Hamburg: Frau zieht Jobcenter und Geflüchtete gleichermaßen über den Tisch

"Seit Jahren macht eine Hamburgerin aus dem Irak mit Wohnungen für Geflüchtete Kasse. Sie gibt sich als Vermieterin aus, manipuliert Verträge und macht Falschangaben - und das Jobcenter zahlt.", NDR "Hamburg Journal" vom 24.04.2018.

Screenprint: NDR/Hamburg Journal

„Ich bin die Polizei. Ich kenne Richter. Ich kenne die Staatsanwaltschaft. Ich habe Kontakte zu den Behörden. Ich kann dafür sorgen, dass ihr in den Irak abgeschoben werdet.“ Oder kurz und knackig in die Sprache der Straße übersetzt: „Klappe halten, Opfer.“

Opfer sind in der folgenden Geschichte irakische Immigranten, die einer ehemaligen Landsfrau Vertrauen schenkten und eine Behörde, die fahrlässig tausende oder hunderttausende Euro an Steuergeldern zum Fenster rausgeworfen hat, weil im Hause niemand in der Lage, zuständig oder Willens war, ein systemimmanentes und bekanntes Abzocksystem als solches zu erkennen und ihm den Garaus zu machen.

Der NDR berichtet aktuell von einer Hamburgerin, die Jobcenter und Geflüchtete abzockt. Eine Art groß angelegter Hütchenspielertrick mit vermeintlichen Wohnungsvermietungen. Während beispielsweise in vielen Harzer Kleinstädten ganze Straßenzüge leer stehen und Wohnungen und schnuckelige kleine Häuschen für den berühmten Apfel und das Ei zu haben wären, sind Wohnungen in den norddeutschen Ballungsgebieten Mangelware. Hamburgs Wohnungsmarkt ist angespannt. Immigranten haben es da besonders schwer.

Schamlos
Die Migrationsindustrie hat viele Gesichter - in Köln gehört eine CDU-Politikerin mit Hotel dazu
Schön also, wenn ehemalige Landsleute helfen können. Insbesondere solche, die schon erfolgreich in Deutschland angekommen sind, wie die Deutsch-Irakerin Sana V.. Die ist Geschäftsführerin einer Import-Export-Firma in der Wandsbeker Chaussee. Ihr eigentliches Geschäftsmodell fand sie aber in der Immobilienbranche. Sie lockt Immigranten an und verspricht ihnen gegen Kaution und Vermittlungsgebühren Wohnraum, bei dem sie es dann mit Belegung und Quadratmeterzahlen nicht so genau nimmt. Schadet aber nichts, kontrolliert ja keiner. Und wer am Ende einzieht, ist sowieso unklar, wenn Wohnraum in Vorverträgen gleich mehrfach belegt ist. Hauptsache das Jobcenter bezahlt fleißig weiter.

Der Kontakt zu den Zuwanderer-Familien war von Sana V. gut organisiert: Ein früherer Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes einer Sammelunterkunft konnte helfen. Er führte der Frau die potentiellen neuen Mieter zu, wie ein Fall belegen konnte. Die zeigte den Interessenten die Wohnung und versprach, die darin wohnende Familie würde in dem Moment ausziehen, wenn das Jobcenter Vermittlung, Kaution und Miete zahlen würde. Und sie zahlten – und zahlen noch.

Die angebliche Vermittlerin alias Vermieterin setzte einen manipulierten Mietvertag auf, berichtet der NDR, „veranschlagt für die 120 Quadratmeter große Wohnung 1.560 Euro. Das Jobcenter stimmt zu, zahlt die Erstmiete, die Erstausstattung der Wohnung und 3.435 Euro Kaution. Doch zum Einzug kommt es nicht.“ Immer wieder verschob Sana V. den Umzug, aber die Familie blieb hartnäckig. Irgendwann wurden sie von Sana V., wie eingangs berichtet, bedroht, als die auf ihre Kontakte hinwies. Nein, nicht den Onkel mit dem Knüppel, nicht den Bruder mit dem Messer, sondern von Sana V. als vorgebliche Bekannte ausgegebene Beamte in deutschen Institutionen.

„Die Familie hat dennoch Strafanzeige gestellt, ebenso das Jobcenter.“ Kannte Sana V. nicht auch noch jemanden im Jobcenter?, möchte man hier zynisch fragen. Aber eine schnelle Kriminalisierung scheint schwierig, wie laut NDR wiederum das Hamburg Journal herausfand, das Akteneinsicht hatte: „Sana V. findet immer wieder Lücken im System, beispielsweise dass die Behörden zu wenige Kontrollen durchführen. Sie täuscht aber nicht nur Wohnungsvermittlungen vor, sondern hat noch ein weiteres Geschäftsmodell: In der ganzen Stadt hat Sana V. mehrere Wohnungen angemietet, die sie an Geflüchtete weitervermietet – mit falschen Quadratmeter-Angaben, zu überhöhten Preisen und teils auch mehrfach zur gleichen Zeit.“

Geschäftemacher die ganze Lieferkette entlang
Fluchtgewinnler und Migrations-Industrie
So lebt der Syrer Mahmoud Osman mit einem weiteren Immigranten in einer dieser Wohnungen. Beide haben einen Mietvertrag für diese Wohnung, das Jobcenter zahlt anstandslos für beide die Miete für jeweils eine Wohnung, Sana V. kassiert doppelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mittlerweile 19 Fällen gegen die Deutsch-Irakerin. Diese Zahl mag einen Hinweis über die enormen Gewinnspannen geben. Und man darf davon ausgehen, dass Sana V. nicht für jede Wohnung ein eigenes Vermieterkonto angelegt hat, dem Jobcenter muss Frau Sana V. also als so etwas, wie eine kleine Hamburger Immobilienkönigin erschienen sein. Der mit dem Fall beschäftigte Hamburger Rechtsanwalt Rainer Witthöft beziffert gegenüber dem NDR die Schadenssumme: „Wir müssen davon ausgehen, dass hier Betrügereien im sechsstelligen Schädigungsbereich vorgenommen werden.“

Nun hat wiederum das Hamburg Journal ermittelt, dass dem Jobcenter die Machenschaften von Sana V. schon seit April 2017 bekannt waren. Das Jobcenter bezahle indes bis heute weiter.

Diese lange Kette des Verdienens an der Immigration muss man sich einmal an den so genannten Einzelfällen vor Augen führen. Erst verdienen die Schlepper direkt am Immigranten. Dann werden Fälle von hundertfachem Sozialbetrug bekannt, der Immigrant kassiert gleich mehrfach mit multiplen Identitäten. Seinen Asylantrag stellt er erfolgreich mit Hilfe einer korrupten Entscheiderin, korrupten Anwälten und Dolmetschern. Dann folgt die Wohnungssuche mit Hilfe einer mutmaßlich kriminellen oder einfach nur pfiffigen Deutsch-Irakerin, die das Jobcenter austrickst.

Eine lange Kette der Bereicherung. Jeder greift zu, wo er kann. Fast schon schäbig mutet es dann an, wenn die Familie nun das Darlehen an das Jobcenter in Raten zurückzahlen soll, wenn doch die Damen und Herrn im Amt ihren Außendienst maximal zum Brötchen holen nutzen, wie der zitierte Anwalt behauptet: „Da findet keine Kontrolle statt. Das ist ja eine papierende Kontrolle anhand der vorgelegten Dokumente. Und wer schöne Papiere vorlegt, bekommt auch das schöne Geld dafür.“ Auf Nachfrage des Hamburg Journals antwortete das Jobcenter übrigens, man wolle dem Hinweis des NDR auf diese Wohnung nachgehen und für eine interne Prüfung weiterleiten. Der NDR übernimmt hier also die Aufgaben des Jobcenters. Also im Einzelfall.

Hier geht es zur NDR-Sendung.

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Kommentare ( 43 )

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43 Comments
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Rotzkäppchen
6 Jahre her

Ehemalige Patientin erlag in einem , mittlerweile beim Oberlandesgericht angekommenen Rechtsstreit , mit dem Job Center für eine überbezahlte , nicht genehmigte Wohnung – es handelte ich um einen Betrag von 29,50 euro ! Sie wurde des Diebstahls von Sozialleistungen bezichtigt. Sie wurde angewiesen diese Wohnung zu verlassen, da man ansonsten die Miete NICHT mehr zahlen wollte. So zog sie aus , bestritten mit dem bekannten Hartz 4 Satz.( 2,5 Z. Wohnung , sämtliche Möbel incl. Renovierung) Dieser Vorgang ist 7 Jahre alt; seit diesem Zeitraum hat man ihr immer noch den zuletzt bezahlten Mietpreis für die jetzige Wohnung angewiesen.… Mehr

Doris die kleine Raupe Nimmersatt
6 Jahre her

Das Leben könnte ein Paradies sein, wenn alle Menschen gut wären.
Aber das ist der Mensch nun einmal von Natur her nicht. Er will mehr! Dadurch hat er sich zu dem entwickelt was er heute ist. Abkassieren soweit es geht ist die Devise – wer nicht mitmacht ist ein Schaf – wer das Spiel bezahlt ist ein Opfer. Deutschland – das Land vieler Opfer!

friedrich - wilhelm
6 Jahre her

homo lupus hominis!

Reinhold Eysel
6 Jahre her

Ja, es gibt reichlich Grund zum Jammern.
Was aber kann man, können W I R T U N damit es sich ändert???

Rotzkäppchen
6 Jahre her
Antworten an  Reinhold Eysel

Zusammenschluß!!!

Wir agieren zu viel auf alleinigem Posten, trauen uns erst wenn einer vor geht , differenzieren bis zum Umfallen .
Weniger das Ziel wird zum Weg als …. die Vereinbarkeit aller Bedürfnisse der Protagonisten.
Das sind jedenfalls die Aspekte die mir in 3 Jahren Arbeit auffielen.
Früher nannte man so was auch Werte einigen und sich zurücknehmen zugunsten der Gemeinschaft.

Riffelblech
6 Jahre her

Es soll und darf keine Kontrollen der Wirtschaftsmigranten geben . Punkt ! Diese Anweisung kommt nicht aus der einzelnen Behörde ,das ist eine staatliche Weisung . Die Quelle einer solche Handlung kann jeder selbst vermuten . Die Parteienarristokratie der Rot – Grün – Merkelschen Fürstenherrschaft hat so entschieden und der Pöbel hat das eben zu schlucken . Basta ! Nun sind sie eben da und können machen was sie wollen . Und ich für meinen Teil glaube sehr gut zu wissen ,das sich ein einzelner Mitarbeiter des Jobcenters keine Laus in den Pelz setzt,wenn die Anweisung von oben – wegsehen… Mehr

Tom Hess
6 Jahre her

Da soll noch einer auf ein Dritte-Welt-Land schimpfen. Von wegen Korruption oder mangelnde Kontrolle.

Frieda
6 Jahre her

„… die einer ehemaligen Landsfrau Vertrauen schenkten und eine Behörde …“
Sie schenkten also der Landsfrau eine Behörde? Nein, eine direkte Folge der Schreibreform von 1996, bei der Kommas gezielt abgewertet werden, um das Bildungsbürgertum zu demütigen (-> Müntefering). Dennoch muß hier, egal ob Schreibweise von 1901 oder 1996, ein Komma stehen, weil ein Nebensatz (!) endet. Die Faustformel „vor ‚und‘ niemals ein Komma” ist ein Mythos, auch wenn selbst Lehrer daran glauben.

berndi
6 Jahre her

Tja, DE hat eben die Digitalisierung mit aller Gewalt verpennt (Danke an die Grünen) und sich jetzt mit erstklassig integrierten Blutsaugern ins Bett gelegt (Danke an die Grünen)

Ostfale
6 Jahre her
Antworten an  berndi

Nicht „DE“, sondern die merkelschen Destruktionsmafia in Politik, Verwaltungen, sogenannten Wohlfahrtsverbänden samt deren Trägerschaften aus Kirchen und Gewerkschaften.
DE – gemeint ist wohl Deutschland, sind noch andere Menschen und Institutionen, die nicht zur Welcome-Clique, die das Land und seine lauteren Menschen nach Strich und Faden ausbeuten, gehören.
Soviel Differenzierung muß sein.

berndi
6 Jahre her
Antworten an  Ostfale

Lesen sollte man können, wir verpennen hier nicht erst seit Merkel und Welcome-Clan die Digitalisierung.

Der Wahnsinn hat Methode
6 Jahre her

Dazu passt Folgendes: Heute wurden im Ruhrgebiet zahlreiche Wohnungen und Geschäftsräume von der Polizeit durchsucht. Der Grund: Tausende von Bulgaren und Rumänen sowie deren Helfer und Helfershelfer sollen in großem Stil Sozialleistungen erschlichen haben. – Das heißt doch wohl im Klartext, dass man die ahnungslosen Steuerzahler jeden Monat um Millionenbeträge erleichtert, die sich kriminelle Banden aus Südosteuropa auf ihre Konten schaufeln. Wie passt das zusammen, wenn SPD-Chefermittler Pfeiffer ständig das Lied von den rückläufigen Krimimnalitätsraten von Ausländern singt, obwohl ständig neue Fälle von Sozialbetrug ans Licht kommen, die gerade von dieser Klientel verübt werden. Offenbar ist das ein ganz neues… Mehr

Rudolfo
6 Jahre her

Gleichzeitig fordert so ein Stück Gräff von der CDU die weitgehende Abschaffung von Hartz 4 weil „die sitzen ja nur zu Hause rum“. Unglaublich was für asoziale dumme Populisten sich in der CDU rumtreiben und ungestraft ihren geistigen Dünnschiss verbreiten dürfen.
https://www.focus.de/politik/deutschland/zwang-zur-jobsuche-berliner-cdu-politiker-wollen-hartz-iv-fuer-junge-menschen-komplett-abschaffen_id_8831164.html

Jochen Schweizer
6 Jahre her

Jedes Jahr verlassen 200.000 gut ausgebildete Deutsche das Land. Bis 2015 waren es nur 100.000 pro Jahr.

Viktor Wallenstein
6 Jahre her

„Wertvoller als Gold“
„Wirtschaftswunder durch Flüchtlinge“… konkret hatte ja nie jemand detailiert beschreieben auf welcher Basis das stattfinden würde.