Energie-Krise: Airlines streichen tausende Flüge

Die letzten Mega-Tanker, die bereits vor der Eskalation im Krieg gegen den Iran am Weg nach Europa waren, erreichen nun ihre Zielhäfen – dann kommt lange nichts. Die Öl-Preise dürften weiter steigen. Und ein Luftfahrtexperte warnt im britischen Telegraph vor einem „ernsthaften Treibstoff-Engpass in weniger als einer Woche“.

picture alliance / Jochen Tack | Jochen Tack
Symbolbild

Die globale Luftfahrt steht aktuell vor einer der schwersten Versorgungskrisen der letzten Jahrzehnte: Ausgelöst durch den anhaltenden Nahost-Konflikt hat sich der Preis für Kerosin innerhalb weniger Wochen von 742 auf über 1.700 US-Dollar pro Tonne mehr als verdoppelt. Gleichzeitig drohen in mehreren Regionen echte physische Engpässe, berichtet der Telegraph. Weltweit streichen deshalb Airlines Tausende Flüge, erhöhen Ticketpreise und arbeiten fieberhaft an Notfallplänen – von Tankstopps auf Umwegen bis hin zu dauerhaften Streckenstreichungen.

Laut Daten des Aviation-Analytics-Unternehmens Cirium wurden am Montag weltweit 7.049 von 104.618 geplanten Flügen gestrichen – das entspricht mehr als sieben Prozent und fast dem Doppelten des Vorjahreswerts. Besonders betroffen sind Langstreckenverbindungen und Regionen, die stark von Rohöl aus Nahost abhängig sind.

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Die skandinavische Fluggesellschaft SAS kündigte bereits die Streichung von mindestens 1.000 Flügen im April an. Air New Zealand strich 1.100 Verbindungen bis Anfang Mai, United Airlines reduziert die Kapazität um fünf Prozent im zweiten und dritten Quartal. Auch vietnamesische Carrier haben erste Inlandsstrecken vorübergehend ausgesetzt, weil die Versorgung aus Singapur und anderen Raffinerien nicht mehr gesichert ist.

Der britische Aviation-Consultant Alex Macheras, der die Lage auf X detailliert kommentiert, warnte eindringlich: „A serious jet fuel shortage is less than a week away across multiple different markets, including at some major European airport hubs.“ Also: Ein schwerwiegender Mangel an Flugtreibstoff steht in weniger als einer Woche in mehreren Märkten bevor, darunter auch an einigen großen europäischen Flughafendrehkreuzen.

Macheras berichtet von direkten Hinweisen der Flughafenbetreiber an die Airlines, sich auf Szenarien ohne verfügbares Kerosin einzustellen. Besonders kritisch sei die Lage am Flughafen London-Heathrow, der mit täglich über 1.300 Flügen größte europäische Hub. Alex Macheras geht davon aus, dass die Knappheit nicht nur Europa, sondern auch Asien, Südamerika und Afrika trifft. Internationale Carrier arbeiten bereits an Contingency-Plänen, die Tankstopps auf Drittflughäfen oder die komplette Streichung von Routen vorsehen.

Hintergrund der Krise ist die massive Störung der Ölversorgung durch die Sperre der Straße von Hormus – normalerweise passieren diese Meerenge täglich Dutzende Mega-Tanker mit Millionen Barrel Rohöl, die für die Herstellung von Jet Fuel unverzichtbar sind. Im Gegensatz zu Benzin oder Diesel erfordert die Raffinierung von Kerosin einen höheren Rohöl-Einsatz pro Liter, ein Engpass bei Crude trifft die Luftfahrt daher besonders hart.

Preise für Jet-Fuel haben sich verdoppelt

Die Preise für Jet Fuel in Europa sind laut Macheras innerhalb weniger Wochen um mehr als 100 Prozent gestiegen, in den USA um 72 Prozent (Argus U.S. Jet Fuel Index). Für die Airlines bedeutet das eine existenzielle Belastung. Kerosin macht je nach Carrier 25 bis 35 Prozent der Betriebskosten aus. Preissteigerungen dieser Größenordnung können einen gesamten Jahresgewinn einer Airline vernichten.

Viele Gesellschaften geben die Kosten bereits an die Passagiere weiter: Treibstoffzuschläge werden angekündigt, Billigflieger wie Ryanair und EasyJet prüfen Preiserhöhungen. Gleichzeitig drohen in der Hochsaison Sommer 2026 weitere Streichungen, was den ohnehin angespannten Flugplan zusätzlich belastet.Verbraucher spüren die Auswirkungen bereits jetzt: Buchungen für April und Mai gehen zurück, Kreuzfahrten erleben aber als Alternative einen Buchungsboom.

Aktuell ist nicht damit zu rechnen, dass die Krise kurzfristig enden wird. Selbst bei einer raschen Entspannung der Lage und einem Waffenstillstands-Abkommen würde es Wochen dauern, bis die Raffinerien die Lager wieder auffüllen können. Die Branche fordert daher von Regierungen ein Aufstocken der strategischen Reserven und schnellere Genehmigungen für alternative Lieferrouten.

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Kommentare ( 54 )

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Egge940
16 Tage her

Ich frage mich wirklich, wie lange es dauert, bis die Menschheit versteht, dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen die eigentlich Ursache der Misere ist.

giesemann
17 Tage her

Alternative: Auf Frachtschiffen reisen, die laufen mit Schweröl aus Venezuela, dem bituminösen Dreck.

H. Priess
17 Tage her

Mein Preis für den Flug über Peking nach Shangai setzt sich so zusammen: Gesamt: 474,70€ Ticketpreis: 200,71€ Steuern und Gebühren: 273,99€ Die Steuern und Gebühren sind also weit teurer als das eigentliche Ticket da ist doch Luft nach unten oder? Wie bei Corona wird eine Panik verbreitet die nicht nötig ist aber ohne Panik und Angst läuft bei uns gar nichts. Überall werden die preise erhöht denn der böse Iran hat die Straße von Hormuz gesperrt was nicht wahr ist. Die meißten Tanker sind ohne Versicherungsschutz, weil die Prämien, wegen des Krieges und die Gefahr zu Schaden zu kommen, exorbitant… Mehr

Privat
17 Tage her
Antworten an  H. Priess

Der IRAN ist nicht „böse“ sondern das Land ist Opfer eines hinterhältigen Angriffskrieges böser Aggressoren.
Die Aggressoren müssten massiv sanktioniert werden – aber das trauen sich die kapitalistischen Kriecher des sogenannten „Bündnisses“ nicht.

Jack
17 Tage her

Ich glaube es ist unstrittig über die Straße von Hormuz kommen ca. 20 % der weltweiten Öllieferungen. Das bedeutet 80 % kommen über andere Wege in den Handel. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht möglich wäre, diesen Ausfall durch eine Erhöhung der Förderquote an anderen Förderstellen zumindest temporär zu kompensieren. Eine weitere Frage ist, wie lange lassen sich die Produzenten in diesem Teil der Erde, dem arabischen Raum, ihr sehr erfolgreiches Geschäftsmodell behindern oder zerstören? Alles was dort an Wohlstand und Luxus entstanden ist, basiert auf dem Rohstoff Erdöl. Und dieser Luxus, Wohlstand der dort entstanden ist, muss… Mehr

Last edited 17 Tage her by Jack
Adorfer
17 Tage her
Antworten an  Jack

Man möchte schon fast annehmen, die Trump-Administration hat eine Imageoffensive mit grünen Inhalten gestartet. Ich bin gespannt, wann dem guten Trump von unseren Grünen die Ehrenmitgliedschaft verliehen wird. Kein Öl mehr, kein CO2 mehr, wieder ein Schritt weiter auf dem Weg zur WeltErrettung. Und unsere Regierung? Die kann sich mal zurecht die Hände in Unschuld waschen. Paßt alles.

Autour
17 Tage her

Jaja nun soll das Kerosin ausgehen… blablabla… so wie der saure Regen die Wälder vernichtete oder die Klimaerwärmung zur TOTALEN Versteppung führte… jaja immer mal eine neue Sau die man durchs Dorf treiben kann… Und ich dachte Venezuela hat die Produktion wieder hochgefahren … und die Saudis haben auch endlich angefangen das Öl an das rote Meer zu pumpen…. hätten sie mal früher damit angefangen…. tja und das man dem Komiker in der Kokaine erlaubt die russischen Öl Verladungshäfen zu beschiessen… wer würde so etwas zulassen wenn es zu einer globalen Krise führen würde?? Man sollte mal den Ball flach… Mehr

Thomas
17 Tage her

Warum kommen so viele TE Leser auf die Idee das der Angriff von Trump und Israel auf das Terror Regime der Mullahs schlecht verläuft, gar gescheitert sein soll? ME unterliegen sie dem Einfluss von Fake News. Vielleicht glauben manche das Alternativmedien nicht lügen und keine Propaganda verbreiten. Ich kann nichts erkennen von dem vorher beschworenen Dritten Weltkrieg, Armageddon. Russland und China sind klammheimlich einverstanden. Die Araber auch. Der Aufstand der „muslimischen Massen“ bleibt aus, sogar in Deutschland. Der von Vielen herbeigesehnte Raketenfeuerhagel auf Israel? Kommt kaum was durch. Ein bisschen Streumunition, aber Wirkung hat das nicht. Das Mullah Regime ist… Mehr

Haba Orwell
17 Tage her
Antworten an  Thomas

Scott Ritter >>>vergleicht die Lage mit einer Vespe, die größere Insekten zombifiziert <<<: > „… Die winzige Juwelenwespe injiziert ein neurotoxisches Gift in die Ganglien von Kakerlaken und verwandelt das größere Insekt in einen Zombie, der sich bereitwillig in einen lebenden Wirt für die nächste Generation von Juwelenwespen verwandeln lässt, von der diese sich ernähren, bevor sie in die Welt hinausschlüpfen, bereit, andere ahnungslose Kakerlaken zu jagen. Israel ist das moderne Äquivalent der Juwelenwespe, ein Raubtier, das seinen Wirt mit bewusstseinsveränderndem Gift infiziert, sodass dieser bereitwillig die parasitäre Invasion in sein Wesen duldet, die ihm schließlich das Leben kosten wird.… Mehr

MfS-HN-182366
17 Tage her
Antworten an  Thomas

Thomas der Ungläubige sitzt im Generalstab von Tel Aviv. Der weiß es! Selbst der Donald ist ahnungslos.

Axel Fachtan
17 Tage her

Wer 5 Prozent des BIP in Rüstung steckt,
der muss es auch mal krachen lassen.
Bomben sind nutzlos,
wenn sie nicht eingesetzt werden.
Sprengt die Unis. Sprengt die Mädchenschulen.

Kuno.2
17 Tage her

Die Flüge wurden vor allem kalkuliert und verkauft bevor der Kerosinpreis in die Höhe ging. Das ist ein Problem für die Gesellschaften. TUI kauft ja lange im Voraus die Flüge ein und kann deshalb den Kunden ein Festpreisangebot machen für Hotel und Flug.

hoho
17 Tage her

Mit wem wollen die Amis und Israelis verhandeln, wenn sie ganze Regierung von Iran umgebracht haben? Da wird nichts enden bis aus Iran nix übrig geblieben ist so wie das in Gaza der Fall ist. Da war die Mädchenschule am ersten Tag nur ein Anfang davon. Das will man natürlich hier gar nicht wissen, weil die Israelis nichts böses machen können und Donnie sowieso.
Die Frage ist nun mal bo die Israelis Nuklearwaffen benutzen werden oder nicht. Man spricht schon darüber überall.
Na ja die menschliche Gesellschaft braucht ab und zu ein Reset wohl.

MfS-HN-182366
17 Tage her
Antworten an  hoho

Zu spät, der Neandertaler ist ausgestorben, bis auf Reste in den „westlichen“ Regierungen.

Edward S.
17 Tage her

Was haben die Autoren von TE sich über die „Beseitigung“ des „Mullah-Regimes“ gefreut. Herzlichen Glückwunsch. Das hätten „wir“ ja nicht wissen können, nicht wahr?