Beim „Verein Japanischer Garten Kaiserslautern“ haben sie nicht mehr alle Blätter am Zweig. AfD-Mitgliedern will der Vorstand jetzt nicht mit der Harke, aber mit einer Satzungsänderung zu Leibe rücken.
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Ein Japanischer Garten ist ein Ort der Stille. Geharkter Kies, ein Teich, ein paar Karpfen, viel Moos. Man kommt, schweigt und geht seelisch gereinigt wieder nach Hause. So ist das überall auf der Welt.
Nur nicht in Kaiserslautern.
Dort hat der Vorstand vom „Verein Japanischer Garten Kaiserslautern e. V.“ die Mitglieder für den 12. November 2026 in den Deutschordensaal der Sparkasse eingeladen. Der wichtigste Punkt steht fast ganz unten auf der Tagesordnung: TOP 14 – Satzungsänderungen.
In § 2 soll Absatz 5 künftig so lauten:
„Der Verein ist politisch und religiös neutral und steht in all seinen Belangen auf der Grundlage der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Der Verein tritt extremistischen, rassistischen und
fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie jeder Form von Gewalt, unabhängig davon, ob sie körperlicher, seelischer oder sexueller Art ist, entgegen.“
Der Verein ist also neutral, bestimmten Bestrebungen tritt er aber entgegen. Das ist zumindest unglücklich formuliert. Neutral – aber dagegen. Man liest es zweimal, es wird nicht besser.
Doch das ist nicht das eigentliche Problem.
Das eigentliche Problem ist: Jetzt kann man noch nicht einmal mehr einfach nur Mitglied in einem Verein sein, der sich um japanische Gartenkultur kümmert, ohne von Politideologen belästigt zu werden.
Das Wort AfD steht nirgends. Muss es auch gar nicht: Wenn ein Gartenverein plötzlich den Extremismus entdeckt, braucht niemand zu raten, wer gemeint sein könnte. So funktionieren die meisten Gesinnungsparagrafen: Sie nennen keinen Namen und lassen die Tür einen Spalt offen. Über Aufnahme und Ausschluss „aus wichtigen Gründen“ entscheidet ohnehin der Vorstand. Den wichtigen Grund liefert der neue Absatz.
Kleingeister im Kleingarten
Neben der weltanschaulichen Übergriffigkeit zeichnet sich die neue Satzung noch durch ein paar – sagen wir mal: logische Lücken aus. Wie will der Vorstand die richtige Gesinnung seiner Mitglieder denn prüfen? Kein Wort dazu. Ist ein Fragebogen am Gartentor geplant? Soll es Demokratieprüfungen im Teehaus geben? Wird ausdrücklich nach einem etwaigen Parteibuch gefragt?
Muss man künftig den Eid auf Links-Grün-CDU schwören, um Mitglied zu sein? Und um Beitrag und Spenden zahlen zu dürfen? Die Japaner haben für so etwas vermutlich ein feines Wort.
Wir haben auch eines: Blockwart.
Pikant ist das Beiwerk. Kurz nach dem neuen § 2 Abs. 5 will der Vorstand noch einen anderen Passus einfügen: Für den Vorstand soll nur kandidieren dürfen, wer sich eine Woche vor der Wahl meldet. Schriftlich. Wahlvorschläge aus dem Saal auf einer Wahlversammlung selbst sollen ausdrücklich nicht mehr berücksichtigt werden. Die Bonsai-Demokraten aus Kaiserslautern bekennen sich also wortreich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung – und schaffen ein paar Absätze später für den Vorstand die Spontankandidatur ab.
Man bekennt sich zur Demokratie, sofern sie vorher angemeldet ist. Österreicher sagen an dieser Stelle: Na, bravo.
Der Weg zur Hölle…
… ist bekanntlich mit guten Absichten gepflastert. Der Vorstand des Gartenvereins hält sich zweifellos für die Speerspitze der Anständigkeit.
Leider begreift er nicht, dass er dasselbe Geschäft besorgt wie jene, die im Dritten Reich alles politisiert haben: den Turnverein, den Gesangverein, den Kaninchenzüchterverein. Damals wurde jede Vereinsmeierei zur Weltanschauungsfrage, und wer nicht passte, wurde hinausgesäubert. Nichts blieb privat, nichts unpolitisch, jede Geselligkeit brauchte ein Bekenntnis. Die Vorzeichen haben sich gedreht, der Reflex ist immer noch derselbe.
Zum Glück ist es kein Verein für Gartengeschichte, denn wie man aus der Geschichte lernt, das wissen sie in Kaiserslautern nun wirklich nicht.
Dazu ist die feinste Pointe der ganzen Sache den Herrschaften natürlich ebenfalls entgangen: Der Verein heißt „Japanischer Garten“. Japanisch. Merkste selber, oder? Wer da eintritt, der weiß, dass es um etwas Fremdes geht: um eine andere Kultur, um eine andere Ästhetik, um ein anderes Land. Wer dorthin geht, kommt aus Neugier auf die Fremde. Fremdenfeinde wird man dort ungefähr so sicher finden wie Veganer an der Currywurstbude.
Das Problem, das der Vorstand zu lösen vorgibt, existiert nicht. Also wird es erfunden, und man kann sich heldenhaft fühlen.
Kein Garten Eden
Diese Republik verliert den Verstand, jedenfalls jener Teil, der sich als tragende Säule von „Unsere Demokratie“ versteht.
Demokratie bedeutet, dass man sich aushält. „Unsere Demokratie“ bedeutet, dass man sich aussortiert. Pluralismus gilt, solange alle gleich denken. Weil der Staat sich als Erzieher versteht, erziehen die Staatsgläubigen mit – bis ins Moosbeet.
Mal ehrlich: Niemand braucht solche Vereine. Ein Garten ist das Gegenteil von Politik: eine Zuflucht, in der der Mensch klein wird und die Natur groß. Der Vereinszweck eines Gartenvereins ist Garten, Kultur, Pflanzenzucht.
Nur in der Pfalz offenbar nicht.


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