Lange konnte sich BMW der Krise entgegenstemmen, doch jetzt müssen auch die Münchner massive Personaleinschnitte vornehmen. Die Automobilbranche befindet sich im freien Fall – im Hintergrund planen Berlin und Paris eine konzertierte Aktion zur Stabilisierung der schwer angeschlagenen europäischen Industrie.
picture alliance/dpa | Oliver Berg
Werden deutsche Planlosigkeit und französischer Protektionismus die deutschen Autobauer retten? Unwahrscheinlich, verfolgen doch Paris und Berlin ähnliche ideologische Ziele. Alles läuft auf den Ausbau einer grünen Staatswirtschaft hinaus, da herrscht Einigkeit. Die Befindlichkeiten der Privatwirtschaft sind Nebensache.
Angesichts der dramatischen Lage würde man bei den Autobauern wohl jeden noch so hoffnungslosen Fluchtweg antreten, um dem Abwärtsstrudel doch noch zu entkommen. Dieser hat nun auch den bislang erstaunlich robusten BMW-Konzern erfasst: Erst vergangene Woche kündigte Volkswagen den Abbau von 120.000 Stellen an, Porsche muss 5.000 Jobs streichen, und Mercedes hat sich bereits von 5.500 Mitarbeitern getrennt.
Im Oktober startet die Initiative, sie endet 2027 und richtet sich gezielt an Beschäftigte außerhalb der Produktion. Zwischen 30.000 und 40.000 Verwaltungsbeschäftigte bei BMW sollen ein entsprechendes Angebot zum Ausstieg aus der Firma erhalten – im Gegenzug weitet BMW für die Zukunft seine Beschäftigungssicherung aus: Betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland sollen selbst dann ausgeschlossen werden, wenn der Konzern in die Verlustzone rutscht.
Ob sich diese Politik, kommt es einmal zum Schwur, aufrechterhalten lässt, bleibt abzuwarten. In jedem Falle sollen ganze Managementebenen zusammengestrichen und Bereiche zusammengelegt werden – nicht zuletzt, weil man bei BMW zu der Überzeugung gekommen ist, mit künstlicher Intelligenz die betriebliche Effizienz zu erhöhen.
Effizienzprogramme in der deutschen Automobilindustrie sind unumgänglich. Die überhöhten Energiekosten drücken auf die Ergebnisse der Betriebe, im Zusammenspiel mit Brüssels Regulierung und dem politischen Kampf gegen den noch immer dominierenden Verbrennungsmotor. Es ist unmöglich, vom Heimatstandort aus mit der globalen Konkurrenz Schritt zu halten. Laut der Beratungsgesellschaft EY verloren deutsche Automobilhersteller und deren Zulieferer binnen eines einzigen Jahres fünfzigtausend Stellen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Der Automobilverband VDA rechnet bis zum Jahr 2035 nun mit 225.000 Stellenstreichungen in der Branche – das sind noch einmal 35.000 mehr als bei der letzten Schätzung vor wenigen Monaten.
Der Euro-Korporatismus ist weit emporgewuchert. Die Milliarden fließen vom Steuerzahler nach Brüssel und strömen umetikettiert als Klimabonus, Kreditgarantien und Fördermittelzuweisungen für fragwürdige Start-ups zurück in die Kanäle der grünen Transformationsmaschine. Es handelt sich um den vielleicht krassesten Fall politisch betriebener Kapitalvernichtung. Der Abstieg der europäischen Industrie erfolgt zwingend. Es ist keine Ökonomie denkbar, die sich über längere Zeit gegen das subversive Dauerfeuer der europäischen Ideologen zur Wehr setzen könnte.
Verwundert und ungläubig stehen sie in Berlin und Paris vor den Trümmern ihres Werks. Da in politischen Kreisen der Unfehlbarkeitsimperativ gilt, werden letzte Kräfte aktiviert, um die herrschende Politik fortzusetzen. Beim deutsch-französischen Ministerrat Mitte Juli in Deutschland bekräftigten Emmanuel Macron und Friedrich Merz ihre gemeinsame industriepolitische Agenda. Anschließend beauftragten die Regierungen ihre Unterhändler damit, einen umfassenderen Kompromiss auszuarbeiten: Frankreich will die europäische Industrie stärker gegen ausländische Konkurrenz abschirmen, Deutschland sucht vor allem nach einem Ausweg aus der Krise seiner Automobilindustrie.
Es fließt zu viel Geld ab: Für chinesische E-Auto-Produzenten oder Solarmodulhersteller ist die Brüsseler Subventionsmaschine ein nettes Zubrot. Unzählige Betriebe leben regelrecht von der Naivität der europäischen Politik. Es zahlt sich aus, den Fördermittel-Regenschirm aufzuspannen, wenn EU-Bürokraten und politische Narren Steuergeld mit dem Füllhorn um sich schleudern.
Berlin lehnte diese Praxis bislang ab. Doch angesichts der Lage im Automobilsektor und des Entgegenkommens der Franzosen in diesem Bereich scheint die Bundesregierung nun offen zu sein für eine „Made in Europe“-Strategie.
Die Kehrseite des Deals lautet nämlich so: Frankreich signalisiert Bereitschaft, das Verbrenner-Aus im Jahr 2035 flexibler zu handhaben. Es wird darauf hinauslaufen, dass CO₂-Gesamtverbrauchsquoten flexibler ausgehandelt werden, Investitionen in Hybridantriebe in der CO₂-Bilanz anders gewichtet werden. Kurz gesagt: ein Weiter-so im selben, lediglich an einer Stelle aufgeknöpften Gewand.
Wege heraus aus der Krise bedeuten das Ende der gegenwärtigen Politik. Technologieoffenheit für die Wirtschaft, Wettbewerb auf einem freien, deregulierten Binnenmarkt – die Politik leistet nichts zur Lösung der Krise. Ganz im Gegenteil. Der Kuhhandel zwischen Paris und Berlin würde nach außen protektionistisch wirken, den Betrieben durch effizientere Fördermittelzuweisungen aber kurzfristig Luft verschaffen. So wird Druck von der Politik genommen, sich vom fatalen ideologischen Design des Green Deal zu lösen.
Ohne den strukturellen Bruch mit der ideologischen Gegenwart wird es keinen Aufschwung mehr geben. Die Therapie, die Emmanuel Macron und Friedrich Merz der europäischen Automobilindustrie verordnen wollen, wird sich letztlich als Injektion desselben Giftes herausstellen, das die gesamte EU-Wirtschaft zu einem wirtschaftlichen Krüppel gemacht hat.





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Die Historie verbittet sich Wiederholungen, jedoch neigt sie zum reimen.
Der Ostblock, speziell die DDR, grüßt grinsend aus dem politischen Hades.
Aus guten Gründen heißt es, Angela Merkel sei die Rache Erich Honeckers.
Zur allgemeine Info: https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/globalisierung/52845/deutschland-handelspartner/ – mal lesen und begreifen.
So muss das damals in der Sowjetunion gewesen sein, als durch die zentrale Planwirtschaft die Wirtschaft irreparabel geschädigt und dieser der EU immer ähnlichere Staatenbund an die Wand gefahren wurde. Sic transit gloria mundi.
Mir scheint die Verstaatlichung naheliegend , also die faktische Verbeamtung der Beschäftigten. Schliesslich geht es um “ Ruhigstellung“ zur Sicherung der Wahl des Establishments. Da kommt man am Beamtenwesen kaum vorbei. Zumal die Messe ohnehin schon lange gelesen ist.
Kippt das Verbrennerverbot und lasst die Unternehmen wieder Autos bauen, die auch nachgefragt werden. Alles andere ist verbranntes Geld. Scheißt endlich auf dieses Klimagedöns, die Bonzen haben genug daran verdient (mehr Sinn hatte das ohnehin nicht).
Zirka drei Viertel der Wähler widersprechen Ihnen; zumindest in der Wahlkabine.
Oha, der Herr Kolbe entdeckt den Binnenmarkt. Da haben wir uns zumindest gedanklich wohl fürs erste vom merkantilistischen Wahn verabschiedet.
Wenn Deutschland sich im deutschen Interesse in allen wesentlichen Feldern der dysfunktionalen EU verweigern würde, dann wäre der Spuk schnell vorbei. Uschi ohne Reich den Stecker ziehen.
Zitat: „Die Automobilbranche befindet sich im freien Fall“
> Na, dann können sich ja auch wieder die BMW-Oberen auf der nächsten politischen Wirtschaftsveranstaltung während und nach dem verdummenden Politgeschwätze ihre Hände blutig klatschen und unserer „Reg.-Elite“ anbiedernd und schleimtriefend auf die Schulter klopfen.
Das wird dann bestimmt die politische und wirtschaftliche Lage im Land endlich wieder verbessern und die 8000 vor ihrer Entlassung stehenden BMW-Mitarbeiter Freudessprünge machen lassen….. (Iro/Zynism off)
Wenn der so freien Wertegemeinschaft nur Protektionismus einfällt , dann ist sie am Ende !
Wenn der stetig wachsende äußere Druck auf Europa zu intensiverer Zusammenarbeit führt, umso besser. Nicht nur mit Frankreich.
Den Franzosen sollten wir nicht über den Weg trauen. Wir finanzieren deren Sozialstaat sowie deren frühes Renteneintrittsalter samt hohen Renten. Darüber hinaus finanzieren wir die Inflation, die Frankreich noch atmen lässt. Wäre der Euro stärker, wären die Franzosen dort, wo wir in 10 Jahren sind. Im Orkus.
Zwei Ertrinkende klammern sich aneinander.
Merz und Macron, das kann ja nur in die Hose gehen.
Ja. Die kommen aus demselben Stall und werden penibel darauf achten, dass ihre Protegés immer schön profitieren.