Leserkommentare zu Gadamers Rücktrittsaufforderungen an die Kanzlerin

Appetit soll Ihnen die Probe aus einem der Leserkommentare machen, die wir hier auszugsweise wiedergeben: "... in Zeiten von krisenbedingten Stellenstreichungen immer noch vergleichsweise gut verdienende Medienarbeiter (müssten) jederzeit nach Alternativen suchen, sonst sind sie plötzlich weder Öko noch Bourgeoisie und ihre anti-autoritär gegenderten Kinder mit kreativen Trendnamen müssten mit Problemschulen vorlieb nehmen, um die man dank privilegierter Wohnortwahl, einen elitären Bogen machen kann."

Hartmut Wegner: Ich danke Ihnen für diesen Artikel. Ich danke allen Menschen für Ihren Mut, für die Meinungsfreiheit aufzustehen. Auch wenn sie nicht meiner Meinung sind. Meine Familie ist in den 60er Jahren nach Deutschland gekommen. Unendlich schöne Zeiten, eine freie, unbeschwerte Jugend, für die meine Eltern viel getan haben, und für die auch Deutschland so viel beigetragen hat.

Leider muss ich sagen, ich kann nicht mehr. Ich habe in den letzten Jahren Dinge erlebt, die ich nicht mehr in Worte fassen kann und möchte. Das können Sie viel besser. Vor allem bin ich schockiert und traurig, fassungslos und – leider – mutlos geworden.

2017 werde ich Deutschland verlassen. Integration, jahrelanger Fleiß, mehrere Studiengänge, Promotion und ein eigenes kleines, gut laufendes international ausgerichtetes Unternehmen machen mir dies möglich. Ich bringe es einfach nicht mehr fertig, die immensen Steuern ohne geballte Faust zu zahlen, während ich mich bei jedem Schritt um die Sicherheit und auch das soziale Wohlergehen meiner Familie sorgen muss. Bald leben wir in einem Land, welches Flüchtlinge rigoros zurückschleppt und wo wir an den Grenzen 10 mal durchleuchtet werden. Das Gefühl wenn man zu mir mit breitem Lächeln sagt “welcome to our beautiful country” wenn ich dort meinen Pass vorzeige, macht mich dennoch glücklich.

Atheist46: Heiko als Justizminister ist der Bock als Gärtner und er mit der unsäglichen Stasistiftung erinnern mich fatal an den Eber Napoleon und seine im Geheimen herangezogene Hundemeute aus Orwells “Animal Farm”. Das einzig Positive an dieser Reminiszenz ist, dass Napoleons Meute schließlich seinen Kontrahenten Schneeball zum Teufel jagt. Ich habe die stille Hoffnung, dass Schneeball in der deutschen Wirklichkeit kein Eber sein wird, sondern – naja, Sie können ja selber denken …

Ralf Pöhling: Sehr guter Artikel, Herr Gadamer. Zitat:”Meine Aufforderung zum Rücktritt, auch kritische Meinungen zum Islam auf Facebook: Weg damit!!! DELETE! Ich war fassungslos. Und dann das ungute Gefühl: Auf welchen Listen stehe ich jetzt?”

Sehen Sie es als Ritterschlag. Sie haben offenbar die Wahrheit gesagt. Und je mehr Leute die Wahrheit sagen und auf den “Listen” landen, desto mehr Personal wird es brauchen, um mit diesen Listen irgendetwas im Sinne des Systems anzufangen … Es müssen zeitgleich so viele Leute Stunk gegen die aktuelle Politik machen, dass die Zensurbehörden mit der Bearbeitung der Daten von “Systemkritikern” gar nicht mehr nachkommen. Im Vergleich zur DDR haben wir einen enormen Vorteil: Wir sind weder innerhalb einer Mauer eingesperrt, noch wird die Stasi 2.0 das weltweite Netz irgendwie unter ihre Kontrolle bringen können. Auf Facebook kann man getrost verzichten. Ich war da noch nie Mitglied und bin trotzdem nicht in Einsamkeit verdorrt. Zeigen wir den Despoten, dass Demokratie und freie Meinungsäußerung sich nicht von ein paar piefigen, weltfremden Weltverbesserern mit Allmachtsphantasien in die Schranken weisen lassen.

Pixel: Sie schreiben: “Die Medien müssen ihre Kontroll-Aufgabe wieder wahrnehmen, Opposition und nicht Teil des Kartells sein.”

Ein Kartell wurde noch nie abgeschafft, weil Mitglieder plötzlich beschlossen, nicht mehr Kartell zu sein. Ein Kartell bildet und erhält sich, weil die Mitglieder davon profitieren. Profiteure sind insbesondere Journalisten, die zur politikvernetzten “Ökobourgeoisie” gehören, mehr noch als Lehrer oder Angestellte. Zudem müssen in Zeiten von krisenbedingten Stellenstreichungen immer noch vergleichsweise gut verdienende Medienarbeiter jederzeit nach Alternativen suchen, sonst sind sie plötzlich weder Öko noch Bourgeoisie und ihre anti-autoritär gegenderten Kinder mit kreativen Trendnamen müssten mit Problemschulen vorlieb nehmen, um die man dank privilegierter Wohnortwahl, einen elitären Bogen machen kann. Angesichts ungeklärter Zukunftsaussichten wird sich kein Journalist den Wechsel in die Parteipolitik (Pressesprecher, Büroleiter, PR-Berater, Online-Manager …), in politiknahe Stiftungen, den öffentlich-rechtlichen Medien-Komplex oder zu parteigeführten Publikationen mit fundamental-oppositioneller Schreibe verbauen. Jeder Artikel der Vergangenheit fließt in die Vita und zukünftige Bewerbungen ein. Keiner schreibt hier, was er wirklich denkt, sondern textet strategisch.

Zudem steht früher oder später eine Presse-GEZ im Raum, die nach Merkels Wiederwahl 2017 die deutsche Qualitätspresse, die in wenigen Jahren ihr Geschäftsmodell restlos verzocken wird, “alternativlos” retten muss. Da rüttelt man als redaktionell abhängiger Journalist nicht an den strategischen Leitplanken der EU-EURO-Refugee-Konsens-Republik, egal was die abgehängte Bevölkerung denkt. Daran würde auch ein Kanzler Schäuble nichts ändern.

Andreas B.: … Dass aber selbst Artikel und Meinungsäußerungen von dem eigenen Facebook Auftritt gelöscht werden, ist schon eine heftige Entwicklung welche ganz böse an der Freiheitlichen Demokratischen Grundordnung sägt. Für mich besteht die schon seid mindestens einem Jahr nicht mehr …

Friedrich: Ich musste 26 Jahre in einem geistigen Gefängnis leben. Nichts ist schlimmer für einen halbwegs gebildeten Menschen. Meinen derzeitigen Bildungsstand habe ich mir in 53 Jahren erarbeitet. Dazu gehören 10 Klassen Polytechnische Oberschule, 2 Jahre Lehrausbildung zum Fahrzeugschlosser, Fachabitur, 4 Jahre Studium mit Diplom und nach der sogenannten Wende eine weitere Ausbildung. Mein Studierzimmer umfasst derzeit eine Bibliothek von ca. 700 Büchern aller Thematika.

Ich werde niemals mehr jemanden gestatten, mich geistig zu unterdrücken. Ich schließe mich dieser Forderung an: Gehen sie. Und nehmen sie ihre ganzen installierten Hofschranzen gleich mit. Ihr beleidigt meine Intelligenz.

Vinceremos!: Ein wunderbarer Artikel über die, ich kann es leider nicht besser ausdrücken, hanebüchenden Zustände in Deutschland. Nach nur 70 Jahren haben wir wieder einen Zustand erreicht, in dem Meinungen verfolgt werden. Bis hin zur existentiellen Vernichtung Andersdenkender. Unterstützt von willfährigen Medien und einer (wieder einmal), milde ausgerückt, rückgratschwachen Justiz. Mit einem gesinnungspolitisch agierendem Justizminister, welch Hohn! Und wieder einmal mit dem moralisch erhöhendem Anspruch, europäische Politik bestimmen zu wollen. Ich kann es nicht mehr hören, aber mir leider gut ausmalen, wo es enden wird …

Crazy Horse: Zensur, Gesetzesbruch, Selbsherrlichkeit. Unfassbar. Was darf sich diese Person noch alles erlauben? Der Meinungsfreiheit eine Gasse! Merkel go Home … Bin gespannt auf MeckPom …

Sabine Ehrke: Keiner von denen wird freiwillig gehen … nicht ein einziger! Bitte, ich verliere allmählich jede Contenance. Wofür habe ich diese ganze Kommunisten-Sch…. in der Ostzone eigentlich bekämpft in meinen jugendlichen Jahren? Hinter einer Mauer eingesperrt, Studium verboten, Arbeitsplatz verloren, als subversive Person gelistet, Berlin Verbot, Ausreiseanträge, im Kofferraum des Trabis gereist, um meinen damaligen Freund sehen zu können, damit die Stasi-Häscher in der Nachbarschaft es nicht mitbekamen! Stasi-Verhöre. Warum? Wofür das alles? Dafür? Dafür, dass sich alles wiederholt? Nein, noch schlimmer ist? Was ist los mit den Deutschen? Geweint habe ich vor Freude im Zug, als ich mir, in die winterlich, nächtliche Dunkelheit hinaus starrend, die Nase an der Scheibe platt gedrückt und die ersten riesen Rücklichter der ‘Westautos’ erspäht habe und wusste, ich bin über die verdammte Deutsch-Deutsche Grenze. Vorbei an Mauer, Selbstschussanlage, Mine und Zaun. Frei! Frei!!! Und nun? Ich muss mich als degenerierte Inzucht von Schäuble beschimpfen lassen! Ich bin Pack, Hetzer, braune Brut. Die Medien werden gar nichts ändern, sie sind durchsetzt, verseucht, tot. Wieder greift unter dieser rot-grünen, ja und ich sage es erneut, Linksfaschisten-Diktatur die Stasi nach meiner Freiheit. Nach jedweder Freiheit. Und alle ducken sich weg, aus Angst. Man, ich war 17…18…19 und hatte auch Angst, doch ich habe mich nicht weggeduckt! Und wenn Sie und ich, sehr geehrter Herr Gadamer, eines schönen Tages hier nichts mehr schreiben, ist Maas-loses Privat-Stasi noch einen Schritt weiter gegangen und wir sind physisch ‘gesperrt’! Dann ist es bei weitem zu spät …

Anna Märsch: Danke für diesen Beitrag. Bin letzte Woche und heute wieder auch Opfer der Zensur auf Facebook geworden. Allerdings scheint sich die Löschwut nicht auf kritische Stimmen zu Merkels Einwanderungspolitik zu beschränken. Die Beiträge, die bei mir sang und klanglos verschwanden beschäftigten sich kritisch mit jeweils der Situation in Syrien/Aleppo und der Ostukraine.

Was bleibt ist die Fassungslosigkeit und auch die Angst, wie Herr Gadamer ganz
richtig schrieb. Bin ich jetzt auf irgendwelchen Listen? Wird mein Account überwacht? Bald gesperrt?

Und wohin weist diese Entwicklung? Steht irgendwann Maas´Meinungspolizei vor
meiner Tür und möchte auch mit mir ´Tee trinken` oder nehmen sie mich dann
gleich mit? Ich bin entsetzt über die Entwicklungen in unserem Land.

Marcel Börger: Herr Gadamer, ich gratuliere Ihnen! Das delete ihres Beitrages gemäß den neuen Maas/Stasikahane Richtlinien ist moralisch und demokratisch wertvoller als jeder sonstige Preis für Journalisten.… D.h. Sie sind echte Avantgarde!

Und die Zusammenfassung von Dieter Zorn:

Merkel kann ihr Spiel nur spielen, weil sie auf der “Höhe der Zeit” ist und die ist links-grün. Es sind die Nachwehen der Achtundsechziger, die uns jetzt voll vor die Brust knallen. Links-grüne Lehrer haben links-grüne Schüler hervorgebracht, die heute mit 30-45 Jahren an den Hebeln der Macht sitzen. Sie pflegen einen unechten Moralismus mit globalem Anspruch, der den einzelnen nichts kostet und die Gesellschaft zahlen lässt. Da alle links-grün sind, braucht es auch keine Sozialdemokratische Partei mehr, sie hat sich erübrigt. Das Verhältniswahlrecht mit seinen Koalitionsbildungen sorgt dann dafür, dass selbst wenn einzelne Parteien stark verlieren, sie dennoch gemeinsam eine Politik fortsetzen können, die so keiner gewählt hat. Es bilden sich Blockparteien, CDSPGRÜ, die, wie zuletzt in Österreich, schon vor der Wahl verkünden können: Ihr könnt uns gar nichts! Damit ist das wesentliche Kriterium einer Demokratie ausgehebelt, nämlich den Herrscher abwählen zu können. Und wir bewegen uns auf eine Oligarchie zu, wie Aristoteles schon wusste, oder eine Elitokratie. Verbunden damit ist die Selbstbeschränkung der Medien auf die kritiklose Wiedergabe der herrschenden Linie. Damit ist dann das zweite Kriterium einer Demokratie verletzt, das der freien Meinungsbildung- und Äußerung. So kommen (fast) alle späteren Autokraten und Diktatoren an die Macht, von Hitler bis Erdogan. Die Wahl ist nur quasi-demokratisch, weil das Wahlrecht nichts bedeutet, wenn die beiden genannten Kriterien verletzt werden. Auf diesem Weg befinden wir uns auch deshalb, weil eine Kanzlerin Moral und Recht verwechselt: Die Moral des Staates ist das Recht. Ein Staat kann nicht moralisch handeln, das können nur Individuen, ein Staat kann nur das Recht achten. Versucht ein Herrscher moralisch zu handeln, also seine individuelle Moral über das Recht zu stellen, verkehrt er die Grundlagen demokratischer Staaten in ihr Gegenteil und führt Chaos herbei, weil er sich in den unterschiedlichen Moralvorstellungen seiner Bürger verstrickt. Genau da befinden wir Deutschen uns jetzt. (Hervorhebung TE).

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Kommentare ( 25 )

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