Sie waren organisiert – und sie lieferten Schock-Bilder wie jene von den Unruhen in Frankreich: Vermummte Gewalttäter plünderten in der Nacht auf heute Shops in Frankfurt, sogar bei einem Waffenhändler wurde eingebrochen. Die Polizei? Sie verhinderte zumindest Schlimmeres.
picture alliance/dpa | Boris Roessler
Aus der Protestveranstaltung wurde in Frankfurt am Main eine Nacht der Gewalt: Nach zunächst weitgehend friedlichen Kundgebungen der Initiative „Gen Z regelt“ zogen vermummte Chaoten durch die Innenstadt, zertrümmerten Schaufenster und versuchten, Geschäfte zu plündern. Besonders brisant war ein Angriff auf ein Waffengeschäft: Nach Angaben der Polizei drangen Tatverdächtige in das Geschäft ein und versuchten, dort Waren zu stehlen. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, zwei bereits erbeutete Waffen wurden sichergestellt. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zu den Waffenmodellen. Weitere Einsatzkräfte sicherten das Geschäft und dessen verbliebene Bestände.
Hessens Landesregierung spricht von einer Eskalation der Gewalt, vor der die Sicherheitsbehörden bereits gewarnt hatten.
Plünderungsversuche wie in Frankreich
Auf der Zeil, einer der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands, schlugen Täter die Scheiben mehrerer Geschäfte ein. Augenzeugen berichteten von tumultartigen Szenen und Plünderungen. Video-Clips auf X zeigen die Täter mit den erbeuteten Waren. Einsatzkräfte mussten mit einem noch größeren Aufgebot eingreifen, dazu wurde laut Augenzeugen dann auch das SEK, das Sondereinsatzkommando der Polizei, alarmiert.
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) erklärte bereits am frühen Abend, die befürchtete Eskalation sei eingetreten: Nach seiner Darstellung hätten sich etwa hundert gewaltbereite, linksextremistische Personen unter die Versammlung gemischt. Es habe massive Angriffe auf Polizisten gegeben. Die Veranstaltung sei „auf beschämende Weise zu Ende gegangen“.
Auch Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) reagierte auf die Schock-Bilder aus Frankfurt: Er zeigte sich erschüttert über die Gewalt, die Plünderungen und die Attacken auf die Polizei. Die Verantwortlichen müssten mit Konsequenzen rechnen. Rhein dankte den Beamten für ihren Einsatz und kündigte eine genaue Aufarbeitung der Vorfälle an.
Auch Polizeipanzer im Einsatz
In Frankfurt wurden in den Nachtstunden mehr als 30 Personen vorläufig festgenommen. Nach Angaben der Polizei waren zahlreiche Gruppen von Vermummten aber weiterhin in der Innenstadt unterwegs. Neben Wasserwerfern kamen auch Panzerfahrzeuge, ein Hubschrauber und Drohnen zum Einsatz. Die Behörden mussten zeitweise sogar die Bereiche rund um Hauptwache und Konstablerwache räumen.
In Berlin verlief die offizielle Kundgebung der Initiative „Gen Z regelt“ am Brandenburger Tor zunächst friedlich. Am Abend entwickelte sich jedoch bei einem anderen Protestzug unter dem Motto „Gen Z hat genug!“ eine zunehmend aggressive Stimmung. Teilnehmer warfen Steine, Flaschen und Böller auf Polizisten und zündeten Pyrotechnik. Die Polizei brach den Marsch in Richtung Prenzlauer Berg vorzeitig ab.
Die Bilanz: Nach Angaben der Polizei wurden 27 Beamte verletzt und 56 Personen vorübergehend festgenommen. Der Veranstalter der Abenddemonstration wurde dem linken Spektrum zugeordnet. Die Organisatoren der Nachmittagskundgebung hatten sich ausdrücklich von diesem Protest distanziert.
Erneut Unruhen in Frankreich
Parallel dazu kam es in Frankreich zum dritten Samstag in Folge zu großen Demonstrationen. Das Innenministerium sprach von 320.000 Teilnehmern im ganzen Land, die Veranstalter behaupteten, es seien etwa 500.000 gewesen. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten, die Wohnungsnot und die Politik von Präsident Emmanuel Macron.
Obwohl die meisten Kundgebungen friedlich verliefen, kam es in Paris, Lyon, Rennes, Bordeaux und Marseille zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei. Vermummte Gruppen warfen Steine und Brandsätze auf die Sicherheitskräfte, Geschäfte wurden beschädigt und geplündert. In Toulouse setzte die Polizei Wasserwerfer ein.
Das französische Innenministerium meldete am Samstagabend mehr als 560 Festnahmen. Für den landesweiten Einsatz waren rund 70.000 Sicherheitskräfte mobilisiert worden.



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