Narrenmatt – Brandmauer über alles!

Ein Vergleich mit der unfreiwillig komischen Schachvariante drängt sich angesichts des täppischen Verhaltens der CDU im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern geradezu auf. Das Gleiche gilt für den BMW-Rückzug des Leasingangebots. So spielt man der AfD in die Hände – Zug um Zug.

picture alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen
Wahlkampf der CDU in Kühlungsborn, Mecklenburg-Vorpommern, 31.08.2026

Das schnellstmögliche Matt im Schach wird als „Narrenmatt“ bezeichnet. Weiß wird bereits mit dem zweiten Zug von Schwarz mattgesetzt: 1. f3 e5 2. g4 Dh4#. Auf den ohnehin miserablen Eröffnungszug folgt ein noch schlechterer zweiter (und letzter) Zug. Man muss sich schon sehr närrisch anstellen, um in diese Falle zu tappen. Ein Vergleich mit dieser unfreiwillig komischen Schachvariante drängt sich angesichts des täppischen Verhaltens der CDU im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern geradezu auf.

In beiden Bundesländern schloss die Partei vor den Wahlen jegliche Zusammenarbeit mit der AfD aus. Das Resultat ist bekannt. In Mecklenburg-Vorpommern kam es sogar zu einem Matt in einem Zug. Die CDU ist im Landtag nicht mit einem einzigen Sitz vertreten. Es interessiert niemanden mehr, was sie in diesem Bundesland veranstaltet. Es gibt keinen zweiten Zug, zumindest nicht in dieser Partie. Ob es für die CDU nach den nächsten Landtagswahlen weitergehen wird, ist jedoch keinesfalls gewiss.

Politische Elite auf Kindergarten-Niveau:
Sachsen-Anhalt hält der Bundesrepublik den Spiegel vor
Auch in Sachsen-Anhalt führte das Festhalten an der Brandmauer zu dem erwartbaren katastrophalen Ergebnis. Aufgrund der herben Verluste hat die Partei ihre dominierende Rolle im Landtag eingebüßt. Zwar kann sie weiterspielen, gilt aber schon als Verlierer. Und die Fehler reihen sich bereits aneinander. Nun wird über die „Verräter“ spekuliert, die angeblich Tobias Rausch von der AfD zum Landtagspräsidenten gewählt haben – und die Partei liefert durch ihr widersprüchliches Auftreten selbst die Vorlage. Wenn die Bild-Zeitung schon über ein angebliches Gespräch auf dem stillen Örtchen spekuliert, ist auch der letzte Rest von Respekt verspielt.

Aber auch die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft wollen am Narrentisch nicht zurückstehen, allen voran BMW, das nun sein Leasingangebot für den Dienstwagen des neugewählten Landtagspräsidenten zurückgezogen hat. BMW-Chef Milan Nedeljković gab in der FAZ zu Protokoll, dass Rechtspopulismus und Nationalismus „Gift für einen weltoffenen Wirtschaftsstandort, der vom Welthandel lebt“, seien. Mag ja sein, und es ist sein gutes Recht, solche Neigungen bei der AfD zu unterstellen. Wenn er aber die Partei bekämpfen will, warum verhält er sich dann wie ein Narr? Denn nach diesem desaströsen Eröffnungszug (dem Zurückziehen des Leasingangebots) findet selbst ein Spieler mittlerer Spielstärke eine spielentscheidende Antwort.

Na denn man tau
BMW verprellt seine Kunden für die Brandmauer
Die von Alice Weidel ins Auge gefasste Variante – Abschluss eines Leasings mit Tesla – ist nicht schlecht, aber keinesfalls die beste Fortsetzung der Partie. Die verheerendste Variante für BMW wäre wohl, wenn der neue Landtagspräsident zunächst ganz auf einen Dienstwagen verzichten und stattdessen einen gebrauchten Privatwagen – vielleicht ein Modell von Honda oder etwas ganz Altes von Daihatsu – nutzen würde. Dies böte der AfD auch die Möglichkeit, sich vom Ausgabenverhalten der aktuellen Regierung und der sie stützenden Abgeordneten abzuheben (vergleiche: TE-Exklusiv: Nach schönen Haaren gönnen sich Bundesminister jetzt noch teure Schreibtische).

Wie die Beschäftigten der Autoindustrie, die um ihre Arbeitsplätze in Deutschland fürchten, reagieren würden, ist vorhersehbar. Sofern es innerhalb der Belegschaft noch Arbeiter gibt, die nicht ohnehin schon AfD wählen, würden diese dann auch noch zu dieser Partei umschwenken. Außerdem: Interessiert es bei BMW niemanden, dass mit dieser Entscheidung potentiell 30 Prozent der Wähler in der Bundesrepublik als Kunden verprellt werden?

Es ist wohl langsam Zeit einzusehen, dass die Brandmauerstrategie für die CDU und „unsere Demokratie“ längst gescheitert ist, auch wenn die CDU sie noch immer verbissen verteidigt. Man wird ein wenig an die Cartoons von Karl dem Kojoten und dem Road Runner erinnert. Der Kojote ist besessen davon, den Road Runner zu fangen und zu fressen. Den Road Runner beeindruckt das jedoch in keiner Weise. Er rennt einfach weiter, streckt ihm gelegentlich die Zunge heraus und ruft „Meep meep!“ (und wartet auf die nächste Entlassungswelle bei BMW …). So wird die AfD einfach weiterlaufen, solange ihre Gegner infolge einer gescheiterten Strategie Narrenzüge machen.


Anzeige

Unterstützung
oder €

Kommentare ( 10 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

10 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Spyderco
44 Minuten her

,,Ein Vergleich mit der unfreiwillig komischen Schachvariante drängt sich angesichts des täppischen Verhaltens der CDU… geradezu auf.“

Vergleiche hinken immer,dieser ist komplett lahm.

Merz ist noch im Amt und die schwarz-rot-grüne Einheitspartei bei 70%.

Ein,,Matt“ beendet die Partie!
Davon ist man noch weit entfernt!

Last edited 40 Minuten her by Spyderco
Deutsche Demokratische Bundesrepublik
54 Minuten her

Man kann es auch, wie in der Natur, als natürliche Auslese betrachten: die schwachen, inkompetenten, orientierungslosen und lernresistenten Parteien bleiben halt auf der Strecke…

Jens Frisch
1 Stunde her

Das Problem an den „Narrenzügen“ Der CDU ist nicht, daß die Partei Adenauers dabei unter die Räder kommt, sondern daß Deutschland dadurch systematisch zerstört wird – wirtschaftlich, kulturell und demographisch!

Juergen Waldmann
1 Stunde her

Dümmer geht nimmer , da will wohl BMW dem Maggus Söder einen gefallen tun , AfD Wähler vom Luxusfahrzeug BMW vergraulen . Es gibt ja auch noch Tesla und China Importe , auch bei VW werden Luxusautos gebaut , da hat der AfD wähler noch eine große Auswahl . Man muss nur nach Detreut in den USA zu schauen , da sieht man eine einst blühende Stadt ohne Autoproduktion .

Ratax
1 Stunde her

Die eigentliche Furcht der CDU ist vermutlich, dass die AfD als Konkurrent bei den konservativen Wählern die CDU abfischt. Furcht war aber noch nie ein guter Ratgeber. Meines Erachtens ist diese Sorge nur teils berechtigt. Tatsächlich könnte die CDU der AfD einen großen Teil des Wählerstammes wieder abjagen, welcher wegen des allgemeinen Linksrutsches zur AfD gewechselt hat, aber eigentlich Vorbehalte gegenüber der AfD hatte und hat. Solange die CDU aus diesem Loch nicht rausfindet, wird sie von Links und Rechts langsam aber sicher aufgefressen, denn sie lässt keine klaren Linie mehr erkennen. Die Brandmauer hilft der CDU inzwischen kein Stück… Mehr

Last edited 1 Stunde her by Ratax
Ohanse
51 Minuten her
Antworten an  Ratax

Was weg ist, ist weg. Wer glaubt der CDU denn noch irgendetwas? Und die Absicht, sich ändern zu wollen, schon gar nicht. Taten sind gefragt. Da könnte die CDU punkten mit Neubau von Atomkraftwerken, Abschaffung des Gebäudeenergiegesetzes, Ende der Unterstützung linker NGOs. Aber nichts davon wird die CDU anpacken. Wo ist sie denn, Ihre CDU? Die findet nur noch in der Tagesschau statt, für Leichtgläubige und Doofe.

Werner Meier
1 Stunde her

Nedeljković strebt mit seinem Rückzug für BMW offenbar das Ersticktes Matt – Wikipedia an.

Delegro
1 Stunde her

Dann gibt es auch für mich Anfang nächsten Jahres kein neues BMW Motorrad mehr. Ich gehe zu einem anderen Hersteller. Die haben doch nicht alle Tassen im Schrank!

tiptoppinguin
1 Stunde her

Frei nach Darwin: Wer sich veränderten Bedingungen nicht anpassen kann (oder will), der stirbt aus.

Albert Pflueger
1 Stunde her

Der beste Zug wäre es, weiter den eigenen Privatwagen zu nutzen und sich die Kosten erstatten zu lassen. Das wäre volksnah, und wenn man sich nicht mit einem dicken Auto aufwerten muß, zeigt das ein geerdetes Selbstbewußtsein und maximale Unabhängigkeit. Spezialtarife für Politiker haben ohnehin den Beigeschmack von Korruptheit. Warum diese Geschmacksrichtung nicht ausschließen?