Gesundheitssystem liegt am Boden. Kein geringer als Karl Lauterbach hat vor vielen Jahren die Sargnägel persönlich gesetzt. Nun, als aktueller Bundesgesundheitsminister trieb er sie hinein, bis zum letzten. Das deutsche Gesundheitssystem ist tot. Vorzeitig gealtert, verarmt und durch die überdimensionalen Regelungen und Ausgaben in der Pandemie ausgezehrt. Schon vor der Pandemie war deutlich sichtbar, wie schlecht Krankenhäuser wirtschaften. Es war deutlich erkennbar, wie dort menschenverachtend mit dem Personal umgegangen wird. Es fehlte an jeder Ecke Personal. Die Pandemie war bestens geeignet, von dem eigenen Versagen abzulenken und alle an die Öffentlichkeit tretenden Probleme mit dem COVID-Argument zu belegen. Das Coronavirus war nun die Ausrede und Erklärung für alle Probleme. So einfach war das. Das Versagen aller Politiker war, dass man die Mängel im Gesundheitssystem nicht sehen wollte.

Mein Wunsch nach 2033

Ein windiger Hitzeschutzplan oder andere Reförmchen werden weder das System noch Karl Lauterbach retten. Wir werden nun eine Zeit des sozialen Abstieges in Deutschland erleben. Völlig unnötig. Es bleibt die Hoffnung, dass wenn sich in 10 Jahren – also im Jahr 2033 – der Staub des Niederganges über Deutschland langsam legt, ein neues System entsteht. Ein System, in dem Menschen selbstständig auf ihre Gesundheit achten. Ein System, in dem viele Menschen bereit sind, bestimmte Kosten selbst zu übernehmen und dafür nur einen Bruchteil in das Sozialsystem einzahlen müssen. Ein System, in dem die Menschen mit Eigenverantwortung und ohne einen grenzüberschreitenden Staat ihr Leben selbst regeln. Minister sind dann hoffentlich keine bloßen Politiker und Fachfremde mehr. Wünschenswert ist, dass alle Gesundheitsminister ausnahmslos Ärzte sind. Praktizierende Ärzte, die ein paar Jahre in der ärztlichen Versorgung tätig waren. Lauterbach ist Arzt, ja. Aber nur dem Papier nach. Praktiziert und gearbeitet hat er als solcher wohl nicht. Ihm fehlen die Praxis und das Wissen um die Widrigkeiten des Systems. Der Anblick eines kranken und vor Schmerzen windenden Patienten ist ihm nicht präsent. Auch der Tod wird ihm als Arzt fremd sein. Wie oft wohl musste Lauterbach schon jemandem sagen, dass er Krebs habe und sterben müsse. Dass eine Therapie nicht mehr möglich sei oder trotz Therapie keine Hoffnung mehr bestehe?

Dieses fachliche Unwissen dürfte auch anderen Ministerkollegen anhaften. Resssortübergreifend. Ich wünsche mir Finanzminister, die sich mit Finanzen und Steuern auskennen. Ich wünsche mir Wirtschaftsminister, die zumindest einmal ein Unternehmen geleitet haben. Ich wünsche mir Außenminister, die den Krieg scheuen, sprachlich gebildet, freundlich und diplomatisch sind. Die in andere Länder reisen, in denen sie möglicherweise schon früher tätig waren. Denn das Verstehen anderer Kulturen ist bei der Ausübung von Diplomatie unabdingbar. Und ich wünsche mir Bundeskanzler, die ihre Bürger gedanklich mitnehmen können. Die ohne Erinnerungslücken ihre Geschäfte erledigen und auf uns achten, die uns schützen und die zumindest einen Hauch Patriotismus versprühen.

Wenig gebildete Personen mit noch weniger Ausbildung steuern unsere derzeitigen Geschicke im Land. Das darf nicht sein. Wir werden es bitter lernen müssen, dass auch Politik zumindest eine gewisse Fachlichkeit sowie menschliche und geistige Reife benötigt. Der fehlende Wille einer Aufarbeitung zeigt die fehlende Reife sehr deutlich. Die letzten drei Jahre haben die fachlichen und charakterlichen Unzulänglichkeiten einiger Personen offenbart. Auch diese Wahrheiten muss eine aufgeklärte Gesellschaft aushalten und daraufhin zur Veränderung bereit sein.

Was bedeutet es nun für mich, dass eine Aufarbeitung ausbleibt? Ich bin Arzt und Beamter. Ich habe nach meiner Berufsordnung als Arzt gehandelt. Als Beamter habe ich mich an der bayerischen Verfassung orientiert. Ich war für das Volk da und nicht für die Politik. Für das Wohlergehen der Bevölkerung trat ich ein und musste dafür einen sehr hohen Preis zahlen. Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident und sein Gesundheitsminister Klaus Holetschek haben für mein berufliches Ende gesorgt. Mit gezielten Abordnungen und einer Versetzung wurde ich meines Postens als Gesundheitsamtsleiter enthoben und habe keine Tätigkeit mehr, die in irgendeiner Weise meine Ausbildungen und Fähigkeiten widerspiegeln oder diese fordern. Dass ich wieder in einer Leitungsfunktion tätig werden kann, wird aktuell blockiert.

Ja, ich habe mir eine Aufarbeitung gewünscht. Ich hatte die Hoffnung, dass nach dieser Aufarbeitung wieder Ruhe und Frieden einkehren wird. In der Gesellschaft, aber auch für mich persönlich. Doch ich habe mich in beidem getäuscht. Es gibt keine Aufarbeitung. Und es wird weder Ruhe noch Frieden einkehren. Weder Söder noch Holetschek sind Willens, Frieden einkehren zu lassen. Ganz im Gegenteil. Ihre Arme reichen tief in die Verwaltung hinein und erinnern mich täglich daran, dass ich es wagte, fachliche Kritik an den Pandemiemaßnahmen zu üben. Die Angst vor mir und meinem Wissen aus der Pandemie, meine zutreffenden Aussagen dazu, meine berechtigte Kritik und mit Blick auf die zahlreichen Schriftstücke, die meist Anweisungen aus dem Gesundheitsministerium waren, lassen mich wohl gefährlich erscheinen. Gefährlich für deren politische Laufbahn, Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit. Auch vor dem Hintergrund, dass im Oktober diesen Jahres der neue Landtag in Bayern gewählt wird.

Eine Aufarbeitung wird nicht erfolgen. Deutschland wird ein Krisenherd für die nächsten 10 Jahre werden. Halten wir fest zusammen – wir werden einander brauchen.


Dr. med. Friedrich Pürner, MPH
Facharzt Öffentliches Gesundheitswesen und Epidemiologe

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Kommentare ( 60 )

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Lee Zajac
11 Monate her

„Halten wir fest zusammen – wir werden einander brauchen.“ … Gerne und nur Mut. Wir sind viel mehr, als wir es in der öffentlichen Wahrnehmung erfahren. … Das Gute an der Situation ist ja, dass die Absurditäten der Handlungen so offensichtlich werden, dass immer mehr Menschen sich berechtigte Fagen stellen. Und wenn ich alleine wohl über 150 Lügen dokumentiert habe, wann wird beim Einen oder Anderen dann auch einmal die rote Linie überschritten sein? … Dr. Habig hat z.B. entsprechend seinem medizinischen Eid, Schaden von seinen Patienten fernzuhalten, absolut korrekt gehandelt und muß dafür für annähernd drei Jahre ins Gefängnis.… Mehr

Rotraut
11 Monate her

Hätten mehr Ärzte ihre Stimme erhoben und mehr Rückgrat gezeigt, dann wäre es nie so weit gekommen. Im Prinzip hatte also jeder Arzt die Wahl und die Freiheit zu entscheiden, welchen Weg er gehen möchte. Die meisten Ärzte entscheiden sich zu schweigen, Geld zu verdienen oder einfach mitzumachen.“

Das ist das Muster in diesem Land, deshalb bewegt sich auch nichts. Genauso wird es in allen anderen Bereichen doch auch gehandhabt. Schweigen, mitmachen, ggf. sogar noch denunzieren. So ändert sich nichts.
Die Deutschen – ein komplett verängstigtes Volk geht langsam aber sicher seinem Tiefpunkt entgegen. Aus Angst vor der eigenen Courage.

Haeretiker
11 Monate her

Zur Spaltung der Gesellschaft hat auch der oft gehörte „ich bin übrigens geimpft“-Satz, der sich in fast jedem Smalltalk wiederfand, beigetragen.“
Ein sehr wichtiger Satz. Denn selbst Kritiker des Systems, auch in den „alternativen Medien“, konnten mitunter nicht an sich halten und mussten ausposaunen (und nicht nur beim smalltalk), dass sie geimpft wären. Mag sein dass sie ehrlich sein wollten, was sie aber erreichten war eine weitere Demoralisierung der klar denkenden Menschen und eine Offenbarung, dass sie der eigenen kritischen Haltung letztlich misstrauten. Oder war es Opportunismus zum Eigennutz?
Ich will darüber nicht richten, es muss aber erwähnt werden.

Waldorf
11 Monate her

Es ist weder leicht noch angenehm, politisch „erwachsen“ zu werden. D.h. In meinen Augen, einen möglichst ungetrübten Blick auf „Staat“ zu bekommen und egal wie die Einschätzung ausfällt, sein eigenes Leben danach zu gestalten. Es ist der strukturelle Nachteil des Einzelnen, daß er möglicherweise durch bessere Kenntnis, Bildung oder Erfahrung Fehler des Staates oder der Massen erkennt, aber keinen Einfluß besitzt. Nennen wir es einfach Cassandra-Effekt – unschöne Warnungen oder Hinweise sind regelmäßig nicht populär, schon gar nicht, wenn es eine Hauptaufgabe der Politik und ihrer Medienhelfer ist, eine angebliche „Friede-Freude-Eierkuchen“-Fassade aufrecht zu halten, in der nur die angebliche Weise… Mehr

Last edited 11 Monate her by Waldorf
Oleron
11 Monate her

Ich habe 30 Jahre in einer Arztpraxis gearbeitet und immer großen Respekt vor meinem Arbeitgeber gehabt. Während der Plandemie musste ich erkennen, dass dieser viel dümmer ist als ich und man als Mediziner keinerlei intellektuelle Fähigkeiten braucht, um ein Medizinstudium zu absolvieren. Einzig die Fähigkeit Dinge auswendig zu lernen ist von Nöten und natürlich Duckmäusertum.

Stormaner
11 Monate her

Wenn man der Coronazeit überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es die Offenlegung der Charakterschwächen von Teilen der Gesellschaft, insbesondere auch im privaten und beruflichen Umfeld. In Sachen Gerechtigkeit kann man wohl nur auf das Karma eines jeden hoffen. Auch habe ich gelernt, Menschen wertzuschätzen, deren Lebensentwurf ich früher eher mit Unverständnis begegnet bin, die allerdings durch ihren Mut und ihre Gradlinigkeit aufgefallen sind. Hervorzuheben ist dabei die Abstimmung im Bundestag zur allgemeinen Impfpflicht, also die Aufhebung des Grundrechtes auf körperliche Unversehrtheit. Hier haben die wahren Verfassungsfeinde und Menschenverächter ihre Maske fallen lassen. Diese Menschen gehören nicht in den… Mehr

Chrisamar
11 Monate her

Bist Du geimpft? Das reicht um sich einen Überblick über den geistigen Zustand seines Gegenübers zu verschaffen. Was nutzt denn ein Job beim Gesundheitsamt, wenn man die Impfung nicht überlebt? Damals hatte ich, wie der Zufall es so will, einen Termin mit einem Epidemiologen. Diesen hatte es aus den USA nach Ba-Wü verschlagen, um hier Nephrologen auszubilden. Ich fragte ihn, wie lethal dieser Virus ist. Er sagte, nicht sehr. Dann fragte er mich, was ich denn denke? Und ich antwortete ihm, daß „Corona“ der Revolutionsbeschleuniger der neo Marxisten ist. Wie sollen ja auch nicht alle sterben. Die brauchen ja noch… Mehr

Dr_Dolittle
11 Monate her

Herr Pürner, ich achte und respektiere sehr was Sie getan haben und zu welchem Preis. Wir wollen aber nicht vergessen, daß ein niedergelassener Arzt der seine Existenz verliert vor dem NICHTS steht, aller Persönlichkeitsrechte beraubt, ggf. nicht einmal ein Konto eröffnen kann. Dieser Tiefpunkt den man bei einer Privatinsolvenz erreicht unterscheidet sich jedenfalls in materieller Hinsicht von der wenigstens wirtschaftlich inklusive Pension gesicherten Beamtenposition. Ich würde allerdings viel lieber als über moralische Meßlatten zu diskutieren festhalten, daß es BIS HEUTE keine belastbare Evidenz für irgendeine der getroffenen Maßnahmen gibt. Und genauso wie derzeit der Staat von Selbständigen die Rückzahlung der… Mehr

Haeretiker
11 Monate her
Antworten an  Dr_Dolittle

Wir wollen aber nicht vergessen, dass ein niedergelassener Arzt der seine Existenz verliert vor dem NICHTS steht, aller Persönlichkeitsrechte beraubt, ggf. nicht einmal ein Konto eröffnen kann.“
Dies ist das mentale Gerüst, auf das jede Diktatur baut. Ich schreibe das nicht als Vorwurf, aber solange die Bürger sich fürchten (einst vor Verlust des Lebens, heute vor Verlust der Freiheit oder sozialen Existenz), solange hat der Staat freie Hand.

horrex
11 Monate her

Nur ein Wort zu diesen zwei Beitägen:
D a n k e !!!

Micci
11 Monate her

Das Verhalten von Politikern und Medien hat mich nicht im Geringsten überrascht – genau so etwas hätte ich von solchen Charakterzwergen wie Söder, Restle + Co. ohnehin erwartet. Aber was sich die Ärzteschaft in ihrer Mehrheit (natürlich bei sehr seltenen Ausnahmen wie z. B. dem Autor) geleistet hat, ist das Unterirdischste, was mir in 60 Lebensjahren begegnet ist. Wir sprechen von einer Gruppierung, bei der im allerhöchsten Maß Moral Teil der Berufsbeschreibung ist. Hippokratischer Eid, „Vor allem nicht schaden“, „Halbgötter in Weiß“ und Ruf und Ansehen, von dem andere Berufsstände nur träumen konnten. Und nun – wie viele Patienten brachten… Mehr