Freiheit und Wohlstand im äußeren Frieden von innen zerstört

Wie sich die Lage der Berliner Republik als klassischen Fünfakter „Deutsche Tragödie der 2020er“ zeigen lässt und welche Staatskrise nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt drohen kann.

Bundespräsidenten werden nur angeblich gewählt. In der Wirklichkeit des Parteienstaats werden sie von demselben Dutzend Fraktions- und Parteioberen ausgekungelt wie vieles andere auch. Wie bei den Bundesverdienstkreuzen für Politiker nach einem ungeschriebenen Proporz jeder mal drankommt, wäre nun der Hosenbandorden Bundespräsident für die CSU an der Reihe: Ilse Aigner. Nach Forsa für RTL/ntv halten 47 Prozent Angela Merkel für geeignet (Ilse Aigner 26 Prozent). Merkel ließ schon vor einiger Zeit verlauten, dafür stünde sie nicht bereit. Aber was bedeutet das schon in Zeiten einer sich anbahnenden Staatskrise? Nichts.

Viele werden sagen, aber doch nicht Merkel, bei all dem, das sie dem Land angetan hat. Ja, das hat sie – und wie. Aber was auch wer von der durchschnittlichen Kader-Kommunistin hält, Merkel hat von ihrer Kanzler-Macht Gebrauch gemacht. In diesen Tagen steht sie in den Augen der Mehrheit haushoch über einem Merz, der nur den Sessel der Macht be-sitzt und aus dessen Macht nichts macht. Und die Masse ist noch zu allen Zeiten der Macht nachgelaufen – nicht der Ohnmacht.

In ihrer Verzweiflung über ihr eigenes Versagen ist nicht ausgeschlossen, dass Merz, Klingbeil, Dröge und Reichinnek zum Rettungsanker Merkel greifen, damit es wenigstens eine Respektsperson im Berliner Politstadel gibt. – Sie sagen, der Schreiber spinnt wohl, das ist doch nicht möglich? Der Parteienstaat hat mit seinem Geschöpf des Berufspolitikers eine Staatskaste geschaffen, bei der alles möglich ist außer Politik für die Bürger.

Merkel als Bundespräsident, diese Vorstellung hat mich angeregt, mir die Lage des Landes als klassischen Fünfakter „Deutsche Tragödie der 2020er“ vorzustellen. Nebenbemerkung: Merz könnte das mitmachen (müssen), obwohl er wissen müsste, bei einem Bundespräsidenten Merkel geriete er von dem – von Merkel installierten – Niesel-Regner Steinmeier vollends in die Merkel-Traufe. – Ob aber Merz überhaupt noch Kanzler ist, wenn der nächste Bundespräsident bekannt gegeben wird?

Im ersten Akt – der Exposition – Darstellung der Situation, von der die Handlung eines Dramas ihren Ausgang nimmt, hinterließ Merkel den kopflosen Ausstieg aus der Atomenergie, den blinden Einstieg in die kulturfremde Masseneinwanderung und den Rechtsbruch im Corona-Regime dem Ampelkanzler Scholz.
Im zweiten Akt – der Komplikation –, der steigenden Handlung, entfalteten sich die Konflikte weiter, die Verwicklungen nahmen zu. Die Ampelkoalition steigerte die Fehler und Versäumnisse der Merkel-Zeit und verschluckte sich an ihrer Schuldentrickserei.
Im dritten Akt – dem Klimax – trat der zentrale Konflikt in seine entscheidende Phase, Friedrich Merz kaufte die Kanzlerschaft mit der Schuldenkapitulation und gehorchte fortan den Weisungen der immer noch kleiner werdenden SPD.
Im vierten Akt – der fallenden Handlung, entfalteten sich die Konsequenzen des Klimax, explodierten die Folgen der Schuldenkapitulation. Versuche, das Unheil abzuwenden, scheiterten. Den Bürgern immer mehr Geld abzunehmen und immer weniger Leistungen zu liefern, kein Geld für sie und die Infrastruktur des Landes zu haben, aber grenzenlos für den Ukrainekrieg, die kontraproduktiv Zugewanderten und „Entwicklungshilfe“ an Zuwanderungsländer, trieb der Kreditunwürdigkeit des Staates zu. Der kopflose Kampf zur Verhinderung der AfD an Recht und Gesetz vorbei drohte zur Rechts- und Staatskrise zu werden.
Im fünften und letzten Akt – der Katastrophe – , handelt es sich nicht im modernen Sinne des Wortes um ein Unglück, sondern im griechischen Sinne um eine finale Umkehr: καταστροφή „Umwendung.“

Nicht verschweigen darf und möchte ich, die Vorstellung, die Hauptschuldige der Deutsche Tragödie der 2020er, die Person Angela Merkel, im fünften Akt samt Tragödie untergehen zu sehen und das Land zur Ordnung zurückkehren, ist eine schöne Aussicht.

Die stillschweigende Voraussetzung der Einhaltung von Recht und Gesetz ist seit der Kanzlerschaft Merkel nicht mehr gegeben. „Volk“ im Grundgesetz interpretierte sie einfach von deutsche Staatsbürger um in alle, die hier leben. Die Grenze geöffnet hat sie 2015 per mündlicher Weisung an Recht und Gesetz vorbei. Die Wahl eines Ministerpräsidenten ließ sie rückgängig machen. Mit ihrer Corona-Politik setzte sie so viel Freiheit der Bürger außer Kraft wie noch nie in der BRD. Und jedes mal folgten ihr die Hörigen des Parteienstaats. Denn sie laufen der Macht um so mehr nach, um so mehr Angst sie macht und desto hemmungsloser sie tobt.

Vor der Bekanntgabe des nächsten Bundespräsidenten 2027 sehe ich zwei Szenarien in Sachsen-Anhalt nach dem 6. September.

Szenario Brandmauer. Selbst wenn die AfD von 43 Umfrage-Prozenten noch höher käme, die Instrumente des real existierenden Wahlverfahrens reichen, um Fünf-Prozent-Bedrohte wie SPD, Grüne und FDP bei der Urnenwahl, der Briefwahl, der Auszählung und Meldung der Zählergebnisse an den Landeswahlleiter über die Fünf zu lupfen. (Hätte die Nachzählung der Bundestagswahl stattgefunden, wären auch genug Stimmen für das BSW gefunden worden, um es in den Bundestag zu bringen.)

Szenario Obstruktion von oben. Versagte das „Korrektur-Verfahren“ und die AfD könnte allein oder zusammen mit dem BSW einen Ministerpräsidenten wählen, könnte der Parteienstaat die Merkel-Methode anwenden. Der Landtagspräsident ist nach Recht und Gesetz verpflichtet, den neuen Landtag einzuberufen. Was aber, wenn er das einfach nicht tut? Gesetzt den Fall, das Landes-Verfassungsgericht forderte den Landtagspräsidenten (nach einem zeitfressenden Verfahren) auf, den Landtag einzuberufen – was geschieht, wenn er es nicht tut? Gesetzt den noch unwahrscheinlicheren Fall, das Bundesverfassungsgericht verlangte es, aber der Landtag würde nicht einberufen, was dann?

Das Land wäre objektiv in einer Rechts- und Staatskrise. Verfassungsrechtler würden erklären, warum das alles nicht geht. Doch erzwingen kann das legal niemand, weil der Fall der Nichtbefolgung von Verfassung, Recht und Gesetz durch die staatlichen Institutionen und ihre Vertreter selbst kein Mittel vorgesehen ist. Wie eine solche Krise trotzdem zu einer Lösung führt, kann und wird also nur die Probe aufs Exempel zeigen.

Bis dahin regierte der abgewählte Ministerpräsident weiter und weiter. In jedem Fall über die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am 20. September hinaus. Eine Obstruktion von oben in Sachsen-Anhalt kann sich auf die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht zugunsten der Staatsparteien auswirken. Aber auch dort steht das beschriebene Instrumentarium zur Verfügung.

Fest steht nur: Den Hundstagen des Hochsommer-Wetters folgen die Hundstage des Parteienstaats-Septembers. Und im Oktober wissen wir mehr.

Nach den Wendezeiten der 1820er- und 1920er-Jahre sind viele unsicher, woran sie sich in denen der 2020er orientieren können. Ihnen biete ich ein Freiheitsprinzip als einfachen Maßstab an:

Die persönliche Freiheit des Einzelnen, sein Eigentum und seine Gleichheit vor dem Gesetz sind unantastbar.
Wer dem Freiheitsprinzip des Westens nicht folgt, muss seine Länder verlassen.
Länder ohne praktiziertes Freiheitsprinzip gehören (noch) nicht (wieder) zum Westen.

♦ ♦

Nachdem dieses Jahr alte Bauernregeln das Wetter erstaunlich genau trafen im Unterschied zu den Klimapropheten, könnte ja die nächste Bauernregel auch stimmen – durch den von Berufspolitikern gemachten Energiewandel drohte für Bürger und Wirtschaft eine Katastrophe:

„Ist’s von Petri bis Lorenzi heiß, dann bleibt der Winter lange weiß.“ – Petri-Tag ist der 1. August und Lorenzi-Tag der 10. August.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 73 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

73 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Lizzard04
20 Tage her

„Gesetzt den noch unwahrscheinlicheren Fall, das Bundesverfassungsgericht verlangte es, aber der Landtag würde nicht einberufen, was dann?“ Guter Gedanke, aber falsch! Mittlerweile sitzen die Vertreter des Parteienstaates ganz vorne im BVerg. und würden zwingend, vermutlich mit einer Einhundert seitigen, für den Normalbürger völlig unverständlichen Begründung, dem staunenden Dummvolk im Lande erklären, dass für „ihre Demokratie“ jetzt Opfer gebracht werden müssen und die Wahl nicht rechtens sei!

EinBuerger
20 Tage her

Aus meiner Sicht bestand das System Merkel aus folgenden Punkten: Merkel ist eine verschlossene, mißtrauische, deshalb eher zurückhaltende Person. Das kam bei Wählern als bieder und ruhig gut an. Merkel hat sich mit den wichtigsten Medien sehr gut gestellt. Deshalb berichteten sie wohlwollend über sie. Merkel gab der SPD und den Grünen, was die wollten. Da die meisten Journalisten linksgrün sind, hat das auch ihrer Darstellung in den Medien genutzt. Mit der Unterstützung der von den Medien gemachten veröffentlichten Meinung hat sie die CDU, die sowieso nur regieren will, beherrscht. Die hat dann gemacht, was immer Merkel wollte. Merkels Probleme:… Mehr

Retlapsneklow
20 Tage her

Bei diesem Angebot bin ich für Fritz Goergen als Bundespräsident.

Logiker
20 Tage her

Bruno Moravetz fragte 1980 legendär: „Wo ist Behle?“

Ich frage mal: „Wo ist Merz?“

Kassandra
20 Tage her
Antworten an  Logiker

So verschwunden wie der war Kohl nie.
Auch wenn er da ist – ist er es nicht wirklich.

Freigeistiger
20 Tage her

Merkerl als Bundespräsidentin, dann gute Nacht. Sie kann in diesem Fall das Licht ausmachen nach dem, was sie Deutschland angetan hat.

Kassandra
20 Tage her
Antworten an  Freigeistiger

Tja. Die Kirsche auf der Torte.
Schade, dass die Sahne schon lange gekippt ist.

horrex
21 Tage her

Obige 47% für „M.“ haben mich „erschüttert“. Diese 47% haben die Dame wirklich „verdient“! • Ja, ich, ein lebenslanger gnadenloser Optimist glaube inzwischen – wie hier mehrfach dokumentiert – dass wir quasi zwangsweise „erst noch ganz unten durch müssen“ bevor es irgendwann einmal wieder bergauf gehen kann. Achzig Jahre Frieden, jährlich wachsender Wohlstand, weitgehende „Ordnung“ … das ist offenbar für viel zu Viele zu viel des Guten. – Das hält offenbar kein Land aus. – Geschweige denn dessen „Volk“! – Gnadenlose Degeneration – vom stinkenden Kopf bis zu den stinkenden Füssen – ist unübersehbar! F A S T (!!!) –… Mehr

Sagen was ist
20 Tage her
Antworten an  horrex

Nicht zu vergessen:

INEPTOKRATIE

[Herrschaftsform, in der die Unfähigsten von den Unproduktivsten gewählt werden, wobei die Mitglieder der Gesellschaft, die sich am wenigsten selber erhalten wollen oder gar Erfolg suchen, mit Gütern und Dienstleistungen belohnt werden, die aus dem konfiszierten Wohlstand einer schwindenden Anzahl wertschaffender Leistungsträger bezahlt werden]

Yani
21 Tage her

“…die Hauptschuldige der Deutsche Tragödie der 2020er, die Person Angela Merkel…”
Das ist so dermassen typisch für die obrigkeitsfixierte westdeutsche Mentalität. Merkel hat eure feuchten Träume Realität werden lassen. Erinnert sei an die unzähligen Massenaufmärsche in Westdeutschland zu Atomkraft und Buntheit. Und nun, da euch die herbeigesehnte Realität nicht gefällt, wird nach Schuldigen gesucht. Ihr seid der Zeit der Hexenverbrennungen immernoch nicht entwachsen.

Haba Orwell
21 Tage her

> Wer dem Freiheitsprinzip des Westens nicht folgt, muss seine Länder verlassen. Länder ohne praktiziertes Freiheitsprinzip gehören (noch) nicht (wieder) zum Westen.

Wenn also hier Kartellparteien die Freiheit haben, jeden Opposition-Kandidaten beliebig von den Wahllisten zu streichen, gehört dies zum „freien Westen“? Bei Bedarf hat die Antifa die Freiheit, jeden zu vermöbeln, den sie nur vermöbeln möchte.

Klaus Kabel
21 Tage her

Niemals geht man so ganz
Irgendwas von mir bleibt hier…
Ich behaupte, Merkel war nie weg. Sie hatte die Fäden bei Scholz in der Hand und bei Klingbeil, der Merz am Nasenring führt. Eine Kommunistin tritt nicht zurück, geschweige denn, lässt sich abwählen.
Was die Obstruktion von oben betrifft, würde ich vermuten, dass dann der Osten brennt. Das ist entweder das Pulverfass, das die Brandmauer wegsprengt, oder wir erleben ein neues 1933, ein 4. Reich.

Last edited 21 Tage her by Klaus Kabel
Kassandra
20 Tage her
Antworten an  Klaus Kabel

Dass sie die Wiederkehr des 12. Mahdi wäre – wer glaubt denn so was?

Dreiklang
21 Tage her

Um die AfD von der Macht fernzuhalten, schlägt Wagenknecht den Runden Tisch vor, um den sich die Altparteien versammeln („überparteilicher Ministerpräsident“). Das würde auf Bundesebene sofort kollabieren. Gelingt es nun, Merkel als Honecker 2.0 zu installieren mit dem Amt der Bundespräsidentin, würde sich der Runde Tisch in das Politbüro verwandeln und die DDR wäre wiederauferstanden. Merkel wäre also in in ihrer alten politischen Heimat wieder angekommen. Jedoch, die Geschichte wiederholt sich nur als Farce, mit der Folge, dass die Altparteien ihre politische Macht komplett einbüßen werden.