Recht brav haben in Frankfurt 12.500 Menschen demonstriert. Streckenweise wirkte es wie ein Kindergarten auf Ausflug; inklusive der Omas gegen Rechts als Begleitpersonen. Die Generation Z hat ja durchaus Recht, wenn sie um ihre Zukunft bangt. Aber wer genau macht die kaputt? Der Schrei geht ins Leere.
picture alliance/dpa | Boris Roessler
Erlebnisorientierte Jugendliche“ nannte die Frankfurter Polizei im Vorfeld die erwarteten Demonstranten. Ja, es liegt so ein Hauch von Fliegendem Klassenzimmer in der Luft; trotzig vermummen sich einige Jugendliche. Heute werden sie dem Pauker aber mal richtig zeigen. Aber damit der Protestzug starten kann, werden brav die Masken abgenommen. Es gibt keine Pauker mehr, Gehorsam trotzdem jede Menge.
Erlebnisorientierte Zuschauer
Erlebnisoritert sind eher die Zuschauer. Brav trotten die Demonstranten auf der Fahrbahn, die Zuschauer folgen auf dem Gehweg. Frankfurt ist keine Einkaufsstadt mehr, es ist ein Guck-Stadt geworden, schließlich ist das Geld längst knapp und Amazon liefert schneller, als man den Weg zum Parkhaus zurücklegen kann. Man spürt ein gewisses Prickeln. So ein Krachen und Splittern würde doch den Samstags-Ausflug in die frühere Einkaufsmetropole zum Erlebnis gestalten.
Angeführt wird die Demonstration von einigen verschleierten, deutlich übergewichtigen Mädchen arabischer Herkunft, die im verschliffenen hessisch skandiert: „Streik in der Schule, Streik in der Fabrik, wir machen eure Politik nicht mehr mit“. Es läßt sich eben leichter in Frankfurt leben und dagegen sein; Syrien ist unzumutbar. Für die neue Migranten-Generationen ist Deutschland ein Spielplatz, der kein Eintrittsgeld verlangt – aber Bürgergeld und leistungsloses Einkommen garantiert. Sie wollen Spaß. Den haben sie.
Erkennbar haben die fröhlichen Demo-Girls noch nie eine Fabrik von innen gesehen. „Merz muß weg“ oder „Neuwahlen jetzt“, was kann man da als Trottoir-Reporter schon dagegen haben?
Viel „Wir“ gegen „Die“ in allen Variationen, aber wer genau ist wir und wer sind die? Irgendwie unklar. Einer demonstriert mit der EU-Flagge für mehr EU, dahinter einer, der die EU-Chatkontrolle bekämpft. Wehrpflicht soll nicht mehr kommen und dafür Frieden. „Tax the Rich“ ist in seiner Unbestimmtheit noch die konkreteste Forderung. Kann man ja immer sagen.
Die Demo ist weder laut noch bedrohlich, eher infantil gesittet wie ein zu großer Kindergeburtstag.
Ordner an der Spitze des Zuges sind ältliche Damen, die Omas gegen Rechts. Zauselig begleiten sie den Umzug der Gymnasien durch das Bankenviertel. Das können sie immer noch. In den verdunkelten Eingängen der Bankentürme stehen stiernackige osteuropäische Männer im Tarn-Fleck; gegen die hätte die animierten Hänflinge der Demonstration keine wirkliche Chance. Sie probieren es auch lieber nicht aus.
In der Goethestraße sind die Superteuer-Läden mit Holzplatten gesichert; Hermes bleibt sich treu und hat Goldfolie aufgezogen. Hier sind die Ordner eher orientalische Muskelmänner, aber auch gegen die hätten die Kids aus dem Taunus schlechte Karten. Wen genau beschützt die Begleitkolonne der Polizei hier vor wem? Dieser Sorte passiver Beobachter juckt es in den Fäusten, mal so ein blondes Bürschchen knacken.
„Anti-, Anti-, Antifacista“-Rufe erinnern an früher, als es noch die alten Faschisten gab in Südeuropa. „Siamo tutti Antifacisti“ singt eine Gruppe und zeigt, dass das Erasmus-Programm der EU durchaus beim Erlernen von Fremdsprachen behilflich ist. Das alleswirkt zwischen den Bankentürmen irgendwie gestrig, jedenfalls nicht hitzig.
Ein einsamer Böller knallt
Ein einsamer Böller knallt, ein einziges rotes Bengalo brennt, und schon steht der Zug; dagegen ist ein Heimspiel der Eintracht Frankfurt ein pyrotechnisches Höllenfeuer. Ein paar scheue Hamas-Fähnchen, der Palästinenser-Feudel wird unter der Jacke getragen, nicht einmal der in Berlin so geschätzte Antisemitismus wird inszeniert. Aber dann kurz: „Keiner traut dem Juden mehr“, skandiert ein arabischer Rapper; Deutschland hat reimportiert, was man ausgeschwitzt glaubte. Es ist unangenehm, aber geht unter im nächsten „Alerta, Alerta“, wozu auch immer.
Die Kids haben Spaß, ihr Mercedes-Transport schaukelt im Rhythmus; schön ist es, mit den Segnungen des Kapitalismus und elektrischem Verstärker ein wenige Systemkritik zu grölen.
Klar, die Steuern sind unbezahlbar, und statt die Jungs von der Schulbank nebenan soll „Merz an die Front“. Schon hat man wieder Verständnis. Aber nur ganz kurz, dann tattern wieder die Omas gegen Rechts ins Bild, nur ist leider kein Rechter weit und breit.
Ein paar versprengte Altlinke von vom Verband der Verfolgten des Nazi-Regimes sind sichtlich froh, mal jüngere Gesichter zu sehen als ihre Pfleger im Altersheim. Dazwischen huschen dunkle Gestalten durch; sie sind erkennbar auf der Suche danach, ob nicht doch wo ein Stein ein Schaufenster zersplittern könnte. Sie haben die Vermummungs-Masken nur kurz runtergezogen. Aber die allermeisten Geschäfte sind leergeräumt, die potentiellen Käufe beim Demo-Gucken und die Polizei so nah, so nah. .
Vor der Galeria Kaufhof Lärm und Menschenansammlung. Ein Polizeitrupp geht in den Laufschritt über. Aber es ist nur eine Komödiantentruppe, die ihr Gaudi-Programm abliefert.


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