Wirtschaftsberater des Kanzlers: Linke für Investoren abschreckender als AfD

Der Kanzlerberater sagt, was die Redakteure nicht wollten. Trotz des Versuchs, ihm die gewünschte Antwort zu entlocken, bleibt er bei seinen Aussagen. Ausländische Investoren kümmert weniger die erstarkende AfD als die Beschränung der Eigentumsrechte durch die Linke: Reichinnek gefährlicher für die Wirtschaft als Weidel.

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Martin Blessing und Friedrich Merz, Berlin, 22.09.2025

Martin Blessing, der als Betriebswirt bei der Unternehmensberatung McKinsey seine Karriere begonnen hatte, war langjähriger Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, von dort ging er zur Schweizer Großbank UBS. Von Friedrich Merz persönlich berufen berät er nun den Kanzler als Beauftragter für Investitionen und soll dafür sorgen, dass Anzahl und Volumen ausländischer Investitionen in Deutschland steigen. Ziemlich zum Ende des Interviews mit dem Handelsblatt formulierte der Ex-Banker eine Wahrheit, die sie im Handelsblatt eigentlich nicht hören wollten.

Um wieder und wie immer vor der AfD als leibhaftigen Satan für die engelsgleiche deutsche Wirtschaft zu warnen, fragte das Handelsblatt, das bereits journalistisch auf Autopilot gestellt hatte, denn zur AfD kann man in unserer Demokratie nur eine Meinung haben: „Wie blicken Investoren auf das Erstarken der AfD und die Möglichkeit, dass die Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September die absolute Mehrheit erringt und erstmals einen Ministerpräsidenten stellt?“ Doch statt der Warnung vor der AfD, vor der Abschreckung der Investoren antwortete Blessing vornehm, aber deutlich: „Bislang spielt das Thema in meinen Gesprächen kaum eine Rolle. Deutlich sensibler als auf die hohen Umfragewerte der AfD reagieren sie auf Debatten über Eingriffe in Eigentumsrechte, etwa Enteignungsforderungen im Wohnungsmarkt. Deshalb schauen viele Investoren mehr auf die Wahl in Berlin als auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt.“

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Nun waren die Handelsblatt-Redakteure mit einem Mal hellwach, so konnte, so durfte das Interview nicht enden, mit einer klaren Aussage, wirtschaftlich gefährlich – zumindest mit Blick auf ausländische Investoren – ist nicht die AfD, sondern die Linkspartei, mit der Daniel Günther, der mutmaßlich gerade 200 oder 300 Millionen Euro Steuergelder in den Sand gesetzt hatte, die Zusammenarbeit empfiehlt, von der sich Sven Schulze in Sachsen-Anhalt zum Ministerpräsidenten wählen lassen und mit der er regieren würde, wenn es die Zahlen hergeben. Mit dieser nüchternen Feststellung zog Blessing der Gräuelpropaganda von Söder bis Schulze den Boden unter den Füßen weg. Das konnte so nicht stehen bleiben, deshalb setzten die nun hellwachen Handelsblatt-Redakteure mit einer Frage wie mit einem Wink mit dem Zaunpfahl nach, raunend und suggestiv: „Unterschätzen Investoren die Risiken für die deutsche Wirtschaft durch die AfD?“ Fehlte eigentlich nur ein stirnrunzelndes „etwa?!“.

Blessing intellektuell gelangweilt: „Das weiß ich nicht. Viele Investoren beschäftigten sich nicht im Detail mit der AfD und auch nicht mit den Unterschieden zu anderen rechtsnationalen europäischen Partien wie dem Rassemblement National in Frankreich oder der FPÖ in Österreich. In Österreich sitzt die FPÖ in mehreren Landesregierungen, und die wirtschaftliche Lage hat sich dadurch nicht eingetrübt. Ich kann nur wiederholen, was ich zu Beginn schon gesagt habe: Internationale Investoren sehen Deutschland nach wie vor als stabiles Land und sind bereit, hier zu investieren. Und aus dieser Chance gilt es möglichst viel zu machen.“

Fassen wir zusammen: Reichinnek ist für Deutschlands Wirtschaft gefährlich, Weidel nicht. Das überrascht nicht, es überrascht nur, dass das einmal ausgesprochen wird, denn Reichinnek will Kollektivismus, Diktatur und sozialistische Planwirtschaft, obwohl sie nicht so richtig wissen dürfte, was das alles ist, sie ist halt eine TikTok-Kommunistin, Weidel hingegen steht für freie Marktwirtschaft.

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Außer der nüchternen Einschätzung von Linken und AfD benennt Blessing Deutschlands wirtschaftliche Probleme durchaus richtig, nur in der falschen Reihenfolge: „Investoren sehen vor allem vier Punkte in Deutschland kritisch. Erstens die geringe Flexibilität am Arbeitsmarkt sowie die hohen Lohnnebenkosten. Zweitens die langwierigen Genehmigungsverfahren. Drittens die Bürokratie und die Regulierung auf deutscher und europäischer Ebene. Und schließlich viertens die hohen Energiekosten.“ Das Hauptproblem sind die hohen Energiekosten in Verbindung mit der steigenden Energieunsicherheit. Dann kommt eine ganze Weile nichts – und dann erst die anderen drei Problemfelder. Aber die Veränderung der Energiepolitik würde einen Paradigmenwechsel deutscher Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik seit Merkel bedeuten – und dazu ist Merz nicht bereit, obwohl es existentiell geboten ist.

Bleibt zum Schluss noch ein trauriger Blick darauf, wie ideologisch inzwischen einige Leute in der deutschen Wirtschaft sozialisiert sind. Nikolas Stihl formulierte gegenüber der Süddeutschen Zeitung sprachlich durchaus bemitleidenswert: „Wenn die AfD an die Regierung käme, würde Deutschland sehr viel schneller an die Wand fahren, als wir es heute tun.“ Heißt im Klartext: wir, die Stihls, die Habecks, die Özdemirs, die Merzens fahren Deutschland an die Wand und nur wir besitzen das Recht dazu, weil wir die Macht dazu haben, Deutschland an die Wand zu fahren. Unser Geschäft lassen wir uns von niemandem nehmen. Die Abrissbirne sind schließlich wir.

Man könnte bitter spotten, wer eine solche Wirtschaft hat, braucht keinen Sozialismus mehr, er hat ihn schon – und zwar in grün.

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