Absurde Energiewende: wie die Regierung Ineffizienz systematisch fördert

Der Markt belohnt die kostengünstigste Produktion. Wer dieses Prinzip ausschaltet, prämiert das Teure und Sinnlose – und treibt die Kosten in unvorstellbare Höhen. Der neue Plan von Carsten Schneider passt exakt in dies Muster.

picture alliance / Flashpic | Jens Krick
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), Berlin, 26.03.2026

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will die Energiewende mit einem besonderen Projekt vorantreiben: Bis zu 2000 neue Windkraftanlagen sollen nach seinem Willen bis 2030 entstehen, viele davon in besonders windschwachen Gebieten. Denn dort finden sich am ehesten noch potentielle Standorte. Die ertragreichen Gebiete, vor allem im Nordwesten sind bereits weitgehend von Windparks belegt. In Schwachwindgebieten, die vor allem im hügeligen und bergigen Süden liegen, lohnt sich der Betrieb trotz der staatlichen Einspeisevergütungen in aller Regel nicht. Schneiders Idee lautet deshalb, Investoren einen „Nachteilsausgleich“ zu bieten.

Nach dieser Regelung erhält ein Betreiber an einer Stelle mit einer „Standortqualität“, verglichen mit einem ertragsstarken Windrad, das 1,55-Fache der staatlich garantierten Einspeisevergütung. In Bayern beträgt der durchschnittliche „Gütefaktor“ der Standorte im Schnitt nur 55 Prozent. Das heißt: Viele Gebiete liegen noch darunter. Schon jetzt stehen 76 Prozent aller bayerischen Windkraftanlagen in Schwachwind-Gebieten. Selbst von den besseren der ertragsarmen Standorte stehen also schon etliche nicht mehr zur Verfügung. Schneiders Plan lässt sich so zusammenfassen: Dort, wo die Anlagen besonders ineffizient laufen, erhalten die Betreiber nach dem Willen des Umweltministers in Zukunft besonders viel Geld aus der Steuerkasse.

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Scheider betont vor allem seit Beginn des Iran-Krieges, bei Wind- und Solarstrom handle es sich um „Freiheitsenergien“, die Deutschland mittelfristig „unabhängig“ von fossilen Energieimporten machen. Wer im Gegensatz zu dem Minister auf die Daten schaut, der sieht schnell, dass seine Ausbaupläne für windschwache Gegenden überhaupt nichts zu der auch nur hypothetischen Energieautarkie beitragen. Denn an sonnigen und windigen Tagen liefern Solar- und Windparks jetzt schon genügend Strom, um den nationalen Bedarf zu decken – und oft sogar mehr als das.

Die Überschüsse lassen sich allerdings nur zu einem Bruchteil später nutzen, denn Speicher stehen eben nicht, wie die DIW-Mitarbeiterin Claudia Kemfert behauptet, „noch und nöcher“ zur Verfügung, sondern nur in geringer Kapazität. Daran ändert sich auch in absehbarer Zukunft nichts Grundlegendes. Bei geringem Wind schicken gerade die besonders teuer geförderten neuen Anlagen kaum etwas ins Netz, bei Flaute sowieso nicht. Weht der Wind gut, müssen flächendeckend viele Anlagen entweder abgeregelt werden, wobei die Betreiber trotzdem ihre Vergütung kassieren – nur eben pro nichterzeugte Kilowattstunde. Oder die Überschüsse werden ins Ausland entsorgt – für Kosten von bis zu 500 Euro pro Megawattstunde. Unter dem Strich bedeuten mehr Windturbinen an eigentlich ungeeigneten Standorten deshalb an vielen Tagen entweder keinen zusätzlichen Strom, oder noch mehr Wegwerf- beziehungsweise Geisterstrom als bisher.

Dass der rasende Ausbau der Windkraft unabhängig von der Eignung der Standorte zu einem Mehr an Windstrom führt, gehört zu den längst widerlegten Energiewende-Legenden. Robert Habeck setzte als Schneiders Vorgänger bekanntlich höhere Einspeisevergütungen durch und räumte Naturschutz-Hürden für Windkraftanlagen beiseite. Durch seinen „Windkraft-Turbo“ entstanden zahlreiche neue Anlagen, der Windstromertrag wuchs trotzdem nicht. Im Gegenteil. Im Jahr 2025, als viele der dank Habeck genehmigten Anlagen ans Netz gingen, sank die Windenergieerzeugung sogar im Vergleich zum Vorjahr: Im Jahr 2024 lieferten die Anlagen an Land und auf See noch 136,4 Terawattstunden, 2025 produzierte ein deutlich gewachsener Rotorenpark nur 132 Terawattstunden. Ein Grund: Der Wind wehte 2025 weniger stark. Der zweite: Auch schon die Einspeisevergütungserhöhung durch den Grünen-Politiker führte dazu, dass viele neue Anlagen dort entstanden, wo sie sich mit der alten Vergütung nicht gelohnt hätten – nämlich in notorisch ertragsarmen Gebieten.

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Die Differenz zwischen dem tatsächlichen Börsenwert pro Kilowattstunde – der oft bei Null oder im Negativbereich liegt – und den festen Einspeisevergütungen, die Entsorgungskosten für nicht benötigten oder die Entschädigung für nicht produzierten Strom zahlt der Bund aus dem sogenannten Klima- und Transformationsfonds. Allein 2026 werden dafür laut einer Berechnung des IW Köln für das Handelsblatt 29,5 Milliarden Euro fällig. In früheren Zeiten übernahmen die Stromkunden diese Kosten direkt mit der EEG-Umlage, die pro Kilowattstunde zu zahlen war. Unter der Ampelregierung wanderte dieser Geldfluss von der Stromrechnung in den Bundeshaushalt, also von dem E-Werk-Kunden zum Steuerzahler. Robert Habeck tat nach dieser Kostenverschiebung so, als hätte sich der Strom verbilligt, und lobte die Verschleierungsaktion mit den bemerkenswerten Worten, die EEG-Umlage zahle nun nicht mehr der Bürger, „sondern der Staat“.

Schneiders Förderung von Windrädern in windschwachen Gebieten dürften diese Kosten künftig noch weiter nach oben treiben. Sein Vorstoß steht prototypisch für die deutsche Energiewende: Marktanreize bestehen in einer Belohnung für Effizienz. Derjenige setzt sich durch, der am kostengünstigsten produziert. Wer wie in der Energiepolitik den Markt weitgehend ausschaltet, erhält das exakt gegenteilige Ergebnis: Er belohnt das möglichst Teure und Unergiebige. Dieses Prinzip zieht sich mittlerweile durch die gesamte deutsche Energiepolitik. Bisher fördert der Staat auf Steuerzahlerkosten auch viele kleine Balkon- und Dachsolaranlagen über feste Einspeisegebühren über dem Marktpreis. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) will diese Subvention abschaffen – allerdings erst ab 2027. Und sie sieht sich dabei heftigem propagandistischen Widerstand der Grünen ausgesetzt, und auch ihr SPD-Kollege Schneider widerspricht: Dem weiteren Ausbau der Solarenergie, meint er, sollten „keine Steine in den Weg gelegt werden“.

Ob die Subvention also tatsächlich wegfällt, muss sich noch zeigen. Die kleinen Privatanlagen sind nicht nur ineffizient – große Solarparks arbeiten etwa dreimal wirtschaftlicher, obwohl auch sie meist feste Einspeisevergütungen benötigen –, die Mini-Produzenten lassen sich zudem anders als die großen nicht abregeln. Selbst dann, wenn im Sommer schon Stromüberfluss herrscht, speisen sie also munter weiter in das Netz ein, dem die Überlastung droht. Das einzige Mittel dagegen lautet, die noch vergleichsweise effizienten Solar- und Windparks zugunsten der leistungsschwächsten Anlagen vom Netz zu nehmen.

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Auch bei ihrer „nationalen Wasserstoffstrategie“ wählten die Regierungen Merkel, Scholz und nun Merz zielsicher den mit Abstand teuersten Weg. Wenn der Plan schon darin besteht, Wasserstoff zur Stahlherstellung zu nutzen, genauer: sogenannten Stahlreduzierung, und das chemische Element außerdem in Zukunft auch als Basis für synthetische Treibstoffe zu nutzen und so den CO2-Ausstoß zu senken, dann wären die buchhalterisch schon längst abgeschriebenen deutschen Kernkraftwerke der ideale Stromlieferant für die Elektrolyse gewesen. Bekanntlich wurden die letzten Kernkraftwerke 2023 abgeschaltet. Nach Festlegung der Bundesregierung soll der in Deutschland erzeugte Wasserstoff „grün“ sein – der Strom zur (sehr energieintensiven) Elektrolyse muss also aus Wind- und Solaranlagen stammen.

Die Pläne der Regierung sehen auch vor, einen Teil der geplanten Gaskraftwerke, die einspringen sollen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, „wasserstoff-ready“ auszulegen. Das treibt schon die Baukosten der Anlagen, und bedeutet außerdem, sollten diese Vorstellungen Wirklichkeit werden, den besonders teuer hergestellten Wasserstoff in Kraftwerken zu verbrennen, um daraus Strom herzustellen, der wiederum beispielsweise Wärmepumpen antreiben soll. Mit jedem Umwandlungsschritt reduziert sich die Energieausbeute. Dieser aus Wasserstoff gewonnene Strom wäre voraussichtlich so teuer, dass er gemäß dem oben beschriebenen Prinzip ebenfalls mit Milliarden subventioniert werden müsste.

Vor vielen Jahren prognostizierte der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), die spezielle und im internationalen Vergleich singuläre deutsche Energiewende werde insgesamt eine Billion Euro kosten. Vor allem die Grünen warfen ihm damals vor, eine „Horrorzahl“ zu verbreiten. Heute steht fest: Bis 2035 reicht die veranschlagte Billion hinten und vorn nicht. Sämtliche Regierungen wären heilfroh, wenn die Schlussrechnung wenigstens nur doppelt bis dreimal so hoch ausfällt. Und schon das wäre die günstigste Variante.

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