CDU, SPD und CSU zerrten 131 Soldaten der Bundeswehr vor Gericht

Die von Jens Spahn inszenierte „Corona-Aufklärung“ dient vor allem dem Zweck, dass ihm verziehen wird. Doch es dringt genug Belastendes an die Oberfläche. Etwa die Urteile gegen Soldaten, die wegen christ- und sozialdemokratischer Politik vor Gericht landeten.

picture alliance/dpa/dpa-Pool | Sina Schuldt

Die Werbung der Bundeswehr ist im deutschen Stadtbild kaum zu übersehen. Busse sind bedruckt mit den Slogans, Werbetafeln sowieso. Ein Motiv verspricht: „Mit Mach2 für die Freiheit fliegen“. Als Verteidiger der Freiheit sieht sich die Bundeswehr seit ihrer Gründung. Lange Zeit völlig zu Recht. Bis Angela Merkel (SPD) und Olaf Scholz (SPD) Kanzler wurden und faktisch eine Impfpflicht für Soldaten einführten.

Mit der Impfpflicht für alle scheiterte Olaf Scholz im Frühjahr 2022 als Kanzler im Bundestag. Doch bereits seit dem 24. November 2021 gilt die Covid-Impfung als Basis-Impfung für Soldaten. Die große Koalition hat sie also unter Kanzlerin Angela Merkel in der Übergangszeit zwischen Bundestagswahl und Gründung der Ampel veranlasst – Scholz hat daran festgehalten. Unter seinen Genossen und Verteidigungsministern Boris Pistorius und davor der legendär überforderten Christine Lambrecht.

Seitdem hat die Bundeswehr 131 Soldaten vor Gericht gebracht, die sich der von Merkel und Scholz befohlenen Impfpflicht widersetzt haben. 33 Soldaten wurden dafür von Gerichten verurteilt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage hervor, die Birgit Bessin, Martin Sichert und Christina Baum (alle AfD) gestellt haben. Einige dieser Urteile führten sogar zu Haftstrafen.

Die Bundestagsabgeordneten der AfD mussten mehrfach anfragen, bevor die christ- und sozialdemokratischen Regierungen antworteten. Und auch die Regierung Friedrich Merz (CDU) ziert sich noch mit Antworten. So kann oder will sie nicht sagen, wie viele außergerichtliche Disziplinarmaßnahmen es wegen verweigerter Impfungen gegen Soldaten gab oder wie viele Soldaten die Impfungen verweigert haben.

Zwar tun die Christ- und Sozialdemokraten von damals so, als ob sie eine Aufarbeitung der Corona-Zeit wünschten. Doch in Wirklichkeit geht es ihnen um eine Absolution. Eine, die dem Leitsatz Jens Spahns folgt, damals Gesundheitsminister und heute Fraktionsvorsitzender der Union – wonach man sich später viel zu verzeihen habe. Damit ist aber gemeint, dass einfache Bürger wie Soldaten den Politikern verzeihen sollen. Nicht umgekehrt. Die regierenden Politiker lassen einfache Bürger wie Soldaten weiterhin gnadenlos von der Justiz verfolgen.

Doch selbst die real existierende Corona-Aufklärung im Bundestag lässt eine üble Sicht auf die Politiker von damals zu. Obwohl diese Aufklärung von einst und heute verantwortungslosen Politikern wie eben Spahn eigentlich zum sich selbst verzeihen gedacht ist. So nannte Hans-Georg Maaßen (Werteunion) als Experte in der Enquete-Kommission die Corona-Politik Merkels, Scholz’, Spahns und Co „eine Bewährungsprobe für die freiheitliche Grundordnung, die nicht bestanden“ worden sei.

Die Machtverhältnisse haben sich laut Maaßen von der Legislative hin zur Exekutive verschoben. Sprich: Das Parlament hat seine Rechte aufgegeben – zugunsten der Regierung: „Informelle, im Grundgesetz nicht vorgesehene Gremien“ hätten sich zu „faktischen Entscheidungszentren“, entwickelt. Die Arbeitsfähigkeit des Parlaments sah er in der Pandemie eingeschränkt: Über Gesetz sei teils in wenigen Stunden entschieden worden. Sein Fazit: „In der Gesamtschau ergibt sich das Bild eines systemischen Multi-Organ-Versagens in der Gewaltenteilung.“

Der Jurist Uwe Volkmann gab zu bedenken, dass die Steuerungskraft der Verfassung in Krisen begrenzter sei, als man oft meine. Es habe die Devise vorgeherrscht, bilanzierte der Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main: „Je größer die Gefahr, desto größer können die Einschränkungen sein.’“ Relativ viel sei an dem vorbeigelaufen, was die Verfassung vorgeschrieben habe. „Der Bundestag ist relativ spät eingeschaltet worden.“ Auf Basis einer Generalklausel im Infektionsschutzgesetz sei das ganze Land „rauf und runter gefahren worden“. Dies sei ein verfassungsrechtliches Problem.

Jens Spahn wurde für seine Maskendeals juristisch nie belangt. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat ihn als Fraktionsvorsitzenden zu einem der – wenn auch chronisch überforderten – wichtigsten Männer seiner Amtszeit gemacht. 131 Soldaten mussten hingegen vor Gericht für die fachlich attestierten verfassungsrechtlichen Probleme bezahlen. Christ- und Sozialdemokraten haben bewiesen, dass sie als ihre Dienstherren bereit sind, mit Gewalt in ihre private Hoheit einzugreifen. Angehende Soldaten müssen sich also entscheiden, ob sie Fliegen mit Mach2 oder die Freiheit wählen.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 24 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

24 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
ralf12
1 Monat her

Das ist typisch für dieses Land. Es werden die in den Allerwertesten getreten, die es verteidigen wollen (Bundeswehr) Es werden die in den Allerwertesten getreten, die für Wachstum und Wohlstand sorgen wollen (Unternehmer und ihre Mitarbeiter). Daraus folgt: Wer jetzt noch in die Bundeswehr geht oder ein Unternehmen in Deutschland gründet oder als junger gut ausgebildeter Mensch eine Stelle in Deutschland sucht, muß mit dem Klammerbeutel gepudert worden sein. Selbiges trifft auf Kartellparteiwähler zu.

luxlimbus
1 Monat her

Von rund 185.000 Soldaten sind bloß 131 zum eigenständigen Denken befähigt! Welchen Fortschritt gegenüber dem Landser, will die neue Republik eigentlich für sich in Anspruch nehmen?!

Silverager
1 Monat her
Antworten an  luxlimbus

@luximbus, richtig.
So herum muss man es sehen, damit man die untertänige Haltung der Mehrheit der sogenannten „Bürger in Uniform“ erkennen kann.

albert deutsch
1 Monat her

Wer mit dem Teufel essen will ,braucht einen langen Löffel .

HavemannmitMerkelBesuch
1 Monat her

Wieviel deutlicher muß denn noch werden, das nie da Demokratie herrscht, wo sie herrschen sollte und müßte, erst Recht nie dort, wo sie immer so gerne auf der Zunge liegt? Inzwischen brauchen Ministerpräsidenten schon nicht einmal mehr zurück treten, die einen Doktortitel betrügerisch erschummelten und solche Betrüger haben weiterhin Zugang zu institutioneller Staatsgewalt. Alles Lamentieren bringt nichts, flieht Ihr Narren sage ich nur noch. Wer bleibt ist halt dumm, war schon immer so…

EndofRome
1 Monat her

Wieviele Bw-Soldaten haben denn einen „Impfschaden“ davon getragen ? In der kanadischen Armee (66 000 Mann/Frau) haben deswegen 350 Soldaten eine Sammelklage vor dem Obersten Gerichtshof eingereicht. Das sind 0, 5 Prozent! Übertragen auf die Bw müssten wir dann von 900 Geschädigten sprechen.

Sonny
1 Monat her

Wer sich in Deutschland auf unser Grundgesetz verläßt, hat schon verloren.

Stormaner
1 Monat her

Es ist erst vorbei, wenn die Corona-Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt sind. Solange dies nicht erfolgt ist, macht der Dienst für das Land keinen Sinn. Auch hier sollte gelten: Kein Vergeben, kein Vergessen.

Freiheit fuer Argumente
1 Monat her

Die Werbung für die Bundeswehr dient vor allem der Finanzierung der Applaus-Medien. Angefangen bei Ströer/t-online mit ihren Zwangsglotzen an jedem Bahnhof.

Egozentrik
1 Monat her

Es gibt, Gott sei Dank, so Möglichkeiten, dem Wehr- bzw. Kriegsdienst zu entgehen; hier einige: Nicht geimpft werden zu wollen (wobei Corona-Impfung überhaupt keine Impfung ist, denn es wird kein abgeschwächter Virus gespritzt, sondern eine Substanz, die die Eigenimmunisierung verhindern soll, also selbst ein verbotener Kampfstoff ist!). Zweitens könnte ein junger Mann sagen, er sei ein potenzieller AfD-Wähler, und wenn das nicht hilft, sich als AfD-Mitglied eintragen zu lassen – eventuell verlangt die AfD dafür nicht einmal einen Mitgliedsbeitrag …? Auch so sorgen die CDU/CSU für ein Wachstum der AfD!

Last edited 1 Monat her by Egozentrik
Strix Nebulosa
1 Monat her

Solange diese Soldaten nicht rehabilitiert, entschädigt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden, erübrigt sich jegliche Diskussion über eine Wehrpflicht.