Leserkommentare zu Gadamers Rücktrittsaufforderungen an die Kanzlerin

Appetit soll Ihnen die Probe aus einem der Leserkommentare machen, die wir hier auszugsweise wiedergeben: "... in Zeiten von krisenbedingten Stellenstreichungen immer noch vergleichsweise gut verdienende Medienarbeiter (müssten) jederzeit nach Alternativen suchen, sonst sind sie plötzlich weder Öko noch Bourgeoisie und ihre anti-autoritär gegenderten Kinder mit kreativen Trendnamen müssten mit Problemschulen vorlieb nehmen, um die man dank privilegierter Wohnortwahl, einen elitären Bogen machen kann."

Mit „Merkels Regierungsbilanz ist ein Desaster“, leitete Klaus-Jürgen Gadamer am 20. Juli 2016 einen Artikel ein, der sich neben der Flüchtlingskrise auch mit Brexit, Energiewende und Bundeswehrreform beschäftigte. Nur mit Hilfe ideologisierter Medien, die dem Bürger betreutes Denken vorsetzten, neuerdings flankiert durch staatlich geförderte Zensurbestrebungen, habe es gelingen können, die Risiken des Regierungshandeln wegzuschweigen, so sein Fazit, das mit einer Rücktrittsforderung an Merkels Adresse endete.

Gadamer die 1.

Die Leser legten wenig Widerspruch ein – allenfalls gegen den Vorschlag von Schäuble als Nachfolger –, boten jedoch noch einiges an Ergänzungen.

Abwahl, Rücktritt, Wegbefördern

Alexander Wildenhoff: Der Ruf nach Merkels Rücktritt wird immer lauter. Das ist richtig. Aber ich stelle in Diskussionen immer wieder fest, dass dann betroffenes Nachdenken kommt: Wer soll es dann machen? Merkel hat es geschafft, das Niveau des sie umgebenden Personaltableaus derart abzusenken, dass da niemand in Frage kommt. Alle sind vom Kaliber eines Heiko Maas. Und die sogenannte IV. Gewalt kommt ihrer Verantwortung dem Gemeinwesen gegenüber nicht nach. Überall herrscht die schreckliche Metapher: bei untergehender Sonne werfen auch Zwerge lange Schatten …

Karin Gossmann-Walter: … Mir kommt es so vor, als würde Merkel ganz alleine die Richtung in der CDU bestimmen und der Rest nickt ab, oder etwa nicht? Siehe den Delegiertenparteitag das wahr doch schlimm, oder? Merkel hat so viele Fehler gemacht, dass kann doch ein CDU-Mitglied doch seit Jahren schon nicht mehr guten Gewissens mittragen. Tut mir leid, die schlechteste Kanzlerschaft hat Merkel geliefert, ein Desaster für Deutschland, für Europa.

Marcel Börger: Merkel in Ruhestand wäre toll, ebenso ein Generationenwechsel im Bund … Sie war als Schönwetterkapitän ok, ist aber seit Lehmann augenscheinlich ungeeignet, mit ökonomischen und sozialen Krisen sinnvoll umzugehen. Man kann nicht alles aussitzen, wie sie es Kohl abgeschaut hat, ebenso wenig reicht es, in den eignenden Reihen alle Kronprinzen abzuservieren, um ein guter Kanzler zu sein. Taktisches Geschick ist schön und gut, aber eben nicht genug.

Wie Herr Gadamer sehr richtig dargestellt hat, ist die politische Bilanz der Frau Merkel verheerend, innerhalb Deutschlands und der EU. Ein Physikstudium nebst Agitprop Job in der DDR Jugend ist keine ausreichende Basis, ein vereintes Deutschland und die EU in die Zukunft zu führen. Merkel hat derart viel politischen Boden um sich herum verbrannt, dass sie nur noch polarisiert und das Land samt EU nur noch immer weiter spalten kann.

Für einen Abgang in Würde bleibt ihr nicht mehr viel Zeit.

Klaus-D. L.: Lieber Herr Gadamer, Ihr Artikel ist vielleicht die schärfste Abrechnung mit dem System Merkel, die ich kenne (und ich kenne viele Merkelkritiken). Alles, was Sie schreiben ist völlig richtig. Das einzige, was ich vermisse, ist eine Erklärung dafür, wie es so weit kommen konnte … Ich fürchte aber, diese Antwort kann einem niemand geben, wahrscheinlich nicht mal Frau Merkel selbst. Auf die zahlreichen Verschwörungstheorien, die es zum Thema gibt, gebe ich jedenfalls nichts.

Aber eines ist uns sicher allen bewusst: Man kann noch so oft Rücktrittsforderungen stellen, an Merkel werden diese abprallen wie an Teflon. Und so gehe ich davon aus, dass sie 2017 wieder zur Kanzlerin gewählt wird. Und sei es mit Hilfe einer supergroßen Koalition aus CDU/CSU/SPD/Linken/Grünen/FDP.

Obwohl, eine kleine Chance gibt es, sie doch loszuwerden: Dann nämlich wenn sie Ende des Jahres als Nachfolgerin Ban Ki-moons als Generalsekretärin der Vereinten Nationen gewählt wird. Die Stimmen der islamischen und der Dritte-Weltländer hätte sie jedenfalls sicher.

Spott und Ironie – die Waffen des „kleinen Mannes“

Jens Maier: … Vielleicht sollten Sie zum Islam konvertieren. Da hätten Sie dann auf einen Schlag viele Vorteile: Sie wären nicht mehr der meistgehasste Menschentypus (weiß, männlich, heterosexuell, deutsch), sondern wären qua Bekenntnis nun selbst in der schützenswerten Opferrolle. Dann dürfen Sie ungestraft alles kritisieren und sich selbst dauernd beleidigt fühlen, wenn Sie es werden. Und Sie müssten sich auch nicht mehr mit den verkorksten links-grünen-gender-feministischen Frauen herumärgern. Die fallen Ihnen dann zu Füßen. Aber Sie brauchen sie nicht mehr, denn Sie können sich auch ein folgsames Weib im islamischen Raum suchen/kaufen. Und Sie können sich auch einfach Ihr Leben von der Gesellschaft finanzieren lassen.

Wenn das keine tollen Zukunftsaussichten sind. Ist doch besser, als als ewig geprügelter Deutscher Mann zur Arbeit zu gehen, oder?

Sven: Moment, da stimmt etwas nicht.10 Minuten Standing Ovations auf dem letzten Parteitag. Lt. Times die mächtigste Frau der Welt, laut dem Friedensnobelpreisträger Obama die Frau, die Europa rettet, Anwärterin auf den Posten des UNO-Generalsekretärs, die Frau mit dem hervorragenden Plan “wir schaffen das”, die Frau, der die Grünen, die SPD und sogar die eigene Partei bedingungslos und alternativlos nachhecheln, die Frau, die bester Buddie vom lupenreinen Demokraten Erdogan ist, die alleine und alternativlos die Vermögen der Bürger rettet, “die schon immer da waren”, diese Frau soll zurücktreten? Puh, das ist schon harter Tobak.
Lieber Herr Gadamer, das können sie so jetzt aber nicht fordern.

Wenn Li-La-Laune-Phantasien Objektivität ersetzen

Merkel ist nur Symptom einer größeren Krise. Oder: Wie konnte es dazu kommen?

Thomas Hellerberger: … Aber: Merkel ist nicht Auslöser und Autor dieser Krise, sie ist nur ein Symptom. Es gibt keinen Rauch ohne Feuer! … Merkel ist nur möglich, weil WIR, also IHR (und ich und alle anderen), das deutsche Volk also, es dazu gebracht haben. JEDER, der weniger als drei Kinder hat, JEDER, der in seinem Leben mal links wählte oder es „nicht so schlimm“ findet, wenn alle Sitten und Anstandsnormen zusammenbrechen, weil dass ja doch „cool“, oder „weltoffen“ oder schlicht „modern“ sei, wer heute in Flipflops ins Büro kam, bei Rot über die Ampel lief, in der U-Bahn vor allen Leuten schmatzend sein Brötchen aß, die Zeitung in der Bahn einfach liegenließ, weil es so bequem ist, die Zigarette einfach wegschnipste, eben alles tat, was man heute so tut, ohne es groß zu bedenken, obwohl es falsch ist – Ihr alle habt mit dazu beigetragen, dass dieses Land eine Richtung genommen hat, an deren Ende eine Angela Merkel stehen MUSSTE. Und solange IHR nicht anfangt, fundamental zu hinterfragen, WIE Ihr lebt und wie alles mit allem zusammenhängt – solange wird die Dame in Berlin unser aller Mutti sein. …

Stefanie: Am Anfang waren immer die Bilder. Der Tsunami, ein Explodierendes Reaktorgebäude, Trümmerlandschaft, evakuierte Menschen; der Zusammenbruch der Banken und im Kopf Szenen von Schwarzen Freitagen: Bankrun, Spekulanten die aus dem Fenster springen; Griechenland, Staatsbankrott , Ausschreitungen; ertrinkende Flüchtlinge, die weinende Reem, der Bahnhof in Budapest (der wohl nicht nur mich an Szenen aus der Prager Botschaft 89 erinnert hat). Alles Bilder die starke Emotionen auslösen, die Rationalität hinten anstellen. Wobei ich mir noch nicht sicher bin, wie stark Merkel selbst von diesen Bildern und Emotionen getragen wird und inwieweit sie diese ausnützt oder gar inszenierte, ihre Wirkmächtigkeit überhaupt begreift. Von dem eingeschlagenen Weg kann sie jedenfalls nicht abweichen, genauso wenig wie Juncker und Schulz (die EU in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf). Sie hat zuviel in diese Strategien investiert, um noch glaubhaft davon abweichen zu können. Solange Teile der derzeitigen Führungsriege im Amt sind, wird es kein Umschwenken geben … Es ist wie es ist, das Bewegungsmoment der Geschichte ist zu groß, um all die Ursachen und Kettenreaktionen zu überblicken. Auch Merkel ist nur – kein Rädchen, aber – ein kleiner Impulsgeber, der ein Kinderkarussell anschiebt, einen Schlitten, eine Schneewand antritt. Auch sie wird von äußeren Reizen und inneren Bildern bewegt. Nur weil sie weg ist, wird nicht alles gut, doch mit ihr wird es das auf keinen Fall.

Bernd Rothaemel: Nicht Deutschland ist das Problem, sondern Frau Merkel und Ihre Nachläufer. Deutschland oder die Deutschen wollen in der Mehrzahl nicht diese Flüchtlingsmassen und auch keine EU, wie sie jetzt ist. Aber jede abweichende Meinung, selbst der Mehrheit, interessiert “unsere” Regierung nicht. Stattdessen werden wir bespitzelt, siehe Maas, oder als „durch Inzest degeneriert“ bezeichnet, siehe Schäuble. Manchmal sind wir „Pack“ nach Gabriel, oder eine Bevölkerung, die im Gegensatz zur “Elite” das Problem ist, siehe Gauck. Wer kann sich an solche Entgleisungen und solchen Despotismus hier in DE erinnern?

Ghost: Merkel ist nicht das eigentliche Problem, sondern jene, die für sie gestimmt, die sie wiederholt ins Amt geholt haben, und auch die zahlreichen Lakaien mit merkelcorrectness als Markenzeichen und nicht zu vergessen die Höflinge. Ein ganzes System, mit Umsicht konstituiert, stützt diese Dame.

Merkel ist seit langem überfordert, im europäischen Ausland isoliert (das ist eine Tatsache) und kann sich nur halten, weil viele Bürger in Deutschland glauben, sie sichere Arbeitsplätze – was natürlich Unsinn ist. Merkels “Glück” bestand bisher darin, dass es im Land keine Krisen gab, dass die Wirtschaft bisher (!) von den globalen Stürmen verschont blieb. Aber der Wind hat sich gedreht.

Es wird auch darauf ankommen, wer 2017 die Wahl in Frankreich gewinnt. Hollande ist bereits ein Mann der Vergangenheit. Einen so pflegeleichten Partner wie ihn wird sie wohl nicht mehr bekommen.

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Kommentare ( 25 )

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