Derzeit staunt man, wie ein zufällig zusammengewürfeltes Politiker-Duo zum Dreamteam im Bundestagswahlkampf wird: Angela Merkel und Karl-Theodor zu Guttenberg beherrschen so souverän die Szene, dass einem angst und bange wird um die SPD. Die kommt daher wie ein Polit-Opel – große Vergangenheit und wenig Zukunft.
Ach, was hört man doch heutzutage nicht alles für Klagen über den Kapitalismus und das Versagen der Marktwirtschaft. Leider stimmt vieles, zu vieles. Aber ist die Alternative, der wir uns jetzt an den Hals werfen, wirklich so viel besser? Kann die regulierende und umverteilende Hand des Staates die unsichtbare Murks-Hand des Marktes zum Vorteil korrigieren?
Noch nie ist mir eine Zeile so schwer gefallen wie diese: „Arcandor muss weg“– ich weiß, wie sich 53 000 Beschäftigte und ihre Familien in Deutschland fühlen. Aber ich halte die Forderung von Arcandor nach 650 Millionen Euro Unterstützung aus der Staatskasse für Irrsinn.
Die mit Supercomputern berechneten Konjunkturprognosen der Forschungsinstitute und Banken kann man derzeit glatt vergessen. Denn die Forscher haben in ihrer hochgelehrten Simplizität übersehen, die wachsenden Wirkungen der Finanzmärkte in den Modellen abzubilden – gerade deren Zusammenbruch hat uns ins Tal gerissen. Was Prognosen noch problematischer macht ist der Strukturbruch der globalen Wirtschaft. Wenn man ein Bild für die aktuelle wirtschaftliche Lage sucht – dann ähnelt sie in vielen Zügen der globalen Wirtschaft der Siebzigerjahre.
Allmählich wirken die vielen Reden zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik etwas ermüdend. Lassen Sie mich deshalb eine andere, eine private und politisch unkorrekte Form wählen – die Generationenfolge unserer Automobile.
Krise ist, wenn Madame Leysen ihrem Gatten Butterbrote in die Aktentasche packt. So rüstete sich André Leysen, einer der großen Nachkriegsunternehmer und Manager in Belgien und Deutschland (Agfa, Philips, BMW, Telekom, Treuhand, Holzmann), einst für Betriebsschließungen und die Geiselnahme durch aufgebrachte Arbeiter. In Frankreich ist jetzt wieder die Zeit der Butterbrote in der Tupperware für Manager angebrochen; eine Mehrheit der Bevölkerung dort findet Geiselnahme und Aushungern von Managern in Ordnung. In Deutschland versuchen die Linke und die Möchte-so-gerne-Bundespräsidentin Gesine Schwan, Massenproteste herbeizureden.
Er ist ein Rockstar ohne Drogenproblem, ein Präsident der Herzen, der die Grenzen des Machbaren außer Kraft setzen kann, ein Wunderheiler der Wall Street mit unbegrenztem Kredit und einer, der die Machtblöcke der Welt entwaffnet wie einst Michail Gorbatschow. Selbst abgebrühte Berufszyniker wie Hauptstadtkorrespondenten fotografieren gerührt wenigstens seine Air Force One, wenn sie IHN schon nicht zu Gesicht bekommen – das Flugzeug gewandelt zu einer Ikone des Guten, als habe allein Obamas Sitzfleisch das fliegende Hauptquartier von George W. Bush im Krieg gegen die Achse des Bösen in eine Friedenstaube verwandelt.
Der Gipfel der 20 Staats- und Regierungschefs ist im dreifachen Sinne rekordverdächtig: Er ist ein sensationeller Erfolg – der in sensationell kurzer Zeit zum sensationellen Misserfolg verfallen könnte.
Muss ich mich eigentlich bei Norbert Blüm entschuldigen? Jahrelang habe ich den letzten legendären Sozialpolitiker, 16 Jahre lang Bundesarbeitsminister unter Helmut Kohl, publizistisch attackiert, weil die Rente eben nicht so sicher ist, wie er 1986 plakatiert hat. Und jetzt? Hat er nicht doch recht, ist die Sozialrente der letzte Anker unserer materiellen Sicherheit? Denn weltweit geht unter, was die Mittelklasse angespart hat: Das Eigenheim verfällt im Wert ebenso wie Aktien.
Liebe Schweizer Nachbarn, an dieser Stelle möchte ich mich für die ruppige und beleidigende Sprache unseres Bundesfinanzministers Peer Steinbrück entschuldigen. Europäische Nachbarvölker mit der Peitsche züchtigen und wie die Indianer mit der Kavallerie niederreiten – das ist der Ton des deutschen Herrenreiters. Ich schäme mich für diese rhetorische Untat.
Haben Sie heute schon Ihren Anlageberater geohrfeigt? So unkultiviert sollte man sich keinesfalls geben. Noch vor einem Jahr wäre das als Notwehr durchgegangen – an dem Tag, an dem der Ihr sauer erspartes Vermögen halbierte. Mittlerweile kritisiert niemand mehr Bankberater für die größte Geldvernichtung aller Zeiten. Verständnisvoll hören wir unserem leidgeprüften Berater zu, der seinen lieben Kunden so traurige Nachrichten übermitteln muss. Lehman! Was kann man da machen?
Wie gerne erinnere ich mich an diese Tour, eingeklemmt zwischen Vater (am Steuer) und Mutter (sehr stolz) auf der durchgehenden Sitzbank (Einzelsitze nur als Sonderausstattung erhältlich). Ein paar PS, Drei-Gang-Getriebe, Lenkradschaltung und jedes Mal diese Freude, wenn unser Opel Rekord noch einmal und noch einmal auf singenden Weißwandreifen die ebenso steilen wie engen Spitzkehren der Großglockner-Hochalpenstraße bezwingt, und der Himmel so blau und die Berge so hoch und der Gletscher so kalt und immer näher das Land, wo die Zitronen blüh’n.
Es war einmal.
Konjunkturpolitik gleicht derzeit einem Buchstabenrätsel – allerdings mit grauenhaften Konsequenzen bei einer fehlerhaften Einschätzung: Liegt vor uns ein V-förmiger Konjunkturverlauf, also ein schneller, scharfer Einbruch, der sich aber schon im kommenden Herbst wieder fängt? Oder müssen wir uns – wie bei einem U – auf eine langanhaltende Wirtschaftsschwäche, ein ausgefurchtes Tal mit hoher Arbeitslosigkeit und niedriger Nachfrage, schrumpfender Produktion und fallenden Kursen einstellen, aus dem es erst nach 24 Monaten wieder aufwärtsgeht? Oder ist das Tal der Depression weit länger als unsere Wirtschafts- und Unternehmenspolitik denkt, jahrzehntelang, eben wie in Japan und so, dass das U zum L umgebogen wird?
Die Industriegewerkschaft Metall ist sehr stolz, weil es ihr gelungen ist, Tausende von Opel-Demonstranten auf die Straße zu bringen – und das, obwohl alle in Urlaub waren, sagt ein Gewerkschaftssprecher. Das muss man sich mal vorstellen – die Revolution fällt aus, weil das Proletariat am Ballermann feiert. In Berlin debattiert die Koalition darüber, ob die Abwrackprämie auch Hartz-IV-Empfängern ausgezahlt werden soll. Im Konjunkturprogramm sollten schon mal ein paar Milliarden für die Erweiterung der Parkzonen vor den Arbeitsämtern reserviert werden – für die vielen schnieken Neuwagen der Stütze-Kundschaft.
In Sonntagsreden wird derzeit gerne die Europäische Währungsunion als Insel der Stabilität im tosenden Meer der Finanzkrise gefeiert. Leider ist zurzeit so selten Sonntag. Und werktags sieht es nicht gut aus für unser Euro-Geld.
Darf eigentlich ein Unternehmen Arbeitsplätze abbauen und trotzdem seinen Aktionären eine Dividende ausschütten? Ja, selbstverständlich. Damit könnte diese Kolumne schon beendet sein. Aber genau dieses Thema erregt heute Politiker, die Talkshow-Sitzer, viele Menschen. Der Tenor ist, dass ganz selbstverständlich die Aktionäre verzichten sollten, um unrentable Arbeitsplätze zu halten. Schon allein die Tatsache, dass diese Frage jetzt führende Politiker wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zu- lasten der Aktionäre beantworten, zeigt, auf welch schiefe Bahn Deutschland im Zuge der Finanzkrise geraten ist: Irgendwie ist die Information darüber verloren gegangen, dass man Arbeit und Kapital braucht, um etwas unternehmen zu können.
Das Kreuz mit der Atomenergie in Deutschland ist, dass nicht mehr diskutiert oder verhandelt, sondern sofort abgeblockt wird – von beiden Seiten. Wer Atom sagt, ist Feind. Wer Kern sagt, ist Freund der Nukleartechnik. Bis in sprachliche Feinheiten hat sich das Lagerdenken in die Gehirne eingegraben. Aber was kümmert die Welt jene Feindbilder, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren vor Brockdorf, Wackersdorf oder Gorleben in das Bewusstsein einer Generation geprügelt wurden?
Konjunkturprognosen sind eine gewagte Angelegenheit. Unterschiedlichste Kurven, die wirtschaftliche Aktivitäten widerspiegeln, verlaufen nicht gebündelt wie in einem ordentlichen Kabelbaum, sondern kreuz und quer – eher wie eine satte Portion Spaghetti. Dann noch ordentlich Soße obendrauf; das macht die Sache zwar appetitlicher, aber nicht transparenter. Derzeit wird das Essen ziemlich kalt. Denn in diesen Wochen schlagen die Folgen der Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt durch: Entlassungen, Kurzarbeit, Werkschließungen, Insolvenzverfahren.
Im Jahre 1813 appellierte Prinzessin Marianne an alle Frauen Preußens. Um den Krieg gegen Napoleon zu finanzieren, sollten sie die Eheringe aus Gold gegen solche aus Eisen eintauschen – mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“.
1914 tauschten unter diesem Motto unsere Urgroßeltern schon nicht mehr so ganz freiwillig Geld und Gold gegen Staatsanleihen – die zu Asche zerfielen. Es folgte eine Hyperinflation, die Papiergeld so wertlos machte wie die Zeitung von gestern, eine Weltwirtschaftskrise, in der Aktiengesellschaften fallierten wie Faulobst, eine brutalste Diktatur, der Holocaust und noch ein Weltkrieg, diesmal ein totaler. Die Erinnerung an den Wertverlust durch Krieg, Staatsbankrott und Inflation taucht derzeit im kollektiven Gedächtnis wieder auf – die WirtschaftsWoche untersucht und bewertet den langfristigen Werterhalt unterschiedlicher Anlageformen über die unterschiedlichen Krisen hinweg.
Allmählich beginnt man ja, sich mit den Folgen der Finanzkrise abzufinden und einzurichten – und sieht mit einem Mal die Konturen einer neuen Landschaft aus dem Nebel auftauchen. Wir hatten geglaubt, dass niemand mehr den Siegeslauf der Linken aufhalten könnte. Und siehe da – plötzlich ist die betont marktwirtschaftliche FDP der triumphale Wahlsieger in Hessen. Das ist kein rein lokales Ereignis, sondern es hat den Anschein, als ob der beklemmende Zuwachs an staatlicher Macht, den die Finanzkrise mit sich gebracht hat, über Nacht gewissermaßen wieder eingefangen werden soll.
