Hunderte Passagiere müssen in München eine Nacht im Flugzeug ausharren. Der Frankfurter Strafverteidiger Thomas Tschammer empfiehlt, in einem solchen Fall einen Anwalt zu beauftragen, um mögliche Forderungen wegen Freiheitsberaubung und Nötigung auch gerichtlich durchzusetzen.
picture alliance/dpa | Sven Hoppe
In München wurden mehrere hundert Menschen genötigt, eine Nacht im Flugzeug zu verbringen. Angeblich, so die Auskunft des Flughafens, hätten keine Busse mehr zur Verfügung gestanden, mit denen man sie vom Flugfeld ins Terminal hätte bringen können.
Strafverteidiger Thomas Tschammer empfiehlt gegenüber TE, einen solchen Fall nicht auf sich beruhen zu lassen.
Laut Tschammer könnte es sich hier um Nötigung und Freiheitsberaubung handeln. Seiner Meinung nach ist das Handeln der Kommandanten der Flugzeuge und der Münchner Flughafenverwaltung strafbar. Er ist weiter der Meinung, dass den betroffenen Passagieren wegen Nötigung und Freiheitsberaubung ein Notwehrrecht zugestanden hätte.
Er empfiehlt in jedem Fall, einen Anwalt zu kontaktieren, um ein Vorgehen gegen die Kommandanten der Flugzeuge und eventuell auch gegen die Verwaltung des Münchner Flughafens wegen Freiheitsberaubung und Nötigung anwaltlich prüfen zu lassen.
Tschammer erinnert an einen ähnlich gelagerten Fall eines Kollegen aus Frankfurt, der mehrere Stunden in einem Flugzeug am Flughafen warten musste. Als klar wurde, dass sein Termin mittlerweile beendet war, verlangte er, aus dem Flugzeug aussteigen zu können. Das wurde ihm zunächst von der Besatzung verweigert. Dies verärgerte ihn derart, dass er die Forderung, aus dem Flugzeug aussteigen zu dürfen, imperativ durchsetzte. Das Flugzeug hielt daraufhin auf dem Taxiway an, so dass er aussteigen konnte. Das Flugzeug hatte eine Leiter an Bord. Damit war der Fall damals erledigt.
Vielleicht hätten die Passagiere in München keine Nacht im Flugzeug verbringen müssen, wenn auch sie ihr Anliegen „imperativ vorgetragen“ hätten? Die Bemerkung der Lufthansa, dass man die Unannehmlichkeiten, die die Passagiere erdulden mussten, bedauere, ist an Zynismus jedenfalls kaum noch zu überbieten.

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Danke für die Informationen. Aber zum Geschehen noch selbst. Das Ganze hat wohl drei Dimensionen. – I. In den ersten Meldungen zu dem „Vorfall“ hieß es gem. Focus (berichetete wohl als erstes größeres Medium), daß die Lufthansa das Ganze mit „aus Sicherheitsgründen blieben die (600, Anm.) Passagiere im Flugzeug“ (in den Flugzeugen, Anm. – das wurde zu diesem Zeitpunkt noch bewußt unterschlagen), begründete. D. h. wir haben es hier mit einem vollkommen neuen Rechtsfaktum zu tun, nämlich einer „Sicherheitshaft“ – die hier geschilderte „Freiheitsberaubung“ und Nötigung“ sind dann eine andere geläufige rechtlich Sprachregelung. „Sicherheitshaft“ also, weil andere Menschen, hier im… Mehr
Schon putzig, was man mit den Menschlein alles machen kann! Im Internet regen sie sich auf, schwingen martialische Reden, in real life kneifen sie die Pobacken und Zähne zusammen, lassen sich alles gefallen und alles über sich ergehen. Ob sie irgendwann realisieren, dass D nicht mehr ihr Heimatland, ihr Eigentum nicht mehr ihr Eigentum und ihr Leben, so wie sie es kennen, nicht mehr ihr Leben ist?
Wenn eine ganze Nacht lang „keine Busse zur Verfügung stehen“, dann kann das eigentlich nur an einem Mangel an Busfahrern liegen, und der wiederum nur daran, dass es keine Nachtzulagen gibt, die ausreichend Busfahrer motivieren würde so spät noch zu fahren, und dass keine bzw. mangelnde Reserven (z.B. durch Bereitschaft) für Krankheitsbedingte oder andere Ausfälle vorgesehen waren.
Kurz: Irgendwer spart an den Busfahrern und lädt die Konsequenzen bei den Passagieren ab. Bleibt zu hoffen, dass jemand erfolgreich eine hohe Entschädigung einklagt und somit einen Präzedenzfall schafft, sonst wird das zum Teil des Geschäftsmodells der Flughäfen / Fluggesellschaften.
Na, und? Ein Deja vu. Wer sich halt Lockdowns gefallen lässt…
Geliefert wie bestellt.
Ja, ja: Mit den Lock-Downs haben’s die Menschen trainiert. Da ist die heutige „Sicherheitshaft im Flugzeug“ (Lufthansa) am Münchner Flughafen ganz passend …
Nach den Meldungen am gestrigen Abend waren ja nicht nur 123 Passagiere einer einzigen Maschine betroffen, sondern wohl gleich mehrere Maschinen mit bis zu 500 Passagieren. Wobei die Anzahl der Passagiere auch vollkommen irrelevant ist. Dennoch, wir leben ganz offenbar in einem Land und mit Mitbürgern zusammen, bei denen bei 500 Menschen nicht ein einziger aber auch wirklich nicht ein einziger irgendetwas gegen diese Freiheitsberaubung und Nötigung unternommen hat. 500 Menschen! Sie alle saßen brav eine Nacht in einem Flugzeug und lebten das deutsche Staatsmotto vor: Tja, weißt, da kann man halt nichts machen. Diese absolute Bräsigkeit und Obrigkeitshörigkeit, die… Mehr
Dasselbe habe ich mir auch gedacht: Steht da nicht einer auf und sagt: So, Schluss mit dem Affenzirkus hier, ich geh jetzt nach Hause? Aber seit sich sämtliche Nachbarn, die meisten Freunde und ein Großteil der Verwandten in den Coronajahren wie eine verängstigte, aber umso aggressivere Schafherde verhalten hat, wundert mich eigentlich nichts mehr.
Ist das „Bräsigkeit“ bzw. „Obrigkeitshörigkeit“? Wohl eher (ach): Jeder macht’s in seinem (Berufs)Leben ebenso: Geht einfach nach Hause, macht sein Ding usw. „Wieso aufregen, ich mach’s selber so jeden Tag!“. Und die Paffen schwätzen von „Nächstenliebe“ für Millionen „Zuwandernde“ …
Wahrscheinlich hatten die Passagiere nicht den nötigen Migrationshintergrund, um ihre Freilassung so „imperativ“ durchzusetzen wie unsere neuhinzugekommenen Fachkräfte die Befreiung der Gepäckstücke aus der Gefangenschaft ihrer Besitzer:
https://www.youtube.com/shorts/9QpaFhBQ_R0
Da war einer der ersten Gedanken: Zugewanderten wäre das nicht passiert … Hundertausenden deswegen dann am nächsten Tag auf der Straße: An der Spitze dann die 600 „Sicherheitsinhaftierten“ aus dem sechs Flugzeugen. Man lacht sich nahezu tot …
Ich bin auch der Meinung, dass das Freiheitsberaubung und Geiselnahme ist. Ich hätte auch verlangt, auszusteigen. Dieser Staat wird immer übergriffiger und ich bin fassungslos, was sich erwachsene Leute von diesem alles bieten lassen.
Ziemlich viel „Erregung“ hier …
Ich denke, es gäbe REICHLICH und deutlich WICHTIGERE Dinge in diesem Lande zu reklamieren …
Ein Flughafen wie MUC ist ein Getriebe mit verdammt vielen Rädern die normalerweise und allermeistens recht gut ineinander greifen. –
Und in diesem anbetungswürdigen Getriebe kommt nicht ein einziger auf die Idee, zum Beispiel die Flughafenfeuerwehr aufs Vorfeld zu schicken und die Menschen wenigstens mit dem Nötigsten zu versorgen? Tolles Getriebe.
Bei der Vorstandsetage dieser Fluggesellschaft und dem ganzen administrativen Teil dieses Konzerns muss man sich nicht wundern. Am besten soll es Spohr mal ohne fliegendes Personal versuchen. Die kosten ja nur Geld.
Immerhin wurde für die Übernachtung keine Extra-Gebühr fällig. Aber vielleicht kommt die Rechnung noch.