Rainer Wendt: Deutschland wird abgehängt

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft ist kein Miesmacher, für ihn ist Deutschland ein großartiges Land. Doch wenn das so bleiben soll, müssen die drängenden Zukunftsfragen ohne Aufschub angegangen werden. Wo es hakt und woran das liegt, analysiert er schonungslos in seinem neuen Buch.

© Imago/Horst Galuschka

Rainer Wendt ist dafür bekannt, dass er keineswegs durch politisch-korrekte Verklausulierungen auffällt oder seine Schriften in wohlfeiler Prosaform abfasst. Der streitbare Gewerkschaftschef ist es gewohnt, unverblümt die Finger in die Wunde unseres Gemeinwesens zu legen. Dabei wird auf Befindlichkeiten der Apparatschiks und Nomenklatura keine Rücksicht genommen, da diese „in die parlamentarische Parallelwelt der Ausschüsse, Arbeitskreise, Gipfelgespräche oder Koalitionsrunden entschwebt“ sind – wie er schreibt.

Währenddessen der DGB in Frankfurt der Antifa seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellte und eine polizeiliche Konkurrenzgewerkschaft Arbeitsgruppen darüber bildet, wie man mit „Rechten“ umgeht und damit offensichtlich auch die eigenen Polizisten meint, geht Wendt deutlich tiefer. Wenn die Demokratie immer weniger Anhänger findet, so darf man nicht die „falschen“ Meinungen bekämpfen, sondern muss Ursachenforschung betreiben und Missstände abstellen. Denn es muss Gründe geben, warum es uns zwar wirtschaftlich vergleichsweise (noch) sehr gut geht, aber die Stimmung im Land immer schlechter wird. Der versierte Redner nannte in einem Vortrag als Ursache für den Rückzug des Rechtsstaates die Nachwendezeit: Es habe damals der Irrglaube einer Europabesoffenheit geherrscht, dass man von Freunden umgeben sei und es bald nur noch Frieden, Freiheit und Demokratie gebe.

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Ich habe vor kurzem gelesen, dass Die Linke in Sachsen beschlossen hat, die Bereitschaftspolizei und den Verfassungsschutz abschaffen zu wollen. Andernorts beanspruchen Familienclans ganze Straßenzüge für sich als „Revier“, Links- und Rechtsradikale leben ihre Gewaltphantasien aus, Asylbewerber mit einem überzogenen Anspruchsdenken rasten aus, wenn ihre Wünsche nicht sofort erfüllt werden. Eine marode Infrastruktur, ein kaputtgespartes Bildungssystem, eine fragwürdige Flüchtlingspolitik u.v.m. nennt der Autor als einen Teil gesellschaftlicher Zerfallsprozesse und lässt dabei nichts aus. Ausbaden müssen es über die Polizei hinaus „nahezu alle Menschen, die in irgendeiner Weise für unser Gemeinwesen arbeiten und für andere da sind: Lehrerinnen und Lehrer, Pflegepersonal in Krankenhäusern, Beschäftigte in Jobcentern und Finanzbehörden, Zugbegleitpersonal in den Bahnen oder Kommunalbeschäftigte in Rathäusern und Bürgerzentren. Was wir erleben, ist ein nie gekanntes Ausmaß an Staatsverachtung und Gewaltbereitschaft.“

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich bestätigen, je größer der Verfall, desto bombastischer werden die Hochglanzprojekte, die mit maximalem Eigenlob durch Politiker und Behördenleitung in die Öffentlichkeit transportiert werden. Zum Beispiel suggerieren, nach jahrelangem völlig verantwortungslosen Stellenabbau, aufreizende Werbeplakate und Videos mit jungen attraktiven Polizistinnen nur noch eine geschönte Seite der Medaille. Was vor Jahren unwahrscheinlich war, ist inzwischen in Deutschland längst Realität: Auch Frauen in Uniform werden verstärkt angegriffen, geschlagen und teilweise lebensgefährlich verletzt. Das betrifft ebenso die fleißigen Mitarbeiterinnen der anderen zuvor genannten Berufe. Die Zeiten haben sich auffallend geändert, da helfen auch all die triumphierend vorgetragenen Statistiken nichts. Kriminalitätsbedrohung ist weniger subjektiv, sondern primär ein harter Ernstfall des Lebens. Rainer Wendt hat Lunte gerochen und die politisch gelegte Spur bis in die gesellschaftliche Sackgasse verfolgt und enttarnt. Volltreffer!

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Ich kenne die Antwort nicht, Rainer Wendt auch nicht. Einst waren Behördenleiter hervorragende Fachleute. Für die „gute Laune“ in den Ämtern sollen immer mehr Spitzenbeamte sorgen, die von den zuständigen Politikern nicht mehr nach „Eignung und Befähigung“ – sondern nach politischem Gutdünken ausgesucht werden, damit sie die parteilichen Vorgaben bis zum letzten Glied in der Befehlskette durchsetzen sollen. Wendt bringt es wieder einmal auf den Punkt: „Solches Verhalten ist einer Demokratie unwürdig.“ Dementsprechend hoch ist auch der Krankenstand in den Mannschaften, möchte ich gern ergänzen. Wer keine individuelle Rettungsinsel für sich findet, kann dabei schnell ertrinken.

Der Autor vergisst nicht, den verstärkten „Kampf gegen rechts“ zu erwähnen, der tatsächlich ein Kampf gegen die ist, die nicht links sind. Gefangene werden nicht mehr gemacht, ebenso wenig wie die Unterscheidung zwischen »rechts« und »Rechtsextremismus«. Dieser krampfhafte Kampf soll der Kitt sein, der die Gesellschaft zusammenhält, um unliebsame politische Beschlüsse kritiklos durchzuwinken. Ein Plan mit Feindbild, der früher oder später zum klassischen Eigentor wird.

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Rainer Wendt analysiert die dazugehörige Rolle der Medien, die sich stark gewandelt hat: „Das erste Regelsystem besteht in der Auswahl berichtenswerter Ereignisse nach Maßgabe ihres Nachrichtenwerts, das zweite aus einer Reihe von attraktionssteigernden Inszenierungsformen für das so ausgewählte Nachrichtenmaterial, um das Publikumsinteresse anhaltend zu sichern.“ Bei vielen Journalisten greift längst die Schere im Kopf.

Für eine „Zensur durch die Hintertür“ werden externe Unternehmen durch das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ oder mit staatlichen Fördergeldern bedachte Institutionen, wie zum Beispiel die „Amadeu Antonio Stiftung“ verpflichtet. Dass dieser Umstand vielen Ostdeutschen noch bekannt vorkommt, bestätigte Wendt ein Taxifahrer aus dem Osten, der sich inzwischen (wieder) wie in der DDR fühlt: „Gelernt ist gelernt: Klappe halten.“

Rainer Wendt ist kein Miesmacher, für ihn ist unser Deutschland ein großartiges Land, sein Buch beschäftigt sich mit den jetzt schon anstehenden Zukunftsfragen, die keinen Zeitaufschub dulden. Viel Zeit zur Korrektur bleibt nicht mehr, wir haben noch nicht einmal damit angefangen, wie er betont. Es geht ihm um die schlechte Politik der Macher. Der Autor: „Davon haben wir in Deutschland leider jede Menge“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Rainer Wendt, Deutschland wird abgehängt. Ein Lagebericht.
Riva, 192 Seiten, 19,99 €.


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Zu meinem Beitrag unten „Auch ich kann das bis heute nicht vergessen …“:

Der letzte Abschnitt muss wie folgt lauten, ein Teil ist da irrtümlich auf der Strecke geblieben:

Zudem erinnere ich mich noch, dass er zu jener Zeit – offenbar um nicht aus der Gemeinschaft der „rechtgläubigen“ CDUler ausgeschlossen zu werden – heftig gegen die AfD, also den Überbringer der schlechten Nachrichten und nicht gegen den Verursacher, ausgekeilt hat.

Unanbhängig vom Inhalt, halte ich „wird abgehängt“ nicht für die passende Bezeichnung des Prozesses den Deutschland derweil beschreitet.

Abgehängt würde passen wenn sich die Deutschen oder ihre politische Klasse nicht genügend anstrengen würde, wenn man es einfach „nicht besser wüßte“ oder andere Länder einfach besser regiert würden.

Deutschland wird aber „nach hinten durchgereicht“ , wird wissend und wollend abgewickelt. Es ist ein vorsätzliche Pleite, kein auf negativen Umständen basierender Konkurs.

Durch Merkels einsame Entscheidung 2015 hat sich Deutschland abgehängt. Endlose Debatten über Flüchtlinge, von den immensen Kosten ganz zu schweigen. Was hätte man mit diesem Geld alles bewerkstelligen können. Stattdessen fliessen jetzt die Gelder in Milliarden per Western Union aus Germany ab. Das Geld der Steuerzahler wird von der Politik veruntreut. Ganz zu schweigen von den Kindern, die jetzt mit anderen Kindern mit Migrahigru in den Klassen sitzen. Deren Bildungschancen gehen doch gegen 0. Damit ist die nächste Generation schon gegen die Wand gefahren. Industrie und Stromversorgung wird ebenfalls massiv torpediert. Deutsche und Eu Politik begehen Selbstmord. Abgehängt hat die… Mehr
Nun, ich Teile die Sicht des Autors nicht. Er, Herr Wendt und der größte Tel der Beamtenschaft lebt gut vom öffentlichen Dienst und sagt nicht, da mache ich nicht mehr mit, weil… Die Schulabgänger drängen in den öffentlichen Dienst für ein bequemes Leben. Es steht jedem Polizisten frei, sich nicht beleidigen oder verhauen zu lassen. Es steht jedem frei, in Clangebiet zu gehen und das Hausrecht auszuüben, er muss nur bereit für eine adressatengerecht Ansprache sein. Es steht jedem frei, zu sagen, ich möchte nicht mit einer 1,60 m großen und 50 Kg schweren Püppi, also Einzelstreife fahren. Im Krankenhaus… Mehr

Theoretisch in einer perfekten Welt richtig.
Praktisch kann ich mir dann für meine aufrichtige Haltung keine Wurstsemmel als Mittagessen leisten, weil ich rausgeschmissen wurde und mich in meinem erlernten Beruf keiner mehr nimmt, weil entweder zu spezialisiert, oder bereits zu alt, oder wegen schlechtem Führungszeugnis.

Vergessen sie den Vorführeffekt nicht, den ein Herr Maaßen liefern musste.
Oder glauben sie, diese öffentliche Hinrichtung, war nur für diesen Herrn bestimmt?
Hier ging es vor allem darum, den vielen anderen Aufmuckern zu zeigen, wo der Hammer hängt und was mit ihnen passiert, wenn sie aufmucken.

Die Journaille war und ist willfähriger Helfer bei solchen Hinrichtungen!

In der freien Wirtschaft trifft das bedingt zu, wenn man es scheut oder nicht kann, sich selbständig zu machen. Aber im öffentlichen Dienst ist doch die härteste Konsequenz, im Eingangsamt zu bleiben. Die A7 muss man mit Steineschleppen erst mal verdienen. Von daher: Im öffentlichen Dienst braucht sich niemand beschweren und wenn er verhauen wird, ist es seine eigene Schuld..

Herr Wendt, die Korrektur kommt nicht, weil politisch nicht erwünscht. Es wird nur geredet, damit der Bürger denkt, es geschieht etwas.
Die Ossis haben kapiert was hier los ist, weil sie es noch kennen, aber selbst das wird von den etablierten Parteien mit „Abgehängtsein“ begründet.
Die Wahlen im Osten werden es zeigen und ich hoffe auf eine deutliche Klatsche an die Altparteien.

Deutschland ist nicht mehr wirklich eine Demokratie. Die Altparteien haben sich den Staat zur Beute gemacht und damit begann der Untergang.

„Ein Plan mit Feindbild, der früher oder später zum klassischen Eigentor wird.“

Das wahrlich bizarre daran ist, dass die Mehrheit der CDU dabei mitmacht: Die äußerst knappe Wahl von AKK hat gezeigt, dass die Union zutiefst gespalten ist und ich hoffe inständig, dass sie bald den Weg der SPD beschreiten wird: Den, in die Bedeutungslosigkeit.

Wieso macht diese Partei bei deutlich konservativen Mehrheiten im Bundestag (CDU/CSU, FDP und AfD) bei diesem Kamikazekurs ihrer nurnoch Kanzlerin eigentlich noch mit!? Selbstmord aus Feigheit vor dem Tod?

„Ich hoffe inständig, dass sie [die CDU] bald den Weg der SPD beschreiten wird: Den, in die Bedeutungslosigkeit.“ Sehen Sie, genau hier wird Ihnen Rainer Wendt die Gefolgschaft verweigern – und deshalb begegne ich auch ihm, selbst wenn seine Diagnosen vielfach treffend sind, mit einer gewissen Skepsis, da auch er beim Waschvorgang offenbar nicht allzu nass werden möchte. Er ist nämlich nach wie vor begeisterter CDUler, beklatscht die Kanzlerin des Unheils und weigert sich, Merkel für das Angerichtete offen zu kritisieren, drischt indes gerne auf die AfD ein, also auf den Überbringer der schlechten Nachrichten, nicht auf die Verursacher. Hier… Mehr
Sonntag nachmittag im Park … Sonne, viele, sehr viele Menschen. Davon die Mehrheit mit sichtbarem Migrationshintergrund. Wasserpfeifenraucher sitzen friedlich um ihre Blubbervase herum und unterhalten sich leise. Viele Kinder, durchweg gut angezogen, sauber und teils afrikanisch „frisiert“. An der Hand der Eltern, auch gut angezogen. Junge Mädchen mit und ohne Kopftuch, peinlich sauber gekleidet. Keine zerrissenen Hosen, keine Jesuslatschen. Man plaudert, kaum ein lautes Wort, ist höflich. Niemand ist betrunken, alkoholische Getränke sind nicht zu sehen. So gut wie keine Hunde. Ein Geburtstagsfest für die Kinder, exakt vorbereitet und ausgestattet. abfälle liegen unter den überquellenden Körben, die Stadtreinigung hat Feiertag,… Mehr

Nanu, nur Minus 5?

Das freut mich, denn das Geschriebene sollte weniger als Eloge auf die Multikulturalität, um so mehr aber als Phillipika auf die Haltung der Bio-Bevölkerung dienen.

Ist diese überhaupt noch zu retten … ? Respektive die berühmten 80 %?

Hallo Hadrian17,
zwei Seiten einer Medaille. Hüben wie drüben gibt es Solche und Solche. Auch ich würde bei diesem Anblick ins grübeln kommen. Aber nicht wirklich. Ich habe auch schon die gegenteilige Erfahrung gemacht.

Und minus 7? Also ehrlich liebe Mitforisten! Es ist die Wahrnehmung von Hadrian17. [facepalm]

Sie haben recht:Volltreffer!
Ich habe noch in Erinnerung das man diesen aufrechten Mann der sich kein X für ein U vormachen lässt auch schon mit „unlauteren“ Mitteln mundtot machen wollte,zum Glück hat er das überstanden!
Das „unsere“Politiker sich sehr gerne mit zwielichtigen „Helfern“ umgeben ist ja auch nichts neues,das ist seit Beginn der Merkel-Zeit 2005 eine gewachsene Struktur geworden,es wird jedem etwas dazu einfallen.

Rainer Wendt hat mit seiner Sicht Recht,es ist schon fast zu spät,aber noch kann man handeln.

Ein schöner und absolut zutreffender Lagebericht !

ABER, … der ist doch nicht neu; …oder ?