„Der Tag der Schmerzen“

Aufgehoben ist nicht aufgeschoben: Nach heftigem Managementwechsel verkündet der Konzern statt im Juni nun im Juli Sparmaßnahmen mit unvermeidlichem Personalabbau, weil das Haus Burda unter Verantwortung seiner Milliardenerben Elisabeth und Jacob in eine dramatische Schieflage geraten ist.

picture alliance/dpa | Malin Wunderlich

Schon eine alte Lebensweisheit besagt: Die erste Familiengeneration baut auf, die zweite erhält und die dritte oder vierte reißt alles wieder ein. So in etwa geht es im Medienhaus Burda zu. Die Milliarden-Erben des Verlegers Hubert Burda und seiner Mutter Aenne, der Firmengründerin, schafften es, einen bis vor wenigen Jahren noch profitablen und halbwegs modernen Medienkonzern tief in die Krise zu fahren. Elisabeth und Jacob heißen die verantwortlichen Milliarden-Erben.

Diesen Donnerstag fürchteten sehr viele Burda-Mitarbeiter, denn er sollte „ein Tag der Schmerzen“ werden. Kurz vor Mittag war es nun so weit.

Elisabeth Varn, die Nachfolgerin des Ende Juni gefeuerten Medien-Chefs von Burda Jan Wachtel, zieht jetzt wohl jene harten Sparmaßnahmen im Konzern durch, die dieser durch seine Sprecher hinter den Kulissen vor knapp zwei Monaten noch hatte herunterspielen lassen. Zuerst trifft die nun doch kommende Entlassungswelle Spitzenkräfte.

Die seit Juli amtierende Medien-Chefin Varn verkündete diesen Donnerstag mit ihrer Finanzchefin Lydia Rullkötter die ersten Grausamkeiten, vor denen sich alle Burda-Mitarbeiter schon seit Wochen gefürchtet hatten. Spektakuläre Personalien und eine gravierende Neuorganisation im Medienbereich des Konzerns sind die Folge. Auf der Entlassungsliste stehen zuerst die Top-Führungskräfte Daniel Steil (Burda Forward), Martin Weese und Elfi Langefeld (beide Burda Verlag). Sie müssen das Unternehmen verlassen, besser gesagt, Burda hat sie eiskalt gefeuert.

Daniel Steil, Geschäftsführer von Burda Forward, verlässt das Unternehmen zum 1. August, obwohl er dort 15 Jahre lang wirkte, unter anderem auch als Chefredakteur von „Focus Online“. Elfi Langefeld arbeitete 13 Jahre in verschiedenen Führungspositionen für den Burda Verlag, zuletzt als sogenannter Chief Product Officer.

Ebenfalls zum 1. August feuert Burda Martin Weese, den Chief Digital Officer und Mitglied des Management Boards. Er war seit seinem Einstieg bei Burda International im Februar 2019 für die digitale Transformation verschiedener Geschäftsbereiche zuständig – offensichtlich nicht erfolgreich.

Das alles ist nur der Anfang eines generellen Umbaus im finanziell schwindsüchtigen Burda-Verlag. In den Bereichen Print und Digital soll kein Stein mehr auf dem anderen bleiben, heißt es heute in den Chefetagen und auf den Fluren. Die Häuptlinge treffe es zuerst und viele Indianer in Redaktionen und Verwaltung würden noch folgen.

Entlassungen von Mitarbeitern und Spitzenkräften ließ der Burda-Konzern nach einem exklusiven Bericht von Tichys Einblick Ende Mai noch beiseitewischen. Jetzt kommen die Fakten knapp zwei Monate später auf den Tisch. Nach den drei Topmanagern wird die Entlassungswelle in den nächsten Tagen auch viele Burda-Mitarbeiter in Redaktionen und Verlag voll treffen. Journalistische KI soll künftig viel Redaktionspersonal freisetzen.

Das Haus Burda steckt tief in einer Finanz- und Personalkrise

Das Unternehmen Burda stecke in der Krise, doch der harte Schnitt stehe noch bevor, das befürchtete selbst das Handelsblatt von Verleger Dieter von Holtzbrink mitleidsvoll. „Der neue Medienchef wieder weg, Bambi abgesagt, Holidaycheck vor dem Verkauf – statt Aufbruchstimmung herrscht bei Burda vor allem eins: Unruhe.“ Chaos wäre treffender, wenn man sich im Verlagshaus Burda einmal genauer in den Redaktionen umhörte.

Die prestigeträchtige Bambi-Verleihung im Fernsehen hat Burda komplett abgesagt. Der Konzern begründet dies offiziell mit den „schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ sowie immensem Kostendruck. Was für ein Pleiteeingeständnis.

Die Finanzlage Burdas muss so schlimm sein, dass im Hause sogar der Verkauf der gewinnträchtigen Reiseplattform HolidayCheck sowie weiterer Equity-Beteiligungen geprüft oder gar vorbereitet wird, um den Konzern finanziell abzusichern und Schulden zu tilgen.

Wie bei der schwer angeschlagenen Deutschen Bahn versucht also auch Burda sein Tafelsilber zu verscherbeln, um eine tiefgreifende Finanzkrise zu kaschieren. Wird es helfen?

Die DB AG verkaufte notgedrungen ihre Gewinnsparte DB Schenker und braucht dennoch viele Milliarden Euro des Bundes. Braucht Burda demnächst Geld vom Staat?

Bereits im Mai musste Burda die Reißleine im TV-Geschäft ziehen und seine Burda Studios schließen, da im schrumpfenden Fernsehmarkt keine wirtschaftliche Zukunft mehr in Sicht war. 30 Angestellte verlieren ihren Job, wie Tichys Einblick vorab exklusiv berichtete. Hubert Burda Media bestätigte die Schließung der Bewegtbild-Einheit, während der Konzern die nun anstehenden Pläne zum massiven Stellenabbau zunächst leugnete.

Warum? Der exklusive TE-Bericht im Mai schlug wie „eine Bombe im Aufsichtsrat“ ein, wie führende Burda-Mitarbeiter dieser Tage zugeben. Die Aufsichtsräte fühlten sich von den eigenwilligen Sparmaßnahmen ihres CEO für den Medien-Bereich Jan Wachtel, und der genannten Zahl von 300 Entlassungen regelrecht überrumpelt.

Überhaupt genoss Wachtel im Konzern mit vielen weiblichen Mitarbeitern einen fragwürdigen Ruf als Macho. Der erst im Januar angetretene CEO Jan Wachtel sei mit seinen Sparplänen zu weit gegangen, heißt es heute im Hause Burda.

Die Folge: Der Medienkonzern feuerte seinen Media-Chef zum 30. Juni, da mit ihm kein Konsens über die strategische Neuausrichtung möglich war. Nachfolgerin an der Spitze des deutschen Mediengeschäfts ist als Notlösung nun Elisabeth „Eli“ Varn, die zuvor als Co-Geschäftsführerin des Burda-Verlags agierte. Sie lässt nun ebenfalls munter feuern, weil die Finanz- und Personallage des Konzerns bedrohlich sind.

Die Sparmaßnahmen hatte Burda mit dem Managementwechsel also nur um zwei Monate verschoben. Nun kommen sie halt Ende Juli statt Ende Mai. Auf den Fluren der Redaktionen und großen Medienstandorte in München, Hamburg, Köln, Offenburg und Berlin nennt man diesen Donnerstag bereits den „Tag der Schmerzen“.

Fast überall seien Einschläge zu erwarten, selbst beim früheren Flaggschiff, dem heute schwindsüchtigen und von Verlegertochter Lisa linksgrün ausgerichteten Focus.

Focus Online und Focus sollen zusammengelegt werden, heißt es hinter den Kulissen. Das bedeutet natürlich massiven Personalabbau beim einstigen Nachrichtenmagazin, das oft nur noch grün und beliebig daherkommt. Die zuvor erfolgreiche liberal-konservative Haltung gegenüber dem rot-grünen Spiegel geben die heute meist linksgrünen Redakteure schon seit einigen Jahren auf.

Konservative Autoren wie Jan Fleischhauer oder Helmut Markwort sind ihnen viel zu weit rechts und werden von ihnen intern kritisiert. Der Auflagen- und Leserabsturz ist die Folge. Intern im Vorstand weiß man über die roten Zahlen von Focus bei einer kümmerlichen Auflage von rund 200.000 längst Bescheid. Jetzt kann selbst der große Verleger heftige Einschnitte an seinem früheren Flaggschiff nicht mehr verhindern.

So musste das Handelsblatt dieser Tage zwar zugeben: Größere Unruhe rief allerdings ein Bericht des Portals „Tichys Einblick“ hervor. Dort wurde der geplante Abbau von rund 300 Stellen im Verlagsbereich kolportiert. Nach Informationen des Handelsblatts habe ein Stellenabbauplan in dieser Größenordnung jedoch zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Na klar, niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten. Denn Burda feuerte Wachtel für seine Sparpläne. Nun wissen wir es besser. Die erfolglosen Verlegerkinder Lisa und Jacob müssen nun im Sommer Sparmaßnahmen verkünden lassen.

Die Geschwister Elisabeth Burda Furtwängler und Dr. Jacob Burda haben zum 1. Februar 2025 die unternehmerische und verlegerische Verantwortung für den Medienkonzern Hubert Burda Media vollständig übernommen. Ihr 84-jähriger Vater und Verleger Hubert Burda hat sich aus dem Verwaltungsrat zurückgezogen und das Erbe offiziell übergeben. Aus Verlagskreisen heißt es, die beiden Milliarden-Erben Elisabeth und Jacob würden aus ihrem privaten Vermögen keinen Cent in die Rettung des Konzerns investieren.

Entgegen aller Beschwichtigungen hatte Tichys Einblick jedoch schon Ende Mai von harten Einschnitten berichtet. So manche Medien glaubten diesen öffentlichen Verlautbarungen und Hinhalteparolen der Konzernsprecher. Doch nun isch over mit der Schönrednerei. Es tritt ein, was TE vorausgesagt hat. Der Tag der Schmerzen ist gekommen.

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Kommentare ( 11 )

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burdafan
3 Minuten her

Der Nießbrauch des vererbten Unternehmens liegt weiterhin bei Hubert Burda, weshalb Forbes in seinem Milliardärsranking weiterhin den Vater führt und nicht die Kinder (da sie keinen Zugriff auf das Vermögen haben). Die neue Struktur mit klar getrennten Einheiten rund um Marken/Themen macht es sicher auch leichter, diese dann Schritt für Schritt zu verkaufen – zurück bleibt dann eine Holdingstruktur, die mündelsichere Profite abwirft. Chip und Playboy haben es ja schon vorgemacht, dass der Verlag nur noch die Rechte besitzt und daran Lizenzgebühren verdient und einiges lässt sich auch gut verkaufen. Kürzlich mal wieder beim Arzt in einem Focus geblättert, das… Mehr

Nihil Nemo
4 Minuten her

Wer erinnert sich noch an das Versandhaus „Quelle“? Eben. Wer dem Kunden keinen Mehrwert für sein Leben bringt, verschwindet aus diesem. Und einmal ehrlich, diese Mischung aus KI-Artikeln und Clickbait, die sich „Focus“ nennt, wird niemand vermissen. Möglicherweise liegt das daran, dass der alte Antagonist „DER SPIEGEL“ auch verdientermaßen am absaufen ist, blubb, blubb, blubb. Familie Mohn war da schlauer, neben üblicher Propaganda kann der Staat da auch digitale Überwachungsleistungen einkaufen. Dem Bambi hingegen sagen wir leise „tschüss“. Endlich keine deutschen Mainstreamkleinkünstler mehr, die das Tierchen in einer faden Show in die linke Pfote gedrückt bekommen.

ceterum censeo
6 Minuten her

Burda? Merkel-Liebling? Kann ersatzlos weg!

Mike76
7 Minuten her

Elisabeth und Jacob heißen die verantwortlichen Milliarden-Erben“.
Erben heisst vor allem, Verantwortung übernehmen, die Dinge im positiven Sinne voranzubringen, Werte zu mehren und Sicherheiten schaffen. Wenn dann noch Geld übrig bleibt, kann man sich gerne auch noch gönnerhaft geben.
NICHTS von all dem aber hatten Elisabeth und Jacob im Sinn. Denen ging es primär um die schnelle Kohle und ums großzügige Abgreifen. Vom modernen Verlagsgeschäft hatten beide eh keine Ahnung.

Haba Orwell
17 Minuten her

> Das bedeutet natürlich massiven Personalabbau beim einstigen Nachrichtenmagazin, das oft nur noch grün und beliebig daherkommt.

Das würde KI ebenso schaffen – bei jeder Wettervorhersage den „menschengemachten Klimawandel“ erwähnen, kann man leicht antrainieren. Und an Tagen ohne Sturzfluten die „Wasserknappheit“, für die vom WEF geplante Wasser-Tokenisierung.

murphy
30 Minuten her

Hinzu kommt allerdings auch der Niedergang von Printmedien, weil Handy und Internet-Medien aufsteigen.

Bonzo der Grosse
33 Minuten her

Wie sagt der Amerikaner hier so schön und treffend: Go woke, get broke!
Wäre alles nicht so schlimm, wenn die Burda und Furtwängler Brut. Persönlich dafür haften müsste. Im Deutschland des 21. Jahrhunderts wird vermutlich wieder mal der Steuerzahler in die Pflicht genommen.

Ohanse
34 Minuten her

Burda hat kein attraktives Produkt vorzuweisen. Wenn man nur das macht, was alle machen, geht man im Einheitsbrei einfach unter. Und das macht Burda. Wer sich nur noch als Echoorgan der Altparteien versteht, hat keinen Platz in der Zukunft. Und deswegen geht Burda unter. Jetzt ein bißchen, morgen ein bißchen mehr, und übermorgen kennt den Namen Burda niemand mehr.

Donostia
39 Minuten her

Go woke get broke. Sie ernten die Früchte ihrer Aussaat. Lernen durch Schmerzen nennt man das wohl.

U.S.
44 Minuten her

Die vielen frei werdenden Büro Räume könnte BURDA untervermieten als Asylanten Räume: ( sichere Einnahmen 💰💰durch Staat).